^U 165» Wiesbaden. Freitag, 13 Juli
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1819.
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# Baden
Vorwärts, Vorwärts auf der Freiheit Pfaden! Kennt Ihr doch daS Losungswort: Hoch Baden!
Soll es sein.
R. F. Pru tz.
Wiesbaden, 12. Juli. Der Kampf des badischen Volkes für die Freiheit und Souveränität der deutschen Nation, für das Recht der letzter», das deutsche Staatsgebäude so zu bestellen, wie es gerade ihr gefüllt, ohne daß sie bei der Aufführnngdieses Gebäudes entfernt nöthig hätte, bei diesem oder jenem König um seine Meinung und seine Zustimmung anzufragen: — er ist seinem Ende nahe.
Die tapfern Artilleristen suchen zwar noch Rastatt zu halten, allein auf die Dauer werden sie der ungeheuern Uebermacht nicht zu widerstehen vermögen.
Im Oberland und Seekreis mögen wohl noch manche Schaaren todesmuthiger Männer, welche sich gelobt, ihr Leben so theuer wie möglich zu verkaufen, deren sichertreffende Büchsen vielleicht noch manchem Haupte, das die Pickelhaube deckt, gefährlich werden können, in dem dort für den Guerillas-Krieg günstigen Terrain feste und sichere Stellungen eingenommen haben: allein auch diese letzten Kämpferschaaren werden bald der Uebermacht unterliegen müssen.
So heldenmüthig, so kühn, so ausdauernd und hartnäckig hat sich das badische Volk geschlagen, und dennoch, fragt ihr, konnte es unterliegend
Thörichte Frage! Wie konnte das kleine Volk gegen die wohlvisciplinirten, wohlgepflegten und gutge- führten Truppen Preussens u. der andern deutschen Reichs- länder sich halten, wenn das übrige deutsche Land stumm und thatenlos dem Kampfe am Oberrhein zuschaute, wenn insbesondere Schwaben, welches soviel Wesen von seinem wahrhaft lächerlichen Aprilaufstand diesen Jahres gemacht und welches nunmehr nicht die Kraft besessen hat, sich eines Römer zu entledigen, — das wortreiche Schwaben nach dem Gebot Römers sich duckte und ruhig blieb?
Und gleichwohl hätte vielleicht Baden ganz allein dem Kampfe einen siegreichen Ausgang geben können, wenn das Volksheer besser geführt worben und überhaupt die Lenkung der Revolution fähigern Männern anvertraut gewesen wäre. Die einzelnen Krieger im Freiheitsheere, die schlichten Söhne des Volks:
„Die/ wenn sie eine Kugel fällt,
Zum Tode gehen ein bescheiden;"
Die kämpfen, weil sie kämpfen wollen
Für das, was ihnen groß und heilig,
Nicht weil in der Geschichte Rotten Sie prangen wollen flammenzeilig.
Die kämpfen für den Gott der Freiheit, Für Deutschland und d-r Zukunft Tage:
Ob sie, die Märtyrer der Dreiheit,
Nnhmwüidig sind, — ist nicht die Frage." diese namen- und rühmlosen Söhne des Vaterlands, herrlich haben sie sich geschlagen und würdig sind sie gefallen.
Der Krieg in Ungarn.
(Fortsetzung und Schluß.)
Diese Peitsche hat einen starken, etwa anderthalb Fuß langen Stiel und eine Schnur, die nicht weniger als 3 bis 4 Klaftern in der Länge mißt. Diese Schnur hängt an einer kurzen eisernen Kette und diese ist durch einen Ring von gleichem Metall au der Spitze des Peitscheu- stockeS befestigt. Am Ende der langen Schnur befindet sich ein einfacher, starker Blcckuopf, während kleinere Bleiknöpfe und Knoten nach gewissen uns unbekannten ErfahrungSgesetzen auf die ganze Länge der Schnur ver- theilt sind.
Mit dieser Waffe, welche der Csikos liebst einer kurzen Hacke immer im Gurt mit sich führt, begibt er sich auf die Pferdejagd. Er ist dabei beritten, d. h. er hat sich vervollständigt. Ohne Sattel und Steigbügel fliegt er wie der Sturmwind über die Haide. Den Gebrauch eines angebrachten Zügels kennt er wohl, aber verschmäht dergleichen hinterliche Luxusgegenstände. Er lenkt sein Pferd mit der Zunge, mit den Händen, mit den Füßen man möchte behaupten, mit dem bloßen Gedanken deS Wollens.
So jagt er Stnudcnlang die flüchtige Heerde vor sich her, bis eS ihm gelingt, in die Nähe des Thieres zu kommen, das er fangen will. Nun schwingt er seine Peitsche in mächtigen Kreisen und wirft die Schnur so geschickt, daß sie den Hals seinen auöerkornen Opfers umschlingt. Der Bleiknopf am Ende und die Knoten
Doch was vermag ein Heer, wenn es selbst ausschließlich nur aus Tapfern besteht, ohne wackere und taugliche Führer? Die Führer sind der Kopf, die Krieger die Hand — und wenn der Kopf verkehrt, ist die Geschicklichkeit und Kraft der Hand nutzlos.
Nun hatte aber das badische Volksheer einmal einen großen Mangel an tüchtigen Subalternoffizieren, und ohne die Beihülfe solcher sind alle Bemühungen eines vielleicht vorzüglichen Oberfeldherrn sehr in Frage gestellt. Weiter gebrach es aber auch an geschulten Oberführern. Anfangs führte Sigel, ein noch junger Mann von großen Hoffnungen, welcher jedoch die Kriegskunst noch zu wenig von ihrer praktischen Seite erfaßt hatte, den Oberbefehl, aber bekanntlich nicht mit Glück, und er ward von seinen eignen Truppen gezwungen, das Oberkommando wieder »iederzu- legen. Nach Sigel übernahm der Pole Mieros- lawski das Commando; auch über dessen Art der Kriegsführung wird vielfach Klage geführt und erfahrene erprobte Kriegskundiges meinten: Mieros- lawski hätte weniger sich auf offene Feldschlachten einlassen und mehr in dem günstigen coupirten Terrain, den Guerillakrieg orgamsiren sollen; Mieros- lawski sei zu tollkühn gewesen, und habe Alles zu sehr auf einen Wurf gesetzt.
Indessen ist es offenbar jetzt, wo die Einzelheiten des Kampfes noch^zu wenig bekannt sind, noch nicht möglich, — wenn n a i nicht etwa blos nach den Erfolgen urtheilen will — die Leistungen Mieros- lawski's unparteiisch zu Würdigen und in keinem Falle darf man außer Acht laßen, daß der letztere leider erst kurz vor dem Ausbruch des Hauptkampfes, in Baden sich einfand und sonach wenig Zeit zum Or- ganisiren behielt.
Die Civilgewalt war jedoch in einer jedenfalls viel traurigeren Lage — als die Heerführung selbst.
Der Landesausschuß, welch.r anfangs die Zügel der Regierung überliefert erhielt, begriff zeme Aufgabe nicht, und konnte auchbei einem sehr schleppenden Geschäftsgänge, nur sehr langsam mit Maßregeln vorschreiten. Die spätere kouflittnreude Versammlung entwickelte ebenfalls wenig revolutionäre Energie und am meisten gebrach es an der letzter» der provisorischen Regierung selbst.
Leute standen an der Spitze, „welche allerdings in der Geschichte Rollen prangen wollten flammenzeilig" — ehrgeizige und eitle Seelen. Struve, zu dem nun einmal das badische Volk nicht das geringste Vertrauen mehr hat, und welcher nicht einmal in die konstituirende Versammlung gewählt wurde, obwol er Versuche, in dieselbe zu kommen, wol nicht wird gespart haben —Struve wollte — es geht aus seinem ganzen Auftreten zu klar hervor — ebenfalls nm jeden Preiß eine Rolle spielen, und brachte durch eine Opposition, welche materiell vollständig gerechtfertigt sein mochte, aber in formeller Beziehung falsche Bahnen einschlug, nicht geringe Verwirrung hervor.
! in der Milte dienen dazu, daß sich aus der Schnur eine förmliche Schlinge bildet, die sich um so enger schließt, je rascher das getroffene Pferd vorwärts eilt. Aber wie eS auch angreifen mag, der CsikoS ein gar flüchtiges Rößlein zwischen den Schenkeln und fein stämmiger Arm läßt den Peitschenstock nicht loS, und an dem Pettschcu- stock hängt die Schnur, und an der Schnur hängt daS Pferd. Am Ende versagen diesem die Kräfte; es sinkt ohnmächtig zusammen. Doch in diesem Augenblicke steht auch daS verfolgende Doppelthür still und starr wie aus Stein gegossen. Eine Sekunde — und der CfikoS hat sich von dem Rücken feines Pferdes anf den Boden geworfen , yiiü indem er den Leib nach rückwärts beugt, um die Schlinge straff zu erhalten, faßt er die Schnur abwechselnd mit der rechten und linken Hand immer kürzer und windet sich an derselben immer näher und näher dem keuchenden Pferde und stellt sich endlich mit beiden Beinen quer über daS dahin geworfene Thier. Jetzt erst läßt er die Schlinge sachte nach, um den Gegner zu Athem kommen zu lassen, und kaum fühlt daS Thier wieder Lebenslust durch feine Lungen rieseln, so springt eS auf, und fort geht eS in raschem Lauf, bis eS zum zweiten Male, todt gehetzt Zusammenstürze. Nach wenigen Stunden ist daS wilde Noß mürbe genug, um sich lenken zu lassen und nach Hause geführt zu werden, wohin daS zahme Pferd deS Csikos inzwisil en zurückgekehrt ist, wenn eS ihm nicht wie ein treuer Hund folgte.
Eine solche Pferdejagd erfordert natürlich unendlich viel Ausdauer und Gewandtheit, einen Riesenarm und
Was man aber von Brentano zu halten habe - darüber kann unmöglich Jemand besseren Aufschluß ertheilen , als solchen Brentano selbst in seiner neulichen Erklärung aus der Schweiz gegeben hat. Durch diese Erklärung hat sich Brentano selbst gerichtet. Welcher grenzenlose Egoismus, welche kindische Eitelkeit, leuchtet aus jeder Zeile dieser Erklärung hervor! Es gewahrt einen wahrhaft kläglichen Anblick, wenn man diesen Volksmann Brentano um sein bischen .Ruhm jammern und heulen sieht, während sein Volk in namenlosem Elende schmachtet! Was bedeuten einem Ehrsüchtling die Schmerzen eines Volkes, gegenüber seiner eignen Ehre! Ja, Brentano nimmt nicht Anstand in seiner Rechtfertigung, welche eine fortgesetzte Reihe von Schimpfreden enthält, die Interessen seiner Partei blos zn stellen, um nur seine Persönlichkeit zu retten. O, welche „Aufopserungskraft" besitzt dieser Mann, der allerdings die klingende Münze ohne Schmerz hingegeben hat, welcher aber seinem Gotte, „seiner Ehre" — in rasender Leidenschaft die Sache seiner Partei opfert. Schon jauchzen die „Kölnische" und die „O.P.Ä.Z." darüber, daß Brentano das allgemeine Wahlrecht so blos gestellt habe: es ist aber ein Glück, daß die lautere Wahrheit eines Prinzips durch die geifernde Rücksichtlosigkeit eines Selbstsüchtigen nicht getrübt werden kann. Und trotz aller Verlassenheit, trotz der unfähigen Führer, hat das badische Volk sich gleichwol heldenmüthig gewehrt und selbst seine Feinde können seiner Tapferkeit die gebührende Achtung nicht versagen. Ehre diesem wackern Volksstamme, der die Fahne der Demokratie, der die Fahne des freien und einigen Deutschlands so ritterlich getragen !
Baden hat eine hohe Rolle in der Entwicklung des deutschen Volkes überkommen. Die parlamentarischen Kämpfe und die Schlachtenkämpfe für die deutsche Freiheit sind dort zuerst auSgefochten worden: Baden ist der Feldmarschall Vorwärts in der deutschen Revolution und allen deutschen Volksstämmen leuchtet es als ein herrliches Vorbild der Aufopferung vjoran. Was ein deutscher Sänger zur Zeit der Glanzperiode der zweiten badischen Kammer sang:
„Vertreter Badens, deutsche Patrioten, Die ihr die Noth des Vaterlands geseh'n! Jßsteiu und Welcker, muthige Piloten, Die unverzagt in Sturm und Wetter steh'n! An Eurem Wort, am Muster Eurer Tugend, Erhebt sich neu das kranke deutsche Land: Ihr schlendert Funken in die Brust der Jugend, Gießt Feuer in der Männer Hand!"
— er kann es jetzt von dem ganzen badischen Volke singen.
Drum nicht verzagt ob des Unterliegens des badischen Volks! Das Blut, welches von dein letzten für die Freiheit von ganz Deutschland vergossen wurde, — wahrlich es wird nicht umsonst geflossen sein, und das badische Volk, welches für die Freiheit
Riesenleib, nicht gewöhnlichen Muth und die außer- ordeutlichste Reitckunst. Dafür ist aber auch ein kühner CfikoS weit und breit berühmt auf der Haide. Uni) wie wird er bezahlt! Jährlich ein Hemd, ein Paar leinene Hosen, freie Kost und Wohnung ein Fäßchen Wein obendrein und — zwei Gulden Wiener Währung jährliche Löhnung baar auf die Hand!
Solcher Csikose nun dienen — wenn auch nicht 40,000 — aber doch einige Tausende im ungarischen Heere; genug , um unendlich viel Unheil unter den Feinden anzu- richten. Der Infanterist, der seinen Schuß abgefcnert hat, ist verloren, wenn er dem CfikoS gegenübersteht. WaS hilft ihn der langen Peitsche gegenüber sein Bajonnet; die reißt ihn zil Boden, oder zerschlägt ihm mit dem Bleiknrpfdie Glieder"). Und gesetzt auch er hätte noch einenen Schuß im Rohr — eher wird er den Vogel in der Luft treffen, als den Csikos. Der gewöhnliche Ca- vallerist ist nicht viel besser daran, und wehe ihm, wenn er vereinzelt einem Csikos begegnet **).
*) Anm. d. Red. Die Verwundungen, durch diese Kugel beigebracht, sollen furchtbar sein. Ehe man bei den Oestcrreichcrn wußte, daß die Esikos im ungarischen Heere fochten, brachte man einst eine Menge gräßlich verwundeter Kürassiere nach Pest. Die Aerzte konnten sich die Art der Verwundung nicht erlären. Es waren nicht Hieb-, nicht Stich-, nicht Schußwunden. Die Kürassiere wollten lange Zeit keine Auskunft geben; endlich gestanden sie voll Beschämung: „es kommt von der — Peill ehe.
**) Anm d. Ned. Wie wir von Augenzeugen vernehmen, fechten die Csikos sehr oft in Gemeinschaft mit den Husaren u werden dann besonders gegen die kaiserlichen Kürasilere verwe