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Wiesbaden. Freitag, 6. Juli

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags täalick in oinom -------;_____________________________ ___

durch die Poft bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate'wert,?» hor^vr; r11* -ibonnementsprels betragt Viertels ährig hier in Wiesbaden

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Bestellungen auf das mit dem 1. Juli begonnene neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

AS. Unsere Lage.

So wäre es denn wahr, was uns vor einem Jahre ein eitles Gespenst schien, so können wir nun mit eig­nen Allgen schauen, was wir damals nicht glauben konnten die Besiegung der Revolution. Halb- fluchend, halbweinend wenden wir unsere Blicke nach Baden, das die letzten verzweifelten Anstrengungen macht, seine Freiheit zu vertheidigen, wir vernehmen den Todesschrei des unterdrückten Volkes, und wir können ihm keine andere Hülfe bringen, keine, als un­ser Gebet uild unsre Flüche. Der, der im vorigen Jahre gewählt wurde, des Volkes Freiheit zu schir­men, der geschworen, seine Rechte zu vertheidigen, aus- zuführen die Beschlüsse der Nationalvertreter, der unternimmt es,Neichstrüppen", beeidigte und unbe­eidigte, gegen ein Land und ein Volk ins Feld zu schicken, das kein anderes Verbrechen begangen, als daß es für die Neichsverfassung, für die von der Na­tionalversammlung gefaßten, von den Fürsten nicht an­erkannten oder unerfüllt gelassenen Beschlüsse unter die Waffen getreten. Der Mann mit der ungeschwäch­ten Krone", der vor einigen Jahren aussprach:Ich und mein Haus, Wir wollen dem Herren dienen!" jener Mann schickt sein in Dresden, in Iserlohn, und Elberfeld, und an so vielen, unzählig vielen an­deren Orten mit deutschem Blut gefärbtesherrliches Kriegsheer" von Neuem in einen Bruderkampf. Wür- temberg, auf das die Blicke aller Patrioten gerichtet waren, das vor noch nicht langer Zeit beinahe seinen König beseitigt hätte, weil er es wagte, die Reichs- Verfassung nicht anzuerkennen, das damals versprach seine Hauptstadt solle dasdeutsche Debreczin" wer­den Würtemberg, das die Vertreter des deutschen Volkes in seinem Schooße beherbergte: es hat sein Nach­barland Baden im Stich gelassen, cs hat seinen Na­cken gebeugt unter die rohe Gewalt, es hat die Natio­nalversammlung zum Teufel gejagt, die unverletzlichen Abgeordneten der Nation, verhöhnt, getreten, es hat mit dem Lärm der Trommel die Stimme des Rechts übertönt, und es sendet vielleicht jetzt seine eignen Söhne nach Baden, um der Ehre theilhaftig zu werden, mitzuhelfen an den letzten Streichen, die gegen die Freiheit geführt werden. Frankreich sieht verrätherisch zu, es verbietet jedem Franzosen, Baden zu Hülfe zu eilen, es sendet die edle» Ungarn, die aus der italienischen Armee herüberffohen, für die Freiheit zu kämpfen, zu der Fremdenlegion nach den Sandsteppen Algiers, es ver­weigert den armen Flüchtlingen, die nichts haben, als ihr nacktes Leben, das Gastrecht. Und die Schweiz,

die republikanische Schweiz, sie macht es wie immer: sie legt die Hände in Schoos: da Geld, hie Spießbürger­republik! Und um das Maaß übervoll zu machen, muß im eignen Lande der Verrath lauern: muß der Spießbürger feige und ängstlich zusehen, und horchen, woher der Wind weht, muß er auf Mittel sinnen, wie er die Revolution citödte, wie er den Feinden derselben in die Hände arbeitet, muß er verrätherisch die ersten Städte des Landes übergeben, mit Jubel die einziehenden Preußen, dieBringer von Gesetz und Ordnung", begrüßen. Unglückliches Land, nicht zum erstenmale seit denglorreichen Märztagen" bist du von Reichs- und andern Truppen überschwemmt, die deinen verarmten Beutel vollends leeren, deine Frei­heit in Ketten schlagen, dich verspotten und höhnen, deine Führer verfolgen, in die Kerker werfen! Nicht zuin erstenmale muß du dafür büßen, daß du zu den herrlichsten und edelsten der deutschen Stämme gehörst! O was magst du denken von denen Allen, die dich so treulos verlassen, die dereinstmit Gut und Blut" gelobten, für die Nationalversammlung einzustehen

all ihr hach ©ebben ist wie Stank zerstoben, und die Täuschung ward nur euer Theil!"

Und wie nmßfl du denjenigen fluchen, deren Bestreben es ist, die Söldner zum hellsten Fanatismus anfzustacheln, wie magst du denjenigen fluchen, welche so schmählich umgehen mit deinen gefangenen Söhnen, welche die wehrlosen Freiheitskämpfer höhnen, schimp­fen, hauen, stechen, an die Schweife ihrer Pferde bin­den während du die gefangenen Feinde liebevoll hegst und pflegst, und ihre Wunden verbindest, wie deine eignen! Dochdie Sitten der Parteien sind die Töchter ihrer Doktrinen: die Einen, tiefbeseelt von frei Empfindung der Brüderlichkeit, wissen in das Unglück den Stolz und den Muth zu tragen, in den sieg das Vergessen und das Mitleid; die Andern, kalte Egoisten, zeigen sich kriechend in der Niederlage, grausam, unerbittlich im Erfolg."

Uns aber, denen zum Willen die Kraft fehlt, die ohnmächtig zusehen müssen, wie die Revolution in Ba­den in den letzten Zuckungen liegt, die wir kaum eine Ahnung haben von dem Loos, das Alle die erwartet, die dort mitgekämpft für die Ehre der deutschen Nation, uns, die wir lins umgeben fühlen von hohnlächelnden Reaktionären, und von einer abgespannten, an Allem verzweifelnden, nach Ruhe und Ordnung lechzenden Masse uns vermag der Schmerz über das Schick­sal jener Freiheitsarmee, das drückende Bewußtsein der eignen Ohnmacht nur die Thräne der Wuth und der Verzweiflung zu entpressen! Es ist ein hartes Ur­theil, die Anklage eines ganzen Volkes, eines Volkes

von 40 Millionen und wir wollen gerecht sein. Zum blinden Gehorsam der Soldaten kömmt die Feig­heit der Spießbürger, der Verrath der Bourgois, der Ruhefanatiömus, der in das Volksleben polypenartig verschlungene Arm der Bureaukratie, der Geistlichkeit, kömmt die Masse der nationalen Vorurtheile, so reich­lich genährt seit lange von den Gewalthabern, das unerschütterliche Vertrauen aufPersonen, die keine Heilig­keit des Eides kennen, die Abhängigkeit des Armen von sei­nem Brodherrn, kommt endlich die Unentschlossenheit, ja der Verrath der eigenen Führer! Damals, als sich die Stimme des Volkes zum ersten Male laut für die Neichsverfassung erhob, als cs entschlossen war, über die fürsteufreundliche Mehrheit der Nationalversamm­lung in Frankfurtzur Tagesordnung" überzugehen, damals, als einen Augenblick lang alle Macht in den Händen des Märzvereins war, da ließen die Führer die köstliche Zeit verstreichen, in dem Glauben, daß sie im Stande seien, den Sturm in jedem Moment von Neuem zu erzeugen, da scheiterte die Revolution an der Halbheit und Unentschlossenheit derer, die durch den Gang der Ereignisse an die Spitze gestellt waren. Mehrere Wochen nachher erscheint der Aufruf derReichs- regentschaft zu den Waffen zu spät! Niemand be­kümmert sich darum, die köstliche Zeit des Handelns ist vorüber, unwiederbringlich verloren, denn: wie die Saat, so die Erndte!

Und werfen wir nun noch einen kurzen Blick auf die Lage unseres Vaterlandes: in Oesterreich herrscht die rothe Monarchie, brutale Kriegsknechte verfügen über Leben und Eigenthum des Volks, jede freie Re­gung wird mit dem Galgen, mitPulver und Blei", oder mit Schanzarbeit in Ketten bestraft, die Regie- rumj genießt tetnen Ätreotr, Die ^scaarspäpiere |nnm von Tag zu Tag im Preis, das Volk verarmt mehr und mehr, der Bauer seufzt unter der Last der Herren­dienste, die junge Mannschaft wird in die Armee ge­steckt, um die Kaiserkrone vor der magyarischen Revo­lution zu retten, die Vertreter des Volks sind zer­sprengt, zum Theil in die Kerker geworfen, weil sie zu feig waren, sich an die Spitze der Wiener Revo­lution zu stellen o Herr und Meister Metternich, wie lange säumest du noch, zu erscheinen? In Preus­sen regiert man, wie in Oesterreich: mit Standrecht und Belagerungszustand, von Neuem hat man oktroyirt, man beleidigt das Rechtsgefühl des Volkes auf die ent­setzlichste Weise, man verhaftet alle mißliebigen Män­ner, adlige Strittet saugen das Landvolk aus auf eine unerhörte Weise, Minister regieren ohne irgend Jemanden als sich und dem Mann mit derunge- schwächten Krone" verantwortlich zu sein, die Prcß- und Versammlungsfreiheit ist eine Chimäre, die VolkS-

Smcaniit, der serbische Natiorral-Held.

Folgende interessante Schilderung Knicanin's und des Kriegs-Schanplatzcs in Süd-Ungarn entnehmen wir den Grenzboten".

Ein kühler Septembermorgen dämmerte, als wir Panceva verließen, nm noch vor Mittag im Feldlager bei Tomascvac cinzutreffen, wo der bekannte serbische Held, Stephan Petrovic Knicanin, fürstlich serbischer Infanterie-Oberst und Geheimerath. commandirte. Wir fuhren durch die ausgedehnten Ebenen des Banats, dieses slavischen Kanans, wo sich die üppigen Waizcnbödcu aus­breiten , wo das herrlichste Obst und trefflicher Wein im Uebersiuß gedeiht. Jetzt freilich sind viele Landstriche, welche früher beneidet wurden, sehr bedauernswerth ge­worden. Viel Ackerland liegt brach, weil dessen Bebauer Hacke und Pflug mit der Flinte und Lanze vertauscht haben, um die Marken des Baterlandes vor dem alten Erbfeind zu wahren, die Fruchtbäume und Planzungen sind niedergebrannt, die Getreidefelder von dem Sturm kämpfender Männer und tummelnder Rosse aufgewühlt und zerstampft, ganze Dörfer verwüstet und verödet.

Der rauhe Krieg, der Länder verheerende, hat hier fürchterlich gewüthet; doch das gesegnete Banat wird sich als freies Land schnell wieder erholen, und Menschen- blut für die Freiheit vergossen , ist ein trefflicher Dünger!

Herr Gott! Seht dort die Reiter ! Wenn das feind- liche" wären! In jener Richtung liegt Weißkirchen mit starker Magyaren-Besatzung. Was wird auS unS und unfern Depeschen? Fahre zu, Kutscher!"

Ich ließ den Kutscher langsam fahren, rückte Pistolen und Säbel zurecht, und rief einen der Straße zunächst haltenden Reiter an. Dieser rittt hart an den Wagen heran, die Hand grüßend zum breiten hychaufgckrämpteu Hut von schwarzem verschossenen Filz erhebend. Er war ein hagerer Kerl mit platter Nase, kleinen Augen und breitem, dicklippigem Mund, über den ein schwarzer, struppiger Bart hing. Seine sämmtliche Kleidung be­stand in einem kurzen Lemv und breiter Leinwandhose beide hatten wohl mit Seife und Wager niemals Be­kanntschaft gemacht und einem braunen Mantel, wie ihn die slovakischen Rastelbinder zu tragen pflegen. Am Sattelknopf hing ihm eine rostige Doppelflinte und eine großbauchige Kürbisflasche und an langer Leine hielt er einen hochbeinigen, zottelhaarigcn Hinenhund, der knurrend seine Fangzähne zeigte; des Hundes weißes, struppiges Fell und sein wohlwollendes Wesen deutete auf Vic nahe Verwandtschaft mit Freund Jsegrimm. Der Reiter, auf unser Befrageu, erklärte, er sei ein wallach- ischer Vichtreiber und mit hundert fetten Ochsen auf dem Wege in das Tomasevacer Lager, dabei zeigte er seine Marschroute vor und wies nach der Seite. Hier lagen große Maispflanzungen. Die gebräunten Halme hingen zerkuikt, ein guter Theil war niedergctreteu, und auS

den zerschlissenen Fruchthülsen blinkten die goldenen, hundertkörnigen Kolben. Drin aber knisterte eS unheim­lich und auS dem Kolbenfeld ragte das hohe Gehörne einer zahlreichen Ochsenheerde, die mit Gier an dem Mais knuberte und malmte. Wir rügten diese Verletzung und Verwüstung fremden Eigenthums; da antwortete der Wallache mit naivem Pathos:DaS sind die Aeckcr der gottverdammten Döbeljacer Magyarenbrut, die unS so lange feind gewesen, bis ihnen vor ein paar Wochen Herr Knicanin, oen Gott erhalten wolle, das Sünden- neft über den rebellischen Häuptern in Flammen gesteckt. Die Männer des Dorfes sind theils erschlagen, theils gefangen, die klebrigen mit Weibern und Kindern in jener SchreckenSnacht, Gott weiß wohin! ausgewandert. Den Segen ihrer Felder mußten sie nngeeruvct lassen, Lie Waizenfelder haben sich alle von selbst ausgekörnt und der Mais hier wird wohl auch bald zu Grunde gehen. Unsere Leute können cs nicht einachsen, werden sie doch kaum mit ihrer eigen Ernte fertig. Damit nun die edle Gottesgabe nicht ganz ungenossen zu Grunde gehe, lasse ich meine Heerde, die doch ohnehin nach Herrn Knicanin's Lager geht, ein wenig darin weiden. Schade um den schönen Gottessegen, schade nm Vie schönen Häuser dort, doch Vie Döbeljacer haben's verdient." Mit Viesen Worten deutete der Reiter mit dem Peitschen» stecken auf einen rauchgeschwärzte» Kirchthurm, der sich links von der Straße über dem grünen Ried erhob, Va- rauf lüftete er den Hut und ritt zur Heerde zurück.