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Reihen der Söldner die Stufen des Hochgerichts hi­nan, und da kein Henker zugegen war, so schlug er ihr selber das Haupt ab." Seit dem 13. Juni sind 26 Repräsentanten der Odilon-Justiz geopfert worden. Zwei derselben erklärten auf der Tribüne, daß sie be­reit seien, die Ungerechtigkeit der Verfolgung auf das schlagenste zu beweisen, wenn die Thatsachen hier vor­gebracht, die Muthmaßungen zu begründen hier ver­sucht würden. Umsonst! Der Henker begnadigt seine Opfer nicht. Die von der Versammlung ernannte Commission hat nur zu prüfen, ob die von dein Ge­neral-Prokurator begehrte Verfolgung nicht das Resul» tat politischer Leidenschaft ist. Namenloser Unsinn! Weiß man nicht, daß ein Odilon Karrot sich der Sprache bedient, um seine Gedanken zu verbergen? Was mag er unter politischer Leidenschaft verstehen? ! Etwa daß man einen Repräsentanten, wie Roujat von der Verfolgung freispreche, weil sein Alibi auf das unwiderlegbarste bewiesen ist. Gewiß, das wäre in des Justitzml'nisters Augen politische Leidenschaft, und es ist vollkommen gerecht, daß Roujat, wie es geschehen, dieser höllischen Justiz überliefert werde. Von den 7 Angeklagten, gegen welche die Verfolgung eingeleitet worden, entging nur einer den Klauen des General-Staats- Prokurators, und das war Herr Banne. Die Commission muß also der Meinung ge­wesen sein, daß die heilige Hermandat sich von ' dem Eifer politischer Leidenschaft hat hinreißen lassen, wäh­rend sie merkwürdige Weise sich trotz des Alibis gegen Roujat ausspricht. In der That ! eine herrliche The­orie, diese Theorie von der politischen Leidenschaft mit ihrer Anwendung auf das Gesetz von der Unverletz- lichkeit der Volks-Repräsentanten.

Paris, 7. Juli. (Mz. 3 ) Brayer, Eskadrons- chef des Generalstabs, welcher bei den Verwüstungen der Buchdruckereien den 13. Juni gegenwärtig war, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt!!

Der Constitutionel behauptete: Blind hätte keinen offiziellen Charakter gehabt, die Arretirung der Fran­zosen in Baden könnte also als keine Entgeltung der Arretirung Blind's angesehen werden. Blind erwie­dert im National: er habe als Sekretär zur Gesandt­schaft gehört, die von Baden und der Pfalz nach Paris geschickt wurde, von einer Regierung, die eben­falls durch die allgemeine Wahl gegründet worden.

Aus Cannes schreibt man dem Commerce, das Fort Marguerite habe die Ordre erhalten, Einrich­tungen für 600 Gäste zu treffen. Die Erwarteten sollen Vertheidiger Noms sein.

Abermals Baraguay-d'Hilliers! Der National ver­öffentlichte vor einigen Tagen einen Brief an den Ge­neral Oudinot, der nicht viel Schonung in Bezug auf Nom enthielt. Derselbe wurde dem Kriegsminister zu­geschrieben, der die Unterschrift abwies, und mit Recht denn siehe, Baraguay-d'HiUlerö kommt und rühmt sich seines Werks!

Von allen Seiten regnet es Bittschriften gegen das neue Unterrichtsgesetz.

Die römische Angelegenheit agitirt hier alle Ge­müther. Ist Rom eingenommen oder nicht. Die Be­setzung von 3 Thoren sichert nicht den Besitz einer Stadt. Zwei Parteien sollen sich im Ministerium gebildet haben; Dufaure, Tocqueville und Barrot wollen Nom eine Konstitution und ein Laienministerium sichern; Fallour und seine Partei auf das römische Recht sich stützend wollen den Pabst nicht beengen, sondern freie Wahl lassen. Eine Ausgleichung wird in einem dip­lomatischen Kongreß zwischen England, Frankreich und Oesterreich vorgeschlagen.

Den politischen Begnadigten ist der Aufenthalt in Chalons für Tann untersagt. In diesen Tegen sind abermals circa hundert Amnestirte in Havre an­gekommen.

Die Schweizer Ultramontanen und pietistischen Pro­testanten sind in letzter Zeit sehr thätig; sie rechnen auf Preußen und Oesterreich.

Die Regierung hat heute Morgen eine Depesche erhalten, mittelst welcher General Oudinot anzeigt, daß die vollständige Besetzung Roms stattgefunden und in der größten Ordnung ohne irgend einen Widerstand vor sich gegangen. Ein Adjutant des Generals ist in Marseille angekommen und überbringt die Berichte über den Sturm vom 30. Juni und die Kapitula­tion. Das Gouvernement erwartet morgen die näheren Berichte.

Die Majorität ist geneigt, wenn der Staatspro­kurator neue Autorisationen zu Verfolgungen gegen Deputirte verlangt, sie zu bewilligen. Im Minister­rath ist man über diese Frage nicht einig. Dennoch erwartet man neue Gesuche dieser Art, da der Pro­kurator sich auf ein einflußreiches Mitglied des Kabi- nets stützt, und wir dürften leicht die Scene erleben, daß abermals ein Minister der Justiz seinen Proku­rator desavouirt, wenn auch diesmal nur stillschweigend.

Die Führer der legitimistischen Partei sind mit der Majorität nicht zufrieden; man wirft ihr vor, nicht energisch genug zu handeln, d. h. sich zu viel an den Buchstaben der Konstitution zu halten. Die Legitimisten sind durchaus nicht mit dem neuen Preß- geietz zufrieden; sie ahnen, daß vorzüglich gegen ihre Journale das neue Gesetz eine starke Waffe in Hän­den hat, weil sie die Republik angreifen.

9t a ch sch r i ft.

Karlsruhe, 7. Juli. (Fr. Z.) Gestern Abend und heute mit Tagesanbruch hörten wir hier kanoniren. Der Frühbahnzug brachte uns Nachricht, daß stark aus der Festung geschossen worden sey und der Ort Oetigheim in Brand gerathen. Dagegen sey von Außen das Feuer nur mäßig erwidert worden. Doch stehe bereits die Leopoldskaserne in Brand. Ein Sturm­versuch von Seite der Rheinau sey abgeschlagen wor­den, er habe den Preußen 2 Todte und 5 Verwundete gekostet. Das Ganze kann demnach nur eine Recog- noscirung gewesen sein.

Haderslcben, 6. Juli. In der Nacht vom 5. bis 6. Juli haben die Dänen einen Ausfall aus Fri- dericia gemacht, die Vorposten zurückgedrängt und 4 Kanonen und 2 Mörser, welche auf der, Tags zuvor errichteten Schanze standen, demontirt. Das 1. und 1. schleswig-holsteinische Bataillon, die zuerst mit ihm handgemein wurden, haben sich brav geschlagen. Die meisten Offiziere sind geblieben oder verwundet. Wie stark der ganze Verlust ist, kann man nicht beurthei­len, das 4. Jägercorps ist indeß stark mitgenommen. Die ganze dänische Armee soll in Fridericia sein, die Garden waren bei dem Ausfall mit im Kampf und standen dem 1. Bataillon gegenüber.

Diesen Morgen zwischen 3 und 4 Uhr gelang es den schlesw ig-h ol steinischen Trup­pe n jedoch, die dänische Macht mit bedeu­tendem Verlust hinter die Wälle von Fri­dericia zurück; »drängen.

Außer diesen haben wir noch folgenden heute in Altona eingetroffenen Bericht erhalten, der sich indeß augenscheinlich nur auf den Beginn des Kampfes be­zieht und daher, neben den vorstehenden über den gan­zen Verlauf und den Schluß des Gefechtes berichten­den Mittheilungen, von nur untergeordneter Bedeu­tung ist. Dieser Altonaer Bericht lautet also: Ein Offizier, der soeben von Fridericia kommt und gestern Morgen mit der geflüchteten Intendantur von Kolding südlich gefahren ist, bringt als Augenzeuge die Hiobs­post, daß unsere ganze schleswig.-holst. Armee ans un­seren Schanzen zurückgeschlagen ist. Unsere Artillerie ist in Feindes Hand. Die Lager bei Stoustrup und Bredstrup brennen.

Gestern Morgen 5 Uhr hat unsere Artillerie schon geschwiegen, ist asso in Feindes Hand gewesen, da solche als feste Batterien nicht weggefahren werden können.

Unsere Truppenreste haben sich auf Veile und Kolding zurückgezogen. Außer den verschiedenen Bataillonen, hat das 4. Jägercorps sehr stark gelitten, und haben die Dänen viele Gefangene gemacht. Jedenfalls sind die Artilleristen in den Schanzen, so wie deren Jufan- teriebedeckung gefangen, da solche in den Pallifaden- schanzen sich bis auf den letzten Mann wehren. Na­türlich hoffen sie immer auf Succurs, welcher aber nicht kommen kann, da unsere Truppen vor der Ueber- macht immer weiter zurückweichen müssen.

Wenn auch das Uebel auf den ersten Blick größer scheinen mag, als cs ist, so ist der Verlust unserer gesummten schweren Artillerie doch gewiß, so wie, daß wir sehr schwere Verluste erlitten haben, da ohne hartnäckigen Kampf von unserer Seite die festen Werke nicht aufgegeben worden. Das ist jedenfalls Thatsache, daß der Feind nicht weit von Kolding steht, da der Ueberbringer dieser Nachricht mit der aus Kolding geflüchteten Feld-Intendantur zurückgefahren ist; ist der Feind auch nur auf dem halben Wege, so ist der­selbe schon im Besitze unserer sämmtlichen schweren Artillerie, da solche nicht auf Rädern liegt. Bericht­erstatter dieses hat selbst den Kampf in der Entfernung, eine halbe Stunde, gesehen und hat die Lager brennen fegen; auch hat er die Wagen für Verwundete aller Art nach Möglichkeit herbeigebracht.

Amtliche^rachrichten.

Der Lehrgehülfe Arzbächer in Hahnstätten ist zum Lehrer in Eibelshausen und der Lehrvikar Kröck in Lindschied zum Lehrgehülfe» in Hahnstätten ernannt; dem Lehrvikar Knögel in Norken die Lehrvikarstelle in Lindschied und dem Schulkandidaten Best in Idstein die Lehrvikarstelle in Norken in provisorischer Eigen­schaft übertragen worden.

Der Lehrer Heubel von Sechshelden ist zum Leh­rer in Herborn; der Lehrer Röthel zu Hohenstein zum Lehrer rn Sechshelden, der Lehrvikar Möhn in Gu­tenacker zum Lehrer in Hohenstein, der Lehrgehülfe Bucker in Miehlen zum Lehrer in Gutenacker ernannt und die Lehrgehülfenschule in Miehlen dem Schulkan­didaten Hoffmann in Idstein übertragen worden.

Dem provisorischen Lehrvikar Petry von Heiligen­born ist die Lehrgehülfenschule in Weier, Amts Run­kel, und dem Schulkandidaten Junior von Idstein die Lehrvikarstelle in Heiligenborn provisorisch übertragen worden.

Die neu errichtete Lehrgehülfenschule in Niederelbert ist dem Schulkandidat Schlitt von Obertiefenbach, Amts Runkel, provisorisch übertragen worden.

Frucht-, Getreide- und Oelpreise vom Niederrhein.

Neuß, 3. Juli. Thlr. Sgr. Pf.

Weizen ...........2 16 Reggen ..........I 6 Wintergerste ...'.....1 6 Sommergerste ........1 6 Buchweizen . . . ......1 13 Hafer............ 22 Erbsen ...........2 Nappsamen......... 3 22 , Kartoffeln.......... 20 Heu pr. Clr. von 110 Pfund ... 3 20 Stroh pr Schock 1200 Pfund ... 3 18 Kleiner Samen........3 15 Rüböl pr. Ohm 3 282 Pfd. o. F. . 33 22 6 pr. Oct.........33 Leinöl or. Ohm ........ Rub tuchen pr. 1000 St......30 Preßkuchen pr. 2000 Pfd.....26

Ground-nuts-Äucben......

Sesamkuchen........ . Leinkuchen pr. 20 )0 Pfd...... Branntwein pr. Ohm, 18 Gr. ... 11 25

Gereinigtes Del........35 7 6

Speise-Oel pr. 2% Pfd......

Getreide findet bei geringer Zufuhr fortwährend gute Kauf­lust; Nüböl aus Lieferung höher gehalten.____________

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann. ^,

Bekanntmachungen.

(812) Peter Rosenbach von Niedcrlahnstcin ist Willens, mit Familie nach Amerika ans- zuwandcrn.

Braubach den 5. Juli 1849. Hcrzogl. Nass. Amt.

Brunne r.

Verein ;uv Wahrung der Volksrechte.

(811) Mittwoch den 11. Juli, Abends 8 Uhr, Sitzung des Vereins im L^erothal. Tagesordnung: Die in der letzten Sitzung ausgesetzte Wahl des Vorstandes.

Der Vorstand.

(762) In der H. W. Ritter'schen Buchhandlung ist zu haben:

SOe Das Dresdener Blutbad *^§ Oder des Volkes Erhebung und Fall.

Eine treue Schilderung des Volkskampfes zu Dresden im Mai 1849.

Von einem Augenzeugen. Preis 2 Ngr.

(302) In dem Hause der H. W. Ritter'schen Buchhandlung ist der zweite und dritte Stock zu vermietheu und sogleich zu beziehen.

(637) Bei Friedrich Fleischer in Leipzig ist soeben erschiene» und in der Buchhandlung von H. W. Ritter in Wiesbaden zu haben:

Der deutsche Auswanderer

nach den

vereinigten Staaten von Nordamerika.

Ein Lehrbuch auf seinen Weg.

Nach eigner Anschauung und nach den neuesten Quellen zusammengestellt von A l e x a n d e r Ziegler.

24 Bogen. Preis 24 Ngr.

Ein wahres Lehrbach für den Auswanderer, der nichts, was ihm auf seiner neuen Laufbahn zu wissen nöthig ist, darin vermissen wird. Eigne Anschauungen und Ltudien an Ort und Stelle werden stets den Vorzug vor Compilationen anS Büchern verdienen, und bicje hat der durch seine Reisen bereits vortheilhaft bekannte Verfasser hier gegeben.

(813) Bei Knefeli aus dem Heidenberg ist zu haben: 1847er Wein zu 3 fr., 1848er zu 6 fr. und Krngbier 2 kr. der Schoppen.

(814) Ein gefundener Schleier kann gegen die Einrückungsgebühr in Empfang genommen werden bei L. Sator, Wilhelmstraße.

(791) 1200 fl. und 3000 fl« sind gegen doppelt gerichtliche Versicherung auszuleihen. Wo? sagt die Erpedition d. Dl.

(800) 5000 fL, 3000 fl., 500 fl., 300 fl. sind gegen doppelte Versicherung stündlich auszuleihen. Durch wen sagt die Erpedition.

KS1 (797) Ein Logis im Vorderhaus mit Laden, ein Logis im Vorderhaus ohne Laden, sowie 2 Logis im Hintergebäude sind bis 1. Oktober zu vermiethen.

Anto« Höhler.

Druck und Verlag der E. Ritter'schen Buchdruckerei.