cor^, angeblich 26,000 Mann stark, bei Germers- beim gesammelt und ist gestern Morgen um 5 Uhr über die Rheinbrücke ins Badische gezogen. Jenseits fanden sie Widerstand, wobei Viele gefallen, der junge Prinz Friedrich von Preußen am Arm verwundet und dessen Adjutant, ein Major, geblieben sein soll. UebrigcuS haben die Badenser, der Uebermacht weichend, sich zurückgezogen. Gestern brachte man einen hohen Militär todt in einer festgeschloffenen Chaise mit Bedienung hier durch. — Vom Militär sind wir ganz befreit. Baiern liegen in Ludwigshafen. — Aus der Schweiz und Oberschwabeu sind gestern bedeutende ; ZuzügeBu Baden angelangt.
Weinheim, 21. Juni, 4% Uhr Abends. (Fr. I.) So eben kommen wir von unserem Beobachtungspunkt, dem Judcubuckel. Bis um 4 Uhr dauerte das Gefecht, also in Allem 6 Stunden. Es endete nach einem heftigen Kanonen feuer. Man schlug sich in einer aus- ■ gedehnten Linie und wich nicht vom Platz. Es scheint, daß die Preußen auf ihrem rechten Flügel, welcher jenseits der Eisenbahn sich am Neckar ausdehnte, die Stellung der Badischen, nachdem sie weiter abwärts über den Neckar gesetzt, umgingen, und durch diesen glücklichen Coup die Badische in Verwirrung brachten.
Heidelberg, 21. Juni. (F.J.) Gestern wurden die gewöhnlichen Pcrsonenfahrteu auf der Eisenbahn bis auf Weiteres eingestellt. Alles disponible Militär wurde gestern nach der Eisenbahn nach Langeubrücken befördert, um von dort gegen Philippsburg zu mar- schiren. Die Preußen sollten in der Nacht, während die zur Bewachung der Rheinbrücke aufgestellten Truppen schliefen, über den Rhein gegangen sein. Wäh- rend das Volk und die Armee von einem ungeheuren Freiheitsgeiste beseelt und mittig alles Opfer zu bringen bereit sind, verderben die ungeschickten und gleichgültigen Commandanten Alles! Mieroslawski war gestern, hier and sprach vor seiner Abreise lange mit Struve. Heute ziehen wieder Tausende von Militär, Volkswehreu und Freischaaren durch unsere Stadt. Von allen Seiten kommen Wagen mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Waffen an. Alle Gemeinden des Landes bringen außerordentliche Opfer; freudig geben die Eltern ihre Söhne, die Schwestern ihre Brüder her, um einzustehen für die heiligen Rechte des Ge- sammtvaterlandes.
Ladenburg, 21. Juni. (F.J.) Schon gestern früh 2 Uhr wurde unsere Vorposteukette alarmirt. Die Ursache soll eine im Hauptquartier zu Neckarhausen kingetroffene Nachricht, daß die Preußen den Rhein überschritten haben, gewesen sein. Es erschien kein Feind, und unsere Soldaten verlangten , nachdem sie einige Zeit aufgestellt waren, mit Ungestüm, vorwärts geführt zu werden. Diesem Verlangen wurde jedoch nicht entsprochen. Mittags 12 Uhr traf von Heidel- . berg die Ordre ein, daß sofort die ganze Colonne ab- zumarschiren habe. Dieser Befehl wurde sogleich ausgeführt; nur eine geringe Besatzung blieb diesseits der Neckarbrücke zurück. Der Marsch ging gegen Mannheim; warum? Dieses ist gänzlich unbekannt geblieben. Im hiesigen Kirchhofe liegen in Folge des letzten Treffens zwei Offiziere eilf feindliche und zwei badische Soldaten begraben. Ein mecklenburgischer Offizier liegt noch zur Behandlung im hiesigen Krankenhause. Ich halte es für Pflicht, nochmals zu erwähnen, daß die feindlichen Soldaten auf ihrem Rückzüge schrecklich gehaust haben. Ein unauslöschlicher Schandfleck für Deutsche!
"" Frankfurt, 22. Juni. Auch der Prinz von Preussen hat nunmehr Baden in Kriegszustand erklärt, nachdem dies zuvor schon auch durch den Großherzog von Baden und durch den General von Peucker geschehen ist. Die Erklärung lautet: „Da die Aufrührer im Großherzogthum Baden fortfahren, sich zum bewaffneten Widerstande gegen die zur Herstellung der rechtmäßigen Regierung im Lande an dessen Grenzen versammelte Armee zu rüsten, auch bereits durch den Kampf selbst derselben entgegen getreten sind, so erkläre ich, als Oberbefehlshaber der zu jenem Zwecke gegen Baden ausgestellten preußischen Armee, das ganze Großherzogthum Baden hiermit in den Kriegszustand. Hiernach verfallen nunmehr alle diejenigen Personen in dem Großherzogthum Baden, welche den unter meinem Befehle stehenden Truppen durch eine verrätherische Handlung Gefahr oder Nachtheil bereiten, dem Kriegsgericht. Die Corpscommandeure haben hiernach das Erforderliche anzuordneu und sind befugt, die Todesurtheile zu bestätigen. Neustadt a. d. H', 19. Juni 1849. Der Oberbefehlshaber der preuß. Operationsarmee am Rheim Prinz von Preußen.
Weinheim, 21. Juni. Der Neckar ist von den Preußen bei Ladenburg noch nicht überschritten und wird, wie es scheint, nicht sobald es werden, wenn nicht jenseits des Neckars etwas vorgeht. Dagegen hat das Peucker'sche Corps, nach neueren Berichten, oberhalb Heidelberg den Neckar überschritten und steht in Wiesenbach, bei Neckargemünd. (Fr. I.)
* Wiesbaden, 23. Juni. In der „O.-P.-A.-Z." lesen wir folgendes Inserat:
Nachdem die deutsche verfassunggebende Reichsver- sammlung hier in Stuttgart durch ein gewaltsames Attentat am Forttagen verhindert ist, fordert das Prä-
l'"ü"N in Folge der Ermächtigung vom 30. April und , Art 5 n S Rücksicht auf den Beschluß vom 19. Mai, wonach , Nähe der Gest
^ ^,^ bis zum Zusammentritt des von 18 — ‘^
ersten Reichstags permanent sein soll, alle Mitglieder, insbesondere die bis jetzt anwesend Gebliebenen hiermit aus sich nach Karlsruhe zu begeben und sich bis zum 25. d. M. in dem dort eingerichteten Aumcldungs- bureau emzeichuen zu lassen.
Lie werden daselbst beuachrichtet werden, wann und wo die nächste Sitzung der Reichsversammlung stattsmdeu soll. ' J
Stuttgart, am 21 Juni 1849.
Das Präsidiu m der deutschen verfassunggebenden N e i ch s v e r sa m m l u n q.
Der Präsident: L ö w e.
Der Schriftführer: Nein st ein.
FrankfUl t, 22. Juni. (N. D. Z) Gewalt geht vor Recht. Dieser Satz bestätigt sich hier täglich, obgleich sein Ausnahmöznstand hier ausgesprochen ist. Heute Mittag ivurbe an der Ecke der Hauptwache gegenüber, ein junger Kaufmann verhaftet. Er las mit vielen Andern ein Plakat, eine Antwort der wür- tembcrgischcu Soldaten an die badischen. Der wachthabende Offizier befiehlt 3 Soldaten, dasselbe abzu- i elften. Als sie das mit dem Bajonnet crekutiren wollen, nimmt es der Kaufmann mit der Hand herunter und steckt es ein. Es hatten sich einige Menschen gesammelt. Der Offizier befiehlt den Platz zu räumen. Der Kaufmann meint, das sei doch ein freier Platz. Sofort läßt ihn der Offizier arretiren und mit einer Bedeckung über die Zeil in die Konstabeler Wache führen. WaS in den Wachen vorgeht, dafür ist der Senat laut seiner Erklärung nicht verantwortlich.
Um ein anderes Plakat an derselben Ecke, wie es uns schien, ein Spottgedicht auf das Parlament, drängte sich die Menge unangefochten. Das ist halt was Anders!
Stuttgart, den 20. Juni. In dem 21 ton Stück des R c t ch s gesetzblattes verkündet die Rcichs- regentschaft das von ihr erlassene Gesetz über die Bil- dluig der Volkswehr. Sodann folgt die Verordnng über die Ausführung des Gesetzes, die Bildung der Volkswehr betreffend. Sämmtliche deutsche Regierungen sind mit Hinweisung auf obiges Gesetz aufgefordert, sofort zur Organisation der deutschen Volkswehr zu schreite« und haben in kürzester Frist der Regentschaft, Abtheilung des Krieges, Bericht über die bereits organisirte Volkswehr zu erstatten, so wie die Vorschläge zu geeigneten Personen für Oberbefehlshaberstellen einzureichen. In denjenigen LandeStheilen Deutschlands, wo die Regierungen dieser ihrer Pflicht nicht nachkommen sollten, haben die Behörden der Provinzen, Kreise, Bezirke und Gemeinden unverzüglich obiges @e|c£ selbstständig zur Ausführung zu bringen und der Regentschaft, Abtheilung des Krieges, innerhalb acht Tagen von heute an Bericht zu erstatten, liebevoll, wo sich zur Zeit organisirte Bürger- oder Landweher befindet, haben die Commandanten der Corps sofort der Regentschaft Bericht sicher die Starke, Waffengattung, Bewaffnnng, Munition u. s. w. zu erstatte». Stuttgart, den 17. Juni 1849. Die Reichs- regentschaft: Franz Raveaur, Carl Vogt, Friedrich Schiller, Heinrich Simon, August Becher.
Ferner e i ne V ero rd n u n g des gleichen Inhalts:
Zur Abwehr der gemeinsamen Gefahr, welche der Durchführung der Reichsverfassung durch den Angriff verfassungsfeindlicher Mächte, insbesondere Preußens, auf die Rhein Pfalz und Baden droht, verordnet die Reichsregentschaft nach Maßgabe des Art 7 der Reichs- gesetzen vom 17. Juni 1845, wie folgt:
Art. 1. Der erste Heerbann hat zur Bildung eines Reichsheeres unverzüglich folgende Contingente zu stellen: Baden: das gegenwärtig unter den Waffen ste- hende badische Heer; Württemberg: zur Besetzung der Reichsfestung Rastatt und Landau vier Regimenter, ein Regiment Cavallerie, eine Batterie Artillerie unter dem Commando eines von der königl. wurttembergi- schen Regierung zur Ernennung vorzuschlagenden Befehlshabers; Nassau: das gesummte nassauische Linienmilitär als ObservationscorpS unter dem Commando eines von der Herz- nass. Regierung zur Ernennung vorzuschlagenden Befehlshabers: $ranffurt: das gc- sammte Linienmilitär des Freistaats Frankfurt, über dessen Verwendung die Regentschaft näher verfügen wird; Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen: das aus diesen Fürstenthiimern combinirte Bataillon mit dem Befehle, sofort seinen Einmarsch in Baden zum Anschluß an die Besatzung der Reichsfeftung Rastatt zu bewerkstelligen.
Art. 2. Der zweite Heerbann wird in Württemberg, in beiden Hessen, .Nassau, Frankfurt, Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen als Reserve dieses Neichsheers aufgeboten. Er wird da, wo die örtliche Lage es gestattet, unverzüglich durch besondere Befehle nach den bedrohten Punkten Badens und der Rhein- pfalz dirigirt werden.
Art. 3. Wo organisirte Bataillone der Bürger- wehr bereits bestehen, sind sie ermächtigt, die badische Grenze, wo sie ihnen am nächsten liegt, als Freiwillige zu überschreiten, dem Kriegsschauplätze zuzuziehen, und haben sich dieselben dem nächsten badischen Komma ndi- rendcn zur Verfügung zu stellen.
Art. 4. Die Landesregierungen sind aufgefordert, in Befolgung des ReichsgesetzeS vom 17. Juni 1849 den zweiten Heerbann überall, wo die Bsirgerwehr i noch nicht ganz vollständig organisirt ist, sofort zu formtreu. I
versäumen sie dies, so werden bei der W anburd) alle waffenfähigen Männer oder ^ "^ Zum stehenden Heere - .- ? bereits einberufen sind, anfgefordert statte beut tm ftepcuben Heere des betreffenden Ein- "'ne Gemeinde nicht nat 'ne sde Compagnie zu bilden, so einiaen benachbarten Gemeinden zu ver- ^1/ 1 ' ^Hphiinc gebitbct ist. Die sa gcHti
W« sofort shr- Nhm und einigen sich mit den Nachbargcmeinden bis ein
gebildet Sämmtliche Offiziere des Ba illlms wählen den Bata.llonschef. Dieser hat alsbald von der Bildung des Bataillons unb\en^a^ bië Bataittonstabes, von der Anzahl der bereits bewaffneten Mannschaft und der Art ihrer Bewaffnuna sowie der unbewaffneten Wehrpflichtigen des Bataillons an die Reichsregentschaft, Abtheilnng des Krieges Bericht zn erstatten, worauf weitere 21er fügn na ergehen wird.
. 0. Jeder Wehrpflichtige, der nicht bereits mit Waffen und feldmäßiger Munition verfetten ist, l;ut hier für nach Möglichkeit selbst Sorge zu tragen und dabei auf gleiches Kaliber mit seinen Kameraden zu achten. Unbemittelte werden laut Art. 11 deS Reichsgeseßes vom L7. Juni 1849 durch die Gemein- den bewaffnet und mit Munition versehen.
Art. 7. Sämmtliche Mannschaften sind nach Art. 9 des Reichsgesetzes vom 17. Juni auf die Reichs- Verfassung feierlich zu verpflichten. Stuttgart, den 17. Sunt 1849. Die Reichsregentschaft: Franz Raveaur, Karl Vogt, Friedrich Schüler, Heinrich Simon, August Becher.
Wien, den 18. Juni. Eine recht intereffante Gallerte von Gerüchten habe ich zu berichten, und da, wie ich aus langjähriger Beobachtung die sichere Ueberzeugung habe, an jedem noch so fabelhaft klingenden Famaruf irgend etwas Wahres ist,' so steckt hinter dieser Masse von unverbürgten Neuigkeiten ganz gewiß e i1! e H i o b s p o st für die doppelkaiserlichen, id est russisch-österreichisch-kai, erlichen Waffen.
Man erzählt sich: Die Ungarn seien wieder näher gerücktund zwar so nahe, daß der Hof die Ver- ltgumz seines Aufenthaltes von Schönbrunn beschlossen habe. Einerseits verbreitet diese Nachricht, wenn sie auch zur Zeit noch unverbürgt ist, Bestürzung, andererseits Gähruug. Letztere Annahme bestätiget sich durch eine gestern vorgefallene großartige Rauferei in Gau- denzdorf zwischen Civil und Militair. Eine Compagnie mußte ausrucken, und erst nach Vornahme einiger Verhaftungen ward dieser Cravatt ën miniatine beendigt.
Auf den neuen Wieden, bekanntlich die radikalste Vorstadt, lassen es sich die Leute nicht nehmen, Kost suth, resp, die Ungarn würden in 3' Tagen in Wien sein!— Wozu, sagen die Oktoberhelden, würden sonst in der Sparkasse Anstalten getroffen, die Dokumente nach Prag zu überbringen/wozu sollte, wenn man die Ankunft der Magyaren für unmöglich hielte, das Versatzamt zeitweilig nach Linz verlegt werden? Ist nicht schon ein Dampfschiff gemiethet, um die Effecten der Leihaustalt sammt Pfändern dahin abznführen? Diese Raisonnements, wörtlich dem Volkömnnbe nach- geschrieben, sind bezeichnend genug.
General Wyß ist todt und die Maqvaren haben Orsowa wieder genommen; die erstere Nachricht unterliegt keinem Zweifel mehr, sie zweite wird von der gutgesinnten Presse, die von der Einnahme von Neusatz Aufhebens macht, als läge das Geschick der Monarchie dort begraben, zur Zeit noch verschwiegen. (N. O.-Z.)
Breslau, 19. Juni. Ein hiesiges Banquierhaus erhielt soeben aus Prerau die Nachricht, daß der Kaiser zwar im Lager von Dutta (einer langen Schlucht in den Karpathen) gewesen, jedoch auf Anrathen des daselbst zurückgebliebenen FeldmarscharlS Paskiewitsch bald wieder abgereist und gestern früh Prcrau passirt sei. Als Gründ der schnellen Abreise circnlircn zwar wunderliche Gerüchte, jedoch so viel soll feststehen, daß Paskiewitschgroße Mühe haben wird, die förmlich in Aufruhr befindlichen Truppen im Gehorsam zu erhalten. In Dukla sollen circa 60,000 Russen stehen, jedoch wahrscheinlich auf dem Papiere, um die vollständige Munition von der österreichischen Regierung zu erhalten, welche letztere dazu verpflichtet ist. Im Lager gewesene Leute schätzen die Anzahl der Truppen nicht über 30,000 Mann. (Köln. Z.) ßk tt g a r n.
Während wir vergebens in den Pesther Berichten vom 16. und den Wiener Berichten vom 18. ein Wort über die große Schlacht vom 14. —15 d. M. suchen, kommt die Magyar. Corresp. und die National- zcitung noch ein Mal auf die Geschichte zurück und drucken zum Belege, daß sie Recht hatten, einer* und denselben Brief aus Breslau ab. Es heißt dort: „bis zum 14. Juni hat ein 64 stündiges Gefecht bei Raab zwischen den Ungarn und der vereinigten österreichisch- russischen Truppenmacht stattgefunden. Die Ungarn haben gesiegt. Die Sieger sollen 7000, die Besiegten 14,000 Todte auf dem Schlachtfelde gelassen haben. Die Zahlen wollen wir jedoch nicht verbürgen. Der größte Theil der östr. Artillerie ist in den Händen der Magyaren. Nehmen Sie den Sieg der Ungarn alS ganz gewiß, denn ganz lautere Quellen bestätigen dies."