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Freiheit und Recht!"

Wèssbadsrr. Dienstag, 25, Jnnè

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Mèt dem 1» JrsLè beginnt ein neues Abonnement ans öieFreie ZeLtung". Der Preis bleibt der bisherige. Die Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier'in Wiesbaden èn der H. W. Mitter'scheu Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Die Stiftung des Blatts bleibt dieselbe. Die Exjpediäiem.

Das Regierungsblatt über Dr. Haupt's Wahl und daS aUgemeinc Wahlrecht.

^ Wiesbaden, 24. Juni. Wie die Nass. Allg. Zeitung überhaupt Angriffe auf alle die kärglich ver­wirklichten Märzerrungenschaften macht, so auch jetzt gegen das allgemeine Wahlrecht. Wir würden diesen Aeußerungen der Allgemeinen keine Wichtigkeit beilegen, wenn nicht dieses Blatt durch seine der Bildung des neuen Ministeriums, der zweimaligen Kammervertagung und der Veröffentlichung des Ministerialprogrammes vorhergehenden Aeußerungen gezeigt hätte, daß es zu­weilen benutzt wird, um die öffentliche Meinung zu soudiren und die Ouvertüre zu irgend einer rettenden That zu blasen.

In diesem Sinne ist es zu beachten, wenn die Nass. Allg. Ztg. wieder in einigen (Von der untern Lahn" oder°Von Dillenburg" u. s. w. MtirtciQ Artikeln gegen das allgemeine Wahlrecht mit Eifer zu Felde zieht, dasselbe dieHyder der Märzerrungeuschaften" nennt und behauptet,daß unser Wahlgesetz durchaus nicht haltbar ist."

Den letzteren Grundsatz will die Allgemeine da­durch beweisen, daß bei der" neuesten Wahl in Dillen­burgein gewisser Dr. Haupt aus Nassau" gewählt worden sei. Die gute Allgemeine meint, da­durch, daß dieser Wahlbezirkeine unbekannte Größe" "blos auf Empfehlung der Führer der demo­kratischen Partei gewählt, habe er sichdas glän­zendste Zeugniß der Unfähigkeit, seine In­teressen zu vertreten" gegeben, besonders da Haupt nicht einmal die Artigkeit gehabt habe, sich sei­nen Wählern zu präsentiren,und im Geiste sei­ner hohen Gönner ihnen die souveränen Bärte mit einigen schönen Phrasen und Versprechungen zu salben."

GuteAllgemeine", Du bist wirklich possirlich. Einen Mann, den Du schon in Dutzenden von Arti­keln wegen seiner politischen Gesinnung verunglimpft, den Du verläumdet und denunzirt, auf dessen gericht­liche Klage Du sogar eine bedeutende Geldstrafe er­litten hast ( man bedenke: Das offizielle Organ der Negierung - wegen Verleumdung gerichtlich bestraft!), diesen Mann nennst Dueinen gewissen Dr. So­und-So", eineunbekannte Größe"!

Gute Allgemeine, wie bist Du possirlich. Damals als der Abgeordnete Snell auf Einladung der Wahl-

Gin Besuch bei Garibaldi.

Der General Garibaldi ist ein Mann von 38 bis 40 Jahren, mittlerer Größe. Er hat eine sehr aus- j drucksvvlle Gesichtsbiwnng; sein Blick ist stolz und be­sitzt eine außerordentliche Lebhaftigkeit. Bei seinem ath- lcthischen Wüchse athmet das Ganze Kraft und Ent- schlossenheit. Lange, zu beiden Seiten des Kopfes nach­lässig hingeworsene Haare und ein starker Bart beschat­ten das Gesicht, und geben ter Physiognomie den Cha- | rakter martialischer Schönheit. Ein kleines, 12 Fuß im i Quadrate haltendes Zimmer mit einem Tische in der . Mitte und einem Kanape au der Wand ist das Gemach , des Obergencrals. Vor der Thüre stehen hier oder da ! einige treue Wächter. !

Ein wenig mehr zur Linken tritt man in den Salon seines Generalstabes. Dort werden bei dem Glanze der ! auf ein Stück Kommis-Brod oder auf einem Holzsplitter j befestigten Kerzen die Befehle des Feldherrn abgefaßt. Das Haus liegt in der äußersten VertheidigungS-Linie und hat eine Terrasse, aif welcher sich Tag und Nacht Offiziere befinden, die ein Fernglas in der Hand alle Bewegungen des französischen Heeres beobachten. Die­ses Belvedere, welches auch von Zeit zu Zeit von dem Alles mit eigenen Augen prüfenden Obergenerale bestiegen wird, trägt die Spuren mehrerer Kugeln, die Zeugniß ablegen von der Geschicklichkeit unserer Vincenner Jäger.

Der General wußte nicht, daß ich ihn besuchen würde; ich habe also, wenn ich mich so ausdrücken darf, die Na-

männer des Wahlbezirkes Dillenburg-Herborn bei der I dortigen Wahl erschien, damals fanDeft Du das höchst zudringlich, unpassend u. s. w. Nun da der Abgeord­nete Dr. Haupt einer solchen Einladung nicht Folge leistet, ist das auch nicht Recht; es ist unartig.

Gute Allgemeine, was endlich dasSalben der souveränen Bärte mit Phrasen und Versprechungen anlaugt", so hat wohl Niemand vor und nach seiner Wahl mehr versprochen, als Dein Günstling Medi­zinalrath Dr. Heydenreich. Wie dieser vormalige Demokrat Wort gehalten, das ist aus andern Orten schon hinreichend erörtert.

Soviel über die Possirlichkeit derAll-Gemeinen."

Was die Sache anlangt, so ist es- sehr natürlich, daß eine politische Partei einer von ihren Führern ausgegangenen Empfehlung einiges Gewicht beilegt; daß sie auf den in dem öffentlichen Leben erworbenen Ruf politischer Fähigkeiten und entschiedener politischer Ge­sinnung mehr gibt, als auf persönliche Bekanntschaft; daß sie endlich einer die würdige und ersprießliche Vertretung der allgemeinen Interessen verbürgende Persönlichkeit den Vorzug gibt vor Vorspiegelungen der zu hoffenden Wahrung kleiner Lokalintereffelchen. alles das sind in den Augen eines jeden Vernünftigen ( er möge einer Partei angehören, welcher er wolle) sehr erfreuliche Zeichen einer rasch fortschreitenden po­litischen Bildung.

Wenn dagegen die Allgemeine meint, jeder Wahl­mann müsse den zu Wählenden persönlich und genau seinem ganzen Signalement nach kennen, er müsse von ihm Die Wahrung seiner Sonderinteressen gewärtigen, jede Empfehlung sei unzulässig, so zeigt sie damit, daß sie noch in den Kinderschuhen der Politik steckt und für öffentliches Leben weder Beruf noch Neigung hat. Sie vergißt dabei auch, auf welche Art die meisten Weiden- busch-Helden des Parlaments gewählt worden sind. Wir wollen nur von den Unsrigen an Mar G agern und Schepp, von den Andern an Bassermann und Mathy erinnern, welche beide nicht in Baden, sondern ersterer in einem bayrischen, letzterer in einem würtembergischen Bezirk gewählt ist.

Und aus Allem folgert dann die Allgemeine, daß unser Wahlgesetz durchaus nicht haltbar ist. Das ist des Pudels Kern! Weil also die große Mehrzahl der zum Wählen berechtigten Bürger die Politik des Ministeriums nicht billigt, weil die Neuwahlen mei- | stens oppositionell ausfallen, deßhalb istdas Wahl- |

tur auf der That ertappen können. Der kühne Partei­gänger ruhte halbsitzend, halb liegend auf dem Kanapee, daS rechte Bein auf den Rand eines Stuhles stützend. Einer seiner Soldaten, mit dem Säbel an der Seite, verband ihm eine Wunde.

Kaum war ich ihm vorgestellt worden, als er mir auch schon mit Liebenswürdigkeit Die Hand druckte.Sic werden entschuldigen, Mein Herr, daß ich Sic in diesem bescheidenen Winkel empfange," sagte er zu mir mit einem unmuthigen Lächeln; und da ick mich selbst entschuldigte ihn gestört zu haben, fügte er mir nochmals freundlich Die Hand rechend, hinzu:Ich hoffe, mein Herr, daß ich heute nicht daS letzten Male das Vergnügen haben werde, Sie zu sehen. Betrachten sie mich von diesem Augenblicke an als Freund, der sich glücklich schätzen wird, Ihnen angenehm sein zu können." Dann bot er allen Anwesenden Cigarren an und Die allgemeine Unter­haltung begann. Aber kaum hatten wir vier Worte ge­wechselt, alS daS Andenken an die in Dem Gefechte vom Juni ge'allenen Offiziere in seiner Erinnerung neu auflebte.

Ich bin in meinen liebsten Freunden grausam ge­troffen worden," sagte er zu mir.Mazina! Saverio! ES waren tapfere Soldaten, vollkommene Offiziere; Beide wären vortreffliche Generale geworden. Ein unermeßlicher Verlust, diese edlen Herzen! Mit solchen Leuten konnte ich in Ruhe schlafen. Welch' ein s brecklichcS Unglück!" Die Unterhaltung warf sich auf einen andern Gegenstand: aber einen Augenblick nachher kam er auf S Neue zu jenem

gesetz unhaltbar. Jeder Andere würde aus den Vor­dersätzen gefolgert haben: Also ist das Ministerium unhaltbar. Freilich die ministerielle Logic der Allge­meinen ist eine ganz andere, als die gewöhnliche deS gesunden ^Menschenverstandes. Freilich das konstitu­tionelle Staatsrecht derAllgemeinen" ist ein ganz anderes, als das in Belgien, Norwegen, England re. geltende.

Die Allgemeine sagt nicht:Weil die Majorität oppositionell ist, muß das Ministerium abtreten." Sie sagt:Weil die Majorität oppositionell ist, muß die Majorität abtreten; wir nehmen ihr das Wahlrecht und lassen, nur von einer uns blind ergebenen Mino­rität wählen." Welche hohe politische Weisheit und Redlichkeit!

Sollten in Der That die von Der Nass. Allg. Ztg. in neuester Zeit gegen das allgemeine Wahlrecht er­öffneten Feindseligkeiten ein Vorspiel zu einem wirk­lichen Angriff gegen dasselbe sein, dann weisen wir darauf hin,

1. daß dies der erste offene und unleugbare Bruch der 8. Forderung und Verheißung vom 4. März 1848, welche Abschaffung des Zensus und allgemeines Stimm­recht in sich schließt, sein würde,

2. daß unser Wahlgesetz vom 5. April 1848, nicht, gleich dem Berliner vom 5. Dezember 1848, ein octroy- irtes, sondern ein verfassungsmäßig durch die beiden gesetzgebenden Gewalten zu Stande gekommenes ist, daß also eine Verstümmelung desselben auf dem Wege der Octroyirung ein gefährlicherer Staatsstreich sein würde, als allerettenden Thaten" Brandenburg-Man- teuffel's zusammen,

3. daß endlich, wenn man auch blind und taub genug sein sollte, einen solchen Staatsstreich zu wagen, das nassauische Volk jedenfalls so viel politische Bil­dung hat, daß es nach einem Wahlgesetz, das aus Wortbruch und Verfassnngsverletzung hervorgegangen und auf Vernichtung der Völkerrechte gerichtet wäre, allgemein nicht wählen wird.

D s u e f d? S & n 0.

/ Diez. Vater vergib ihm, denn er weiß nicht, was er thut! so müssen wir hier für unsern würdigen Herrn Schulinspektor beten, denn daß man solche Aeußerungen, wie sie dieser Tage fielen, mit vollem Bewußtsein thun kann, scheint uns un»

Verluste zurück und sein Gesicht verdunkelte sich bei dem schmerzüchkn Andenken. Der General Garibaldi ist mit Wun­den bedeckt, was ihn aber nicht verhindert, seinen wichtigen Verpflichtungen mit Unermndlicbkeit obzuliegen. Immer in der ersten Reihe mit einer Tapferkeit kämpfend, die niemals bestritten worden ist, holt er sich in jedem Gesiebte eine ehrenvolle Narbe. Sein Mantel ist von Kugeln durchlöchert, und in dieser Stunde häbeü 4 noch nicht geheilte Wunden eben so viele ruhmreiche Erinnerungen auf seinen Leib gezeichnet.

Ich habe bei ihm Den jungen Obersten Manara ge­troffen, der einer der ersten Familien Mailands ange« hört, und sich in Dem Treffen Dev 3. Juni so tapfer be­nommen hat. Dieser erprobte, Kühnheit und Fähigkeit besitzende, Offizier, erfüllt jetzt bei Garibaldi Die Funktion eines Chefs deS GencralstabeS; nachdem diese Stelle Durft) den Tod deS Generals Saverio vakant geworden.

Ich würde sie gerne mit Der ganzen hier versammelten Gruppe edler junger aufopferungsvoller Herzen bekannt machen: aber Die Stunde drängt, und ich habe nur noch Die Zeit, auf daS schon halboffene Grab deS jungen und unglücklichen Mamelli, dieses glänzenden Geistes und liebenswürdigen Dichters, eine Trauerblume hinzuwerfen. Der junge Mann, eine der liebsten Hoffnungen deS schönen. Italiens stirbt an seinen Wunden dahin. Wie viele Thränen fließen in und außerhalb dieser Mauern! Wie viele Familien sind trostlos und trauern! Und warum / io fragt man sich von allen Seiten. llnD warum ? so fragt sich besamt und zähneknirschend ter wahre Franzose. O-W^ ?ftH