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„âeiheit und Neehtl«
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Wiesbaden. Mittwoch, 4, Juli
Die Stete Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 ft, auswärts hnrA die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge — Die ZnserationSgcbuhren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
Bestellungen auf das mit dem 1. Juli begonnene neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.
Die nächste Aufgabe der Demokratie.
-k- Vom Taunus, 1. Juli. Das Werk der Reak- tion in Deutschland ist vollbracht. Die letzten Bollwerke der Freiheit sind gefallen, das Parlament und | die Reichsrcgentschaft durch Waffengewalt gejprengt, der pfälzische und badnische Aufstand für die Rettung der Reichsverfassung durch die Macht der Bajonette
niedergeschlagen. — '
Als Robert Blum zu Wren gemordet wurde, war man in ganz Deutschland bis zum Aeußersten empört ; jetzt da man der g e s a m m t e n Nationalversamm- , Inna Gewalt anthut, da man gegen einzelne Mitglieder dieser Versammlung und der Regentschaft bereits Verhaftsbefehle erläßt, erhebt sich, selbst in Wurttem- i berg auf dem Schonplätze dieser Gewaltthaten, fein Arm zu ihrem Schutze. Man hört wohl Hinte;m Bier- glase viel reden von Hängen und Guillotiniren; aber , die allgemeine Abspannung und Erschlaffung kann sich ' durch solche Redensarten nicht verbergen. Das Volk ist müde, nicht von Thaten müde, sondern von dem vielen Geschwätz. Was ist nun zu thun ? — Antwort: Nichts! Das versteht sich von selbst! Aber wie thut man am zweckmäßigsten und Vortheil Hastesten Nichts? Man muß System in Alles bringen! Um rin System des Nichtsthuns aber handelt sich s setzt._____ ............... _ _
Wir schlagen in dieser Beziehung folgendes Verfahren ^m Iiechte Gebrauch zu machen — belpahre! wer wird vor: Die Landstände — um hier inSbesoudere von un- - - -....." ' ' -
fevein Lande zu reden — thun das, was sie nach dem Willen einzelner gewisser Leute vor- iiMiSlveife thun sollen — nicht, was zur Zolge __,......□.......7- -..... .....z
haben wird^ daß sie mit Ehren heimgehen können. ^m hast ein weiches Gemütb u»v l- lltü was auf die hierauf wird wie die Regierungswetterprophetin, letzten Worte der Sterbendem Deine Reichsregcnt-
die Nassauische Allgcmkinc" schon angedeute. ^at, viel- <^’ <>" w N" '>-"d d.-ie« Leilament m >bmn M
leicht' ein Wahlgesetz mit irgend einem Census „geschenkt", um eine Kammer zu bekommen, welche lhie beiliae Aufgabe - Steuern zu bewilligen - versteht. In diese m Falle ist am Volke die Reihe Nichts zu thun, d. h. es setzt sich vor, nicht zu wählen in die Kammer der Stände. Wenn das ganze nassauische Volk diesen passiven Widerstand gegen jedes geschenktcWahlge- setz durchführt, wenn es weder zu dem zukünftigen deutjchen, d. h. preußischen „Reichstages noch zu unserer Sammer wählt, so werden zwar die Steuern vielleicht dennoch t kingefordert und beigetrieben, da ja „der Staat ohne ; Steuern nicht bestehen kann"; aber es wird dann doch die Ruhe der Passivität nicht gestört, und, was die ; Hauptsache ist, es wird dem Sieger unmöglich gemacht,
lwerden; cs mu o stille werden im Lande, daß man ^weck ohne ^buteieS anw - •
Lieder aus Ungarn
(Bon Nikolaus Lenau.)
1.
Die Werbung.
Rings im Kreise lauscht die Menge Bärtiger Magyaren froh;
Aus dem Kreise lauschen Klänge! Was ergreifen die mich so? — Tief gebräunt vom Sonnenbrände, Rothgegluht von Weinesglnth, Spielt da die Zigeunerbande Und empört das Heidenblut.
„Laß die Geige wilder singen! „Wilder schlag das Zimbal Du!" Ruft der Werber und es klingen Seine Sporen hell dazu. Der Zigeuner hört's, und voller Wölkt sein Mund der Pfeiffe Dampf, Lauter immer; immer toller Braust der Instrumente Kampf, Braust die alte Heldenweise, Die vor Zeiten wohl mit Macht Frische Knabeu, welke Greise Hinzog in die Türkenschlacht.
Nichts mehr hört, als das Klingen der Srcucrg
I und die Schellen der Gemeindeausscheller, diese Sterbe- einer solchen Reform überzeugt bin, so wenig wird je
1 glöcklein der Bankerotten! der unbefangene Leser jener meiner Beleuchtung darin
Ja, ihr Ordnungsmänner, ihr habt recht; Ruhe f etwas Anderes gefunden haben, als eine vergleichende
thut noth, Nichts, als Ruhe! Der Kampf zwischen x Andeutung, wie bei den letzten Tarverändernngen zu
der absoluten Herrschergewalt und der Demokratie, 1 Werke gegangen, und wie hierbei das Interesse des
welchen (Kampf) unsere Staatsmänner das „fonftitm 3 honette System" nennen, hat einstweilen mit der Nie
i größern Publikums wenig gewahrt erscheint: sowie sich I dabei klar herausstellt, daß Verfasser keineswegs ein derlage des Einen Theils geendet. Wozu also nochA so durchaus nicht zu befriedigender Tadler ist als Hr. der Schein eines konstitutionellen Kampfes, wo doch ins B. solchen darznstellen beliebt. Ersterer bezeichnet näm- Wahrheit kein Kampf mehr ist? Die deutsche Volks-lich in dem zweiten Absätze jener Beurtheilnrg ans- vertretung wird wol jetzt nur noch zu Wort kommen,§ drücklich als einstweiliges Hauptdesiderat ein Zurück- wenn sie zu Allem, was die Regierung thut, Ja sagt;K gehen auf die in der früheren Tare (d. h. vor Juni Nein darf sie nicht sagen. Darum ist ein anderes â 1848 gültige) verordnete einfachere und wohlfeilere Wahlgesetz nöthig. Nichts ist aber, abgesehen von der | Bereitungsweise der Medicamente, und stellt in den Zwecklosigkeit, langweiliger, als eine Verhandlung, H ferneren die Wahrheit seiner Behauptungen beweisen- deren Resultat man jedesmal mit Gewißheit voraus- k den Beispielen eben diese Tare, wenn nicht als Muster, weiß. I doch als vorläufiges Ziel offenbar hin.
Darum, lieber Michel, echauffire dich auch nicht : Ohne mich nun auf eine Widerlegung des zu An- mehr! Pflanze Kohl und Rüben und kümmere dich fang des B. .'schen Artikels befindlichen, unglückliche» nicht mehr um Politik! Man hat dir alle deine / -Form mit Inhalt verwechselnden Vergleiches einzulas- Rechte, deine Märzerrungenschaften, genommen, du hast sen; ohne ferner die, — wohl nur durch den die eig dir sie nehmen lassen; aber Ein Recht ist dir doch ^" ^"^^ <" -
geblieben, das ewige unveräußerliche Recht der Unterdrückten, das heilige Recht der Revolution, falls man ein ganzes Volk hohnlachend zu vernichten strebt. Du hast jetzt vollkommene Muse, nicht von die-
weiß
dir das zumuthen, aber über dieses Recht nachzudenken, und dcme höchste gesetzliche Obrigkeit, die Reichsregentschaft, hat dich vyr ihrem Ende noch auf dasselbe aufmerksnm gemacht. Guter Michel, ich weiß,
schaft hat dir sterbend dieses Testament in ihrem le^ ten Aufruf hinterlassen. Du hast nun zwar dieser Aufrufe nicht Folge geleistet; aber du hast jetzt ZerH darüber nachzusinnen.
N. Aus der Provinz. (Arzneitare und Apothekerwesen. — Ein Sendschreiben an Hrn. Bertrand in L. Schwalbach.) Nro. 93 dieses Blattes bringt einen heftig grollenden Artikel gegen die in Nro. 85 veröffentlichte Beleuchtung der neuesten Revision der Arzneitare. Der Versager sucht namentlich darin seine Stärke, daß er diese auf elnen ihr ganz fremden Standpunkt zu ziehen sucht, indem er
Wie des Werbers Augen glühn!
Und wie all' die Säbelnarben, Ehrenrösleiu purpurfarben, Ihm auf Wang' und Slirne blühn ! Klirrend glänzt das Schwerdt in Funken, DaS sich oft im Blute wusch; Auf dem Czako, freudetrunken, Taumelt ihm der Fcdcrbusch. — Aus der bunten Menge ragen Einen Jüngling, stark und hoch, Sieht der Werber mit Behagen ;
„Wärest Du ein Reiter doch!" Ruft er aus mit lichtern Augen, „Solcher Wuchs und solche Kraft "Würden dem Husaren taugen; "Komm nnd trinke Brüderschaft!" Und es schwingt der Freudigrasche Jenem zu die volle Flajche.
Doch der Jüngling hört es schweigend, In die Schatten der Gedanken, Die ihn bang und jnß umranken, Stitt sein schönes Antlitz neigend. Ihn bewegt das edle Sehnen , Wie der Ahn ein Held zu sein; Doch berieseln warme Thränen Seiner Wangen Rosenschein. Außer denen, die da rauschen In Musik, in Werberswort,
So vollständig ich auch von der Nothwendigkei
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neu Interessen etwas zu schmälern drohenden Vorschlag - gereizte Stimmung kund gegebenen, schmeichelhaften Redensarten von Gründlichkeit und Einsicht Mt gleicher Münze erwidern zu wollen; muß ich doch, als entschiedener Feind aller Privilegien, so auch des Apothekerprivilegiums, dem Herrn B. das von ihm,
wie es scheint, beanspruchte Privilegium eines wahren Freundes des Gemeinwohls und gründlichen Prüfers bestreiten, und darf denselben versichern, daß, falls es in der Absicht meines früheren Artikels gelegen hätte, Reformvorschläae für das Apothekerwesen in weiterem Umfange zu macyen, in erster yieipe ocrjeiven eine möglichste Vereinfachung in der Auswahl derjenigen Medicamente, welche der Apotheker vorräthig zu halten verpflichtet ist, gestanden hätte. Es würde dann durch den Wegfall vieler theueren, dem Verderben ausgesetzter Medicamente dem Apotheker eine sehr wesentliche Erleichterung in Einrichtung und Unterhalung seines kostspieligen Geschäfts verschafft, und so mit Umgehung der von B. in seinem Programme für zeitgemäße Reform des Apothekerwesens angegebenen schwierigen Wege, etwaige Gefahren vor Verlust beseitigt werden können. Daß dabei nur so viele Apotheken concessionirt, nicht privilegirt werden dürften, daß im Interesse des Publikums eine jede derselben den nach Maßgabe des angelegten Kapitals vollkommen hinreichenden Gewinn auswerfen müßte, ist eine bei jedem Unterrichtete» so feststehende Grundbedingung, daß sie einer besondern Erwähnung nur der Vollständigkeit halber verdient hätte, der ich noch den Grundsatz bei-
Scheint er Klängen noch zu lauschen, Hergeweht aus fernem Ort.
„Komm zurück in meine Arme!" Fleht sein Mütterlein so bang: Und die Braut in ihrem Harme Fleht: „O säume nimmer lang!" Und er sieht das Hüttchen trauern, Das ihn hegte mit den Seinen; Hört davor die Linde schauern, Und den Bach vorüber weinen. -- Pochst Du lauter nach den Bahnen Kühner Thaten, junges Herz? Oder zieht das süße Mahnen Dich der Liebe hcimathwärts? Also steht er unentschlossen, Während dort Geworbene schon Ziehn in's Feld auf flinken Rossen, Lustig mit Trometenton.
„Komm in unsre Reiterschaaren! Fällt der Werber jubelnd ein.
„Schönes Leben des Husaren, „Das ist Leben, das allein!" Jüglings Augen flammen heller, Seine Pulsen schlagen schneller. — — Plötzlich zeigt sich jetzt im Kreise Eine finstere Gestalt, Tiefen Ernstes, schreitet leise, Und beim Werber macht sie Halt,