„Freiheit und Recht!"
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Wiesbaden. Samstag, 21. Juli
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DT. Die Einheitsbestrebungen der süddeutschen Staaten.
" Nach übereinstimmenden Nachrichten scheint es gewiß zu sein, daß Bayern und Würteinberg gemeinschaftlich in der deutschen Frage handeln wollen, indem sie auf den Beitritt der kleinern süddeutschen Fürstenthümer mit einiger Sicherheit hoffen. Eine Verbindung der genannten Staaten hat schon früher sogar die auswärtige Politik beschäftigt und ich erlaube mir den verehrlichen Lesern d. Bl. den Hauptinhalt eines Aufsatzes, welcher sich im „Joural des Debats" vom Jähr 1822 findet, mitzutheilen.
„Die süddeutschen Staaten," heißt es daselbst, „verdienen eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Die Fruchtbarkeit des Bodens, das milde Klima und die Bildung der Bewohner stellen sie auf gleiche Stufe mit dem Elsaß, Lothringen, der Pikardie und Flandern; der Charakter selbst der Süddeutschen, weil heiterer, lebhafter, als derjenige der Norddeutschen, nähert sich dem der nördlichen Franzosen durch größeres natürliches Geschick zu den Geschäften und geringeren Hang zu übersinnlichen Träumereien. Eine einzige Ursache verzögert ihre geistige Entwicklung, nämlich die Vorliebe zu den Freuden der Tafel und überhaupt zu sinnlichen Genüssen.
Sechs Staaten des mittägigen Deutschlands, die beiden Könige Bayern und Württemberg, die drei Großherzogthümer Baden, Hessen und Nassau, und die frei Stadt Frankfurt stellen heute die Verbindung der Freiheit mit der Macht unter einem beruhigenden und zugleich interessanten Anblick dar. Diese Staaten des südlichen Deutschlands könnten für sich allein einen Bund bilden, welcher besser vereinigt sein würde, als der, welcher jetzt das gesammte Deutschland bildet; aber die Bundesakte läßt ein solches besondere Bünd- niß nicht zu. Die Natur selbst unterstützt stillschweigend eine Verbindung dieser Staaten, welche im Frieden 75,000 Mann haben und znr Zeit des Kri ges ohne Anstrengung 100,000 Mann aufstellen können. Man findet hier wenig Geschmack an jenen Träumern, welche in dem Norden die absolute Macht und die reine Monarchie predigen. Diese ganze mystische, sentimentale und ritterliche Politik erregt wenig Interesse bei den Nationen, welche ihr Heil ebensowenig in der Barbarei des Mittelalters, als in den chimärischen Räumen der Abstraktion suchen. Indessen gibt es noch alte Bonapartisten in Deutschland, welche die Eentra- lisation der Macht, die Uebereinstimmung der Verwaltung und die Zusammenschmelzung der Länder predigen; sie halten sich für große Staatsmänner, weil sie Minister, Präfekte oder wenigstens Polizeikommissäre gewesen sind, aber ihr Ansehen sinkt jeden Augenblick mehr: die Demokraten wollen nichts von ihnen wissen, und die Höfe, welche zuerst einige Zuneigung zu ihnen hegten, fühlen, daß sie mehr gewinnen, wenn sie sich freimüthig mit den Vertretern des Volks verbinden."
Moritz Perezel.
(General in der ungarischen Sndarinee.)
Moritz Perezel ist einer derjenigen Charaktere, welche so scharf ausgeprägt sind, daß ihr Bild sich in wenigen markirten Umriffen frappant ähnlich zeichnen läßt.
Revolutionär aus natürlichem Bedürfniß, Oposiitons- mann aus Instinkt, wird Perezel, wie die Ereignisse sich auch gestalten mögen, stets auf der äußersten Linken siyen. Sein blasses, ernstes Gesicht, seine Haltung, sein Gang, seine Bewegung, welche von trotzender Indignation zeugen, seine rauhe, aber kräftige Stimme. — Atles dies zusammengenommen trägt den Stempel einer erschreckenden Entschiedenheit an sich, welche unbeugsam, ja fast unlenksam ihrem Ziele zustrebt. Obgleich noch jung und keineswegs häßlich zu nennen, ist seine äußere Erscheinug keine besonders günstige, weil er hart, ja selbst roh zu sein scheint, obgleich er von allen Denjenigen, welche mit ihm Umgang gehabt haben, herzensgut und wohlwollend genannt wird. Deputirter im Jahre 1844, 45, und Mitglied der jetzigen legislativen Kammer, bewies sich Perezel immer als ein scharfer, entscheidender Redner, dessen Worte immer die Farbe der Anklage hatten und fast stets direct auf bewaffneten Widerstand hinarbeiteten. Ausschließlich revolutionär, im Grunde Jakobiner, ist sein Angriff.immer stürmisch und sein Wort hart und scharf, wie geschliffener Stahl; seine Bewegungen auf
Soweit das „Journal des Debats." Seit 27 Jahren sind jene Staaten in ihrer Entwickelung bedeutend vorangeschritten und was sie weiter wollen, hat das Jahr 1848 gezeigt. Auf einem Raume von 2330 Quadratmeilen findet sich jetzt eine Bevölkerung von 9 Millionen, welche ein Heer von 200,000 Mann stellen kann; in Verbindung mit Sachsen würde sich der Kreis um 272 Quadratmeilen erweitern und die Bevölkerung um beinahe 2 Millionen steigen. Ein Staat aus solchen Elementen zusammengesetzt, würde stark genug sein, seine Selbstständigkeit zu wahren; und es dürfte einem nach Herrschaft lüsternen Preußen trotz seinem herrlichen Kriegsheere nimmer gelingen, seine Oktroyirungsgelüste hier zu befriedigen.
Aktenstücke über den schleswig'sche» Waffenstillstand.
I. Schreiben des Grafen Brandenburg an die Statthalterschaft der Herzogthümer.
Einer hochlöblichen Statthalterschaft in den Her- zogthümern Holstein und Schleswig beehrt der Unterzeichnete sich anzuzeigen, daß der königliche Major und Flügeladjutant Seiner Majestät des Königs, Freiherr v. Manteuffel beauftragt ist, derselben die am 10. d. M. zwischen dem diesseitigen und dem königlich dänischen Bevollmächtigten, Freiherrn v. Schleinitz und Kammerherrn v. Reedtz, abgeschlossene und unterzeichnete Uebereinkunft über einen Waffenstillstand ans 6 Monate, sowie das an demselben Tage aufgenommene Protokoll über die Basis des künftigen Friedens mitzutheilen. Beide Akte bedürfen noch der binnen acht Tagen in Aussicht gestellten Ratifikation. Die königliche Regierung hat aber nicht unterlassen wollen, schon jetzt und so schleunig, als irgend möglich gewesen, die hochlöblige Statthalterschaft vollständig von dem Inhalte der getroffenen Uebereinkunft in Kenntniß zu setzen. Der Major v. Manteuffel wird zugleich alle etwa wiin- schenswerthe» Erläuterungen mündlich hinzuzufügen im Stande sein.
Der Unterzeichnete hegt das 'volle Vertrauen zu der hochlöblicheu Statthalterschaft, daß dieselbe die Wichtigkeit und den Ernst des Augenblickes in vollem Maße erkennen und ihrerseits dazu beitragen werde, daß diese Angelegenheit in befriedigender Weise ihrem nunmehr nahe bevorstehenden Ende zugeführt werde. Sie wird nicht verkennen, wie viel dabei von ihr abhângt, und wird es sicherlich als ihre Aufgabe ansehen, znr Beruhigung des Landes nach Kräften mit- und einer Aufregung entgegenzuwirken, welche von Denjenigen, die den Frieden und die Beruhigung des Landes nicht wollen, etwa versucht werden möchte.
Die königliche Regiernug hat sich nicht verhehlen dürfen, wie wichtig, ja nothwendig für die Herzog- thümer selbst die endliche Beendigung des so lange
der Rednerbühne sind ebenso erschreckend wie sein Blick drohend! Bei Gelegenheit einer Niederlage der Ungarn durch die Serben in den Schanze» von St. Thomas klagte er die Offiziere offen des Verathes an, obschon sie nur ungeschickt,gewesen waren, und setzte sich dadurch trotz der allgemeinen Mißbilligung der Kammer in Oppv- silon mit seinem Freunde Kossuth. In Folge davon verließ er plötzlich den Reichstag, indem er erklärte, daß die ungarische Gironde, durch ihre Lust und die stete Neigung zu Verhandlungen statt zu handeln das Vaterland ins Verderben stürzen würde. Kaum 3 Tage nachher stand er schon an der Spitze eines Jusurgentencorps wo er ein^ganz neues bisher ungekanntes Talent entwickelte, nämlich das eines GuerillaanführerS. Mit seinem Corps, welches bald auf 15,000 Mann anwuchs, wandte er sich gegen den rechten Flügel der Armee des Jellachieh und durch einige kluge Manöver gelang cs ihm, die beiden Generäle desselben, Roth und Philippowich, sammt einem Theile ihrer Truppen gefangen zu nehmen und im Triumph nach Pesch zu führen. Unter den Gefangenen war auch Major Hentzi, der spätere Commandeur von Ofen , der jedoch wie ein großer Theil der Offiziere gegen Ehrenwort, nicht mehr gegen Ungarn kämpfen zu wollen, seiner Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Perezel trug damals im Reichstage darauf an, daß Henyi, so wie alle Offiziere, welche Ungarn feiern, als Vaterlandsver- râther kriegsrechtlich erschossen werden sollen; aber der Reichstag ging nicht darauf ein und die Folge da
andauernden Kriegszustandes sei. Dies auf die bestmögliche Weise zu erreichen, hat sie sich zur Aufgabe stellen müssen; und sie glaubt durch die abgeschlossene Uebereinkunft einen Zustand hergestellt zu haben, welcher den wahren Bedürfnissen der Herzogthümer genügt, und denselben manigfache Vortheile gewährt.
Daß die Basis des Friedens, wie sie hier ange- nommen worden, von der provisorischen Centralgewalt für Deutschland schon am 3. Februar dieses Jahres festgestellt worden, ist der Statthalterschaft bekannt. Preußen konnte bei den jetzigen Unterhandlungen nicht von dieser einmal angenommenen Basis abgehen, und wir sind der Ueberzeugung, daß dieselbe, wenn sie redlich und vollständig durchgeführt wird, dem wahren Vortheil der Herzogthümer entspricht. Daß dieses geschehen, daß eine die Selbstständigkeit Schleswigs sichernde Verfassung gewährt und vollständig ausgeführt werde, wird die königliche Regierung zu ihrem steten Augenmerk bei den weiteren Friedensunterhandlungen machen, und nur mit voller Rücksicht darauf den Frieden abschließen. Die Herzogthümer werden also vollkommen beruhigt darüber sein können, daß sowohl ihre politische Stellung, wie ihre materiellen Interessen und die Gemeinsamkeit der beiden Herzogthümer in letzteren, so weit es irgend praktisch möglich ist, gewahrt werden.
Die Bedingungen des Waffenstillstandes sind mit Rücksicht auf die einmal angenommene Basis des Friedens fcstgestellt worden. Die dadurch eintretende Ruhe wird den Herzogthümern die Möglichkeit gewähren, sich von den schweren Opfern, welche der Krieg ihnen auferlegt hat, zu erholen.
Wie sehr es daher im Interesse der letzteren liegt, daß die Ausführung des Waffenstillstandes nunmehr ohne alle Schwierigkeit erfolge, bedarf keiner weiteren Bemerkung; und der Unterzeichnete rechnet daher mit Zuversicht auf die kräftige und besonnene Mitwirkung der hochlöblichen Statthalterschaft zur Beseitigung aller sich etwa ergebenden Anstände oder Hindernisse. Er glaubt sich in dem Vertrauen nicht zu tauschen, daß dieselbe Alles aufbieten werde, um dem Lande am Schlüsse ihrer von der königlichen Regierung gern anerkannten Wirksamkeit, noch diesen wesenlichen Dienst zu leisten.
Berlin, den 12. Juli 1849.
Der Ministerpräsident, (gez.) Grafv. Brandenburg.
An die hochlöbliche Statthalterschaft in den Her- zogthümeru Holstein und Schleswig.
II. P roto c o l l.
Die unterzeichneten Bevollmächtigten, welche resp, von Sr. Majestät dem Könige von Preußen und Sr. Majestät dem Könige von Dänemark ernannt worden sind, um die Grundlagen eines endlichen Friedens fest- zustcllen, welche die Streitfrage, die sich hinsichtlich der Verhältnisse des Herzogthums Schleswig zwischen Ihnen erhoben hat, zu schlichten bestimmt ist, sind unter Mit-
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von war, daß die meisten dieser Offiziere als die Oester- reicher in Pesth einrückten, ungeachtet ihres Wortes, widerum in die Armee eintraten, indem Windischgrätz sie desselben entband, „weil man Rebellen das gegebene Wort nicht zu halten gezwungen sei." Die beiden Schwe- sterstädte, Ofen und Pesth, haben durch Henyi'ö Treulosigkeit und Barbarei die Milde des ungarischen Reichstags schwer büßen müssen.
Als die ungarische Armee sammt dem Reichstag sich über die Theiß zurückzog, wandte sich Moritz Perezel noch dem Süden und sammelte oberhalb P sth in den Comi- tatcu zwischen der Donau und Theiß einen kGuerilla- Haufen mit welchem er sich gegen die Bacska und die sogenannte serbische Woiwodschaft wandte. Hier bestand er eine Ruhe von Kämpfen, anfangs mit wechselndem, später mit entschiedenem Glück ; er entsetzte Szegedin , riicfie in Theresiopel cm , schlug den serbischen Heerführer Strato- mirowich, den österreichischen General Puffer, den Räuber nnd Bandenführer Knicaniu und erstürmte am Ende die festen Schanzen von St. Thomas, wodurch die Eroberung der Bacska vollendet und gesichert wurde. Zambor, Neusatz, Panskowa wurden von ihm besetzt, und durch seine Operationen im Banater Generalat gelang ihm die Verbindung mit dem von Siebenbürgen her gegen Temcs- war andringenden General Bem. Seine jetzige Aufgabe ist gegen Syrmien, Slavonien und Croatien gerichtet.
Von der Verwegenheit Perezel's will ich nur einen Zug erzählen: als Windischgrätz Pesth besetzte, verließ