Cie Zeitung.
„Freiheit und keeht!"
Wiesbaden. Donnerstag, 3. Juli
184».
Die „Freie Zeitung" erscheint, mit AuSn^ des Montags, täglich in einem Bogen. — Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff 45 kr 7 durch die Post bezogen mit verhaltnlßmaßlgem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der Kreien Rei tu™» Ls?'1 auswärts Erfolge. - Die Znfcrationögebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. 9 P 9 'Greten Geltung stets von wirksamem
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/X Neue und zuverlässige Nachrichten aus dem Stillleben von 1847.
Ein C i r k u l a r.
Das Betragen der Angestellten im Dienste betreffend.
Wir haben mit einer ganz eignen Befremdung die Wahrnehmung machen müssen, daß Einzelne unter Ihnen den Geist der Gesetzgebung im Ganzen nicht so aufzufasseu und dergestalt mit dem bestehenden Ver- waltuugssvstem zu verbinden wissen, daß daraus auf eine auf eigene Ergründung gebaute Ueberzeugung über die konsequente und wohlthätige Tendenz der höheren Anordnungen sich schließen ließe; namentlich vermissen wir diese innere Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit der höchsten Orts erlassenen Gesetze in denjenigen Protokollen, die Sie alljährig durch die Conduitenlisten Uns zu unterbreiten die Ehre haben.
Damit Sie nunmehr in den Stand gesetzt werden, und Ihnen kein Debium übrig bleibe, wie sehr es von Ihnen abhängt, ein unbedingtes Vertrauen in Unsere Anordnungen herbeizuführen, und wie lediglich die Anhänglichkeit und Verehrung der Unterthanen von den Wirkungen der gesetzlichen Anordnungen und Ihrer demgemäßen entsprechenden Interpretation abhängt, haben Wir Uns bewogen gefunden, Ihnen, soweit es Ihr Ressort betrifft, die Ausflüsse Unseres ernstlichen Willens für das Wohl des Landes zur strengsten Dar- nachachtung aus Herz zu legen.
Vor allen machen Wir Sie auf eine beklagens- werthe Lücke in der Uebersicht aufmerksam, die Sie über die Wandelbarkeit der menschlichen Gesinnungen und über die zuweilen ins Ertrem überschlagende Geistesrichtung des Ihnen untergebenen Personals abermals vor Kurzem mit dem Bemerken Uns unterbreiteten, daß eine mehr ins Einzelne gehende Investigation vorerst nicht statthaft gewesen sei, indem mehr spezielle Recherchen — als mit den übrigen Lasten des Dienstes inkompatibel — nicht zu ermöglichen gewesen wären.
Wir können nicht umhin und solche Ercüsen, zum Mindesten gesagt, verderblich finden und müssen sie nothwendigerweise einer ungeeigneten Vorstellung der Staatsdienstverhältnisse zuschreiben, wollten Wir nicht solche Ausflüchte einer unklaren Auffassung über die möglichst vollkommene physische, intellektuelle und moralische Ausbildung aller Staatsdiener attribuiren.
Sie werden also ferner darauf bedacht sein, diesen obersten Zweck des Staatsvereins in dem Ihnen zugetheilten Dienstkreis kräftigst zu unterstützen und ihn zur Anerkennung und Geltung zu bringen. Indem Sie
Lieder aus Ungarn.
tVon Nikolaus Lenau.)
II.
Mischka an der Theiß.
In dem Lande der Magyaren, Wo der Bodrog *) klare Wellen Mit der Tissa grünen, klaren, Freudig rauschend sich gesellen, Wo auf sonncnfrohen Hängen Die Tckaycrtraube lacht! Reiten lustig mit Gesängen Drei Husaren in der Nacht. Und der Fischer der die leisen 9ie£e warf in Mvndcnstrahl, Hört vergnügt die Helvenweifen Klingen weithin durch das Thal, Höret durch des Liedes Pausen Hellen Schlag von Rosseshufen , Und des Stromes Wellen brausen, Und das Echo ferne rufen. Bald entschwunden sind die Lieder Und der Waffen Heller Schein, Und cs hört der Fischer wieder Rauschen nur den Strom allein.
*) Bodrog und Tissa (.Theiß), zwei Flüsse, die bei Tokay zusammenmünden.
Uns nun die Resultate Ihrer Beobachtungen in den Conduitenlisten demnächst abermals unterbreiten, werden Sie diesem hier aufgestellten erhabenen Prinzip gemäß, ganz genau entsprechend, handeln, namentlich aber über folgende Punkte ausführliche Berichterstattung vorlegen:
1) Genaue und ausführliche Darlegung, ob die Dienstangestellten der denselben anvertrauten Stellung gewachsen sind.
2) Ob sie, ohne das Staatsprinzip zu alteriren, zu einer höheren Stelle promulgirt werden können.
3) Welche Antecedenrien der jetzigen Stellung Ihnen offenkundig sind.
4) Welcher Umgangs-Pragmatik der betreffende Angestellte huldigt und
5) Ausführliche Beschreibung des sittlich-religiösen Betragens.
Indem Sie über alle diese Punkte eine umständliche Darlegung im Protokoll unterlegen werden, machen Wir Sie namentlich auf die sachgeinäße Interpretation des unter Nro. 5 aufgeführten Theils der Personalbeschreibung aufmerksam. Demnach ist die Sittlichkeit nicht allein von religiösem Standpunkt, als allerdings ein sehr wesentlichen aufzufassen, sondern hauptsächlich die Erkennung des sittlichen Elements in seinen Aeußerungen zu Beziehungen des Staatslebens, zu Regierungshandlungen und zu den Handlungen des von der göttlichen Vorsehung eingesetzten Regenten und seinen Umgebungen abhängig zu machen.
Die Administration legt viel Werth darauf, daß Sie mit redlichem Streben Rücksicht los) diesen Unseren hier spezifirten Anordnungen unbedingt und zwar umsomehr nachkommen, als im entgegengesetzten Falle solche dem Staats-Prinzip zuwiderlaufende amtliche Lässigkeiten und Unzuträgllchkeiten für Sie selbst den unangenehmen Fall herbeiführen würden, daß Wir einen festen Sitz' des Sittlichkeits-Prinzips bei Ihnen nicht anzunehmen — leider genöthigt wären.
Demgemäß sehen Wir also und zwar in einer nächsten Zeit, Ihren dem Geist dieses Erlasses gemäßen Vorlagen entgegen.
Nassovgorod im Mai 1847.
Deutfchlsnv.
-^Wiesbaden, 3. Juli. Wir haben mit Bedauern vernommen, daß die Theilnahme der Demokraten Wiesbadens bei der Wahl der Wahlmänner, welche ' ihrerseits die Kreisräthe wählen sollen, eine sehr laue : gewesen sei. Solche politische Theilnahmlosigkeit Seitens der demokratischen Partei kann nicht genug ge-
„Haben doch ein schönes Leben, Diese flüchtigen Husaren! Zwischen Freuden und Gefahren Hoch zu Rosse hinzuschweben, Jubelnd in die Schlacht zu fliegen Um zu sterben oder siegen Für das Vaterland, "die Freiheit!" Ach, dem Fischer zieh'u die Tage Mit dem dumpfen Wellenschläge Arm vorbei in Traurigkeit, Also denkt in stillem Sinnen Dort der Fischer trübgemuth, Sicht des Stromes muntre Fluth Mvndbesirahlt hinunter rinnen. Wie er starret in die Wellen, Malt die Sehnhsucht ihre Träume In die schwanken lichten Räume Ihrem nächtlichen Gesellen, Und er schaut im Wellentanze KrigeSscenen mancherlei; Männer ziehn im Waffenglanze, Und es rauscht die Schlacht vorbei; Und ihm täuscht, ob aus den Tiefen Fcrnverworrener Stimmen riefen, KampfgetöS, Trommeteuklänge, Feindesflucht und SiegSgefänge. — Und der Fischer träumt noch lange Sich ein froh Husarenleben,
tadelt werden. Mehr als jemals sind gerade jetzt Trägheit und Indifferentismus in politischen Dingen am unrechten Orte. Die demokratische Partei ist im Augenblicke zwar unterlegen, aber deßhalb noch lange nicht besiegt, und noch vielweniger vernichtet.
Die Sache der Demokratie ist die Sache der Wahrheit und des Rechts: dürfen wir also an ihren: endlichen Siege nur einen Augenblick verzweifeln? Unsere Gegner haben die Bajonette, das Geld, und täuschen wir uns darüber nicht, auch große geistige Kräfte, welche im Solde des Despotismus dienen: wir haben die Gerechtigkeit unserer Sache; allein sind wir im Besitz dieser Gerechtigkeit nicht unendlich stärker als unsere Gegner?
Drum verzweifelt nicht und haltet muhig ans bei der beschworenen Fahne! Die reaktionären Helden glauben, wir ständen bereits am Ende — sie irren, die Guten — wir stehen erst am Anfänge.
Wo ihr daher irgendwo es für mögl ich hal- te t, einen tüchtigen Erfolg für die demokratische Sache zu erringen, da rührt euch, und legt nicht verzweifelnd die Hände in den Schooß; wo ihr jedoch gar keinen oder nur einen äußerst geringen Gewinn zu erlangen im Stande seid, da überlaßt in wohl berechnetem Nichtsthun den rothen Monarchisten allein das Feld, welche letztere dann sicher durch ihren verblendeten und ungezügelten Fanatismus der demokratischen Partei die erheblichsten Vortheile zuführen werden.
Mainz, 3. Juli. Die „Oberrh. Ztg." vom 29. veröffentlicht einen Beschluß der konstituirenden Versammlung, welche gegenwärtig sammt der provisorischen Regierung in Freiburg residirt, folgenden Inhalts: „Der Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit wird mit allen zu Gebot stehenden Mitteln fortgesetzt und jeder Versuch zu einer Unterhandlung mit dem Feinde als Verrath am Vaterlande betrachtet und bestraft."—Brentano hatte bei der Diskussion über diesen Gegenstand, welche den 28. Juni statt hatte, gegen den letzten Theil des Beschlusses gesprochen und gestimmt, weil er darin ein Mißtrauen gegen die provisorische Regierung sah. Dessenungeachtet ging der Beschluß durch. Brentano legte hierauf seine Stelle als Mitglied der Regierung, sowie als Volks- repräsentant nieder und verließ in Begleitung von Ziegler aus Karlsruhe und Thibaut aus Ettlingen die Stadt. Man weiß nicht, wohin sie sich begeben haben. Die konstituirende Versammlung, welche diese Flucht als Verrath auslegte, hat die Verhaftung der drei Genannten befohlen und eine Untersuchungskommission niedergesetzt. AnBrentano's Stelle ist Kieser von Emmendingen zum Diktator erwählt worden.
Er vergißt daS Netz zu heben
Und zu sehn nach seinem Fange. —
Ferne reiten schon die Drei
In dem Thäte von Tokay.
Sie verstummen allgemach,
Still für sich ein jeder zieht,
Lauscht den Stimmen, die daS Lied
Ricf in seinem Herzen wach.
Wie sie reiten, wie sie schweigen
In dem schönen Tokaythal,
Bringen Winde Mal auf Mal
Klänge her von fernen Geigen.
„Cymbalschlag mit Geigenklängen,
DaS ist Mischka, seine Bande!"
Ruft der eine und sie sprengen
Schnell zur Schenk am Tissastrande,
Von den Rossen abgesprungcn
Sind sie schnell, und kiirrend ein
Treten die drei Reilerjungen!
„Mischka, streiche! Wirth gib Wein!" Manche Geige mag im schönen Lande der Magyaren tönen, Doch im Land die Geige Keiner Spielt wie Mischka der Zigeuner. Wohlgefällig trifft des Alten Blick die hohen MannSgcstalten, Ihre schmucken, schimmerblanken Waffen und Husarenputz;