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„Freiheit und Mee§ff«
Wiesbaden. Sonntag, 8. Juli
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/X Revolutionärer Geist in Deutschland??
Motto: Guter Mund, du gehst so stille!
Ueberall hört man den Spießbürger sagen, sieht ihn die Hände flehentlich gegen den Himmel heben und seufzend den Herrgott um Erbarmung bitten: „Erlöse uns von dem revolutionären Geist." Diesen Ruhefantasten scheint es eben denn doch nicht geheuer zu sein im deutschen Reiche, im Lande der 36 Fürsten und im Lande der Eichen und Linden, wie Heinrich Heine einst und zwar zu einer Zeit sagte, wo Deutschlands Ruhestörung nichts war, als das Blattrauschen der zitternden Espe und wo nur eintöniger Unkengesang den Philister am Schlafen chikanirte.
Glückliches Deutschland vor dein März!
Da gab es keine politisirenden Bauern und keine wühlerischen Demokraten; da gab es keine freie Bürgerwehr und keine lästigen Nachtwachen, keinen Kongreß zu Idstein und keine freie Zeitung. Da waren keine polizeilosen Handwerksbursche, keine fechtenden Freischärler, kurz, alles war ruhig und lieblich und hold und „spiegelrein und eben, wie im Olymp floß das Leben den Sterblichen dahin."
Herrliche Vergangenheit, jammernd weinen wir deinem Verschwinden nach. Ach, wo sind die Blümlein hin, die im Lenz so glänzten! Schattige Lauben, von Jasmin umrankt! Dorfkirchlein, Dorfglöcklein, Schaflämmlein, Geisböcklein und dn, o deutsche Jugend, verirrte, wie hart hat Euch Allen des Jahrhunderts brausendes Gedränge mitgespielt ! o grausendes
Doch, jammervoller Söldner, halt ein mit deinem Klagen! Laß dir einen Spiegel Vorhalten, den Michel- spiegel laß dir zeigen, wo deine ganze nackte Gestalt — die Gestalt des AUerweltslaffen — sich reflektlrt — und hast du Ehrgefühl, ein Fünkchen «»nneswurd-: dann mußt du dich schämen. Rem, schämen sollst du dich nicht, in die Erde kriechen sei dem Loos. Nem, auch das ist noch zu wenig. Doch wts sollen wir dir anrathen? Wir wissen nichts mehr — denn Wir stehen an dem Marke der deutschen Sprache
Du träumst von revolutionärem Geist? Ist es Wahrheit oder träumst du träumend? Der Geist der Empörung auf deutschem Boden? Wahrlich, nur ein Trunkener vermag sich mit solchem Spuck zu tragen.
Oder meint man etwa die Geschichte in Baren sei Revolution? O nein, o nein, die Revolution muß anders sein. Der Gedanke an die Möglichkeit einer gründlichen deutschen Staatsumwälzung ßtzum mim pesten ein Verrath an der Unfähigkeit Michels, sich aus der Thierheit herauszuwälzen.
Uebersicht
derjenigen Länder und Städte, in welchen Leute von Cleeberg, Espa und Weiperfelden, Herzoglich Nassauischen Amtes Usingen, seit 1821 bis 1848 geboren, confirmirt u. getraut wurden u. gestorben sind ).
I. Geborene.
1) Cleeberg: England, s. London 1; b. Oxford 1; — Summa 2.
2) Espa: A. Eng la n d. a. London 9; b. Colchester in the County of Essex 2; c. Kent 1; d. Bur- kelsfellen 1. — Summa 13.
B. Deutschland, a. Wolferode, Kirchspiels Jos- bach, Amts Rauschenberg in Kurhessen 1; b. Berlin 1; c. Mühlheim am Rhein 1; d. Bonames bei Frankfurt a. M. 1; e. Torgau 1; f. Wien 1; — Summa 6.
C. Frankreich, a. Paris 4; b. Toulon, Departement du Var, 1; — Summa 5.
D. Ungar n. Ofen 1.
E. Holland. Leyden 1.
F. Belgien. Lüttich 1
G Rußland, a. St. Petersburg 1; b. Grobiu in Kurland 3; — Summa 4.
H. Amerika: a. Charteston S. C. in Amerika 1; b. Boston, Staat Massachusetts in Nordamerika 1; c. New-Vork in Nordamerika 1 ; d. Philadelphia in Pennsylvanien 1; — Summa 4. — Summa- Snmmarum: 35.
*) zur Vervollständigung der im Jannar 1849 mitgetheilten Acten. C,
3) Weiperfelden: A. England. London 1.
B. Brabant in Belgien. Brüssel 1, aber in Weiperfelden getauft. — Summa 2.
II. C o n f i r m i r t e.
Espa: a. zu London 2; b. zu Charleston S. C. in Amerika 1; — Summa 3.
III. Getraute.
Espa: a. in St. Petersburg in Rußland heirathete ein Espa'cr eine Russin und wurde copul irt durch den Dominikaner-Mönch Braun zu St. Petersburg; — b. in England werden Manche aus dem Kirchspiele Cleeberg getraut, die aber in Cleeberg nicht inscribirt werden.
IV. Gestorbene.
1) Cleeberg: zu Paris im Hospital 1.
2) ESpa: A. England, n. Chctam im Hospital 1;
b. London 4; c. Bristol im St.-Petershospital 1 ; d. Buckingham in der Provinz Buckinghamshire 1;
— Summa 7.
B. Rußland, a. Grobin in Kurland 1; 6. St. Petersburg 1; — Summa 2.
C. Frankreich. Guillotiere bei Lyon 1.
0. Deutschland. u. Hamburg 1; b. Neustadt- ' Dresden in Sachsen 1; c. auf der Reise nach
der Heimath aus England in Weilburg im Ho- , spital 1; — Summa 3.
E. Amerika. New-Orlcaus4. — S.-Summarum 17. i
3) Weiperfelden: A. England. London 1.
B. Deutschland. Siegburg, Regierungs-Bezirks Cöln 1; bi auf einer Reise aus dem Ausland nach
Doch wir wollen den Revolutionstrauin in Deutschland untersuchen, ihn mit Wirklichkeiten zusammenstel-
~ ,f°^v mit der französischen Revolution, die wahrlich sein Traum war — vergleichen.
Zn einer Revolution gehört zum Mindesten ein M i r a b e a u.
Untersuchen wir also, ob in Deutschland ein Mi- rabeau möglich ist. Betrachten wir die einstige Frank- filiter Rational- Versammlung und die Männer, die sie zusammensetzten und stellen wir sie mit der franzö- silchen Nationalversammlung von 1789—90 und 91 und deren Männern zusammen, so ergibt sich auf den ersten Blick ein solch enormer Unterschied zwischen Beiden, daß kaum, ohne den Geist der französischen Revolution zu beleidigen, eine anständige Vergleichung Beider möglich ist. Doch wir bitten diesen hehren Geist der Umwälzung um Verätzung und schreiten kühn zur vergleichenden Zusammenstellung: und so finden wir denn in der Ursache der Entstehung beider eine gewisse Aehnlichkeit, wenn auch ganz verschiedene Thatsachen ihrer Geburt vorhergingen. Beide Volksvertretungen , die Versammlung sowohl von 1798, wie die von 1848, entsprangen aus dem Versuch einer Abschüttlung empörender gränzenloser Unterdrückungen.
Der französische Versuch glückte, der andere mißglückte; der erste hatte blos deswegen guten Erfolg, weil die französische Demokratie sich weder durch Thränen vom Balkon herab, noch prinzlichen Händedruck, noch Bürgerwehrparaden, in ihrer eisernen Con- ff.R’^lU^LfH^ es bis iekt ches die Umstände niemals benutzte und welches an dem vortrefflichen Liede „Wer nur den lieben Gott läßt walten" immerfort und jammervoll hin siegte. Wenden wir uns nun zu den Männern beider Na- tionalversammlungen, so ließe sich allenfalls Mira- beau mit Vogt zusammenstellen — trotz dem, daß ihr Prinzip immerhin ein verschiedenes ist. Beide waren aber Männer des Volks von entschiedener Haltung und Stärke.
Die Vergleichung läßt sich daher rechtfertigen. An dieser Männer Leben knüpfen sich lehrreiche Betrachtungen: O! legitimer Mirabeau, wärest noch zu legitim für die Jetztzeit! Er sollte es nicht ahnen, daß sein Sterbetag durch Jubel den Jakobiuerklubb erbeben machte, und daß sein Tod das Grabgeläutc des Königs und die Ouvertüre zur Bluthochzeit werden sollte. Vogt's Leben ist den Fürsten gewährleistete Existenz: denn er will die friedliche Entwickelung, nicht den schreckenlosen Umsturz.
"Doch sie haben die Brücken verbrannt. Der eine
Ludwig und sein Hof hörte Mirabeau's Warnungen, aber er befolgte sie nicht; die 36 Fürsten und ihre 36 Hofe hören zwar auch Vogt's Bermahnungen, aber sie folgen nicht, nein! sie verhöhnen und beschimpfen sie.
Doch nun zu den Resultaten! —
Die Dorfglöcklein von 1792 läuteten Revolutions- sturm, die Dorfglöcklein von 1849 rufen die deutschen PiuSvereinlern zu gottseligein Lebenswandel — zum ânvel gegen das freiheitliche Streben des Volks auf. . Die Dorfglöcklein von 1792 riefen den Mar- serllern Veifallssturm und begleiteten ihren Triumph- ^^ Dorfglöcklein von 1849 führen den from- men Stichel nach Walldürn zur Anbetung und zur Vergötterung des unsterblichen Blutes von anno 1.
„Liehe Freunde", sagte Robespierre „alles ist verloren, denn der König ist gerettet". — Alles ist gewonnen sagt des „edlen" Gagern Partei, wenn der Redner in Berlin Kaiser „geworden ist". „Heilige Hallen der Jakobiner" schrieben die Marseiller nach Paris „bürgt uns für das theure Leben Robes- pierre's und Danton's": Deutschlands Philister hingegen helfen der Nation Vertreter fühllos abschlachten.
Und trotz allein dem, revolutionärer Geist in Deutschland V
Zartfühlende Krämerseelen, euer Wissen ist schlechter als eure Waare und euer Patriotismus schlechter als euer schlechter Ruf.
Doch warum sich grämen ob solchen Geschlechts? sich doch das Jahrhundert seiner eigenen Kin- mit Füßen trekèt^N ^^, , r h Geist einer großen Thatsache, ihr lästert den Misr Mu 1789, indem ihr euch in eine Linie mit ihm zu stellen sucht. Nein! begreifen könnt ihr ihn nicht, den Gang der Geistesentwickelung, unfähig seid ihr zu edler patriotischer Begabung — kurz, ihr seid Bedientenseelen, kopflose Pfaffenanhänger und schwermüthige Kirchen- läufer.
©4- Wiesbaden, 7. Juli. Wenn es in einem vor Kurzem hier erschienenen Schriftchen, betitelt: „D t e evangelische K irchen Verfassungsfrage in Nassau", unter anderen erbaulichen Stellen auf Seite 45 heißt: „in den deutschkatholischen Gemeinden regiere der Zeitgeist statt des heiligen, dem Bekennt- nisse des Sohnes Gottes verbürgten Geiste", so wunderten wir uns über diese Stelle keineswegs, indem sie
der Heimath Weiperfelden, zwischen Altenkirchen und Hachenburg, in der Nähe der festem Stadt auf der Landstraße: 1; — Summa 2.
C. Spanien. Valladolid 1. — S.-Summarum: 4. V. Uneh eliche Kinder.
1) in Cleeberg: das 10te Kind unter 545;
2) in Espa: das 10te Kind unter 240;
3) in Weiperfelden: das 9te Kind unter 179.
Nicht alle unehelichen Kinder, welche im Auslande, nementlich in England, geboren werden, befinden sich in den Civilstandsregistern des Kirchspiels Cleeberg ausgezeichnet. Sterben die unehelichen Kinder auch im Auslande, was öfters der Fall ist, so lassen die Müttter ihre Kinder in Cleeberg nickt einschreibcn z. B. Charlotte, Tochter des zu Cleeberg verstorbenen Viehhirten Jakob Jung, bekam gleichwie in Cleeberg schon früher, in Eug- land ein uneheliches Kind, welches in keinem Clecberger Kirchenbuche verzeichnet ist. Dasselbe that die Katharina Christiana Itter von Cleeberg, welche nicht einmal ihr Kind taufen ließ. Der Herr Pfarrverweser Finck zu Götzenheim, Landgerichts Offenbach, schreibt deßhalb nach Cleeberg: „Alle Versuche, die K. Chr. Jtüer zur Taufe ihres Kindes zu bewegen, waren fruchtlos; sie reiste von hier ab, ohne ihr Kind zur Taufe gebracht zu haben. Ihre Angabe, daß es dlirch die Hebamme die Nothtaufe erhalten habe, ist eine Lüge. Goyenheim,
24. Seplcmper 1848."
Nauheim, Amts Limburg, im Juli 1849.
Friedrich Wilhelm Schellenberg,
Pfarrer zu Nauheim.