übergehen solle? Oder glauben vielleicht unsere Geg- j ner mit ihrem Einfluß an unsere Stelle treten zu tön- , neu und mehr Eingang zu finden? ^,cder Zweifel führt ^u ; umsichtigerer Prüfung und größerer Gewißheit, und hat einmal der Vorsatz,'nach eigenem Ermessen die Wahlen vorzunehmen, kräftig Wurzel geschlagen, so ist uns nicht bange, daß unsere Mitbürger vom Lande auch zu einer klaren Einsicht darüber kommen werden, Werts wohl mit ihnen meint. Die demokratische Partei hat wahrlich Nichts dabei zu fürchten, sollten auch die ersten Versuche gegen sie ausfallen und mag die Er- wartung auf große sichtbare Erfolge bei der dermaligen Lage unseres Vaterlandes für den Augenblick getäuscht werden. Eben dieser Umstand, daß man an günstigen Resultaten verzweifelt, bewirkt die große Theilnahm- losigkeit an den öffentlichen Angelegenheiten, wie sich jetzt wieder zeigte, indem viele Gemeinden keine Wahlmänner geschickt hatten, in Haiger sogar 11 Männer, die noch zum Theil nachträglich zusammengeholt wurden, ihre 11 Wähler ernannten. — Die Herborner- Demokraten haben auch gesündigt, wie die Wiesbadner, weil sie nur in geringer Anzahl bei der Urwahl erschienen und das Vergnügen hatten, nur 4 der ihrigen ernannt zu sehen. —
Der Commandant unserer hiesigen Wehrmannschaft, Oberlientenant May, benachrichtigt uns heute im hiesigen Wochenblatte, daß er seine Stelle niedergelegt habe — ohne Zweifel, weil die meisten Leute geringen Spaß an diesem Institut haben. Leider!
4= Dillenburg, 1 L Juli Vor etlichen Tagen ist unserm Abgeordneten Raht zur Anerkennung seiner Thätigkeit als Volksvertreter von einer Anzahl hiesiger Bürger folgende Adresse übergeben worden:
Hochgeehrtester Herr Präsident!
Mit Schmerz und Erbitterung hat uns die Kunde von den Maßregeln erfüllt, welche die Reaktion gegen Sie als einen Vorkämpfer der demokratischen Partei Nassau's ergriffen hat. Wir schweigen darüber, ob Ihre Versetzung in den Ruhestand rechtlich zulässig war; sie stellt jedenfalls die Unabhängigkeit des Rich- terstandes in Frage. Sie beweist auf's Neue, daß unsere Hoffnungen auf ein freies und starkes Vaterland wieder in das Reich der Träume gehören, so lange die jetzt herrschende Partei am Ruder ist. Dagegen gibt uns die Schroffheit des gegen Sic eingehaltenen Verfahrens im Vergleich zu der eben erst beschworenen Reichsverfassimg sammt den schon früher gültigen Grundrechten die Bürgschaft, daß eine solche Herrschaft dem aufgeweckten Volksgeist gegenüber, sich nicht lange wird halten können. Ist es nun gleich traurig, daß die besten Kämpfer des Volkes am härtesten durch eine Niederlage getroffen werden, welche doch gerade die Zögernden und Unentschiedenen verschuldet haben, so ist doch der Muthige und Ueberzeugungstreue darauf gefaßt und wird durch Unglück, anstatt sich erschüttern zu lassen, nur zu neuem Kampfe gestählt.
So werden auch Sie — dessen sind wir überzeugt — ausharren in Ihrem edlen Streben mit der festen Zuversicht, die gerechte Sache der Freiheit müsse endlich dennoch siegen, wenngleich es auch vielleicht noch viele Opfer kosten sollte. Sie werden im Hinblick auf die stets wachsende Zahl derer, welche über das Gemeinwesen nachdenken und die Unterdrückung fühlen, die Bemühung Ihrer Gegner Sie zu entmuthigen, zu Schanden machen.
Von uns aber, deren Rechte Sie so muthig vertheidigt, nehmen Sie die Versicherung entgegen, daß wir Ihre Aufopferung für des Volkes Wohl zu würdigen verstehen und daß wir von Dank und Verehrung gegen Sie durchdrungen sind.
Das Volk wird das Gedächtniß Ihrer Handlungen bewahren bis zum einstigen Siege.
Dillenburg, den 5 Juli 1849.
(Folgen über 70 Unterschriften.)
Gleichzeitig wurde in etwas andern: Sinne dem Herzog!. Staatsministerium Folgendes eingehândigt:
An Herzogliches Nassauisches Staats- Ministerium zu Wiesbaden. (Protesterklärung der unterzeichneten Bürger zu Dillenburg.) Wenn auch das nassauische Volk die Gesinnung, welche sich in der Verfolgung seiner treuen Vertreter von Seite des herzoglichen Staatsministcriuins ausspricht, in dcn Beschlüssen der Abgeordnetenversammlung würdig zu erwidern wissen wird, so halten wir es doch für unsere Pflicht gegen die, die Rechte und Interessen des Landes tief verletzende Entfernung des Abgeordneten unseres Wahlbezirks, des Hof- und Appellationsgcrichts- Präsidenten Raht, von seinem Amte, welche das herzogliche Staatsministcrium, wie wir glauben, mit Ueberschreitung seiner verfassungsmäßigen Befugnisse, angerathen hat, als eine insbesondere gegen die Bürger unseres Wahlbezirkes gerichtete zur Beeinträchtigung unseres Wahlrechts gereichende Beschädigung des Gewählten hiermit feierlich Verwahrung einzulegen.
Die Entlassung eines Mannes, dessen tadellose Pflichterfüllung und verdienstvolle Wirksamkeit als Gc- richtsvorstand selbst seine Feinde anerkennen müssen, und der das Vertrauen der Einwohner des Gerichts- Bezirks genießt, hat das Rechtsgefühl des Volks aufs Tiefste verletzt und die Meinung befestigt, daß nur politische Parteiansicht bis zu einer solchen Verkennung der wahre» Interessen des Landes sich verirren könne.
Da offenbar nur die Offenheit und Unerschrockenheit, mit welcher unser Abgeordneter in seiner ständischen Wirksamkeit das Recht und die Freiheit des Volkes namentlich auch in Beziehung auf die Durchführung unserer Reichsverfassung vertreten hat, in dieser Verfügung eine Mißbilligung und Strafe finden soll, so fühlen wir uns gedrungen, unsere vollkommene Beistimmung zu seinem Wirken zu erklären und für die Treue und Redlichkeit, womit er sein Mandat bis jetzt erfüllt hat, hiermit öffentlich unsere dankbare Anerkennung auszusprechen. (Folgen etliche und 70 Unterschriften.)
Frankfurt. Ein englisches Blatt behauptete jüngst: Die Bevölkerung Deutschlands bestehe gegenwärtig in strenger Kastensonderung aus Demokraten, Häschern und Eseln. Die Deutschen mögen sich nun nach Belieben in diese Klassen einrolliren lassen. (Es besteht schon in England aus jenen Jahrhunderten, wo Galgen und Rav, Tortur und Ketten, die sittlichen Hebel der Gesellschaft bildeten, ein Sprichwort: „Lieber in England gehangen, als in Deutschland.") (R.T.Z.)
Hanau, 15. Juli. Die hiesige Zeitung theilt folgendes aus Briefen zweier kurhessischeu Husaren aus Skanderburg vom 11. Juli mit: „Ein Corps Reichstruppen, bestehend aus verschiedenen Waffengattungen, unternahm vor ungefähr vierzehn Tagen einen Zug, um ein ziemlich starkes Corps Dänen, welches von uns entdeckt war, gefangen zu nehmen. Durch das geschickte Manöveriren unserer Offiziere gelang es uns, in einigen Stunden die Dänen in eine Falle zu locken, so daß an ein Entkommen derselben kein Gedanke war. Als wir im Begriff standen, sie zum Strecken des Gewehrs zu zwingen, jagte General Prittwitz heran und ließ zum Rückzüge blasen. Die Dänen marschirten nun hohnlachend an uns vorüber, zähneknirschend zogen wir uns zurück. Des andern Tagcs war das Offiziercorps beim Herrn General, wo_ es sehr stürmisch herging, das ganze Militär, Kurhessen, Sachsen, Bayern, Würtemberger u. s. w. nebst den Offizieren, ja selbst viele Preußen waren auf das höchste erbittert. Die Stimmung der Reichstruppen war so, daß es der General vorzog, vier Tage lang vor den Truppen nicht zu erscheinen. — Den Abend vorher, als die 70 kurhessischen Husaren gefangen wurden, mußten wir früher füttern und uns früher legen als sonst, auch wurde den Abend kein Wachtposten aufgestellt. Diese Thatsache, mit der mir so eben überbrachten Nachricht, daß der gefangene Rittmeister Grau in dänische Dienste getreten ist, in Verbindung gebracht, läßt ebenfalls manche Deutung zu.
Dieser Rittmeister war nicht beliebt und unsere Offiziere sind jetzt auf's höchste über ihn aufgebracht."
Dresden, 14. Juli. Die Zahl sämmtlicher in Alt- und Neustadt befindlichen politischen Gefangenen beläuft sich nun jetzt noch auf ungefähr 100. Von den Mitgliedern des vorigen Landtags sind nicht weniger als 38 der Betheiligung am Maiaufruhr angc- jchuldigt, darunter das gesammte Directorium der zweiten Kammer; die eine Hälfte derselben (Tzschir- uer, Schaffrath, Fincke, Linke, Kelss Gruner, Köchly, Feldner, Berthold, Tauerschmidt, Rcimman^ Helbig, Zschweigert, Todt. Hohlfeld, Hitzscholv, Oppe, Dörst- ling, Heeren) wird durch Steckbriefe verfolgt; die andere Hälfte (Blöde, Röckel, Klette, Schmidt, Hensel, Dammann, Bcnselcr, Bertling, Meyer, Theile, Clauss aus Auerbach, Tzschucke, Arndt, Heubner, Heinze, Re- witzer, Gautsch, von Trützschler) sind verhaftet; Fritzsche allein wurde freigelassen. Außerdem befinden sich die ehemaligen Abgeordneten Haußner, Jäkel, Segnitz und Kaiser auf der Flucht, ohne verfolgt zu sein. 3m Allgemeinen zählt man unter den Angeschuldigten 15 Juristen und Bürgermeister, 23 Geistliche und Lehrer, 21 Kaufleute, 11 Schriftsteller und 11 Staats- dieuer. Mehre Bürgermeistereien und Pfarrämter sind, da die Inhaber in der ihnen gestellten Frist nicht zurückkehrten, als erledigt zur Bewerbung ausgeschrieben worden (D. Z.)
Dessau, 12. Juli. (D. A. Z.) Wieder wird ein Märzministerium zu Grabe getragen! Das Ministerium Habicht-Koppe, das durch sein offenes und aufrichtiges Handeln berühmt geworden, hat, wie man seit mehren Tagen hier überall mit Schmerz vernommen, seine Entlassung eingereicht und dieselbe erhalten. — Der Landtag hat ihm noch in seiner letzten Sitzung im vorigen Monat ein Vertrauensvotum einstimmig dekre- tirt — und es dennoch entlassen! Wohl vermuthete man auch schon lange, daß der Einfluß Preußens, und zwar der dort jetzt herrschenden Partei, immer überwiegender ans unsern Herzog werde; man wußte, daß Preußen denselben vor Monaten schon um die Entlassung des Ministers Habicht angegangen hatte; dennoch konnte man nicht glauben, daß ohne irgend einen Conflikt zwischen Landtag und Ministerium oder zwischen Volk und Volk das Ministerium vom Herzog entlassen werden würde. Die Aufregung darüber ist groß.
Von: Gemeinderath und Gemeindevorstande, von Vereinen, von der Volkswehr zweiter Abtheilung der Stadt Dessau und mehreren kleinern Orten sind bereits Deputationen an den Herzog, welcher, in Wörlitz sich aufhält, abgesendet, um ihn zu bitten, das Ministerium nicht zu entlassen; keine dieser Deputationen ist indeß bis je^t angenommen; sie sind an den köthen- schen Minister Goßler gewiesen, welcher ihnen wenigstens die Versicherung gegeben hat, daß die Entlassung eine aus unabweisbaren Gründen, die von Preußen gemeinschaftlich mit Hannover hervorgebracht wären, nothwendig sei; daß es aber ein reiner Personen-, keineswegs ein Systemwechsel sein würde, daß an der Verfassung durchaus nichts auf ungesetzlichem Wege geändert werden solle. Freilich hat man hierauf nicht zu großes Vertrauen, und man fürchtet allgemein, daß es nicht blos auf einen Wechsel der Personen, sondern des Prinzips abgesehen sei.
In Koburg ist am 7. Juli Feodor Streit, der Redakteur der dort erscheinenden demokratischen Blätter „Tageblatt" und „Neue deutsche Dorfzeitung" durch die Criminalbehörde verhaftet worden.
Stuttgart, 12. Juli. Römer hat es beider gehorsamen Kammer durchzusetzen gewußt, daß die Jury erst mit dem 15. Oktober ins Leben tritt, und daß Bestimmungen getroffen sind, nach welchen die meisten der jetzt wegen politischer Vergehen Angeklagten noch vor die alten Gerichte kommen; die Anderen bleiben wenigstens bis zum Oktober in den Klauen
und Eitelkeit fcbmeichett, unfehlbar ist, so bediene man sich der Einen die Andere zu erdrücken, dann ist aber die, cie nbriggeblieben, zu vernichten, indem man sich in einen Kampf mit ihr cinläßt, der nicht zweifelhaft sein kann, da Rußland dann schon den ganzen Orient und einen großen Theil Europas besitzen wird.
14) Wenn beide das Anerbieten Rußlands zurück- weisen sollten, was aber unwahrscheinlich ist, so muß man Streit unter ihnen anfachen, und sie sich gegenseitig einander erschöpfen lassen. Dann aber läßt Rußland seine vereinigten Truppen erst Deutschland, dann Frankreich überschwemmen, und so kann und muß Europa besiegt werde n. —"
Wer die Geschickte Europas vom 18. Jahrhundert bio auf unsere Tage verfolgt hat, wird beurtheilen können, ob und wie die Instruktionen Peters des Großen, „die ihm unmittelbar von Gott eingegeben wurden," von seinen Nachfolgern genau und pünktlich verfolgt worden sind und werden.
Die Idee Peters „des Großen", das Erbtheil seiner Naebkommen, ist nachweisbar selbst schon auf den Ge- dankengang seiner Vorfahren gebaut. Der „letzte Ritter" Kaiser Maximilian, war jenem Barbaren "Iwan Wasil- jewitich, der Große genannt, mit dem Kaisertitel ent- gcgcngekommcn; sein Gesandter Halle ad captandam benevolentiam die Weisung, den Czaren als Kaiser und Selbstherrscher aller Reußen anzureden, wiewohl nachher der Kaiser den nicht eben ehrenhaften Ausweg ergriff, die Gesandten der Ueberschreitung ihrer Vollmachten zi: bezücktigcn — ächt habsburgisch! Ja man räumte den
Russen an der durch die Heilige Liga zu Rom im Jahre 1538 abgeschlossenen Theilung der europäischen Türkei ihren Antheil ein. Auf dem Regensburger Reichstag 1547 betheuerte der Czar „von Gottes Gnaden, Kaiser und Herr Aller Reußen, In Seithienns und Sarmaticnn gewaltiger Besitzer und Regierer, Herr Europens und Asiens — und vieler Reich und Länder, die wir nit allein uns, (unter auch dem Herrn Christo gc= wunnen" , seine unwiderstehliche Liebe zn den „Deutschen" da sie eines Ursprungs lind Herkommens seien; und auch zu Hcirathöverbindungcn zeigte sich der Czar freund- willig. — Wir sehen hier schon die „heilige Mission Rußlands" und des großen Czaren nur ficineé Testament ungeteiltes.
Unheilbringend ist die Entzweiung der Mächtigen, aber trostloser noch ihr Bund. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Furcht vor der Revolution die Fürsten mehr oder weniger dem Geiste der russischen Politik in die Arme geführt hat. Rußland wälzt seine Heere dem Westen zu, als stände uns eine mongolische Ucberfluthung bevor. Die Fingerzeuge des Geschicks in Wien und Ungarn wurden von der verblendeten Weisheit des Westens von der Stupidität deutscher Professoren und Staatsmänner übersehen, und heute noch, welche wahnsinnige Verstocktheit, welche Verkehrtheit, welcher Dünkel der Beschränckt- Heit gegen die Zeichen der Zeit! (Rchtgs. Ztg.)
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Der Kohinur (Lichtberg). Dies ist bekanntlich der Name des berühmtesten jetzt bekannten Diamanten, der, wie die Engländer sich schmeichelten und wie Sir CH. Rapier schon vor einigen Monaten zuversichtlich versicherte, bald in die Hâude ihrer Majestät der Königin Victoria gelangen und einen Theil der englischen Krvn- ! juweleu ausmachen sollte. Indeß wird man sich doch etwas gedulden müssen, denn diese Siegesperle ist für den I Augenblick in Händen, die sie nicht so leicht loslassen 1 werden. Die erste Kunde die man von diesem Klcimiod hat, ist, daß cs den Pfauenthron der Mogulkalfer schmückte, denn daß er vorher den mythologischen Pandus gehörte-, ist nur eine Sage der Hindus. Von dem Pfauenthron raubte eS der wilde Nadir Schah, bei seinem Einfall in Indien im vorigen Jahrhundert. Als Nadir Schah ermordet wurde, nahm Ahmed Schah Abdallah, der Gründer der Durani.Dynastie in Afghanistan, das Kleinod aus dem Zelte fort. Durch Erbschaft kam es an Sckah Schnd- schah, dem cs Randschit Singh entriß, als derselbe bittend und flüchtig an seinen Hof kam. Nach Randschit Singh'S Tode kam dasselbe in den Besitz Gholab Singh'S, der es jedoch an Schir Singh, uachdcm dieser sich auf dem Thron befestigt, zurückgab. Während der neuesten Unruhen kam das Kleinod wieder in die Hände Gholab Singh's der es nach Dschamu in seine Veste brachte. Dort befindet es sich jetzt. Der Diamant ist I^Zoll lang und unten ein Zoll breit. Man schätzt auf mehrere Millionen Pfund Sterling Werth. (Mannh. Unterhaltungsbl.)