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„Freiheit und Uerht!"
Wiesbaden. Mittwoch, 18. Juli
1849
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^ Religiöse Freiheit — politische Freiheit!
Die Hauptübel unserer Zeit sind die Trägheit und die Gleichgültigkeit. Haben miß diese Mißstände aus dem politischen Boden seit einigen Jahren unendlich viel gehemmt, ja uns in diesen Tagen sogar um ein Bedeutendes zurückgeworfen, so haben sie uns noch bei Weitem mehr auf dem religiösen Boden geschadet und unsere Kraft geschwächt.
Glaubt es mir, Deutsche in allen Gauen unseres Vaterlandes! Wenn der freisinnige, der vernünftige Theil des Volkes, der sonst zwar ein warmschlagendes Her; für die Verwirklichung der ewigen Grundideen der Menschheit in seinem Busen trägt, in seiner großen Mehrheit fernerhin, wie bisher, gleichgültig und träge bleibt, aus dem religiösen Boden ebenfalls aii- znfangcn zu resormiren und tüchtig zu segen, dann sind wir verloren! Ohne Befreiung vom Pfaffenjoch wird die Freiheit nimmermehr gedeihen; diese Befreiung wird aber nie von Oben kommen, sie muß sich aus dem Volke selbst gestalten, kann sich aber nur dann aus dem Volke selbst gestalten, wenn eben seine aufrichtigen Freunde dein religiösen Boden nicht mehr den Rücken kehren, sondern darin wetteifern, der Kirche eine möglichst freie, entwicklungsfähige Grundlage zu geben. Suchet endlich einmal die noch so wenig begriffenen , aber leider in unserer Zeit zum Hohne der Civilisation noch so sehr entstellten und verworrenen Ideen des edelsten Menschen, der je ans Erden wandelte, jenes Christus, der für seine Ueberzeugung aus reiner Liebe zur gequälten Menschheit den gräßlichen Martertod starb, zu verwirklichen und es wird besser werden auf Erden! Was er damals gewollt, von feinen Zeitgenossen aber nicht verstanden worden ist, was ist es anders, als was das arme, gedrückte und verhöhnte Volk heute will — ein Gottesreich schon auf dieser Erde, Freiheit, Wohlstand und Bildung für Alle?! Ja und was hat man aus dem Ehristenthum bisher gemacht und was wird man noch mit ihm in Zukunst machen, wenn man trage und gleichgültig bleibt?! —
Sehr schön sagt darüber ein Artikel des „Luzifer", in welchem von dem Paragraphen der oktroyirten preußischen Verfassung die Rede ist, der hinter schönklingenden Worten von Freiheit und Selbstständigkeit der Kirchen das Gift der schmählichsten Täuschung birgt, Folgendes:
„So wärst du denn, getäuschtes Volk, auch hier im Kirchlichen getäuscht, wärst aus dem Regen in die Traufe gekommen, ans deiner Staatsklrche wäre geworden eine Fürstenkirche, ans deinen konstitutionellen Staatenfürsten uneingeschränkte Kirchcnfürstcn; uudFür- stenthnm und Pfaffenthum sie böten sich die^Haud im dunklen Bund der Cabinette, um das im staatlichen verlorenen Kanaan der Willkür und Gewaltherrschaft vom kirchlichen Terrain sich wieder zu erobern. Hältst
du das übertrieben, so geh' nach Ollmütz, nach Berlin, nach München, Dresden; in wessen Händen sind die Fürsten, wer ist die Seele ihrer Eamarillen, ihrer Politik, wer donnert in Baden, in Baiern wider die neue Ordnung der Dinge, wer dirigirt die Kanonen der französischen Nation wider tue römische Schwesterrepublik? Antwort: Die Pfaffen und überall die Pfaffen! Und du erhebst dich nicht, ehrliches deutsches Volk, und erkennst doch die Feinde, die im Herzen deines heiligsten Heiligthums dich bekämpfen, dich verrathen, dich verkaufen, dich betrugen, — und du erhebst dich nicht zur kirchlichen Befreiung und schüttelst sie ab, die Schlangen, die du an Deinem Busen nährest? Man muß seinen Feind gering schätzen, am wenigsten den versteckten, der mit den frommen Waffen der sal- bungsreichcn Bosheit kämpft. Willst Du zur völligen Freiheit durchdringen, so hast du die beiden Gebiete des Absolutismus zu nehmen, im Staat und in der Kirche. Keine Freiheit ohne die andere. Und solltest du mit der Wimper zucken, wenn du im kirchlichen Erlösliugsdrauge den Kirchen deiner Väter den Rücken kehren und sie sammt ihren Gütern den Pfaffen in Händen lassen mußtest, die dich hinausgebetet, so wisse, daß dieses Opfer auch die ersten Christen ihrer Ueberzeugung brachten, daß deine Vater vor dreihundert Jahren dasselbe thaten und doch nicht müde wurden, bis ihnen nach dreißigjahrelangem Kampf die Kirchen wieder übergeben wurden, aus denen ihre Väter ausgetreten waren!"
O beherziget dies, Deutsche, wenn Jhr's mit dem armen Volke wahrhaft redlich meint! Religiöse Freiheit — politische Freiheit!
Deutschland.
* Wiesbaden, 17. Juli. Als die Wehrmannschaft Wiesbadens davon Kenntniß erhielt, daß sie ihren bisherigen, von Vielen geliebten und von Allen geachteten Obristen Malm verlieren solle, wurde sie allgemein schmerzlich berührt. Die Männer, welche das Vertrauen des Volks genießen, sucht man jetzt in jeder Weise aus der Mitte des Volks zu entfernen: man wird aber nur den Erfolg erzielen, daß die Liebe und das Vertrauen, welche das Volk zu diesen Männern hegte, durch solche Maßregeln nur noch gesteigert werden. Gestern Abend versammelten sich die Wehrmänner der Stadt in großer Anzahl auf dem Louisenplatze und begaben sich von da, an der Spitze das Musik- Corps und Fackelträger, nach der Wohnung des Hrn. Malm. Als der Zug bei Der Wohnung des Letzter» angekommen, wurden einige Musikstücke aufgeführt und einige Bürger aus der Wehrmaimschaft verfügten sich zu Hrn. Malm, um den letzter» zu versichern, wie innig sie bedauerten, daß er gezwungen sei, aus ihrem Kreise zu scheiden. Von der Wohnung des Herrn Malm verfügte sich alsdann die Wehrmannschaft, nachdem sie den letzterü in ihre Mitte genom-
I men, nach bem Felsenketter des Hrn. Poths, woselbst 1 die Bürger in traulichem Zusammensein noch einige Stunden zubrachten. An diesem Orte erfuhren die Letzter» auch, daß sie den allgemein verehrten Bürger- wehrmajor Schellenberg ebenfalls verlieren würde», weil der Letztere nach Usingen versetzt sei, und wie Dem Obristen Malm, wurden auch ihm vielfache Beweise einer gerechte» Anerkennung seiner Verdienste um die Wehrmannschaft zu Theil.
-"-Wiesbaden, 17. Juli. Wir vernehmen, daß in ^^^^m^^, an die Stelle des ausgetretenen Land- standes Siebert, Amtmann Kalt in die Jammer gewählt worden ist. — Aus einem nus zugekommencn Briefe entnehmen wir, daß folgende vier Bürger in Höchst in den Kreisrath gewählt worden sind: Brenner von Höchst, Barlow von Kriftel, Cremens von Hochheim und Reges von Eschborn. Die drei ersten der Genannte» sind als entschiedene Demokraten bekannt.
X Wiesbaden, 16. Juli. Es gereicht uns zur großen Freude, daß wir zur Beruhigung vieler unserer Mitbürger, die durch vage Zeitungsnachrichten um das Schicksal des politischen Flüchtlings Oswald Diez von Wiesbaden in Besorgniß versetzt waren, die zuverlässige Mittheilung machen können, daß dieser „Frei- schaarenführer" weder verwundet, noch gefangen, sondern wohlbehalten auf dem freien Boden der Schweiz angekommen ist.
W Dillenburg, 13. Juli. Heute ging die Ernen- nung von drei Kreisräthen für das Amt Dillenburg vor sich, und zwar fiel das Resultat ganz anders aus, als die Wahlmänner unserer Stadt erwartet hatten. Von ihrer Seite waren als Candidate» ausgestellt: Hofgerichtsassessor H 0 rstma n n, Armencassirer Schäfer von hier und Eckart, früher Schultheiß von Rittershauscn. Mochte nun die demokratische Partei, welche ihre Wahlmänner für Dillenburg mit ungeheurer Majorität durgesetzt hatte, bei ihrem diesmal angenommenen Vermittlungsprincip nicht die gehörige Auswahl unter Den Wahlmännern getroffen oder vor der eigentlichen Wahl nicht die frühere Rührigkeit bewiesen habe» — genug, kein einziger von den Dreien ging durch, sondern andere „Gewisse", um mit unserer „Allgemeinen" zu reden, und diesmal wirklich „Gewisse", weßhalb wir auch mit ihrem Namen nicht Den Raum der Freien Zeitung verengen wollen. Ueber dieses Ereigniß jubelt nun die galante Partei in unserer Stadt und hält den Einfluß Der Demokraten für alle Zeiten beseitigt, da die Landbewohner dies- mal, wie nicht zu leugnen ist, eine große Selbstständigkeit bewiesen hatten. Wir si»d da anderer Meinung; denn, ich bitte, was will denn die demokratische Partei anders, als allenthalben eigene Ueberzeugung Hervorrufen? Hat man deßwegen, feit beiläufig anderthalb Jahren, die Volkssouvergnität, die politische Selbstständigkeit angepriesen, daß sie nicht in die Praris
Das Testament Peters des Großen.
(Slchuß.)
Das berühmte oder berüchtigte Testament schreibt vor:
1) Die russische Nation fortwährend im Zustande des Krieges zu erhalten . ..
2) Aus allen eioüisirtcu Ländern Europas durch alle möglichen Mittel, im Kriege Generale, im Frieden Künstler und Gelehrte nach Rußland zu rufen....
3) Bei allen Gelegenheiten Theil zu nehmen an den Verwicklungen und Händeln Euorpas, sie mögen welcher Natur immer sein, vorzüglich aber an denen Deutschlands das uns näher gelegen, uns auch direkter intcressirt.
4) Polen zu theilen, indem man dort fortwährend Unruhen und Rivalitäten unterhält, die Gewalten des Landes sind mit Gold zu gewinnen, man muß auf den Landtag Einfluß haben, ihn bestechen, damit man auch auf die Königswahl Einfluß habe, man muß trachten, Anhänger unserer Partei in den Wahlen durchzuseyen und sie protegircu, so oft als möglich russische Truppen einrücken lassen, und so lange als möglich dort verweilen, bis sich eine Gelegcnhckt darbietet sich für immer fest- zusehen. Wenn die angrenzenden Mächte Schwierigkeiten machen, so muß man sie beruhigen, indem man das Land zerstückelt und bei Zeit und Gelegenheit wieder zurücknthmeu, was man gegeben.
5) Von Schweden muß so viel als möglich genommen , werden. Man muß wissen, sich angreifen zu machen, um dann einen Vorwand zn haben, es zu unterjochen,
1 man muß es von Dänemark isoliern und Dänemark von - ihm, man muß ihre Rivalität stets erhalten.
6) Die Gemahlinnen für russische Prinzen sind immer aus deutschen Prinzessinnen zu wählen, um die Familicu- vcrbindnngcn zu vervielfältigen, Die Interessen gegenseitig zu nähern, und so Deutschland bloß durch unsere mannigfachen Verbindungen mit uns zu vereinen.
7) Für den Handel ist Die Allianz Englands allen andern vorzuziehen, Denn cs ist eine Macht, die uns für feine Marine nöthig hat, und uns zur Entwicklung der unserigen am nützlichsten ist. Unser Holz ist gegen andere Produkte oder Gold auszutauschen. Unsere Kaufleute und «Matrosen sind in fortwährender Verbindung mit denen Englands zu erhalten, Damit diese die Unsrige» zum Handel und zur Schiffahrt bilden.
8) Man muß sich fortwährend gegen Norden längs des baltischen und im Süden längs des schwarzen Meeres aucdchncn.
9) Constantinopel und Indien muß man sich so viel als möglich nähern, denn wer dort regieren wird, der ist der wahre Herrscher der Welt. Man muß sogleich der Türkei fortwährende Kriege schaffen, ebenso wie Persien auch; große Depots am schwarzen Meere errichten , um sich nach und nach dieses Meeres ganz zn bemächtigen, sowie des baltischen, denn Diese zwei Punkte sind noth- mendig zum Gelingen unseres Vorhabens. Persiens Verfall muß beschleunigt werden, man muß bis zum Golf von Persien Vordringen ; den alten Handel der Levante über Syrien womöglich wieder Herstellen unD bis nach Den beiden Judien vorrücken, die das Entrepot der
Welt sind. Einmal da, können wir das englische Gold ' entbehren.
10) Die Allianz mit Oesterreich muß gesucht und erhalten werden, man muß seine Ideen einer zukünftigen Beherrschung Deutschlands dem Anscheine nach unterstützen, unter der Hand aber die Eifersucht der Provinzen i gegen dasselbe erwecken, man muß trachten, daß eine : oder Die andere die Hilfe Rußlands anspricht und über das ganze Land eine Art Protektion auSüben, Die einer künftigen Beherrschung Den Weg bahnt.
11) Man muß daS HauS Oesterreich dabei interessiren, die Türken auS Europa zu jagen, und bei der einstigen Eroberung ConstantinopelS dessen Eifersucht unschädlich 'zn machen suchen.
12) Die theils in Ungarn, theils in der Türkei, theis im südlichen Polen verbreiteten unirten miD auch nicht unirten Griechen, muß man sich zu verbinden, und um sich zu schaaren suchen, man muß sich zu ihrem Mittelpunkte, zu ihrer Stütze machen, und durch eine Art Autokratie und priesterliche Oberhoheit ein allgemeines Uebergewicht zu erlangen suchen: Diese werden dann ebenso viel Freunde bei jcDem unserer Feinde sein.
13) Nachdem Schweden entkräftet, Persien besiegt, Polen unterjocht, Die Türkei erobert, unsere Armeen vereinigt , daS schwarze und baltische Meer von unsern Schiffen bewacht sein werden, muß mau, vorerst abgesondert und insgeheim Dem Hofe von Versailles, dann . dem von Wien den Vorschlag mache», daß man mit I ihm Die Herrschaft der Welt theilen «volle. Wenn eine | von beiden annimmt, waS, wenn man ihrer Ehrsucht