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1) Das Gesetz vom 14. April 1849 über die Com- petenz der Gerichte zur Untersuchung und Be­strafung von Verbrechen und Vergehen.

2) Das durch Edikt vom l4 April 1849 publizirte neue Strafgesetzbuch für Nassau.

3) Das durch Edikt vom 14. April d. 3 publizirte Gesetz über das öffentliche und mündliche Ver­fahren mit Schwurgerichten.

Von dem 1. Juli 1849 datirt eine neue bedeu- i tungsvolle Epoche in der Geschichte der nassauischen Strafrechtspflege und von dem 1. Juli 1849 an, wird die Presse Nassau's erst wahrhaft frei, weil ohne Schwurgerichte die Preßfreiheit stets ein sehr zerbrech­lich Ding bleibt.

' Den 1. Juli 1849 begrüßt daher die freie Presse Nassau's als einen hohen Festtag, und von diesem Tage an ist sie erst wahrhaft im Stande all den großen lind kleinen Teufeleien der großen und kleinen Mantenffcll- aner, mit Kraft und Entschiedenheit entgegen treten zu können.

PP* Hadamar. Um auf die Art und Weise schließen zu können, wie man hier svstemathisch danach strebt, die Gymnasiasten zu verdummen und sie zu Werkzeugen im Dunkeln schleichender Pläne zu machen, gebe ich als Beispiel folgenden Vortrag, den ein hie- ger Lehrer, und zwar nicht der Religionslehrer, in seiner Klasse hielt, worunter sogar etliche Protestanten waren. Ich habe dies aus sicherer Quelle geschöpft und kann mich für die Wahrheit verbürgen. Er lau­tet:Es gibt so Viele, die das sogenannte jusse-nnlieu beobachten und den Grundsatz aufstellen: Fürchte Gott und scheue Niemanden. Diese Männer haben gar keine Religion *) und sind zu verdammen, ebenso wie die von ihnen gepredigte Toleranz. Nein! Solche Jn- disserentisten muß man zurückweisen und Jeden ver­dammen, der nicht ganz fest an seiner Confessio« hält und vor den man nicht das Wörtchen Stock setzen kann. So habe ich oft die Liebe Gottes rühmen hö­ren, der nicht nach ganzer Strenge einen Jeden ver­damme. Ich frage aber, wo bleibt dann die Gerech­tigkeit'^ Die Gerechtigkeit waltet und nicht die Liebe (?); denn sonst wäre die Lehre von der Prädestination eine Wahrheit und jene Cyniker wären die Klügsten; die, ihr folgend (?), sich im Schlamme der Lust wälzten.

Haltet streng an euerer Religion, denn Christus hat nur Eine Kirche gegründet, nur Eine wahre Lehre gibt es und welches diese sei, das überlasse ich vertrauensvoll euerm Religionsunterrichte."

Der Kampf gege» Baden und die batmfdie Pfalz.

Frankfurt, 29. Juni. (N.D.ZJ Der Rückzug des Volksheeres durch Karlsruhe am 24 und 25. war, wie uns ein glaubhafter Augenzeuge versichert, ein durchaus geregelter; auf den Nebenstraßen, nach Pforz­heim hin z. B. gab cs natürlich Versprengte, wie bei jedem Rückzüge, und darunter mögen auch Manche gewesen sein, welche nicht aus den lautersten Gründen sich absentirt hatten. Den Zorn der in Pforzheim stehenden schwäbischen Legion über diese Strandläufer hat derSchwab. Merk." zu einer äußerst dramati­schen Mordgeschichte benutzt. Der Oberkriegskommis- sär Schlöffel hat mit der ungeheuersten Anstrengung alles Kriegsmaterial nach Rastatt schaffen lassen. Der Geist des rückziehenden Heeres war vortrefflich; nur klagte das 3. Regiment, daß es zu wenig ins Feuer gekommen sei. Enmuthigung war nirgends bemerkbar.

*^ Ich dächte, wenn Einer Gott fürchtete und nach seinen Geboten handelte, trotz Mcnschcngnnst und Haß, dies sei die wahre Frömmigkeit und gerade jener Fanatismus, der jeden Andersgläubigen mit Feuer und Schwert zu vernichten droht, sei unchristlich und verwerflich.

Anmcrk. d. Eins.

Das Volksheer hat auf diesem Rückzüge Alles geleistet an Ordnung und Disziplin, was man nur irgend von kaum zusammen getretenen Mannschaften verlangen kann. Natürlich gibt es immer Einzelne, die über die furchtbare Unordnung, über das wirre Durcheinander lamentiren; die wissen eben nicht, wie es im Felde hergeht. Bei einem Volksseere wird eine allzu freie Kritik der Führer schwer abzustellen sein und da nun der Einzelne durchaus nicht immer beurtheilen kann, wo der oder jener im Augenblick ist oder sein muß, so entstehen dadurch die meisten durchaus unbegründe­ten Klagen über Zurückhaltung und schlechtes Beneh­men derselben. Es ist überhaupt eine Untugend, die wir schon häufig an Freischärlern wahrgeuommen ha­ben, daß sie sich über ihre Gefährten, wenn sie nicht unmittelbar im Feuer neben ihnen gestanden haben, gern achselzuckend und zweideutig äußern und das ist abscheulich, weil es demoralisirt. Am lautesten sch re i e n a b er iin in er d i e über schlechte Füh- rung, über Mangel an Organisation, über Feigheit der Andern, w e l ch e am ersten heim kehren. Diese sagen natürlich stets, Alles sei verloren, um ihren frühzeitigen Rückzug zu beschönigen.

Am 25. Mittags war das Gefecht bei Durlach, welches nach unserem Berichterstatter bei weitem nicht so bedeutend war, als es geschildert wurde. Die Preu­ßen haben zwar tüchtig kanonirt; aber in Durlach waren höchstens 200 Mann von der Nachhut des Willich'schen Korps, welche allerdings die Preußen 2 bis 3 Stunden lang aufhielten. Jene hatten 4 Todte und verloren 5 Gefangene; die Preußen hatten 21 Todte und Verwundete.

Am 25. Nachmittags begann nun der Einzug der Preußen in Karlsruhe. Vorne ritten zweitreuge- bliebene" badische Dragonerwachtmeister, dann drei übergegangene Stabsoffiziere, sodann ein Regiment Infanterie, zum Theil mit Zündnavelgewehren. Dann Uhlanen, endlich der Generalstab, der Prinz von Preu­ßen mit bemwackeren" Bürgerwehrobersten. Im Ganzen rückten etwa drei Regimenter Infanterie, zwei Regimenter Uhlanen, ein halbes Regiment Husaren und drei und eine halbe Batterie, darunter eine Bat­terie 24-Pfüuder, ein. Das waren also 1215,000 Mann ; außerdem sind aber noch die Korps der Ge­nerale Gröben und Peucker da. Der Stadtvor­stand hatte für die nöthigen weißen Fahnen Sorge getragen. Ein hell und sommerlich gekleideter Herr ging vor der Avantgarde her und schrie in einem fort mit der aufopferndsten Begeisterung: Preußen hoch! Aber,obgleich alle frei aufathmeten, weil sie von dem furchtbaren Terrorismus befreit waren", wie die wohl­gesinnten Blätter sagen, so stimmten doch nur einige Angestellte und ihre Söhne nebst einigen Gamins in die begeisterten Hoch's jenes sommerlichen Mannes ein. Selbst auf die gediegensten Heuler schien die preußische Erlösung einen peinlichen Eindruck zu ma­chen. Wahrscheinlich waren sie noch nicht wieder zu Athem gekommen.

Unser Berichterstatter bestätigt es, daß der Pole Mniewski verrätherischer Weise seine Stellung am Rhein verließ, wodurch die Preußen aus dem Ger­mersheimer Brückenkopf Hervorbrechen konnten. Eine Stunde nach Mniewski's Abzug rückten die Preußen vor. Um Mitternacht befahl jener den Rückzug; seine Leute weigerten sich Anfangs, gehorchten aber endlich, gingen nach Philippsburg, wo sie schon am Morgen von den Preußen angegriffen wurden. Dort fanden die preußischen Husaren den warmen Empfang. Der verrätherische Pole erwartet in Rastatt sein Urtheil. - Daß die Preußen in den Gefechten bei Bruchsal sehr bedeutende Verluste erlitten haben, bestätigt unser Be­richterstatter in allen Stücken.

Mannheim, 27. Juni. (Frkf.Ztg.) Seit gestern wird, was man schon längst erwartete, der Belagerungs­zustand ernstlicher genommen. Um halb 9 Uhr Abends müssen alle Wirthshäuser geschlossen sein, jedes Stehen­

bleiben auf der Straße ist verboten und wer nach'10 Uhr ohne genügenden Ausweis auf ber Straße angr- troffen wird, wird arrctirt. Zu jeder Entfernung aus der Stadt muß die Erlaubniß der Militärbehörde ein* geholt werden; Wirthshäuser, wie der Mohrenkopf, König Mar, die Republik und andere Niederlagen der Republikaner, sind ganz geschlossen.

K In der reaktionären schwarzgelben Franks. Ztg. lesen wir folgende schöne Geschichte, über welche sogar ein Correspondent jener Zeitung sein Mißfallen aus­spricht:Mannheim, 28. Juni So wenig ich das Treiben von Trützschler und Sleck billige, so we­nig war mir die Art der Wegführnug angenehm

Der fommanbirenbe Hauptmann ließ vor dem Kauf- Haus in einem freien Raum beide Arrestanten stehen, lodaß sie von allen Seiten recht gesehen werden konn­ten. Nachdem hierauf die etwa 10 Schritte von ihnen entfernte Compagnie vor ihren Augen geladen hatte, hielt der Hauptmann eine Rede, bald zu den Solda­ten, bald zu den Gefangenen.Seht Soldaten sagte er unter Anderemdieser da ist Trützschler, er ist Euch bekannt von Frankfurt, von Dresden und ich glaube auch von Wien. Wir wollen auch die Freiheit, aber nicht wie dieser da, der mit Mord und Raub anfängt." Zu dem Sleck wendete er sich, ihm den abgenommenen Degen zeigend:Kennen Sie die­len Degen? Es ist der, den Sie führten und den ich jetzt sichre, und für den Sie von mir so viel erhalten, als Sie dafür gegeben." Zuletzt sagte er zu den Sol^ baten:Hört, wenn diese entfliehen wollen, und keine Zeit zum Schießen ist, dann schlagt sie mit dem Kol­ben todt." Nach diesem feierlichen Akt mußten Beide, umgeben von Militär und Zuschauern, bis zur soge­nannten Planke zu Fuße gehen, dort stiegen sie in einen Wagen."

Baden-Baden, 25. Juni. (Fr. 33 Gestern sind hier auf Befehl der provisorischen Regierung 5 Ver­haftungen vorgenommen und die Verhafteten nach Rastatt abgeführt worden. Sämmtliche sollen Mit- glieder einer Verbindung sein, welche im ganzen Lande verbreitet und den Zweck haben soll, für das alteNe- gime Propaganda zu machen. Der alte Professor Eckerle,. Assessor Gellius und drei katholische Geistliche waren die Verhafteten.

Offenburg, 27. Juni. (Fr. I.) Seit dem 25. be­findet sich die provisorische Negierung, den wackeren Brentano an der Spitze, hier. Man jagt, daß sic/ wenn sie and) hier zu weichen genöthigt sei, ihren Sitz in Freiburg nehmen wird.

Lahr, 26. Juni. (Fr. I.) Der Gemeinderath weigerte sich gestern, die Beschlüge der provisorischen Negierung zu vollziehen, besonders die verlangten Le­bensmittel re. in's Heerlager abzuliefern. Es erschienen daher noch Nachmittags gegen 700 Mann Erecutions/ truppen mit zwei Geschützen von Offenburg her, um­zingelten die Stadt, drangen in dieselbe ein, entwaff­neten die widerspenstigen Bürger, und arretirten eine große Anzahl ausgerissener Freischärler.

Rastatt, 27. Juni. Schon vorgestern wurden alle einzelne Truppen auf der Eisenbahn hierher befördert, weshalb alle Personenzüge auf der Eisenbahn eingestellt wurden. Gestern Vormittags 8 Uhr hielt General Mieroslawski Revue über alle hier befindlichen und im Murgthale ausgestellten Truppen; es mögen wohl im Ganzen 40,000 Mann sein, die fast alle einstimmig das Verlangen aussprachen, gegen Karlsruhe zu ziehen. Diese Erbitterung auf Karlsruhe soll durch die gute Aufnahme, die den einziehenden Preußen zu Theil wurde, entstanden sein. (Fr. I )

Heidelberg, 26. Juni. Heute kayien hier vierzehn Wagen voll schwer verwundeter Preußen an. Bruch­sal soll gleichfalls ganz von verwundeten Jntervcntions- trnppen angefüllt sein. Ueber das Betragen derWie- derhersteller von Ruhe und Ordnung" bei uns werde ich Ihnen in 8 Tagen berichten; Sie sollen meinem«

Der Aufstand im Bergischen und in der Grafschaft Mark.

(Fortsetzung.)

Als diese Kaserwähl auf Friedrich Wilhelm von Hvhen- Sodern fiel, sah sic sich auf dem Gipfel ihrer Wünsche, und so wie ihr die oetroyiue recht war trotzdem daß sic mit Ver­nichtung der verbrieften Rechte deo Volkes gegeben war, daß sie nichts als den Schein eines verfassungsmäßigen Rechtozustandes gewährte, eben so war sie für die Annahme der Kaiserkrone, obwohl diejenigen unter ihnen, welche 101 H rzcu absolutistischer waren,darauf aufmerk­sam machten, datz die so angebotene Krone, abgesehen davon, daß ein König von Gottes Gnaden von einer solchen Versammlung nickt eine Krone annehmcn dürfe, durchaus werihlos sei. So verrieth die Bourgeoisie zu­erst das Volk, bem sie angehört, mb dann ihren sicht­baren Götzen, dem sie zu Füßen winselt;Ailes, um Rube lind Ordnung" zu haben, b. h. um, wie bisher in behaglicher Existenz die Kräfte der untern, in Elend dahin siechenden Elasten für ihren Nimmersatten Beutel auszubcuttn, und doch war all dieser Verrath umsonst! Die Bourgeoisie hatte den Judas narb allen Seilen gespielt, und von keiner wurden ihr die Silberlinge; wie das Volk die vclroyirte, so stieß Friedrich Wilhelm die Kai­serkrone von sich! Das war doch zu stark; wenn er nicht freiwillig wollte, so mußte Friedrich Wilhelm ge­zwungen und, um dies zu erreichen, ein vernichtender

Sturm über das Ministerium Brandenburg Mantenfel hcraufbtschworcu werden. Aaußer den Adressen schien ein gutes Mittel das Heucheln von Freisinnigkeit, das Vor­gehen von Deutschthümclei, ja, wenn es nicht anders ging, äußerlicher Anschluß an die Democratcu. Das Auftreten der Bourgeoisie in Berg und Mark im April und Mai d, I., von welchen Hintergedanken es beglei­tet war, werden wir später sehen.

Ganz anders war die Bewegung, welche sich im Laufe des Winters im Handwerker-uud Arbeiterstand er­hob. Diese redlichen, braven Leute sahen endlich ein, daß alle Bestrebungen vieler Regierungen Lug und Trug blieben, was sic immer waren, daß dasjenige, was die demokratische Partei ihnen in Volksversammlung n, Ver­einen und der Presse wiederholt gesagt, wahr sei, sie er­kannten die eigentlichen Störer der Ruhe und Ordnung, sie zeigtet, mit Fingern auf einzelne gekrönte rothe Anar­chisten. Sie tilgten jede Spur von Anhänglichkeit an die schwarz-weiße Wirthschaft und schlossen sich mit der ganzen Kraft ihrer treuen Herzen den Ideen der Demo­kraten , dem Gedanken eines großen einigen deutschen Vaterlandes an. Wer unter und mit ihnen gelebt, wie ich, konnte oft nicht ungerührt bleiben , wenn er sah, mit welchem Kampfe die Leute der preußischen Gottcsgnädcu- wirthschaft entsagten, wie wehe es ihnen that, alle die angeborenen Sympathien auszurotten; aber sie thaten cs mit der klaren Erkenntniß der edlen Verläugnung, welcher die Arbeiter in Berg und Mark so hoch über die

Bauern der ackerbautreibcudeu 23-vife stellt. In der­selben Zeit, wo die Bourgeoisie die Maske der Frcisiu- nigkeit, des Deutschthunis vorhielt, hatte die ungeheure Majorität der Handwerker und Arbeiter von H rzeu und aus Ueberzeugung zur Fahne der Demokratie, zum Banner des einigen Deutschlands geschworen, um das sie sich bei feder festlichen Gelegenheit in Massen sammelte. Die ' Frage über Anerkennung der von der Fraiikfurler 91 ir.=

Vers- am 28. März d. I- beschlossenen Reichsverfassung ' wurde für Alle der Prüfestein der Lauter- und Wahr­haftigkeit der Gesinnung. Die Bourgeoisie sprach sich zum überwiegenden Theile in Wort und Schrift (nament­lich in derElberfelder Zeitung") für diese Auerkennung ans; da ihr Motiv jedoch nicht Ueberzeugung, sondern der Vortheil, so würd, sie in ihrem Auftreten für die R.ichsverfassung immer schwankender, je mehr cs sich zeigte, daß für das Ministerium Ströme von Blut etwas viel Unbedeutenderes waren, als das Ausgeben eines Rechtes von Gottes Gnaden und als anderer­seits sie zu ihrem Schrecken bemerkte, daß die Arbeiter plötzlich aufzutreten anfingen und sich entschieden für Deutschland erklärten. Wie eine Schnecke, tic mit ihren Fühlhörnern einen harten Gegcnfiand entdeckt, zog sich die Bourgeoisie in ihr Haus zurück, die weniger Er­bärmlichen mit dem Vorsätze, es gehen zu lassen, wie cs komme, die ächten Bourgeois mit der bestimmten Ab­sicht der rothen Monarchie, mit andern Worten dem feigen Absolutismus, der die Larve des Eonstituticnalis-