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âciheit und Recht!"

Wiesbaden. Sams^g, 30. Juni

1849.

Die

trete Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen.

Der AbsnnementSprciS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 (r

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durch die Post bezogen mit vcrhaltinßmaßcgem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig aufgemmen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksam»».

Erfolge. - Die InserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3

ireuzer.

Bestellungen ans das mit dem 1. Juli beginnende Wiesbaden in der H. W. Ritt er'schen Buchhandlung,

eue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in ltswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

/X Wie die Volksfeinde gegen die Freiheit wühlen.

11.

(? chluß )

Mit der Bourgeoisie Hand in Hand geht die Geistlichkeit. Auch sie kennt, wie aus Allem zu ersehen, nur als Triebfeder aller ihrer Handlungen die Selbstsucht. Licht und Aufklärung sind ihr Neben­dinge. Wie weit das Streben dieser Dunkelmänner fortgeschritten ist, wie sie sich jedem freiheitlichen Streben mit empörender Arglist entgcgenstemmen, davon zeu­gen ihre Hetzereien von der Kanzel herab und aus dem Beichtstuhl heraus gegen die Demokraten. Vor Kurzem ereignete cs sich, daß einer jener Ungeist- sichen Geistlichen, d. h. jener erbärmlichen Pfaffen, von der Kanzel herab, thränenzcrfließcnd, von der Demo­kratie, als einem gottlosen Laster der Jetztzeit, warnte, und endlich, nachdem er die Rührung eines Einzelnen gewahrte, erbarmungsvoll ausrief: Wieder eine Seele gerettet. So lauteten die Himmelsworte des Mysti­kers, und so sprechen sie alle, wenn sie auf solche er­bärmliche Art Proselyten machen.

Ihre Agenten sind die gottseligen Geldmäkler, mit ihnen reisen sie einträchtig auf dem Lande herum und gewinnen die Herzen. Sie predigen Gastfreundschaft in Christo für alle diejenigen, welche Brüder in Chri­sto, d. h. keine Demokraten sind, und so groß ist der Erfolg, daß ehrliche Ehefrauen, betrübte Wittwen und der Hoffnung lebende Jungfrauen ihnen Schwesterliebe erweisen, und im Kampfe gegen die Demokraten in edle Wettkämpfe gerathen. Das nennen sie die Bru­derliebe, die gar keine Aehnlichkeit, wie man sieht, mit der demokratischen Brndervereinigung hat. Gottlos ist in ihren Augen derjenige und ein wühlerischer De­mokrat, der da behaupten und die faule Nachrede aus­plappern wollte, diefe Apostel führten auf Kosten der Armuth ein faules Mastleben u. s. w. (Das wäre ja auch ganz gegen den Anstand.)

Wohin sollte auch die arme Menschheit mit ihrem Narren, der Vernunft, ohne Leitung und Beistand der Pfaffen gerathen! Die preußische Neichsverfassung und das Bürgerwehrgesetz oder allgemeine Volksbe­waffnung sind ihre zwei Hauptgegenstände neuerdings geworden, von denen sie dem armen Bürger die un­sinnigsten Vorstellungen beigebracht haben.

Wir hörten vor Kurzem einen Demokraten mitten unter Pfaffen und Philistern über die stehenden Heere ein Urtheil fällen und eine desfallsige Vergleichung mit Amerika anstelle». Er machte unter Anderm darauf

aufmerksam, daß es dort nie stehenden Heere gäbe, und dennoch niemals von Bschwörnngen, Aufständen und bewaffneten Petitionenchle Rede sei. Bei uns

pflege man zu sagen, die lohenden Heere seien zur Aufrechterhaltung der Regümgen nöthig, doch habe es niemals ein so unnatürch Ding gegeben. Regierung, die es gut me ' ....... Bürger und braucht keine ei stand fremd gemachte, bezas

statischen Erörterung gege, ber konnte sich der an­wesende Herr Pfarrer nicht eruhigen, er nahm also den Sonntag darauf Veranlaung, seiner gottgefälligen Heerde eine politische Vorles ' '

Meine Freunde in Christy sagte er salbungsreich, also pflegen 311 thun die Lüthriche, wenn die Wüh-

ler den Sieg haben, da

kein Recht und keine Erk und Strafe, sondern nur,

len sie alles Umstürzen, d die Kirchen schänden, auf

Eine

t, beschützt der ^rm der

ene dem übrigen Bürger- c Soldaten. Dieser demo-

eruhigen, er nahm also

tg, wie folgt, zu halten:

keine Barmherzigkeit und 1111 miß eigener Sünde ,üe die wilden Wölfe, wol-

s - Eigenthum rauben und

sie ihr Müthlein kühlen

und sich aufs allergräüliMc rächen. Deß nimm zu unserer Zeit ein (Stempel an den Bischöfen und am Adel, und wie gar die LäUer mit allem MuthwiUen sich gerochen haben an dm Kirchendienern und noch täglich rächen an den Ba: rn " u. s. w. Nach die­ser gottgesegneten Auseinanlrsetzung ging der würdige Herr zu der Beschreibung iber , wie die Babylonier ihren Sieg mißbrauchen w den zu ihrem Uebermuth

blot mit allem Muthwillen

und zur Lästerung Gottes, und endlich schloß er mit einem Gnadengebet um Nii kehr der Verirrten zu re­ligiösem Lebenswandel und jur Achtung der von Gott eingesetzten Obrigkeit. LluctMostete er sich, daß die echten Bürger, nämlich die Soldaten, das Raubgesindel besiegen und vernichten wären.

Soweit der Bube, der ü empörender, schändlicher Weise, angethan mit dem Eâvande des Friedens, die Kinder eines Vaters wüthnd gegeneinander hetzte. Man sieht hieraus, welche Nittel und Hülfsquellen den Fürsten für ihre Zwecke zu Gebote steheu. Die Religion sogar muß unter dir Schleier der liebevollen Verwarnung den Vorwand ierzu hergeben.

Auf gleich lästerliche Weie agiren die Geldmänn­chen mit der preußischen Richsverfassung. Nur zu häufig scheitern übrigens diee ihre Bestrebungen an der geistigen Unbeholfenheit, die der reichen Dumm­heit und der in Wollust schnelgenden Unwissenheit so sehr eigenthümlich ist. So vurde vor Kurzem einer jener Geldmäkler gefragt, wamm er so sehr für Preu­ßen schwärme und die preußsche Reichsverfassung so sehr empfehle, und er antwortete (hört):Weil mein Schwiegervater drbei reich geworden ist."

DeuèschèsnK.

# Wiesbaden, 29. Juni. Wir find nunmehr in Stand gefetzt, die Artikcl derFreien Zeitung", : welche Aufreizung zu hochverrätherischen Handlungen 1 und Beleidigung auswärtiger Regenten" enthalten , sollen, genau angeben zu können.

Da es nun für das größere Publikum jedenfalls : von Interesse sein mag, zu erfahren, in welchen Fällen unsere nassauische Themis eine Aufreizung zu Hoch­verrath und Beleidigung auswärtiger Potentaten annehmen zu müssen glaubt, so werden wir hier die einzelnen Aufsätze, welche in genannter Weise gesün­digt haben sollen, näher aufzählen.

Zu den angeschuldigten Artikeln gehören aber:

1) Der in den Nummern 93 und 94 cnthal- tene und der Neuen Rheinischen Zeitung entnommene ! Feuilleton-Aufsatz:Wie und in welch Manier, der i fromme König Friedericus, Wilhelmns der Viert in der hilligen Statt van Cöllen empfangen und zum Kaiser gekrönt werden müßt."

I 2) Der leitende Artikel in Nro. 101.:Der deutsche Michel und die Freiheitsbcstrebnngen der Völker. "

3) Der aus der N. R. Z. entnommene Corres- pondenzartikel:Die Auflösung der preußischen Kam­mer in Berlin." in Nro. 102.

4) Der leitende Artikel in Nro. 105.:Die Absolutisten."

5) Der in Nro. 106 enthaltene, aus der Reichstags­zeitung entnommene Aufsatz:Volk vertrau Dir selbst und halt Dein Pulver trocken."

I 6) Die in Nro. 109 enthaltenenen beiden Prok­lamationen des Congresses der Märzvereinen vom 6. Mai:an das deutsche Volk" undan die deutschen Krieger."

7) Der in Nro. 111 befindliche Aufruf der äußer- i fleii Linken der deutschen Nationalversammlung vom 8. Mai.

8) Der Aufruf, welchen der Club der Linken in 1 Gemeinschaft mit den Bürgern Malm, Schellen- ! berg und Lotichius unterm 10. Mai erließ, und welcher in Nro. 112 abgedruckt ist.

9) Der leitende Artikel: Vom Maine" in Nro. 113.

10) Der leitende Artikel:* Wiesbaden" in Nro. 119.

11) Das Gedicht:Wird's Euch nicht lang" in Nro. 120.

I 12) Eine Proklamation des badischen Landesaus- 1 schuffesAn die Soldaten" vom 17. Mai in Nro. 12t. 13) Der leitende Artikel in Nro. 123:Der Ent-

1 scheidnngskampf naht."

Der Aufstand im Bergischen und in der Grafschaft Mark.

(Tr. 8.)

Die revolutionäre Bewegung , deren Schauplatz in neuester Zeit die Gegend von Elberfeld, Hagen nnd Iserlohn gewesen, hat für ganz Deutschland und insbe­sondere für Preußen eine solche Bedeutung, daß es eine Pflicht derjenigen ist, welche in dieselbe vollständig ein­geweiht gewesen und ein ganz objectives Urtheil zu fäl­len im Stande sind, ihre Ansicht dem ganzen deutschen Vaterlaude vorzulegen und die zur Begründung derselben angeführten Thatsachen der Geschichte zu übergeben. Es erscheint diese Pficht eine um so dringendere, als von vielen Seiten das Bestreben hervortritt , der Bewegung einen anderen als ihren wirklichen Charrkter aufzudrücken und als namentlich das spezifische Schwarz - Weißthum alle Kräfte der Lüge und Verlänmdnng aufbietet, um glauben zu machen, daß einige unlautere Führer durch socialistische oder communistische Vorspiegelungen eine ge­ringe , hierdurch bethörte Masse gefunden hätten, welche, bei völliger Theilnahmlosigkeit der Mehrzahl,Anar­chie" hervorgerufen undTerrorismus,, ausgeübt hät­ten. Wie bei Herabsetzung und Verläumdung der süd­deutschen, der ungarischen, der italienischen Erhebungen, so zeichnet sich auch bei absichtlich verfälschter Beurthei­lung , der bergisch-märkischen Bewegung die Kölnische Zeitung aus; sie, die in den ersten Tagen mit der Be-

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wegnug licbänchelte, gibt ihre Falten zu Artikeln her, die das Gepräge der elendsten Jnsimtioncn an der Stirne tra­gen n. der nicht an Begabung, vohl aber an Anlecedcnti- en demgroßen" Gcny ähnclide kleine Redacteur der­selben entblödete auch hier sich nicht, wie immer, das traurige Vorrecht des Esels an der Löwenleiche ausüben. Zur vollständigen Würdigung ler Bewegung muß kurz auf die früheren Verhältnisse diser Länder zurückgegangen werden.

Die Grafschaft Mark, seit mehreren Jahrhunderten unter preußischen Fürsten, Pern Regierung sie wirklich manches verdankt, stehend, hatte sich in den langen Frie- densjahren zu dem sogenannten, ich möchte sagenoffi­ziellen" Wöhlstande erhoben, >. h. an die Stelle einer Menge von selbstständigen Mastern waren einige sehr reiche Kaufleute (Fabrikanten 1. dgl.) und eine ganze Masse vollkommen abhängiger Arbeiter und in den acker­bautreibenden Gegenden an Stelle unverschuldeter Bauernhöfe eine Menge mit allen möglichen Lasten er­drückter Colonen Dank der schönen preußischen guts­herrlich-bäuerlichen Gesetzgebung und neben diese die adligen reichen Junker getreten. Gleichwohl hing der Markaner mit inniger Treue an der preußischen Königs­familie, fast mögte ich sagen mit blinder, denn es war unerklärlich, wie ein geistig sonst so aufgeklärter, fcharf- sinniger, redlicher Stamm trotz alledem bei seinem Königs­hause wenigstens den guten Glauben voraussetzen konnte. Das Großherzogthum Berg mit seiner nominellen Haupt­

stadt Düsseldorf, der wirklichen Elberfeld, hat eine mehr bekannte Geschichte und merkwürdiger Weise blieb sein ostensibler Patriotismus unter Karl Theodors liederlicher Wirthschaft, unter Napoleons Militärdespolismus, unter Murat und Jerome immer gleich, und unter den eckel- haftcn Ausgeburten der widrigen Schmeichelei für die Napoleonische Herrschaft Seitens der deutschen Blätter, sind die in den bergischen Blättern enthaltenen gewiß die widrigsten. In noch verstärkter Weise trat bei jeder selbst mit Haaren herbeigezogenen Gelegenheit die Kriecherei und Anbetung gegen daS gottbegnadete preuß. Königshaus seit 1815 hervor. Hier hatte die politische Erbärmlichkeit noch einen starken Sporn erhalten, ein­mal durch den Umstand, daß der Herrscher ein Protestant und seit gewaltsamer Einführung der Union ein Quasi- Papst war, und durch die bald gemachte Erfahrung, daß die ganze preußische Regierungsmaschiene auf dem Saye beruhte: unterdrücke zu Gunsten Weniger in Gesetzgebung wie in Verwaltung die unge- heure Mehrzahl und führe und beherrsche durch die Ersteren die Letzteren. Sv war denn auch im Bergischen der ganze rasende an die Qcffcntlich- keit tretende schwarz-weise Patriotismus nichts anders, als die im Schweiße der Arbeiter entsprungene, mit der Mistjauche des Pietismus begossene, nur für wenige be­glückte Familien blühende Giftpflanze der christlich ger­manischen Bourgeoisie, die mit ihrem narkotischen Gerüche sogar die Geistesthätigkeit desVolkes", d. h. der ar-