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Frtit Ztilung.

_________________ ____Freiheit »nd Neeht!"

WiesHsrden. Freitag, 29» Juni

18^9

D.eFreie ZeUuuc;" ersch^ w Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. - Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden ! . 11 durch die Post bezogen mit verhältmßmaS'gem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sino bei der großen Verbreitung der ^r"ien?eitnn^" La J ' °"^ârtâ Erfolge. - Die JnserationSgebübren betragen für die vier xaltrge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. 9 P "^relen Geltung" stets von wirksamem

Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Nitter'fchen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Wie die Volksfeiude gegen die Freiheit wühlen.

Mit dem bittern Gefühle des moralischen Abscheues gegen Bestrebungen, die das Gemüth jedes einfach rechtlichen Bürgers empören, ergreifen wir die Feder, um dem Volke dem abermals tief unterdrückten Bür­ger die Augen für seine öffentlichen Angelegenheiten (von denen er durch eine gottlose Partei abgezogen werden soll), zu öffnen. Wir halten dieses für unsere Pflicht. Möge er einseh eil lernen, wer sein wahrer, echter Freund ist, und ihn von denjenigen zu unter­scheiden wissen, die heuchlerisch ihre abscheulichenZwccke verfolgen, indem sie sich schamlos in eine anscheinend rechtliche Form hüllen.

Es ist dem Bürger nothwendig und unumgänglich zu seinem Heil erforderlich, daß er wisse, wo er den lebendigen Mittelpunkt aller Bestrebungen für die Ver­wirklichung seines Wohls zu erfassen habe, damit er gegen alle Verführungskünste gerüstet und fest gewapp­net stehe, und gewisse Personen, namentlich die soge­nannten Gutgesinnten, zu entlarven lernt, wenn sie ihn mit ihren Verdächtigungen der Freiheitsmänner (der demokratischen Partei) umgarnen wollen.

Der Bürger muß mit einem Worte die geheim- sprudelnden Quellen kennen lernen, aus denen sich jenes Meer schamloser Verdächtigungen herleitet; er muß zu reiflicher und eingehender Erwägung seiner betrü­benden Verhältnisse, und wer ihn darin znrückhalten will, aufgefordert, und es ihm zu einer unabweisbaren Pflicht gemacht werden, genau und aufmerksam, ja mißtrauisch gegen gewisse Personen mit gewissen Ab­sichten zu sein. Ja, Mißtrauen ist der beste Nath­geber, und Mißtrauen wollen wir ausüben, so lange unser Elend nicht gehoben ist.

Unter den Lockungen des ersten besten irdischen In­teresses sucht man dir feste unübersteigliche Schranken zu setzen, sucht man dich zurückzubannen in die Sorgen deines mühseligen Ackerbaues und deiner schweißtriefenden Arbeiten und das harte Stroh deiner Hütte, damit deine Blicke sich weg wenden von jenem politischen Schau­spiel, was die ganze Welt bewegt, und von dessen Ausgang nur allein dein Glück oder Unglück abhängt. Du sollst dich von der Bewegung im Großen, wo es sich um das Schicksal deines Vaterlandes handelt, wcg- und den Kartoffeln und dem Getreide zu wende», da­mit deine Blutsanger hinter deinem Rücken die poli­tische Rolle ruhig abwickeln und dich hernach um so leichter fesseln können. Die unverkennbare Zunahme bet Zwangsherrschaft von Außen sollst du ruhig bei saurer Arbeit kommen sehen, der Charakter herrischer Willkür soll dir keine Sorgen machen denn sagen deine Wucher männer:das Alles diene nur dazu, die Ruhe, die prächtige Ruhe wieder herzustelleu." Und damit tröstest du dich. Bürger! du arbeitest mit diesem Vertrösten mit der traurigsten Hingebung an deiner eigenen Auflösung, denn du verkennst in den Fesseln eines von deiner Bourgeosie verdüsterten Sin­nes den nächsten Quell deiner Leiden gänzlich und wirst nicht eher zur Einsicht kommen, als bis die völlige Erschöpfung des Gequälten den Grausamkeiten und Unterdrückungen ein gezwungenes Ziel setzt. Schüttele dich daher aus deiner Fühllosigkeit, und mache dich los aus dieser gefesselten Hingebung an die Scholle.

Glaube deiner Spießbürgerschaft nicht, denn ihre Lehren lassen sie dich unmittelbar mit dem Dasein be­zahlen.

Mache dich los von denen, die die Kunst verstehen, dem demokratischen Bürgerstagde das Blut abzuzapfen, und verzweifele nicht an der Möglichkeit einer recht­lichen Abhülfe, wenn du dich von diesen lossagst.

Mache dich los von jenem eklen Besitzstandshoch- muth, der dich von jedem volksthümlichen Gefühl zu­rückhält und der kein anderes Ziel hat, als die natio­nale Entartung und die völligste Abtödtung für das Gemeinwesen, damit er dich in die Stumpfheit um so besser pressen kann. Ja, schüttle dich los von diesen Bourgeois, denn sonst wird einstens deine schwere Neue eintreten und der traurige Anblick von der Schmach des Vaterlandes, wird in dir einstens die selbstverschul­dete Klage in der Stille zum verzehrenden Gifte über­

kochen. Man weiß in der That nicht, ob man über diese Bestrebungen der Geldgierigen und derjenigen, die in träger Wollust ihr Leben hinwcgträu- m e n wollen mehr scheltens oder lachen soll. Ist doch in ihrem Trachten nichts als der purste Geiz und die feigste Furcht und darin ein großartiger Widerspruch enthalten. Im Frühjahr 1848 war es anders; da waren diese Leute noch herrliche Freiheitsmänner, rann­ten auf den Straßen herum, drückten jedem die Hand lind hielten Reden, daß man z. B. vor dem Amtmann die Kappe nicht mehr ziehen solle und der Staats- diener nicht mehr sei als der ärmste Maurergeselle. Kur;, diese Geldmcnscheu waren lauter freiheitsliebende Helden; hatten sie doch auch damals ihren Vortheil davon: denn sie dachten, wenn der Bauer wieder reich wird, ist es gut, dann können wir ihn nachher um so ärger prellen. Das war irre ganze Freiheit. Dar­aus ist aber nichts geworden, nein, es ist sogar noch Viel schlimmer geworden, deßwegen drehten sich aber die Spießbürger wie der Wind wieder herum, und wurden um so mehr dazu veranlaßt, die Freiheit im Stich zu lassen, als ihnen die Fürsteuanpänger die Meinung beibringen ließen, die Bauern wollten theilen, und ihren Reichthum und ihr Wohlleben vernichten. Dadurch erreichten die Fürsten die Absicht, daß ihnen ein Theil des Volkes, nämlich diese Spießbürger wie­der anhingen und nun um so starker gegen das andere Volk auftrctcn konnten. Der Märzstrom hatte die Fürsten zahm gemacht, nun sind sie aber, im Ein Ver­ständniß mit den Spießbürgern, doppelt mW dreifach mächtig geworden und die Ueppigkeit hat sich der Kö­nige wieder im ganzen Glanze bemächtigt, und droht alles 511 zermalmen, was nicht in ihren Kram paßt, mW verschonen werden sie nur den Knecht am Pflug, den Hirt bei dcr^Heerde mW den Taglöhner, weil diese im sauren Schweiß für sie das Brod erringen müssen. Müßiggang mw leichte Bereicherung auf an­derer Unkosten, ist des Spießbürgers natürlicher Wunsch, und diesem opfert er das Vaterland ohne Weiter e S auf; er hat keinen Sinn für Deutschlands Größe und Wohlfahrt, er hat keinen Sinn für des Mitmenschen Bestes, er kennt nur seine Selbstsucht er kennt nur sein Wohlergehen; ihn sicht das Loos des Anderen nichts an, wenn auch alle verhungern. Und wißt ihr, wer diese Menschen so schlecht mW gottlos gemacht hat ? Alles dieses hat n u r ei 11 e Qnelle: es ist der L urus und sind die verdorbenen Sitten mw das schlechte Beispiel von Oben. Es gab eine Zeit, und es find noch nicht 30 Jahre her, wo nur sehr Wenige Kut­schen und Pferde zu ihrem Vergnügen und große Mahlzeiten hielten. Jetzt ist dieses aber nachgerade bedeutend anders geworden. Man begnügt sich jetzt nicht mehr mit etwas ordentlichem Gekochtem oder Ge­bratenem, mit geschmelzten Kartoffeln oder Oelsalat, nein jetzt will jeder durch Wucher reich oder vermö­gend gewordene Krämer ein großes Haus machen, schafft sich kostbare Möbel an, trinkt Wein mW hält Reitpferde. Und diese Neichthumsempsrkömmlinge sind cs, welche hauptsächlich gegen die Freiheit des Volkes wüthen mW es mit den Fürsten halten, weil sie fürch­ten , sie könnten sonst aus ihrer prächtigen Ruhe ge­schreckt und ihres Geldes beraubt werden. Kurz, Mit­bürger, dieser Ueppigkeitsteufel unter den Spießbürgern ist schlimmer, als alle freiheitsmördcrischenBajonuette, weil er in seinem Dünkel hinterlistig gegen die Demo- kratie zu Felde zieht mW diese zu vernichten droht aber wir wollen die Larve von seinem glcißncrischcn Gesicht losrcißcn.

Das erbärmlichste, ein wahrhaft abscheuliches Laster, das dieses Spießbürgerthum schmückt, ist die Heuchelei mW das Liebäugeln mit der Freiheit, welches sie bei jeder Gelegenheit praktiziren. So stellen sie sich z. B. groß mW breit vor den Bauer hin mW schreien ihm in die Ohren: ich bin auch für die Freiheit, ja ich bin für die Freiheit gewesen vor dem März, aber setzen sie schlau oder auch manchmal in Dummheit hinzu: mit der Demokratie ist es nichts, das ist blos so eine Lockspeise, womit man dumme Gimpel fängt. Das ist nichts als Demokratenunfug."

Ihr Bauern glaubt es manchmal, seht aber doch nicht immer ein, wie man Euch hinter das Licht führt; denn wisset, die Demokratie ist nichts t uders als die

! Verwirklichung der Freiheit mW daß nur in der De- mohatie es euch gut gehen kann, denn dort befommt jeder sein Recht, er ist nicht der Sklave der Andern und kann nicht von jedem reichen Belzebub niederge­drückt, auch von keinem Fürsten gegen ein Brudervolk geführt züsammengeschossen werden; in der De­mokratie herrscht nicht die Willkür, dort hat jeder seine wahre geguzliche Freiheit. Aber die Spießbürger mW d" sonstigen Fürstenanhänger wissen recht gut, daß sie ihr Leben in der Demokratie nicht so lustig und ge- mütylich forttmben können, mW daß sie darin auch Lasten mitzutragen haben, davon sie jetzt enthoben sind.

kommen jetzt die Reichen mit einer Steuer durch, dse lin Verhältniß gegen die der Armen viel zu ge* ring ist, während es doch, wie in der Demokratie, gerade umgekehrt sein sollte, denn da ist eine Vermö­genssteuer cingeführt, die dem Reichen die Hauptlast aufbürdet mW dem Armen erleichtert oder wenn er ganz arm ist, ihn auch ganz befreit. Von dieser Ca- Pitalien steuer fürchten sich aber die Reichen mW des­wegen poltern sie gegen die Demokratie, d. h., eifern gegen die wahre Freiheit.

Sowie sie - (die Spießbürger) freundlich mit der Freiheit liebäugeln, gegen die Unterdrückten den KKlf- relchcn heucheln, ebenso hinterlistig suchen siegle Veredlung des Menschengeschlechts durch Verbreitung von Bildung und Wissenschaft durch die Demokraten zu hintertreiben. Denn es ist ihnen ein Jammer ein Gräuel wenn der Bürger durch Belehrung in den Stand gesetzt würde sein Bestes selbst zu erkennen und darnach zu handeln suchte. Sie bieten deßwegen Alles auf, jedes aufklärende Streben der Demokraten zu besudeln mw solch edle demokratische Handlungen Wühlerei zu nennen und auf sonstige erbärmliche Art zu verdächtigen. So sucht sich auch dieses Spieß- blligerthum im löblichen Verein mit der Adelsaris­tokratie jeder volksthümlichen, echten Verbesserung der Schulen entgegenzustemmen oder höchstens bei diesem wichtigen Felde, worauf das ganze wahre Glück des Bürgers beruht nur unzureichendes Flickwerkzuzulassen, damit der Geist der Zeit mw der Aufklärung sich nicht weiter, als für ste ersprießlich, verbreite. Und trotz dem, daß man bis jetzt nur weniges vergönnt hat was zur Entwickelung der Kräfte des Verstandes mW Willens dient, trotz dem, daß man den armen Lehrer in einem schmählichen Verhältniß in der Gefangen­schaft der Geistlichen, die überdieß durch die Grund­rechte gelost sein sollte, fortwährend zu erhalten weiß, trotz daß dem man der demokratischen Aufklärung die er­bärmlichsten Hindernisse überall bereitet trotz dem haben dennoch diese sogenannten Geldmänner die 1 Frechheit sich mit Achselzucken über schroffes Benehmen der Jugend, Hintenansetzung des Gehorsams u. s. w. zu beklagen mW darüber Crocodillsthränen zu ver­gießen ?!

Und dennoch verhindern sie die Aufklärung, die nur allein hier eingreifend helfen kann. Diese wahre echte Belehrung wollen sie aber nicht, sie wollen den Gehorsam des Stocks und der Knute sie wissen nur zu gut, daß Aufgeklärtheit ein sclavisches Ver­hältniß unmöglich macht, daß sie den Wucher ver­hindert indem der gebildete Bürger die Schlauheit des Krämers schnell durchdringt.

Der freie gebildete Mensch wird den Geldstolzen, überhaupt die Bourgeoisie verachten mW in ihr den Rückhalt der Freiheitsbewegungen erkennen lernen. Der freie Mensch vergißt niemals den Werth der Freiheit mW macht sich los von schmählichen Banden, mW auch als Bediensteter wird er seinen Character, den Stempel desinnerlich" freien zu bewahren wissen. Wir verkennen durchaus nicht, daß ein bis- her verachteter Theil der Staatsbürger nemlich das Gesinde mit rückhaltlosem Schritte der geldstolzen Classe in äußerer Haltung nachzustreben mW die edle Einfachheit über Bord zu werfen suchte. Wer hat aber dieses einseitige Trachten herbeigeführt ? Niemand anders als eben diese verächtliche Bourgeoi­sie. Auch durch dieses Hindrängen zu Aeußerlichkeiten suchte man diese Klasse von ihrer innern Bestimmung abzuziehen mW ihr umsomehr die sclavische Unterwei­sung erträglich zu machen. Dieses ist namentlich in größern Städten der Fall; auf dem Lande macht man es anders, hier spielt der Schnaps die Rolle der