fuhr der Präsident in einem offenen Wagen über die Boulevards und hatte ein starkes Piket Reiterei in seinem Gefolge. Außerdem war ein höherer Offizier zur Seite des Wagens und zwei Reiter galoppirten vor dem Wagen her, die Pistolen in der Hand.
Die Presse fürchtet nichts vor einem Brumaire, seitdem der 29. Mai unbenutzt gelassen. Die Ovationen sind ohne Werth, wie die Marrast und Louis Philippe kurz vor den Februartagen dargebrachten. Die Republik ist schwerer zu vernichten, als sie zu gründen war. Sie wird durch die Ohnmacht der sog. 1 Republikaner jüngeren Datums gerettet. j
Commissaire soll, ehe noch die legislative Versammlung die Erlaubniß ertheilt, auf Befehl des Herrn Barroche arretirt worden sein. !
Die Liberte will wissen, daß in diesem Augenblicke | die Häupter der Legitimisten in Paris versammelt seien. ' Kaum hatte sich am 18. d. Morgens in Havre j die Nachricht verbreitet, Guizot sei mit dem Dampfschiff ; von Southampton angekommen, so eilten die Neu- ; gierigen dem Hafen zu. In Paris mußte man Kenntniß von Guizot's Ankunft gehabt haben; denn zwei ' seiner Freunde, der Herzog v. Broglie und Piscatory, j nebst andern politischen Berühmtheiten waren von dort zu seinem Empfange angeoknunen.
Den Flüchtlingen aus Süddeutschlaud wurden in dem Elsaß drei Vorschläge gemacht, entweder nach Afrika in die Fremdenlegion abzugehen, oder sich in die westlichen Provinzen zurückzuziehen,oder sich in ihre Heimath zu begeben; in letzterem Falle wird ihnen eine Unterstützung jip Theil. Die Flüchtlinge zögerten mit ihrem Entschluffe, bis die Polizei sie in diesen Tagen in ihren Hotels überfiel und sie zu einem Entschlusse zwang. Die Meisten zogen vor, in ihre Heimath zurückzukehren. ,
Von der französischen Grenze, 19. Juli. Dieser Tage wurden mehrere badische Flüchtlinge, die sich im Elsaß aufhielten, von der Polizei ausgewiesen, worunter auch der Redakteur der „Oberrheinischen Zeitung" Fr. Stehle aus Freiburg. Letzterer begab sich hierauf nach Basel. (Bad. M.)
Italien.
Venedig. Der nächtliche Ueberfall der venctiani- schen Batterie auf der Eisenbahnbrücke, von dem die „Wiener Zeitung" uns eine so überaus glänzende Be- schreibung gemacht hat, scheint in seinen Resultaten nicht so gar gewaltig gewesen zu sein — denn ;chon am 8. öuli sah man wieder drei der vernagelten (?) Geschütze feuern. Die Ueberfallenden scheinen von den Venetianeru etwas zu früh aus ihrer Position vertrieben zu sein, um ihr Werk ganz vollenden zu^ können. Seit deui Eintritt der JuUpitze greifen Fieber und Dissenterie gewaltig unter den den österreichischen Soldaten um fleh. Täglich erkrankten Hunderte, die Spitäler in Padua und Treviso sind bereits so überfüllt, daß man die Kranken mit der Eisenbahn nach Verona schafft.
Venedig, 4. Juli. Die Venetianer und Oesterreicher sind zu Land und zur See im Kampf. Die Oesterreichs haben Brondelo heftig angegriffen.
Die verbürgten Nachrichten aus Rom reichen noch nicht über den 11. Juli hinaus. In Paris ging am 20. Juli das Gerücht, es sei eine Bewegung zu Gunsten des Papstes ausgebrochen. Die französische Regierung soll Depeschen erhalten haben, welchen zufolge die gemäßigte Partei das päpstliche Wappen überall wieder anfgepflanzt hätte. Die Verhaftungen dauern fort; ein gegen Ciceruacchio erlassene Verhafts-Befehl konnte nicht ausgeführt werden, da derselbe zeitig gewarnt worden war, und deßhalb Rom verlassen und sich zu dem Corps Garibalvi's begeben hatte. Die französische Division, welche diesen sofort verfolgen sollte, war bereits nach Siom zurückgekehrt. — Es heißt, das Ministerium des Aeußern sei Mamiani angeboten worden; er habe es jedoch ausgeschlagen. Monsignor Corboli hat dasselbe angenommen. Oudinot hat eine Unterredung mit Cardinal Castracane gehabt; der Cardinal Tosti ist aus seiner viermonatlichen Haft befreit worden. — Das Papiergeld, welches in Rom in Umlauf ist, wird auf 39,272,820 Fr. geschätzt. Da- von sind 15 272,820 Fr. von der römischen Republik ausgegeben worden. — In Gaeta soll, wie das Gerücht geht, zwischen Hrn. d'Harcourt und Hrn. Martinez de la Rosa kein gutes Einvernehmen herrschen, Der letztere läßt daS unter Befehl des Generals Cordova stehende spanische Erpeditions-Corps, welches durch von Barcelona anlangende Truppen täglich verstärkt wird, gegen Rom zu vorrücken. Die Vorhut steht in der Nähe von Vellctri. Die päpstliche Gewalt ist in Noecasecea, Maenna und Piperno wieder hergestellt worden; ferner heißt es, Spanien habe dem Papste eine Leibwache von spanischen Truppen angeboten. Diesem wiedersetzte sich jedoch Frankreich. Auf eine einfache Restauration soll in der Umgebung Pius IX , außer dem Cardinal Antonelli, besonders Hr. Ar- nao, Mitglied der spanischen Legation, dringen. In Florenz sieht man der Reorganisation der Civica und einer neuen Steuer, die nach Norm der früheren Auflagen vertheilt werden soll, entgegen. — Im Königreiche Sardinien haben die Wahlen zur Deputir- tenkammer begonnen. So weit sich das Resultat übersehen läßt, ist cs in Turin gänzlich für die constitu- tioneUe Partei ausgefallen. (K. Ztg.)
Rom, 10 Juli. (Mz. Z.) " Der General Oudinot wohnt nebst seinen Offizieren einer Messe in der Kirche des heiligen Ludwigs bei. Feierliche Worte wurden zwischen dem General und dem Superioren gewechselt.
Garibaldi soll sich in Civita Castellana zurückziehen. Der Gouverneur von Rom hat seinen Sitz im Hotel Torlonia, auf dem Platze „Venedig", aufgeschlagen. Der Lieutenant Chapuis ist zum Polizeipräfekten ernannt worden.
Der Pabst hat dem Hauptmann Niel, der ihm die Schlüge! von Rom überbrachte, die Insignien des Kommandanten vom Orden des heiligen Jregarius verehrt, und ihm für Frankreich viele Glückwünsche aufgetragen.
Gestern war Alles ruhig. Die afrikanischen Jäger sollen den Befehl erhalten haben, auf die geringste Beleidigung hin Feuer zu geben. Man bekümmert sich nicht um die Verwaltungssachen. 3000 Oesterreicher waren zu Soligno, 4000 andere kamen von Macerata. Einige spanische Bataillone sind zu Frascati, die Neapolitaner sind zu Frosinoni.
Rom, 11. Juli. Der Concordia vom 16. Juli zufolge soll das Domizil des nordamerikanischen Konsuls, Hrn. Brown, von französischen Soldaten verletzt worden sein. Die Frau des Konsuls wurde be- leioigt und ein Beamter des Konsulats verletzt. Der Konsul hat prötestirt, sein Wappen abgenommen rind ist abgereist.
— Bodini hat die Verhaftung der Mitglieder der Constituante, sowie der Präfekten der Republik verordnet.
Monsignor Bodini, außerordentlicher päpstlicher Kommissär, hat die Beamten in Bologna aufgeforvert, ihre Aemter, die sie vor .dem 16. Nov. 1848 inne hatten, wieder einzunehmen. Sie beeilen sich nicht sehr.
Piemont. Die „A. A. Z." berichtet aus Wien, daß die „Friedensunterhandlungen definitiv abgebrochen" seien, und Radetzky sich zu einem zweiten Einfall rüstet Nach dem „Journal des Debats" waren es besonders zwei Punkte, worüber sich die beiden Machte nicht einigen konnten. Zuerst der Geldpunkt: Oesterreich hatte seine Forderung zwar von 200 auf 70 Millionen Lire herabgestimmt , hatte dann aber die Bevlngung hinzugefügt, daß es sich weitere Entschävigungoforde- rungen, welche allmahlig durch Untersuchungen geregelt werden sollten, vorbehalten; es wollte also mit anderen Worten Piemont zur melkenden Kuh machen.
Dann wollte es den Frieden zugleich für Parma und Modena mit abschließen, während Piemont mit ihnen als selbstständiger Staaten unterhandeln wollte. Für die Lombardei verlangte Piemont die Garantie konstitutioneller Institutionen; doch würde es von dieser Forderung wohl zuerst abgegangen sein. — Die Verwickelungen machen in Italien treffliche Fortschritte.
Schweiz.
Basel, 19. Juli. (Schweiz. N. Z.) Laut Beschluß des BundeSrathes vom 16. Juli sind aus der Eidgenossenschaft auszuweisen die politischen und militärischen Chefs, sowie andere Hauptführer der badisch-pfälzischen Revolution. Als solche werden einstweilen genannt: Zitz, Brentano, Struve, Gögg, Werner, Fickler (sitzt auf dem Hohenasperg!) Louis Mieroslawsky, Sigel, Doll, Mercy, Blenker, Willich, Germain Metternich. Ferner wird der frühere erlassene Ausweisungsbefehl wieverholt gegen Heinzen, Fr. Neff, Löwenfels (längst in Paris 1) H. Thielmann (in Amerika!)
U n ß â r ih
Die Wiener Ztg. schreibt: Nach Privat-Berichten aus Nagy-Jgmand vom 17. und aus Pesth hatten die Magyaren am Sonntag bei Waitzen wieder einen verzweifelten Versuch gemacht, um sich durchzuschlagen. Sie warfen sich mit Ungestüm auf eine Abtheilung der großen russischen Armee, welche unter dem Oberbefehle des Marschalls Paskiewitfch steht. Die Russen zogen sich Mittags bis Duna Kees zurück. Allein am rechten Ufer der Donau operirten die kaiserlich österreichischen Truppen über die Donau und die Division Ramberg brach gleichzeitig von Pesth auf, so daß sie sich, von allen Seiten umgangen, mit bedeutendem Verlust wieder gegen Comorn zurückziehen mußten. — Ueber Siebenbürgen entnehmen wir dem „Con- stitutionellen Bl. a. B." folgende Mittheilungen aus Bucharest vom 3. Juli: „Aus Kronstadt ist gestern Abends ein österreichischer Courier hier angekommen, welcher sie Meldung brachte, daß General Lüders mit seinem Hauptquartier in Marienburg steht, die Operationen in das Szeckler Lande mit glücklichem Erfolge fortsetzte und Kezdi-Vasarhely nach heftiger Gegenwehr mit Sturm genommen worden sei, woselbst in der dortigen Kanonengießerei 50 Stück Kanonen, unter diesen 10 Stück vollkommen ausgerüstet, erbeutet worden sind. Das aus der Walachei gegen Rothenthurm zurückkeh- rende k. k. siebenbürgifche ArmeeCorps hat Krajova passirt und wird in beschleunigten Märschen am d. M in Kneni an der Grenze ankommen; wahrscheinlich wird dahin auch ein russisches Corps aus der Kronstädter Gegend anrücken und dann mit dem österreichischen kombinirt operiren. Bei Fogeras dürfte ein ernsthaftes Treffen statt finden, da sich Bem in dieser Gegend (?) befinden soll.
In Preßburg fürchtet man eine Bewegung eines Theils der ungarischen Armee nach Norden zu/ um die Bergstädte zu schützen oder wieder zu erobern. In der L hat weiß man nicht, wie weit die Russen vorgedrungen sind, namentlich ob sie Kremnitz und Schemnitz besetzt haben. Der „Wanderer" berichtet sogar schon als posit.v, daß die ungarische Armee nordwärts gezogen sei. — Bei Waitzen soll, jedoch unverbürgten Nachrichten zufolge, zwischen Görgey und den Russen, ein für Ersteren günstiges Gefecht stattgefunden haben. Die Wiener Zeitung berichtet etwas rätselhaft in ihrer gewohnten Weise darüber: Die Ungarn hatten bei Waitzen wieder einen Versuch gemacht sich durchzuschlagen. Angegriffen, hätten sich die Russen zurückziehen müssen und zwar bis Duma-Keszi zwischen Pesth und Waitzen; indessen da auf dem rechten Donauufer, sowie von Pesth aus durch General Ramberg höchst wirksam gegen die Ungarn operirt worden sei: so hatten sich dieselben ihrerseits wieder nach Comorn zurückgezogen. Zuverlässigere Nachrichten, als die offiziellen (es ist eine Schande, daß offiziell und lügenhaft fast gleichbedeutend sind!) fehlen noch. Jedenfalls ist es etwas eigenthümlich, wie man über die Donau hinüber operiren kann. Auch war derselben Wiener Ztg. zufolge, General Ramberg erst an demselben Tage (15. Juli) in Pesth eingetroffen, und doch soll er auch wieder bei Duma-Keszi gekämpft haben! Doch Alles dieses ist gleichgültig, wenn nur in dem offiziellen Berichte gesagt werden kann: „Die kaiserl. Armee hat einen Sieg erfochten."
Großbritannien.
London, 17. Juli. Ueber die Niederlage der schleswig-holstt mischen Armee vor Fridericia bringt die „Times" heute einen leitenden Artikel, der in hohem Grade charakteristisch ist. „Auf beiden Seiten, heißt es darin, fochten die Krieger mit der hartnäckigen Tapferkeit ihres gemeinsamen Landes, die noch durch die feurigen Leidenschaften des Bürgerkrieges erhöht wurde. Das Resultat war die Vernichtung (?!) des schleswig - holsteinischen Theiles der Armee. So sehr ein solches Schlachten zu bedauern ist, so traurig es ist, daß mit solcher blinden Tapferkeit zwischen den Brüder-Unterthanen derselben Krone gekämpft worden, so ist es vom politischen Standpunkte aus zufriedenstellend, daß nicht die Ehre der Armeen der deutschen Mächte in dieser Schlacht befleckt ward (!) und daß die Insurgenten allein, ohne Beistand der regulären Truppen Preußens, Sachsens und Hannovers unterlagen. Soll der Krieg überhaupt noch fortgesetzt werden, so kann er es nur noch durch diese letzteren. Die Macht des Königs von Dänemark, seine Lande wieder- zuerobern kann nicht länger bezweifelt werden, sofern die Insurrektion nicht ferner von Deutschland unterstützt wird, denn nach dieser Niederlage der schleswig- holsteinischen Partei hängt ihre Sache mehr als je und ausschließlich von dem Schutze einer fremden Invasion ab. Während wir aber allen Gruud haben, über das schwere Strafgericht zu frohlocken, welches über eine ungerechte Sache und einen unprovizirten Angriff verhängt worden, bekennen wir zugleich, daß dieser Sieg sehr zur unrechten Stunde gekommen wäre, sofern er dieFriedensunterhandlungen unterbrechen sollte, die, wie wir hören, auf dem Punkte sind, in Berlin zu einem endlichen Resultat zu führen. In der That sind der König von Preußen und seine Minister herzlich beschämt über die Politik, zu der sie sich durch die Volksbestürmungen der Frankfurter Junta Hinreißen ließen. Wir hoffen aufrichtig, daß diese Niederlage die Deutschen nicht aufregen wird, ihre Nationalehre noch länger mit der schleswig - holsteinischen Sache zu identificiren, und daß die deutschen Regierungen Muth und Entschluß genug haben werden, den Frieden abzuschließen." Der Artikel schließt dann mit den Worten: „Vom Nordkap bis zum Sund herrscht nur ein Gefühl, daß in den Herzogthümern die skandinavische Sache angegriffen worden. Die Möglichkeit aber, die zuerst Anlaß zu allen diesen Kontroversen gab, die Aussicht auf das Aussterben des königlichen Hauses mit Friedrich VII. scheint auf der andern Seite sehr geeignet, die Erreichung des großen Nationalwunsches, der Vereinigung der drei skandinavischen Königreiche, zu verwirklichen. Das wäre ztiglcicss politisch und national die beste Lösung der ganzen Frage. Holstein und Vanenburg würden dann als deutsche Lehen bei (?) der männlichen Linie des holsteinischen Hauses bleiben, während Dänemark, und Schweden auf dieselbe Weise, wie mit Norwegen vereinigt, jene Bedeutung und jenen Flor wiedererlangen würde, wozu es durchweine Institutionen, seine Lage und den energischen Charakter seiner Bewohner berechtigt ist."
London/! 17.^Iuli. (Tr. ZJ^Während das Oberhaus in dem prächtigsten Saale der Welt seine Sitzungen hält, versammelt sich das Unterhaus immer noch in dem fepmurflofen Raume , ber ihm nach dem Brande des Parlamentsgebäudes provisorisch angewiesen wurde. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die Kammer eines kleinen deutschen Staates besser placirt ist, als die Vertreter der brittischen Nation, die Indien und Canada regieren. Die Minister haben keinen eigenen Tisch, sondern sitzen auf der ersten Bank der rechten Seite, und sprechen, wie jedes Mitglied des Hauses, vom Platze aus, eine Tribüne für den Redner ersstn gar nicht. Der^ mittlere Raum zwischen der rem en und linken Seite wird fast ganz durch einen großen Tisch ausgefüllt, an dem das Sekretariat arbeitet; aui