Zur Charakteristik mögen nachstehende Notizen die- 1 nen: Dèr zweite Wahlbezirk begreift nach der jetzigen , Eintheilung die Georgstraße , Mathiasstraße, Foller- i straße und St. Katharina und umfaßt im Ganzen 1 370 Urwähler. Diese 370 Urwähler sind nach der , Wahlordnung vom 30. Mai in drei Classen, je nach i der Höhe ihrer Steuer-Beiträge eingetheilt , und gehören, nach der auf der Ober-Bürgermeisterei offen ] gelegten Liste: 15 zur ersten, 38 zur zweiten und 317 Urwähler zur dritten Classe. Jede Classe hat eine gleich große Anzahl von Wahlmänneru, vorliegend jede Classe zwei Wahlmänner zu wählen. Es folgt hieraus, daß nach dem jetzigen Wahlgesetze den 317 Urwählern der dritten Classe zwei Wahlmänner zu wählen zusteht, während die 53 Urwähler der ersten und zweiten Classe die doppelte Anzahl, nämlich vier Wahlmänner, zu wählen haben. Ein ähnliches Verhältniß soll in allen Wahlbezirken vorherrschen, und es mag bei solchen Resultaten Jedem überlassen bleiben, zu beurtheilen, wie schwierig es für die Behörden sein wird, „einer falschen Auffassung der Wahl-Ordnug, ihrer Zwecke und Beweggründe, durch Belehrung und Verständigung", von welcher das Zirkular des Ministers des Innern vom 7. Juli spricht, entgegenzutreten.
Stuttgart, 9. Juli. Gestern Abend geriethen im Hack'schen Biergarten einige Unteroffiziere aus der nahen Kaserne mit Bräuknechten wegen der Zeche in Streit, woraus eine Prügelei entstand. Heute Mittag nun erschien auf einmal eine Anzahl Soldaten im Garten, welche alsbald Tische und Bänke zerschlugen, Gläser zertrümmerten, Rosenbäumchen umhieben re Mit ihren Beilen demolirten sie die im Hofe stehende Chaise und warfen mit Holzscheitern die Fenster im Hause ein, wobei sogar die Straßenlaterne in Scherben ging. Der Tumult verpflanzte sich auf die Straße vor dem Hause, wo der eben vorbeigehende Hauptmann Kiefer von der Bürgerwehr, welcher abwehren wollte, mit einem Beile auf den Kopf geschlagen wurde, so daß er eine Zeit lang starr und besinnungslos am Boden lag. Die Entrüstung der Bürger ist allgemein, obwohl man sich über solche Unthaten nicht eben wundern sollte. Eine unmittelbare politische Bedeutung kann man dem heutigen Vorfall nicht beilegen, wohl aber hängt er mittelbar auf eine leicht zu erklärende Weise mit der Sprengung der Nationalversammlung, mit den Mord- und Plünderungsscenen in Baden, mit der Aufhetzung der Soldaten, kurz, mit dem ganzen eingerifseuen Säbelregimente zusammen, von dem sich ein Theil der Bürger in ihrem Wahn Ruhe und Ordnung versprochen hatten. (Beob.)
Hohenasperg. Damit das Volk seine Freunde kennen lerne, geben wir hier das versprochene Verzeichnis; der politischen Gefangenen auf Hohenasperg nebst den Anschuldigungsgründcn. Rau von Gaildorf. Werner von Stuttgart. Erath ans Rottenburg. Müller aus Ludwigsburg. Spring aus Rottweil. (Diese vom September her.) — Apotheker Maier aus Heilbronn. Schweikert aus Heilbronn. Binder aus Wimpfen am Berg. Bäcker Weihing aus Heilbronn. Bumiller aus Schrozberg. Adelmann aus Heilbronn. (Zug nach Baden.) — Buchhändler Heerbrandt aus Reutlingen. Stadtrath Heß aus Oehringen. Graf Uerkül aus Sulz. Dr. Rösler aus Brakenheim. Buchhändel Griesinger aus Stuttgart. Kaufmann Könngott aus Oehringen. (Reutlinger Volksversammlung.) — Hiezu kommen noch Josef Fickler aus Baden und der Reichstagsab- geordnete Rösler von Oels. (Beob.)
Oesterreich. Die „Wiener Zeitung" weiß nichts Neues vom Kriegsschauplatz zu melden und der Brief der A. Z. ans dem Hauptpuartier, welches am 5. Juni noch immer in Babolna war, hat auch nichts zu melden, als daß Görgcy noch immer in und um Ko- morn stehe. Ans diesem Brief ersieht man auch, daß die Wiener Blätter schändlich logen, da sie erzählten, daß die Bevölkerung Ungarns sich von Kossuth abwende und kaiserlich gesinnt werde. Der Korrespondent erzählt, daß die Ungarn trotz der Anwesenheit der kaiserlichen Armeen so „böswillig" seien, ihr Vieh in die entferntesten Gegenden zu treiben und ihre Lebensmitteln zu vergraben. Selbst in Raab sei er vergebens in drei Kaffeehäusern gewesen, um nur eine Tasse Kaffee aufzutreiben. Haynau läßt darum fortwährend erschießen, um wenigstens durch den Tod die Ungarn schwarzgelb zu machen.
Ungarn.
— Die Ungarn standen am 2. Juli, 40—50,000 Mann stark, in Komorn, den starken Verschanzungen auf dem andern Ufer und in den durch starke Batte- rieen geschützten Orten Uj-S;öny und O'Szölly. Haynau wollte sie hier zu einer offenen Schlacht nöthigen ; er hat seine Absicht indeß durch alle seine Angriffe nicht erreicht. Auf dem rechten Flügel der Oesterreicher sollten die Cavallerie-Brigaden Simbschen und Benedek O'Szölly nehmen; sie wurden zurückgeschlagen, erbeuteten aber eine Batterie der Ungarn, die sich zu weit aus dem Bereiche der Verschanzungen vorgewagt hatte. Auf dem linsen Flügel unter Schlick griff die Brigade Reischach die Verschanzungen an, erstürmte sogar einige Schanzen, wurde aber mit großem Verluste wieder herausgeworfen und von 10—12 ungarischen Bataillonen mit zahlreichem Geschütz verfolgt. Wir finden später die Ungarn wirklich schon im Rücken des äußersten linken Flügels der Kaiserlichen; sie haben diese auf der Linie längs der Donau umgangen,
werden von da aber wieder in ihre Verschanzungen zurückgeworfen. Gleichzeitig suchen die Ungarn zwischen dem linken Flügel und dein Centrum der Kaiserlichen durchzudringen; da fallen die Russen ihnen in die Flanke. Die Ungarn suchen auch die Russen zu überflügeln; da kommt aber die Eavallerie-Brigade Simbschen, die vorhin den Angriff auf O'Szöll,, gemacht hatte, vom rechten Flügel herbeigesprengt, wirft die | ungarische Reiterei zurück, und die Ungarn sehen sich 1 je^t genöthigt , wieder in ihre Verschanzungen zurück- i zugehen. Merkwürdiger Weise erfahren wir in dem ' österreichischen Büllctin gar nichts von dem ganzen : Corps unter Wohlgemuth, trotzdem, daß seiner am ] Schluß rühmend gedacht wird. Auch lassen wir es dahingestellt, ob wirklich die Brigade Simbschen „be- i ordert" ^vorden ist, oder bei dem verunglückten Sturm auf O'Szölly eine so weite „Vorrücknug" rückwärts gemacht hat. Aus Allem geht hervor, daß Haynau 1 mit dem stattgehabten „glänzenden Kampfe" und dem . „entscheidenden Gefechte" gar nicht so viel Wesens zu machen brauchte; hätten wir ungarische Bulletins, so möchte der Kampf leicht noch weniger glänzend erscheinen. — A m 3. Juli ist der Kampf fortgesetzt worden.
Aus Preßburg wird vom 6. Juli berichtet: Eine Lieferung von 60,000 Leintüchern und Strohsäcken für , die militärischen Spitäler ist ausgeschrieben; zum Trans- | Porte der Verwundeteten wurden endlich gepolsterte Wagen eingerichtet. Arg verstümmelte Krieger wurden heute von diesen Wagen herab in die verschiedenen Spitäler gebracht. Ein Transport gefangener Hon- veds, von denen einer so kühn war zu entspringen und im Labyrinth der Gassen nicht mehr aufzufinden war, traf heute hier ein. Kossuth hat in einer Proklamation an die Magyaren einen allgemeinen Volksaufstand ungeordnet. Vom Kriegsschauplätze nichts Neues von Bedeutung, die Schanzen Acs und Szöny wurden, um den Sturm zu erschweren, mit großen eisernen Nägeln beschlagen. Auf blutige Köpfe ist Alles gefaßt. (N. O.-Z.)
Dole n.
Krakau, 29. Juni. Aus dem „Dziennek Polski,, entnehmen wir: Nach dem Dorfe Sukka im Wado- wiecer Kreise sind einige Hundert verwundete russische Soldaten gebracht worden. Viele von ihnen hatten Brandwunden, wie bei Erplosion von Minen vorkommen ; die Division Saß, die ihre Richtung nach Kiccz- marf nahm, muß mit den Ungarn einen Kampf gehabt haben. - Die Russen selbst bestätigen, daß die Husaren zu den Ungarn übergegangen sind. — Daß die russische Hülfsarinee zu ihren Operationen die Linie, die sich zwischen Krakau und einen Theil der Karpathen, und zwischen Dukla un^ Jordanow hinzieht, gewählt haben, und daß die totabt Krakau einen strategischen Punkt in dieser Operationslinie ansmacht, ist jetzt außer Zweifel, denn der felsige Hügel Krzemionki am rechten Ufer der Weichsel, der die ganze Stadt und Umgegend beherrscht, wird stark befestigt.
Nepnblik Frankreich.
Straßburg, 4. Juli. (Tr. Z.) „Sauve qui peut!“ heißt, wie Sie wissen, die heutige Parole der pfälzisch-badischen Revolntion. Was verschlägts, daß sich im badischen Oberlande noch einzelne verrostete Mitglieder der provisorischen Regierung herumtreiben, daß zersprengte, theils führerlose Corps in und an den Gebirgen noch einmal ihre Büchsen laden, um den Erbfeinden der Freiheit noch ein Dutzend Gehirne zu verbrennen; daß die badische Constituante vor Thorschluß kühne Beschlüsse faßt, die an das letzte, krampfhaft energische Aufflackern eines verlöschenden Lichtes nur allzu deutlich erinnern?! Die Revolution ist verloren und — was schlimmer ist — schmählich ver- ’ loren. Ich überlasse es Ihren deutschen Correspouden- zen, jeglichem Theile das verdiente Quantum dieser Schmach zuzutheilen; sie mögen Ihnen Bericht erstat- ' ten, was die Gemüthlichkeit, die Unerfahrenheit und 1 übel angebrachte Sicherheit der Pfälzer, was andrerseits die Nichtswürdigkeit der badischen Bourgeoisie, ; die schiefe Stellung des Militärs und vor Allem das ’ der Kritik unwürdige Treiben eines Brentano und sei- > ner Spießgesellen verdorben haben. Schwerlich aber 1 werden Sie auf diese Weise alle Nägel gewahren, die man mit wetteifernder Beflissenheit in den Sarg der Revolution geschlagen hat. Viele, sehr viele werden Ihnen fehlen, so lange Sie nicht — abgesehen von ) der perfiden Verfaultheit Würtemberg und von Fran- r kenS weibischer Unentschlossenheit — auch die Regie- - rung der gloire, das Chanat Frankreich mit seinem j PräsidiMatisten und dem Herrn Drako-Barrot in ge- c hörigen Betracht gezogen. Diese kleinen Söhne der t großen Nation spielen ein gottverfluchtetes Spiel, dessen r einzelne Züge Ihnen vor Augen zu legen die Aufgabe - meiner diesseitigen Briefe sein soll. Finden Sie da-
- bei zu Zeiten, daß die noblen Pariser Spieler selbst
j das „corriger la Fortune“ nicht verschmähen, so wun- t ; dern Sie sich ja nicht. Die republikanischen Diplo- f ; maten stehen, so gut wie die absolutistischen, hoch, him- e , melhoch über aller Sittlichkeit. Was in Paris leit - I einiger Zeit vorgcgaugcn, wissen Sie. Mit mir wird - Ihnen das Blut ins" Gesicht gestiegen sein, als der
„blagueur“ Odilon vor acht Tagen bei Verlesung des II Preßgesetzes den Ruf der Linken: „C’est une loi â > la Polignac, c’est du pur septembre!“ kaltblütig t, hinnahm und nicht einmal des Schlosses zu St. Cloud,
des Strafford'schen Bildes und des Castells Ham zu gedenken schien. Mit mir werden Sie die Lippen zu- sammengepreßt haben, als die glorreiche Legislative über die Interpellationen von Mauguin und Savoye tu Betreff der niederträchtigen auswärtigen Politik zur elnsachen Tagesordnung überging; ja, nicht einmal Zeit hatte, ein kleines Beschlüßchen über den ungebührlich verlängerten Belagerungszustand der Umge- gend Lyon s zu fassen. Mit mir endlich werden Sie höhnisch gelacht haben über die liebenswürdige Bereit- willigkeit, mit den man Verfolgungen gegen die Mit- gliidir autorsint, sobald |ie einmal in anderem Tacte geschnarcht haben, als der von seiner Riesengröße träumende Ludwig XIX. Aber das ist Alles noch nichts; nicht geringere Freude, als über das Preßgesetz und den Entwurf der Geschäftsordnung für eine Kleinkin- derbewahranstalt, sollen Sie empfinden, wenn ich Ihnen erzähle, wie sich die Herren gegen die deutsch-französischen Provinzen in specie benehmen, wie sie dort in ununterbrochenem Zuge Ungnade für Recht ergehen lassen, wie sie Preußen und Rußland wo möglich noch überbieten, wie sie unaufhaltsam einem Ziele zueilen, über dessen Pforte mit blutrothen Buchstaben geschrieben steht: der 21. Januar 1793.
Paris, 8. April. (Mz. Z.) Die Finanzmaßregeln beschäftigen sehr den Verein Conseil d'Etat. Heftige Debatte haben sich entsponnen, ohne zu einem Ziele zu führen. Die Libertè meldet heute, Rothschild und Odier hätten von der zu projektirenden Anleihe von 200 Mill Fr. 50 übernommen. Dies Gerücht bedarf sehr der Bestätigung und wir geben es, ohne dasselbe verbürgen zu können.
Die Temps melden, daß die Liste, um Changar- nier mit einem Ehrendegen zu beschenken, gestern in der Opera den Künstlern vorgelegt und ein mehr als moralischer Einfluß geltend gemacht wurde.
Die Debats nehmen den letzten Anlauf, die Wähler anzuspornen; ein Cirkular der Ünion electorale nimmt ein prophetisches Aeußere: „Gebt Acht, wählt Ihr nicht mit uns, so gehts schlecht; die Zeit ist unheilschwanger. " Der National ermuntert ebenfalls die Seinen und fügt die Bemerkung hinzu: „Siegen oder fallen wir, jedenfalls ist ein bedeutender Schritt geschehen: die Republikaner aller Nuancen haben sich gegen den Royalismus geeint."
Paris, 9. Juli. (Mz. Ztg.) Der Moniteur enthält eine Depesche des Generals Oudinot an den Kriegsminister vom 30. Juni datirt. Ein schrecklicher Sturm fand ben 29. auf die Stadt statt. Die Franzosen schlugen sich wie Helden. Doch auch die Römer leisteten einen helvenmüthigen Widerstand. Mehr als 400 derselben wurden von Bajonetten durchbohrt. Während dieser schreckliche Kampf an einer Bastion stattfand, geschah eine Diversion gegen das Thor de Popolo. Am Morgen waren die Franzosen Herren der Bastion.
Ein Journal wundert sich, daß Garibaloi den 3. Juli mit 5 bis 6000 Mann von Rom ansrücken konnte, wenn die Nachricht, daß Rom den 2. von unsern Truppen besetzt worden, wahr ist. Der National meint, die Depesche sei ein Wahlkniff.
Viele Journale brachten die pikante (?!) Neuigkeit , Caussidiere beziehe eine Pension von Rothschild für einen ihm geleisteten Dienst in der Februar-Revolution. Dies Gerücht fand um so mehr Ankang; als cs allgemein bekannt ist, daß die Freigebigkeit dieses Hauses die politische Meinung nicht zum Maßstabe nimmt. — Herr Caussidiere widerlegt die Nachricht einer solchen Pension und erklärt, daß er von schriftstellerischen Arbeiten lebe.
In der legislativen Versammlung sprach man heute viel von der Flucht Ledru-Rollins, Martin Bernards und E. Aragons, welche in der Begleitung Birio's Brüssel gewannen. Birio kehrte heute von seiner Reise zurück. Viele seiner Freunde umgaben ihn und ließen sich die Einzelnheiteu der Reise erzählen.
Man erzählt sich, daß die Freunde von Cavaignac für die socialistische Liste gestimmt haben, um der'Regierung eine Lehre zu geben.
Der Präsident war heute wieder in der Gewerbe- Ausstellung.
Schleswig-Holstein.
Hadersleben, 8. Juli, Nachmittags 2. Uhr. Ein ungemein regsames Leben herrscht jetzt wieder in unserer vor Kurzem erst so stillen Stadt. Fortwährend ziehen Reichstruppen durch gegen Norden und schon dürften sie mit den Dänen, die bei uns theils diesseits Gudsö, zwischen Fridericia und Kolding stehen, handgemein geworden sein, denn diese Nacht will man hier eine starke Kanonade vom Norden her vernommen haben. Die schleswig-holsteinische Armee, die, der letzten „Nordschleswigsschen Zeitung" zufolge mirabile dictu vor Fridericia einen glänzenden Sieg errungen haben soll, steht augenblicklich bei und um Veile herum, von dem besten Geiste beseelt und vor Ungeduld brennend, sich wiederum mit dem Feinde zu messen, sobald die erforderlichen Verstärkungen herangezogen sein werden. Die Berichte, die über den Kampf vor Fridericia einlaufen, sind des Lobes voll über die ungemeine Bravour, die unsere Armee, wenn gleich der llcbcr- macht weichend, durchweg an den Tag gelegt hat, dem Beispiele ihres Generals und Anführers, des hcl- denmüthigen Bonin, folgend. Wir wollen nicht vergessen, daß eine Armee, wenn gleich sie ihre Position aufgibt, deßhalb nicht als besiegt und überwunden zu betrach-