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sie wird in fester Haltung den Weg verfolgen, den einzuhalten sie gelobt hat, und von dem sie bls M nach keiner Seite abgcwichcn ist, und sie wird es lie- ber voniehen ehrenvoll unterzugehkn, als ein um den Preiß der Ueberzeugung erkauftes Dasein, in Schimpf und Schande hinzuschleppen. -

Wir wissen aber auch recht gut, daß die nassauische Linke Mitglieder in ihrer Mitte zählt, welche lieber Verfolgungen jeglicher Art und alle erdenkbaren Lei­den und Entbehrungen, mit der größten Seelenruhe ertragen, als nur ein Haarbreit von ihrer heiligen Ueberzeugung weichen werden. Das nassauische Volk kennt diese überzeugungstreuen Männer: es kennt aber auch dielauwarmen Demokraten."

Darmstadt, 24. Juli. (Mz. Z.) Es geht hier das Gerücht, und man schenkt demselben Glauben, daß die Landstände im Monat Oktober, vielleicht schon ge- acn Ende September einberufen werden sollen. Zwar hat unsere gute Darmstädter Zeitung die Versicherung gegeben, daß die Publizirung des von den beiden auf­gelösten Kammern beschlossenen Wahlgesetzes demnächst bevorstehe, sobald die definitive Redaktion des Ge­setzes festgestellt sei. Man braucht kein^ großer Staats­mann zu sein, um die endliche Wortfassuug eines wie­derholt durch beide Kammern begutachteten, berathenen und beschlossenen Gcsctzesvorschlags endlich zu Stande zu bringen, wobei es sich am Ende nur um wenige Interpunktionen handeln kann, und doch mag man sich nicht zu der oft gehörten Meinung besonnen, als beabsichtige man eine Neuwahl nach bem alten, durch bie Kammern und das Ministerium selbst verurteilten Wahlgesetze. So viel ist gewiß: ein eigner Unstern waltet in dieser Sache; will man vielleicht erst die vollendete Thatsache des förmlichen Beitritts zu der oktroyirten Dreikönigsverfassung abwarten, und wird Herr Jaup die Stirne haben, mit dieser vor den näch­sten Kammern zu erscheinen ?

Speyer, 22. Juli. (Bad. M.) Unterm Heutigen ist das Weitererscheinen derNeuen Speyerer Zeitung", redigirt von G. F. Kolb, verboten worden und der­selbe verhaftet und nach Zweibrücken abgeführt worden.

Mannheim, 23. Juli. Ueber Fr. Hecker wird demDeutschen Volksblatt" geschrieben:Hecker hat auf die Nachricht von dem Ausbruche der Revo­lution in Baden seinen Farm in Amerika sogleich ver­lassen, mehrere ameritauische Offiziere begleiteten ihn, sind aber in Irland ausgestiegen, als sie dort erfuhren, welchen Verlauf die Sache genommen habe. Hecker hat sich nicht verändert, wie mir begeisterte Anhänger von ihm, die ihn in Straßburg besuchten, versichert haben; er ist frisch, gesund, schon, trägt seinen Bart wie sonst, spricht feurig wie sonst. Nur seine Gefichts- farbe ist brauner und seine Hand ist nicht mehr zart und fein wie sonst, sondern hat harte Schwielen, denn der ehemalige Heißsporn her badischen Kammer pflügt und hackt wie jeder andere Landbauer. Hecker spricht gern von seinem Landgut und scheint sich in seinen Verhältnissen sehr zu gefallen; er hat 300 Acres Land, wovon 120 bereits angepflanzt sind; er baut sein Feld, jagt, studirt, steht mit hochgebildeten und vornehmen Amerikanern in Verbindung. Seinen Freunden schil­dert Hecker die Verhältniße in Amerika so schön, daß ein großer Theil in ter nächsten Zeit auswandern wird in das Land der Zukunft, wie es diese feurigen Männer nennen. Wäre die Geldnoth in diesem Augen­blick nicht so groß, ein Zehntel der Badener wurde auswandern; ich sage nicht zu viel damit. Arbeiten muß man, sagt aber Hecker allen, die bei ihm an fra­gen, baun aber kann man zu Etwas kommen."

Karlsruhe, 23. Juli. Ueber das Niederbrennen des Rastatter Bahnhofs schreibt dieD. Ztg.": Was den gestern abgebrannten Bahnhof bei Rastatt betrifft, so ist derselbe nicht von der Festung aus, foudern von den Preußen in Brand gesteckt worden.

Vom Neckar, 24. Juli. Herr Bassermann ist wieder in Mannheim eingezogen; ob alsMöve",

mcnb einfach; sein Ton freundlich und Zutrauen erwe­ckend; sein immer gleicher Humor wirkt belebend und aufmunternd auf seine Umgebung. Das Ganze seiner Persönlichkeit imponirt, sowie seine Phisiognvmie den Stempel einer unbeugsamen Charakterfestigkeit großer Gcmühtsruhe und rascher Auffassung trägt. Wer ihn einmal gesehen, wird ihn nicht leicht vergessen.

Ein Verslein aus alter Zeit lautet:

Ja, Heutzutag heißt das nur Geist, ^as hinten ansschlägt uub vorne beißt; Sonst nannte man das eine Vichnatur, Jetzt findet man Genie da nur, Wo Bosheit, mit Krallen, Tatzen und Gebiß, Jedwedem die Ehre aus dem Leibe riß.

(Aus demAneedotenjäger.)"

die neuen Sturm vorbereitet, oder alsUnglücksrabe", der altes Elend bekrächzt, wollen wir hier nicht unter­suchen , jedenfalls aber so wie so mit angeschossenen lahmen Flügeln.

Karlsruhe, 25. Juli. Ueber den Hergang bei der Uebergabe von Rastatt erzählt man sich Verschie­denes. Nach einer Mittheilung hatten die Aufständi- ! schen vom General von der Gröben noch kurz vor erfolgter Kapitulation um das Versprechen nachgesncht, daß für den Fall eintretender Todesurtheile diese Strafe : in die Deportation verwandelt werden möge, was ! aber verweigert wurde unter Hinweisung auf die höhere > Euticheiduug, welcher man nicht vergreifen könne. Hierauf erklärten sich die Insurgenten zur unbedingten I Unterwerfung bereit Dies geschah um 2 Uhr Nach- | mittags; um 4 Uhr recognoscirten einige preußische ; Patrouillen die Wälle, wo sie von einigen Freischär­lern mit Flintenschüssen empfangen wurden. Um 5 Uhr nickte die Armee gegen die Festung unb nahm ihre Stellung auf bem Glacis, worauf alsbald die Besatzung aus den geöffneten Thoren gegen das Glacis sich bewegte, den Truppen gegenüber sich aufstellte, und nun die Waffen ablegte.

Nachdem dies geschehen, wurde sie abtheilungsweise in die Festung gefangen zurückgeführt, voran das 31. preußische Linieninfanterie- Regiment mit klingendem Spiele. Die Angabe jedoch, daß die Besatzung 12,000 Mann stark sein sollte, scheint weit übertrieben. Die Haltung derselben war, als sie colonncnweise zu etwa 500 Mann in die Kasematten gebracht wurde, noch immer eine sehr trotzige. Ihre Anführer sind in dem­selben Gewahrsam wie die Uebrigeu eingeschlossen, doch heißt es, daß Corvin, Tiedemann und Böning bereits nach K a r l s r u h e abgeführt worden seien. W tl l ich soll in d ie S chw eiz e u tkomin e n fci n. Die Stimmung in Rastatt ist eine düstere, weßhalb man strenge Befehle erlassen hatte, welche den Ein­wohnern das Verlassen der Festung während den drei ersten Tagen verboten und die Ablieferung der Waffen binnen drei Stunden verlangten. Die Stadt hat durch die preußischen Kugeln wider Erwarten nur unbedeu- ' tenb gelitten, und es soll lediglich der Mangel an i Lebensmittel bcr Grund gewesen sein, welcher die Bürgerschaft wie das Militär zur Uebergabe bewogen hat. (F. I.)

Mannheim, 25. Juli. Ueber die Uebergabe der Festung Rastatt berichtet die in Karlsruhe erscheinende Biene" Folgendes:Nachdem am 23. Nachmittags die Insurgenten auf verschiedene Uebergabsanträge, wo­runter auch einer auf Deportation nach Amerika, die einfache Antwort erhalten hatten, daß man eine Er­gebung auf Gnade oder Ungnade erwarte und nur i eine solche annehme, marschirte die ganze Festungsbe- i satzung, 5000 Mann stark, mit ihren Waffen aus der Fe- stung, voran in einem Wagen Willich, Tiedemann u. Cor­vin welchen jedoch bedeutet wurde, daß sie an der Seite ihrer Kampfgenossen zu gehen hätten stellte sich vor den preußischen Heersäulen auf, streckte die Waffen, worauf sie von den Preußen umzingelt wur­den. Während Pioniere in die Festung gegangen wa­ren unb dort die nöthigen Untersuchungen angesteUt hatten, zogen die Preußen, die Klefangenen in ihrer I Mitte, zu allen Thoren der Stadt und Festung ein i und brachten die Letzteren in den Kasematten in siche­ren Gewahrsam." Der Prinz von Preußen wird wahrscheinlich morgen nach Karlsruhe sich begeben, wo unverzüglich das Kriegsgericht seine Sitzungen begin­nen wird.

Aus München vom 19. Juli wird berichtet, das in Schleswig stehende bayerische Truppenkorps habe Befehl erhalten, unverzüglich nach Bayern zurückzu- kehren, sobald der von Preußen einseitig und ohne Mitwirkung der Centralgewalt für Deutschland ge- schlossene Waffenstillstand offiziell in den Herzogthümern verkündet sein.

Auch Sachsen soll feine Truppen aus Schleswig- Holstein zurnckbernfen haben.

Berlin, 23. Juli. Eine gestern statt gefundene Vorversammlung der Wahlmänner des ersten: größern Wahlbezirkes hat das Resultat gehabt, daß der Justiz­rath Geppert unb der Geheimerath Stiehl als die Kandidaten zu betrachten sind, die aus der Wahl die­ses Bezirks in die zweite Kammer gelangen dürften. Auf sie hatte sich die größte Zahl der Wähler ver­einigt. In den übrigen Bezirken hat eine definitive Einigung über die zu wählenden Abgeordneten noch nicht statt gefunden; indessen scheinen Minister v o n Manteuffel, Prof. Keller, Staatsrath Jacob­son, Fabrikbesitzer Dannenberg er, Landgerichts­rath Ulfert und Dr. Veit die meisten Aussichten zu haben. Viele Stimmen unter den Wahlmännern er­heben sich auch für den Eisengießereibesitzer Borsig. Durch seine Wahl glaubt man, in dem Arbeiterstande Vertrauen für die künftige Volksvertretung zu erwecken, da Herr Borsig bei aller Verschiedenheit seines politi­schen Standpunktes von dem seiner Arbeiter von die­sen doch als ein humaner und gerechter Arbeitgeber geachtet wird.

Eine Verhandlung, die heute vor dem Schwurge­richt stattfand, hatte eine Freisprechung zur Folge, unseres Wissens die erste, die von den Berliner Ge­schworenen ausgeht. Ein Steuerbeamter in Trebbin hatte im Sommer vorigen Jahres, als die Zurückbe- fung des Prinzen von Preußen der hauptsächlichste Gegenstand der Unterhaltung war, den Prinzen einen

Bluthund genannt. Die heute vernommenen Zeugen bestätigen diese Aeußerung. Das Alter des Angeklag­ten (er zählt mehr als sechzig Jahre), seine mit Orden und Kricgsdenkmünzcn reich geschmückte Brust, die zahl­reiche Familie, deren Versorger er ist, unterstützten indeß die Vertheidigung, welche Herr Stieber führte, so kräf­tig, daß die Geschworenen dasNichtschuldig" aus- sprachen. Die naive Zwischenfrage, welche einer der Geschworenen an den Angeklagten richtete: ob er zur Zeit der infrimirten Aeußerung konservativ gesinnt ge­wesen fei? provocirte die nicht bloß für diesen Fall bedeutungsvolle Entgegnung des Vertheidigers:Meine Herren, in jener Zeit gab es noch keine Konservative. Damals erging sich noch bcr Berliner Magistrat in den heftigsten Debatten darüber, ob es nicht ^taats- verrath sei, die Rückkehr des Prinzen von Preußen zu verlangen, und mancher unter Ihnen, meine Herren Geschworenen, hat sich an jenen Debatten wohl im Tone des Angeklagten betheiligt." Diese schlagende Erwiderung in Gegenwart einer ansehnlichen Znhörer- menge verfehlte ihre Wirkung nicht.

Berlin, 23. Juli. Eine Nachricht, deren Bedeu­tung, wenn sich die Sache selbst bestätigt, noch gar nicht zu übersehen ist, gebe ich Ihnen, wie sie mir zu­kommt Der König von Dänemark wäre nicht abge­neigt, als Herzog von Holstein in den enge­ren Bundesstaat zu treten. Ans Schleswigs Bestimmung könnte das Ereigniß keinen unmittelbaren Einfluß üben, weil ja Schleswig nicht unser werden sollte. (K. Z.)

Stettin, 21. Juli. Der General Lamoriciere kam heute hier an und schiffte sich auf demWladimir" nach St. Petersburg ein. (Osts.Z.)

Hannover, 23. Juli. Der offiziellenHannover­schen Zeitung" schreibt man ans Braunschweig, 22. Juli: Mit völliger Bestimmtheit kann ich Ihnen mel­den, daß hier eine Deputation aus Schleswig-Holstein erschienen ist, welche dein Herzoge von Braunschweig die Anzeige von der auf ihn gefallenen Wahl zum Statthalter von Schleswig-Holstein überbracht hat. Dieselbe ist heute mit dem Minister V. Schleinitz so­gleich nach Blankenburg, der jetzigen Residenz des Her­zogs, weiter gereist. An eine Annahme der Wahl wird nicht 51t denken sein.

Von der Niederelbe, 22 Juli. Schleswig-Hol­stein rüstet lebhaft. Schon morgen werden aus allen Theilen des Landes die 2630jährigen uitverheirathe- ten und die 20jährigen Dienstpflichtigen, so wie zahl­reiche Freiwillige nach Rendsburg sich begeben. (Aus Altona allein gehen morgen 450 Waffenfähige dahin ab.)

Vom ungarisch - öfter reichischen Kriegs­schauplatz.

Berlin, 23. Juli. Uns sind, schreibt dieKonst. Ztg.", folgende ungarische Bültetins zugekommen:

A rmee- l letin. Bistritz, 26. Juni. Heute haben wir Bistritz ohne Schwertstreich genommen, der Feind hat sich zurückgezogen, welchen ich morgen wei­ter verfolge und hoffe ihn über die Gränze Sieben­bürgens zu jagen. Bem."

27. Iu n i. Ich habe die Russen geschlagen und befinde mich in Rakendorf. Durch 7 Stunden hat das Jungternheer die starke feindliche Kavallerie atta- quirt unb zurückgeworfen ich bin gegen Valindorf vorgerückt. Bem."

Bem belichtet bcr ungarischen Regierung vom 2. Juli aus Bistritz:Wie schon gemeldet sind wir über Groß Sajs, Vasarhcly njfalü nach Bistritz schon zu«: viertenmale Vorkehrungen und nun halte ich den Feind beim Engpaß Borgo eingeschlossen, ohne von den bei Carlsburg operirenden Truppen auch nur einen Mann an uns gezogen zu haben." Der Regitrnngs- commisär Szentivanyi berichtet aus Hermannstadt vom 3. Juli, daß die Russen sich ans Haromzek bis nach Kronstadt zurückzuziehen mußten. Beim Einmarsch der Russen nach Siebenbürgen, sagte Bem: Die Nar­ren! mit 3000 Mann haben wir sie im Frühjar aus den: Laude vertrieben und jetzt, wo ich 40,000 Mann Krieger habe, fangen sie mit uns an??

Wien, 20. Juli (Nrb. Kor.) Einer sehr glaub­würdigen Nachricht zufolge hätte das Mißgeschick, wel­ches den militärischen Befehlshabern in Ungarn auf dem Fuße nachzuziehen pflegt, nun auch den F.-Z.-M. V. Haynau erreicht. Als sein Nachfolger wird her neuernannte Feldzeugmeister Ritter v. Heß, durch seine Verwendung in Italien wohlbekannt, allgemein bezeich­net. Die Vermuthungen variiren; indeß wird voraus­gesetzt, daß in der neuesten Zeit strategische Verstöße 'vorfielen. Die neue Min i ster ko mb i na ti o n ist fortdauernd in vollem Gange. Den neuesten, aus gu­ter Quelle herrührencen Angaben zufolge hat Herr v. Schmerling das Ministerium der Justiz bereits angenommen; der Versuch, Herrn Kleyc das Mini­sterium des Ackerbaues zu verschaffen, hat Schwierig­keiten gefunden, so wie auch Dr Neumann jetzt nicht mehr mit Bestimmtheit als künftiger Unterrichtsminister bezeichnet werden kann. Daß Dr. B a ch auf seinem prop. Posten als definitiver Minister des Innern ver­bleiben werde, ist als unzweifelhafte Thatsache anzu­sehen. Der vielfach besprochene Finanzplan, wonach ein neues, freiwilliges Aulehen zu Stande gebracht werden soll, beschäftigt fortwährend die Aufmerksamkeit des Kabinett. Man ist vor der Hand von Lottoprä­mien abgegangen, beabsichtigt aber dafür namentlich