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Freiheit und Recht!"

Wiesbaden. Dienstag, 17. Juli

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AS. Die Aufgabe der demokratischen Presse.

Nichts ist widerlicher, als die totale Abgefallenheit einer Partei nach einer momentanen Niederlage. Sie gesellt sich dann zum Hohn aller Derer, die in dieser Niederlage eine Befriedigung der eignen Wünsche er­blicken. Für den Einzelnen, dessen Hoffnungen nach einem augenblicklichen Schiffbruch nicht zerschellen, ko­stet es dann die größte Ueberwindung, eine solche Phase des Katzenjammers mitdurchzumachen, und dabei doch die freudige Zuversicht zu behalten, die unumgänglich nothwendig ist, um der Umgebung wieder neues Leben mitzutheilen. Daß die demokratische Partei in diesem Augenblick eine entscheidende Niederlage erlitten hat, wissen wir Alle, und haben es auch schon lange ein­gestanden. Ob aber diese Niederlage für die Wahr­heit unsrer Grundsätze maßgebend ist, das ist eine ganz andre Frage. Ihre Beantwortung hängt zusammen mit der gegenwärtigen Stellung der demokratischen Partei. Diese haben wir zu untersuchen, um dann der Presse ihre Aufgabe zuzuweisen. Wohl mag es wahr sein, was Göthe den Mephistopheles sagen läßt:

Heul' sind sie katzenjâinuicrlich,

Die gestern noch so schön besessen." wohl mag der Vorwurf gerecht sein, den man jetzt einem großen Theile des Volkes machen kann, daß es keine Ursache habe, wegen einer bittern Gegenwart die Zukunft aufzuopfern wohl mag die gegenwärtige Niederlage selbst eine theilweise Demoralisation im Gefolge haben, vor Allem unter der Herrschaft des Standrechts und Belagerungszustandes, aber auch außer- dein, indem sie die Schwankenden und die noch nicht genug Gebildeten wieder dem politischen Jndifferentis- mus in die Arme führt, dem Gemeinwesen das Privat­interesse mit all seinen schmutzigen Triebfedern auf- vpftiu laßt. urro fuiiii nidjt^ von alledem auch "' einen Augenblick an unfein yun^u ....... ^d »"' irre machen, und unter dem Todesröcheln der letzten Freiheitskämpfer, unter dem Gestöhne der in den Kerkern Schmachtenden, unter dem Nothschrei der Hungernden und Darbenden, und selbst unter den Verwünschungen der Jrregeführten pflanzen wir kühn unsre Fahne auf. Wir haben es schon oft gesagt, und werden nicht unterlassen es zu wiederholen, unser eigent­licher urd wahrer Gegner ist nicht die absolutistische Partei, sondern die konstitutionelle. Mit der absolu­tistischen Partei haben wir nichts Anders zu schaffen, als daß wir, wenn die günstige Gelegenheit einmal kommen wird, dreinhauen. Daß der Absolutismus eine abgestorbene Gestaltung, daß er nichts war und ist als eine Konsequenz des lutherischen Protestan­tismus, der die geistliche Gewalt, die früher der Papst hatte, den Fürsten zu ihrer übrigen in die Hand gab, der von den Fürsten, zu Gunsten ihrer Selbstständig­keit, vortrefflich als vorgeschobener Posten gegen Kai­ser und Reich benutzt wurde darüber sind wir im Klaren. Zudem sind seine Beweismittel grade in letz­

ter Zeit so unverschämt nackt an den Tag getreten, er lebt und webt jetzt so recht in seinem Element im Standrechtssieber, daß der kurzsichtigste Verstand sein Anathem über ihn ausruft. Ja, hätte die konstitutio­nelle Partei gesiegt, wären wir dazu verdammt, nun durch einen ähnlichen Koth zu Waden, wie Frankreich seit dem Jahre 1830, wie England seit dem Aufschwung seiner Fabrikindustrie und seines Handels wir wür­den Buße thun in Sack und Asche, und uns demüthig bekennen zu einem pater peccavi ! Aber zum Glücke sitzt nicht das Haus Gagern auf dem Thron, viel­mehr regiert Vater Wrangel in Berlin und Bran­denburg-Manteuffel in Preußen, und die Schü­ler und Bedienten des grauen Sünders Metternich in Oestreich. Alles Leute, wie gegossen aus Einem Guß, vom reinsten Kaliber des Absolutismus, Ritter ohne Furcht und Tadel, Söhne der guten alten der geraden, rechten, schlichten Zeit. Papa Hergen- ha h n hat aus Mißmuth über der Zeiten Veränderung das Regieren aufgesteckt des müden Mannes letztes Kind war die berühmte Eidesformel für die Solda­den: jetzt ist er im Vorstand des Jahn-Gagern-Dahl- mann)chcn deutschen Reichsvereins, der ci - devant Mehrheit des deutschen Parlaments. So steh'n die Sachen. Unsre Gegner haben nicht über uns trium- phirt, sie liegen darnieder, wie wir, aber während die demokratische Partei ihrer Ehre nichts vergeben hat, während die Niederlage der konstitutionellen Partei für sie mehr Werth hat, als alle Siege des Absolutis­mus ihr zu schaden vermögen währendem ist die jetzige Niederlage der Konstitutionellen ihr Tod für alle Zukunft: denn sic hatte die Geschicke Deutschlands in der Hand, und hat sich von ihrem beneidenswerthen Platze verdrängen lassen, noch mehr, sie hat den Für­sten die Waffen in die Hände gedrückt, die diese jetzt und sie" ist befußtrittet, sie hat selbst'unerhört ihre Ehre geopfert und ihre Fahne verlassen, sie hat sich mit Sack und Pack den Siegern überantwortet, nachdem sie die Demokratie vorher zum zweiten Male verrathen! Wir fragen abermals: kann diese Partei eine Zukunft haben?Nein, und nochmals Nein, und abermals Nein!" Dem jetzigen Siege der Fürsten­partei gegenüber kann freilich die Demokratie nichts anders thun, als zusehen und beobachten; aber das ist auch ihre heilige Pflicht, und grade keine geringe Aus­gabe: denn es gilt jetzt, jede Blöße der Gegner mit Gewandtheit zu benutzen.

Das aber ist nunmehr die Pflicht der demokrati­schen Presse, das Volk auf diesen Gewinn der Revo­lution zunächst freilich fast den einzigen auf­merksam zu machen, es Herauszureißen aus seiner In­dolenz, es anzuspornen zu neuer Thätigkeit. Die Führer der Vereine mögen sie darin unterstützen, mögen zugleich in den Vereinsversammlungen dem Volke diese Stellung der demokrotischen Partei klar vor die Augen führen, im Uebrigen scharf die Ereigniye beobachten, und, wie

früher, in theoretischer Auseinandersetzung der Demo­kratie, ihrer Bedeutung und ihrer Konsequenzen, fort­fahren. Denn wenn wieder einmal die Revolution an unsre Thüren pocht, so gilt es, eine Partei zurückzu­drängen , die mit derselben Frechheit und Anmaßung, die Geschicke Deutschlands zu lenken, wie im vorigen Jahre, hervortreten, und Alles, dann Alles aufbieten wird, um der Demokratie jeden Fußbreit Landes schwie- zu machen. Die jetzige Politik der demokratischen Partei in Preußen, sich Nicht bei den Wahlen nach dem neuen abermals o c t r o y i r t e n Wahlgesetze zu bethei- ligen, sei auch anderwärts in Deutschland ein bedeu­tungsvoller Fingerzeig.

Nassauischer Landtag.

« Wiesbaden, 16. Juli.

Oftmals wechselten scheu des Ministeriums Führer, Doll Pracht aber verblieb stets an dem Ruder des Staats.

Als nun heute erschien Dellpracht au der Seit' d-s Ministers,

Stellte die alte Zeit, welche dem Tode entrann, Wieder im neu'sten Gewände sich dar mit er­schreckender Wahrheit. Aush â ngschilde vergehn: Barrot nur bleibet besteh'n.

Heute wurde nach der letzten Vertagung der Kam­mer zum erstenmale wieder eine öffentliche Sitzung ge­halten. Der Versammlung präsidirt Wirth und auf der Negierungsbank befinden sich Voll Pracht und der Minister Wintziugeroda.

Neu eingetreten ist der Abgeordnete Dr. Haupt, welcher von dein Minister beeidigt wird, und auf der linken Seite" seinen Sitz wählt. Der neue Minister ergreift nach der Beeidigung das Wort ru einer ff^rÄrunA . zur damaligen Zeit eine Mmisterkrisis vorhanden ge­wesen sei. Die zweite Vertagung habe stattsinden müssen, weil das neu eingetretene Ministerium, bei der Uebernahme seiner amtlichen Funktionen, viele lau­fende und dringende Geschäfte vorgefunden habe." Im Uebrigen, namentlich bezüglich der deutschen Frage bezog sich der Minister, welcher kein allzugroßes Red­nertalent zu besitzen scheint, auf seine bekannte glor­reiche und muthige Erklärung vom 12. Juni. Weiter machte der Minister eine Anforderung für die Herstel­lung des Saals, in welchem die Schwurgerichte ab­gehalten werden sollen, sowie eine solche für die An­schaffung von gezogenen Gewehren-! Mit der Haupt­sache rückte der Minister zuletzt heraus: nämlich mit der Anforderung von 2 Steuersimpeln, von welchen das eine am 1. August, das andere im September erhoben werden solle.

Nach den großen Siegen des Prinzen von Preußen werden sich ja ohne Zweifel in Kurzem alle Geschäfte wieder so heben, daß diegnten" Bürger mit vielem Vergnügen die Steuern bezahlen werden können. Pa-

Das Testament Peters des Großen.

Man mag von der sMacht Rußland 's denken, wie man will; an seinem Willen, der europäischen Welt das russische Gesetz zu diktiren, kann nur die schwach- köpfige Verblendung zweifeln, so wie an Der Geneigtheit der europäischen Fürsten, auf Den russischen Weg einzu- lenken, so weit es nicht bereits geschehen ist und täglich geschieht. Mit Beschämung müssen wir es uns gestehen, daß ein richtiges Urtheil über Rußlands Stellnng in einer früheren, weniger in eitler Selbstüberschätzung und An­maßlichkeil schwelgenden Zeit eher gefunden werden mag, als jetzt.

Als Der letzte Jagellone in Polen, der elende Johann Casimir, abdankte (1668) und ein 7monatlicheS Zwischen­reich war, stand unter den Bewerbern um Polens Königs­krone auch der russische Großfürst Fedor Atexiewicz. Da gab unter Andern Der damals 22jährige Leibnitz sein be­rühmtes Gntachten, als Georgius Ulicofius Litthuanus das auch in Bezug auf Rußland merkwürdig und wahr­haft prophetisch ist voraus.Wird einerer wählt/ sagte Leib­nitz,der mächtiger ist, als Po'ea selbst, so wird diese Wahl sehr großen Gefahren unterliegen. Dieser Satz geht zu allererst auf den Moskowiter. Früher war er uns gleich. Lange behaupteten sich die Polen im Kreml, Smolensk war Der beständige Zankapfel. Nun sind w i r geschwächt, um so größer ist seine Ueberlegenheit. Was wir verloren, das hat er gewonnen. An Ueberläuferu

fehlt eS ihm nicht. Lasse» wir Liefen inS Innere des Reichs, der uns von außen so gefahrdrohend war, so ist eS eru s milder Selbstständigkeit, mit der Freiheit, mit Der Sicherheit. Wir reichen ihm selber das Schwert, womit er uns würge! Wir geben ihm selber den Vor­wand des Rechts, auf daß er nicht ohne Farbe Tyrannei übe! ES wird keine Hoffnung mehr sein alS in den Waffen, aber um wie viel schwieriger der Kampf, wenn der Feind im Herzen sitzt. Besser wir hüten unS und halten ihn ferne von unS; hat er sich einmal festgesetzt, so werden wir ihn äußerst schwer wieder los. Würbe Die übrige Christenheit Darüber verblendet, Die Hände in den Schoß legen, daß wir ihr eine Doppelte Türkengefahr auferingen, daß wir eine Macht entstehen lassen, Die ,ur Unter­drück u n g des WeltthcilS hinreichende Kräfte hat, daß wir Den Barbaren den Weg weisen ins Herz beS kultivieren Europa? Deutschland ist von Der polnischen Seite wehrlos und offen genug (und jetzt noch mehr!) Dem Sieger werden wir eine sichere Beute sein und daS Grab Aller, verachtet von den Barbaren, Denen wir unS selbst hingeworfenein Abscheu Der katholischen Christen­heit, Die wir Durch unsern Aberwitz in Die äußerste Ge­fahr versetzt hätten. Gegenwart und Zuknnft wird uns vcrwirckt sein." So weit Leibnitz , Der nicht verblenbct war gegen Dieheilige Miston Der orthodoxen Kaiser Rußlands gegen Die Ketzer." Er sagte kurz und klar voraus, was 100 Jahre später geschah Die Thei- lnng Polens, jeneS in Die Wolken schreiende Unrecht, Die Frucht Der eben so unlauter» alS kurzsichtigen Po­litik Kaunitzens. Bei der Gier Der Anneigung und

Vergrößerung behielt, trotz Maria Thèresta'S Scharfblick") bäS: video meliora proboque , deteriora sequr sein althabSburgischeS HauSrecht. (Der Verfasser der Thcodicce, obgleich in Wien hochgeehrt und berathen, sprach auchvon einer immerwährenden Verschwörung Des deutschen und spanischen Zweiges der Haboburger gegen Die Rechte und Freiheiten Der Völker, und wie das österreichische HauS für die Polen Die Ursache der schwersten Uebel gewesen fei 1" )

Wenig:r zugänglich alS in unseren Tagen denersten Staatsmann Europa's" daS russische Gold, fand 1698 in Wien Der junge Ezar Peter vcn Minister Strattmann, Der ihm ein prachtvolles Kästchen aus Lapislazuli und Türkissen uneröffnet zurückschickte:er möge eS einem andern Minister geben, der eS besser um ihn verdient habe," worauf der Czar lantlachend schrie:ein heller Narr, aber doch einmal ein ehrlicher Narr." Herr Mcttcr- nich war weniger gewissenhaft.

Lassen wir nun Den Grafen Teleki (Die russische Intervention") wieder sprechen. Er spricht zu den Franzosen Worte, Die noch mehr Den Deutschen gelten. Wenn es wahr ist, daß Die ungarische Nation zu gleicher Zeit für Die Vertheidigung cmeS großen Prinzips einsieht, und daß dieses Prinzip, welches zugleich mit ihr fallen soll, eine Der Bürgschaften Der Sicherheit und der Ci­vilisation ganz Europas sei, oh! daun eilt ihr zu Hil^e, unterstützt sie, denn diese Hilfe, diese Unterstützung, ihr __ f

*) M. Theresia schloß einst einen Brief an d'"e KAsâ Elisa­beth:Ihre guette Schwester und zeUlebens ail.rl'v,le Fieyn- dinn; aber mit meinei» Wil len niemals Nachbarinn.