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J|g171* Wiesbaden. Freitag, 20, Juli MLV.

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K Der Krieg in Schleswig-Holstein.

Wiesbaden, 19. Juli. Im Laufe eines Jahres haben die Deutschen viele ^ehmaeh und viele Demü^ thiaunaen im Innern und im Ausland erdulden müssen; nirqcn^ ist aber der deutsche Name mit größerer Schamlosigkeit besudelt, nirgends mehr Die deutsche Gbre dem Spotte und der Verachtung des Auslands Preis gegeben worden, als in dem unglücklichen Kriege gegen Dänemark.

I Die Begeisterung, welche ganz Deutschland für die,e nordischen Brüder durchglühte, gründlich und syste­matisch ist sie abgekühlt worden durch Die erbärmliche ^"Echdem im vorigen Jahre Die Blüthe der Stu­denten und Turner gefallen, erschienen erst Die Preu- ßen unter Wrangel und drangen, nach der Einnahme von Dannevirke, unaufhaltsam und rasch bis zur Kö­nigsau vor. Wrangel schon wäre es ein Leichtes ge­wesen, den Krieg schnell und zum Ruhme Deutschlands zu beenden: allein plötzlich und unerwartet zog er sich zurück und bald darauf bot man dem gequälten, verhöhnten deutschen Volke den schimpflichen Waffen­stillstand von Malmö.

^er diesjährige Feldzug wurde wo moßlid) noch lasser betrieben als der vorigjährige. Nach Der Er­stürmung Der Düppeler Schanzen, Der Eroberung Der beiden dänischen Kriegsschiffe und nach Der Einnahme Holdings trat in den Kricgsopcrationcn eine offen­bare Stockung ein. Mit Leichtigkeit hätte Prittwitz den Dänen für immer zu fernerem Widerstande un- fähig machen können, wenn er dafür Sorge getragen, daß Fridericia, in welchem Die Dänen zu jeder Zeit mit bedeutenden Truppenmassen landen konnten, bald eingenommen worden wäre. Statt nun preußisches Belagerungsgeschütz, welches versprochen war, vor Fridericia ausstellen zu lassen, überließ vielmehr Pritt- witz den Schleswig-Holsteinern, deren Belagerungö- aeichütz für Die Eroberung von Fridericia nicht hm- reick te, allein die Aufgabe, letztere Festung 511 nehmen.

Schnell hätten wohl ferner Die Dänen um einen Frieden gebeten, wenn Prittwitz in Jütland durch Re­quisitionen Die Bevölkerung mürbe gemacht hätte, statt sich die Armecbedürfnisse in umständlicher Weise durch Zusendungen aus dem Süden befriedigen zu lassen.

' Endlich lag cs mehrmals in Der Gewalt des Ober- gèiierals Prittwitz, Den dänischen General Rye von

Seeküste abzuschneiden, und gefangen zu nehmen: allein Prittwitz ließ den Dänen stets entwischen.Ge­neral v. Prittwitz schreibt ein norddeutsches Blatt welcher 20 Bataillone und 20 Schwadronen zur Ver- füaung hatte, verfolgte Den bei Viuf und Dons ge­worfenen General Rye, welcher 6-7000 Mann bei sich hatte, allmählich bis nach Aarhuus, zu welcher Operation es etwa sieben voller Wochen bedurfte.

~ Mxhr als einmal war die Stellung des Fein­

Arthur Gvrqey.

(Fortsetzung nnd Schluß.)

Die Schlacht bei Schwechat nahm keinen Den Ungarn günstigen Ausgang, nach kurzem Gefechte zog man sich auf ungarischen Boden zurück.

Die Operationen der ungarischen Arme zeigten noch von keinem entschiedenen Talente ihres Führers; eine Position nach Der andern wurde als unhaltbar aufgcgebcn, die Hauptstadt wurde dem Feinde überliefert und das Vertrauen auf Görgey war ziemlich allgemein gesunken. Von Pesth aus wandte er sich mit dem größeren Theil der Armee in die Bergstädte. Dort erst entfaltete er sein militärisches Talent und vernichtete durch seine kühnen und schnellen Märsche die verschiedenen österreichischen Corps, welche selbstständig operirten. Die genaue Kennt­niß des sehr coupirten Terrains, Die Schnelligkeit, mit welcher sich Die ungarische Armee bewegte, und Die Energie, mit welcher alle Operationen zu Ende geführt wurden, verschafften Görgcy die glänzendsten Siege; und selbst Der bedeutendste kaiserliche General, Graf Schlick wurde mehrmals mit nicht geringem Verluste geschlagen. Bei der Schlacht von Kapolna trat der schon früher er­wähnte Bruch zwischen Dembinski und Görgey ein, die Ungarn waren genöthigt sich wiederum zur Theiß zurück zu ziehen. .

Bald aber entfaltete sich der ungarische Kriegöruhm von Neuem, ein Sieg folgte Dem andern, und nach dem Entsatz von Somoni wandte sich Görgey zur Belagerung von Ofen. Oas Hauptquartier befand sich auf dem Schwabenberge, von welchem man mit einem Blicke die

des der Art, daß es nur eines Tagmarsches bedurft hätte, um ihn zur Kapitulation zu zwingen, nament­lich an Dem Tage, als nach dem Gefechte bei Veile General Rye sich in das Defilee von Skanderborg zu- rückzog, gewissermaßen in eine Falle, deren Thür Der preußische General nur zuzumachen brauchte. Statt dessen ließ er ihm Zeit um sich nach Aarhuus zu ret­ten und vor Aarhuus machte er abermals Halt, und so konnte Der Däne sich auf Die Halbinsel Helgenäs zurückziehen, und von Dort zum entscheidenden Schlag gegen das schleswig-holsteinische Corps vor Fridericia sich einschiffen. Um aber Die bisherige schändliche Kriegsführung vollends zu krönen, verhinderte man nicht, daß die braven schleswig-holsteinischen Soldaten bei Fridericia am 6. d. M. decimirt wurden. Wir sagen mit Bedachtverhinderte man nicht" statt wie viele Blätter zu sagen pflegen,veranlaßte man." Denn für so kopflos und hirnverbrannt halten wir die oberste Heerführung doch nicht, daß letztere es hätte wagen sollen durch positives Thun, Die Söhne Deutschlands dem Feinde zu überliefern. Al­lein begründet bei einem Heerführer dasNichtthun", die Lässigkeit, da wo er handeln sollte, handeln könnte, nicht ebenso Verrrath, wie das förmliche Unterhandeln mit Dem Feinde?

Wir tragen kein Bedenken zu erklären, daß Ver­rath, vielfacher Verrath Der oberste Leiter, bisher in dem schleswig-holsteinischen Kriege gewesen ist, und wir finden, daß Alles, was wir in Dem Art. 101, ( V Der deutsche Michel und die Freiheitsbestrebungen der Völker) welcher von der Justiz angeklagt ist, über Die Kriegführung in Schleswig sagten, durchaus wahr ist.

Im März erklärte Der König von Preußen: 1) Schleswig und Holstein sind selbstständige Staaten, 2) sie sind zusammengehörig und 3) in ihnen herrscht Der Mannsstamm ; und gelobte weiter diese Sätze zu Ver- theidigen. Wir fragen aber heute, was hat Preußen gethan um diese Sätze durchzuführen? So viel wir begreifen können, hat Preußen nur Alles gethan, um daSGegentheil" Der obigen drei Sätze herbeizu­führen. Bald nach Dem März erhob Der pietistische Absolutismus wieder sein Haupt in Berlin und dieser erklärte die Schlcöwig-Holsteiner fürRebellen", welche von einem guten und liebenswürdigen Könige unge­bührliche Dinge verlangten. Dieser Ansicht gemäß ge­staltete sich das fernere Verhalten desdeutschen" Preußen im schleswig-holsteinischen Kriege. Alle Wün­sche, welche Rußland bezüglich der endlichen Friedens- basis in der schleswig-holsteinischen Sache hegte, suchte Preußen untertänig zu erfüllen.

Man erinnere sich nochmals an die ganze Art der Kriegführung, und ferner an den Waffenstillstand von Malmö, an Die Aeußerungen des Königs von Preußen gegen den Professor Heseler, den Herzog von Gotha, und den dänischen Bevollmächtigten, Den Freiherrn v. I Plessen und schließlich an Den neuesten Waffenstillstand

Festung und Die nachbarlichen Berge übersehen konnte.

Bis zum 17. Mai hatte die Belagerung nur den Zweck der Beunruhigung und Ermüdung gegenüber der Fcstungsbesayung, erst mit Diesem Tage fing Die eigen­thümliche Operation an. Am bedeutendsten waren die beiden, 500 Schritte von der Festung hinter starken Schanzen aufgestellten, aus 16- und 24- Pfändern be­stehenden, Bresche schießenden Batterien, die trotz den von den Basteien fortwährend auf sie gerichteten Schliss 11 in 3 Tagen eine 1012 Klafter breite Bresche geschoßen halten.

Der entscheidende Angriff geschah am Morgen auf den 21. Die ganze Nacht dauerte zum Schein eine starke Kanonade fort, als ob kein Sturm vorbereitet würde. Nach zwei Uhr wurde indessen mit ganzer Kraft angegriffen nnd Der Sturm begann. Ohne ein Wort zu sprechen, beobachtete Görgcy die anstürmenden Truppen, keine Miene verzog Dich auf seinem Antlitz. Schon wehte die erste ungarische Fahne auf dem Walle, als Der Rc- gierungs-Civil-Commissär mit der Frage an ihn herantrat: Jetzt können wir wohl Die Einnahme der Festung Dem Reichstag nach Debreczin melden?"

Denken sie an Melas bei Marengo!"" erwiederte Görgcy und richtete das Fernrohr von neuem auf Den am meisten bedrohten Punkt Der Festung.

Bald aber war der Sieg vollständig errungen; Ofen wieder in den Händen Der Ungarn. Dorthin wurde das Hauptquartier verlegt, und unter nicht endendem Eljen- rufe ritt Görgey durch Die Thore Der eroberten Festung.

Das Aeußcre Görgey's bekundet weder den Ungar noch den großen Feldherrn. Er ist von mittlerer schlanker

und dann wage man es noch ferner zu behaupten, dasdeutsche" Preußen, dessen deutsche Gesinnung uns genngsam^ seit Jahrhunderten und insbesondere seit Dem Baseler Frieden bekannt ist, habe unsern deutschen Brüdern bereitwillig Hülfe bringen wollen! Die Könige unterstützen nicht die Völker gegen ihre Fürsten; und einig sind die Fürsten, aber un­einig und deßhalb gebunden die Völker! Hat der ganze schleswig-holsteinische Krieg nicht wie­der glänzend die Wahrheit dieser Sätze bewiesen?

Das Ende des schleswig-holsteinischen Kriegs wird ein schmählicher Frieden, Der die Trennung Schleswigs von Holstein dittirt, uiiD ein glühender Haß gegen Preußen, auch in Norddeutsch! and, sein. Mit Recht sagt daher die Kölnische Zeitung, eigentlich sey Preußen vor Fridericia geschlagen worden , mit Recht meint sie, der^Name Preuße werde in Schleswig- Holstein ein Schimpfname werden. Wie man jetzt endlich auch in Nord deut sch land die preußischen Kniffe und Pfiffe würdigen lernt, zeigt insbesondere ein Schreiben aus Bremen, welches ebenfalls die Köl­nische Zeitung enthält und welches wir hier zum Schluffe folgen lassen:

So sehr man sich hier nach Frieden mit Däne­mark zu sehnen Ursache hat, so ist doch nur Eine Stimme Der sittlichen Empörung zu vernehmen über die Art, wie Preußen in diesem unglücklichen Dänen­krieg , in seinem letzten wahrhaft grauenvollen Ereig­nisse, aufs diene Die letzten Wurzeln der Sympathie des deutschen Volkes für diese erste deutsche Macht durchgraben hat. Die Sprache, welche DieWeser- Ztg." führt, hören Sie hier und im ganzen Norden allgemein. Als neulich Der Senat von Bremen der Bürgerschaft Die Anzeige machte, daß er es in Der gegenwärtigen Lage des Vaterlandes für nothwendig gehalten, einen Bevollmächtigten nach Berlin zu sen­den, um dort dieBedingungen"" des Anschlusses an den von den Negierungeu von Preußen, Sachsen und Hanover ftipnlirten Verfassungs-Entwurf näher kennen zu lernen, sprach sich Die Stimmung gegen Preußen in schneidender Weise aus. Freilich ist Bre­men nur klein und kann sich nicht beikommen lassen, in der Frage der Constituirung Deutschlands irgendwie eine selbstständige Stellung einzunehmen. Aber cs bleibt ein unheilvolles Zeichen, daß auch in Dem nord­deutschen Kernvolke mehr und mehr eine tiefe, fast hassende Abneigung gegen Preußen Platz greift. Preußen so heißt cs jetzt, und das sind sehr konservative Männer, Die so reden, 7 Preußen ist an allem unserm Unheil Schuld. Erst in den Monaten Februar und März 1848 hat's zu lange gezögert, und sich und uns die Revolution über den Hals gezaudert durch seine Unentschlossenheit. Dann hat es den dä­nischen Krieg verschleppt, seine Nalional-Versammlung zweimal gesprengt, zuletzt Die Frankfurter hinterdrein l Alles Volkstümliche, was Preußen anfaßt, geht, so scheint es, zu Grunde. Nur in Niedertreten "sind sie

Statur mit dünnem und blondem Barte. Die äußere Haltung so wie Die Kleidung wird bei ihm ziemlich ver­nachlässigt ; er trägt einen gewöhnlichen Attilla, wie cs bei allen Offizieren üblich ist, und unterscheidet sich durch kein Abzeichen von feinen Kriegskameraden. Nur der Blick, der zuweilen aus dem geistreichen Auge sprüht, verkündet die Thatkraft und das Talent, welche seinen Namen zu einem Der ersten der ungarischen Nation er­hoben haben. An alle Müheseligkeiten und Entbehrungen des Krieges gewöhnt, hat er seinen Körper wahrhaft gestählt und ihn zum Sclaven seines Geistes gemacht. Oft wechselt er wochenlang seine Kleidung nicht, Die Stiefeln kommen nicht von seinen Füßen, und nur wenige Stunden der Nacht werden Dem ermüdeten Körper zur nothwcndig- flcn Erholung gegönnt. Den Kopf trägt er niemals bedeckt weder im Zimmer noch im offenen Felde.

Görgcy wird nicht blos als ein guter Feldherr ge­rühmt , sondern seines wahrhaft edlen und reinen Cha­rakters wegen von seinen Soldaten wie ein Vater geliebt, von seinen Feinden geschätzt nnd bewundert J>» Ge­spräche mit kaiserlichen Offizieren hatte ich oft Gelegen­heit dies zu bemerken; stets sprachen sie mit großer Aebnmg von den militärischen Kenntnissen und der Humanität dev General Görgey. Die gcfangenenen Offiziere ivei nt mit der größten Schonung und Alifmcrktamkcit * Bekannt ist es, daß der kaiserliche General Gey, ni i tu 2B.iilj tödlich vmvuiic« luiirtr, i" U-1, ( hart, auch Mfi er mit *#« "i«»« «K

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