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Freiheit und Ueeht!"

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Wiesbaden. Samstag, la. Juli

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# Die Neutralität der Schweiz.

Wiesbadens, 13. Juli. Vielfach begegnen wir jetzt iu öffentlichen Blättern der ausgesprochenen Ver- mutwillig, die Reaktion werde, nachdem sie anderwärts das Feld von revolutionären Auswüchsen gesäubert, auch das alte Bollwerk der Freiheit, die schweizerische Republik, zu zertrümmern suchen.

Was an diesen Gerüchten bezüglich einer Bedro­hung der Schweiz, insbesondere durch Preussen, Wah­res sei: die nächste Zukunft wird hierüber Aufschluß geben; soviel steht aber jetzt schon unzweifelhaft fest, daß der heiligen Allianz der östlichen Großmächte jeder Vorwand, die Schweiz mit Krieg zu bedrohen, will­kommen sein möchte.

Wenn man sich vergegenwärtigt, welch unbegrenz­ten Widerwillen die östlichen Großmächte begreiflich gegen jeden republikanisch regierten Staat hegen, wie dieselben schon seit lange gewohnt sind, die Schweiz als denHeerd jeglichen Aufruhrs" zu betrachten, wenn man sich ferner erinnert, welch feindselige Stel­lung diese Mächte in Gemeinschaft mit dem verjagten Louis Philipp in dem Sonderbundskriege gegen die Schweiz behauptet, und wie ausnehmend gereizt sogar der Notenwechsel der deutschen Centralgewalt mit der Bundesregierung der Schweiz nach dem Struve'schen Einfall nach Baden geführt wurde: wenn man dies Alles sich klar zum Bewußtsein führt, wie sinn man einen Augenblick daran zweifeln, daß der gestimmte europäische Despotismus kein glühenderes Verlangen haben mag, als an der Schweiz die in großer Zahl be­gangenen angeblichen Sünden zu bestrafen und die Bege­hung neuer Vergehungen gegen die heilige Ruhe und Ordnung der heiligen Allianz zu verhüttn? Die Schweiz mag auf ihrer Hut sein: an Gründen,- Feind­seligkeiten zu beginnen wird es nicht fehlen, und die Neuenburger Angelegenheit läßt sich vortrefflich als Vorwand für freiheitsmörderische Plane vorschützen.

Die Schweiz wird aber bei einem ausgebrochenen Zwiespalt auf ihre Neutralität sich berufen, sic wird auf die Thatsache, daß sie ihrerseits diese Neutralität nicht verletzt habe, sich stützen allein was wird solche Berufung ihr nützen?

Den Großmächten genügt die Thatsache, daß die Schweiz eine Republik ist, was fragen sie nock- weiter? und gerade die Großmächte sind nie müde ge­worden , der Schweiz fortwährende Verletzungen der Neutralität zum Vorwürfe zu machen.

Weil nämlich die Schweiz den aller Orten gleich Hunden gehetzten politischen Flüchtlingen ein wirthliches Asyl bot, weil die Schweiz die Verbannten nicht von ihrer Schwelle jagte: deßhalb soll die Schweiz nach der Ansicht der heiligen Allianz die Neutralität verletzt haben.

Die Partei derfaulen Neutralität" in der Schweiz wird dann übrigens sehen, wohin sie ihr Vaterland

gebracht hat; sie wird begreifen lernen, daß die Un­abhängigkeit der Nation durch ein rasches, entschiedenes Handeln zur rechten Zeit besser wäre geschützt worden, als durch eine träge Beschaulichkeit, welche die Frei­heit der Nachbarvölker, der Italiener und Deutschen, ruhig abschlachten ließ.

In der Schweiz haben sich bekanntlich nach der glücklichen Beendigung des Sonderbundskriegs 2 sehr verschiedene Meinungen darüber geltend gemacht, wie sich die schweizerische Nation dem Ausland gegenüber zu verhalten habe. Während man nämlich auf der einen Seite behauptete, die Schwei; müsse aus's strengste ihre Neutralität bewahren, sich m lerne Händel des Auslands mischen, nie ängreifen und sich nur defensiv verhalten, verfocht man andererseits die Meinung, die Schweiz dürfe nicht ruhig zuschen, wönn die Freiheit eines Nachbarvolkes vernichtet werden solle, weit dann, wenn die Freiheit dieses letzter» zerstört sei, der Abso­lutismus leinen Anstand nehmen werde, auch die Frei­heit der Schweiz in Fesseln zu schlagen. Die Festc-al- tung einer strengen Neutralität wurde von Standen und Regierung als Prinzip festgehalten, und als Haupt­vorkämpfer für dieses Neuträlitatsprinzip ist insbechu- dere der aus dem Soirderbuudsknege so bekannte O ch- f e n b e t n aufgetreten, während für ein entschiedenes Handeln gegen das Ausland namentlich der geniale James Fazy, einer der begabtesten Staatsmänner Europa's, kämpfte. James Fazy und seine Partei drangen darauf, daß die Schweiz dem bedrängten Ita­lien aktive Hülfe brächte; sie verlangten, daß die Schweizer-Regimenter aus dem Solde der italienischen Despoten abberufen würden, und in der That, wenn die Schweiz im richtigen Moment ihre nicht unerheb­liche Macht für die italienische Freiheit eingesetzt hatte: es wäre jetzt besser bestellt um die Freiheit des zertre­tenen Italiens, 11116 die Schweiz selbst hatte dann nu Rücken an dein fr ei gewordenen und neugeborenen Ita­lien, einen zuverlässigen und treuen Bundesgenossen. Diese letzte Partei drang auch, freilich ohne Erfolg, auf reelle Unterstützung der Demokraten in Deutsch­land. Wir wollen der Schweiz, deren Besiegung jeden­falls eine sehr schwierige Aufgabe bleibt, von Herzen wünschen, daß die Kanonen der heiligen Allianz ihr nicht die Richtigkeit der Grundsätze von Fazy, welche sich auf die Solidarität der Völker gründen, beweisen möchten; aber unleugbar bleibt c s, d a ß w e n n die Völker so einig wären, als cs die Kö­llig e sind, und daß, wenn die Nationen sich gegenseitig so unterstützten, als solches in wahrem Feuereifer gegenseitig die Fürsten von ganz E u r 0 p a thun, der D e s P 0 t i s in u s auf unserm Welttheil schon längst zertrüm­mert wäre, sowie eS auch fest steht, daß die Thr0 ne heut zu Tage meistens nur dadurch a u f r e ch t erhalten w e r d e n, daß die feinen Diplomaten im Innern die Völker über ihre wahren Interessen täuschen, und nach

Außen ihnen Haß oder doch Gleichgültig­keit gegen andere Nationen einflößen.

Deutschland.

C Diez. Die Revolution, die uns so herrliche Früchte hätte bringen können, ist nun total nieder ge­schlagen, und damit theilweise die Hoffnung auf eine Verbesserung unserer socialen Verhältnisse zerstört. Be­trachtet man die durchlebten Käinpfe genauer, fragt man sich, wer hat der Gefahr mittag die Stirne ge­boten , wer hat das Leben für die Freiheit eingefetzt? so bekommt man immer dieselbe Antwort. Üeberall waren es die Arbeiter, überall war es das Proletariat, das sich geschlagen hat, und überall waren es die Con- stitutionellen, waren es die Besitzenden, die sich der Bewegung entgegenstemmten. Hätten diese sich der Bewegung angeschlossen, es wäre viel Blut, viel Jam­mer, m'cl Elend gespart worden, manche Familie hätte ihre Stütze behalten, und manche bittere Thräne wäre nicht geweint worden. Aber man muß auch gleichzei­tig über die eigne Verblendung lächeln, daß man auf die Mitwirkung der besitzenden Klasse rechnete, wie konnte man doch nur einen Augenblick hoffen, daß sie uns unterstützen würde? Die Reichen waren ja frei, sic hatten ihren privilegirten Gerichtsstand, sie wurden vor Gericht wie Menschen behandelt, während der un­glückliche Arme die ganze Strenge fühlen mußte; sie konnten sich Vergnügen machen, ohne mit dem Bürger­packe in Berührung zu kommen, sie gaben wenig Ab­gaben, was wollten sie mehr, wozu brauchten sie Frei­heit? Wer Geld hat, ist ja überall frei. Diese Her­ren wollen Ruhe um jeden Preiß und glauben sie da­durch zu bekommen, daß sie die Revolution unterdrücken halfen. Aber warum machte das Volk eine Revolution? Weil unsere seitherigen Einrichtungen von der Art waren, daß der Bürger nicht mehr bestehen konnte, und innnermehr verarmte. Und nun weist man den­noch die Forderungen des Volkes zurück, was wird die Folge davon sein? Daß auch die Verarmung immer mehr zunimmt. Hält man nun dieses und den obigen Satz zusammen, daß sich bloß das Proletariat schlagt, so folgt die furchtbare Wahrheit daraus, daß an keine Verbesserung unserer Lage zu denken ist, sondern daß die Noth noch mehr zunehmen, daß das Proletariat noch wachsen, daß erst Alles verloren sein muß, damit wieder Alles gewonnen werden kann. Aber viel braucht das Proletariat wahrlich nicht mehr zu wachsen, denn man betrachte nur überall die Kämpfe, die auf Leben und Tod geführt werden, man sehe nur die furchtba­ren Anstrengungen, die man machen muß, daß Hun- derttausenve von Bajonetten und Hunderte von Feuer- schlünden aufgeboten werden müssen, um der Revolu­tion Meister zu werden, und man wird zu der Ueber» zeugung gelangen, daß die nächste Revolution gelingen I wird; denn die Revolution jetzt sowohl, als die seitherigen I immerwährenden Unruhen, gleichen den Vorboten eines

ZJ. Siegeslied.

Bekränzet die Hajo mit Mohn und Kamillen, Und flechtet auch blühende Nießwurz hinein! Bald ziehen, die Sehnsucht der Frommen zu stillen, Die herrlichen Preußen, die siegenden, ein.

Wie haben die tapfern und treue Soldaten Zerhackt die Rebellen im badischen Land! Wie hat man geschunden, gespießt Demokraten, Und was man vom rothen Gesindel dort fand!

Und wenn nun gezüchtigt das gottlose Baden, Wenn Rastatt das Nest der Rebellen geleert, Dann werden die Wühler und Radikalen Bei uns auch wohl Ruhe und Ordnung gelehrt.

Wie wollen wir Beifall dann schnarchen und lallen, Wenn just man die Wühler wie Maulwürfe fängt, Unruhige Köpfe wie Hasselnüß' fallen, Und demokratische Schreier man hängt '..

Die Preußen verstehen gut roth auch zu färben, Drum sollen die Färber willkommen uns sein!

Auch nahen die Rusten, die Felle zu gerben Und roth demokratische Häute zu blân'n !

Willkommen ihr Preußens ihr Rusten, Kosaken, Willkommen auf christlich-germanischem Grund! Willkommen ihr Serben, Kroaten, Slowaken, Willkommen zum sittlichen Freihcitsbund!

Die Haltung der Stadt Leipzig während des Änfstandes in Dresden.

Und sollte Gesetz und die Ordnung verlangen, Daß küuftig statt Spatzen nach altem Gebrauch Man liefert die Köpfe der Wühler, dann fangen Und liefern wir gerne die Wühlerköpf- auch!

Zwar haben zur Fahne der Ruh' wir geschworen; Doch wird auf die Wühler jetzt Treibjagd gemacht, Damit uns die Ordnung wird wiedergeboren, Dann ziehen als Treiber wir mit auf die Jagd.

Von Sion laßt mächtig den Jubel erschallen, Besiegt ist die Freiheit, die Demokratie, Und sieggekrönt in die heiligen Hallen Zieht wieder die Willtühr, die Orthodoxie!

Schließt Bund mit der Ha 0 ihr Pietisten

Vom Gustav-Adolphs- und Pins-Verein

Und laßt uns zum Tode der Anarchisten Den Holzstoß mit frommen Verwünschungen weih'n.

Dietrich Glaubrecht Schmerbauch.

Erst wenn Der wilde Rauch parteiischer Leidenschaft» lichkcit nüchterner geworden, tritt die Zeit der Geschicht­schreibung ein, deren Grund von den Zinnen der uner« bitterlichen Wahrheit herab der Zukunft ihre Vergangen­heit predigt.

Erlauben Sie mir daher, jetzt einige Umrisse zu geben über die jüngsten Vorgänge Leipzig'» und deren Motive während des sächsischen Kampfes für deutsche Einheit und Freiheit. Als die Verschwörung der Fürsten Deutsch­land gegen die Sonverainität sich knnvzugeben begann, da war es das Sachsentand, welches die Revolution von neuem eröffnete. Dresden war die erste Stadt in Deutsch­land, die das Panier deutscher Einheit mit den Seher- worten Freiligraths aufflattern ließ:Schwarz ist das Pulver, roth ist das Blut, golden flackert die Flamme." Aber Leipzig trägt die Schuld, Die unsühnbare, daß Sachsens Revolution sobald wieder geschlossen wurde. Ginge Leipzig mit Dresden, so ginge ganz Sachsen mit, und was ein begeisterter Volks stamm, gegenüber wahn- bethvrtcn Söldlingen, auszurichten vermag, das hat be­reits Ungarn bewiesen, und auch Baden hat ein btutiges Zeugniß davon gegeben.

Der Vizepräsident unserer Stadtverordnetenversamm«