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M M8. Wiesbaden. Samstag, 23. Juni IS^9»

TicRrcie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 fr, auswärts y^xch d?e 'vo'st bezogen mit vèrhältniß-näßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sino bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die InserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

SGE Gnladuug zum Abonnement, "^s

Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement ans dieFreie Zeitung". Der Preis bleibt der bisherige. Die Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Aitter'schen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Die Richtung des Blatts bleibt dieselbe. EMe lEacpedMioii.

T Aus der Provinz. Da unser jetziges Mi­nisterium in seiner Antwort auf die Idsteiner Forde­rungen nicht undeutlich den Entschluß hat durchblicken lassen, sich der königlich preußischen octroyirten Ver­fassung anschlicßcn zu wollen, und der ruheliebende Tbeil der Bevölkerung diese Ausführung sehnlichst wünscht, damit die Achtung vor dem Gesetz hergestellt werde , der Credit wiederkehrc, Handel und Wandel sich belebe, so lohnt eS sich wohl der Mühe, einmal die verschiedenen Wege, die aus dem jetzigen Laby­rinthe heransführen, und deren Folgen etwas näher zu beleuchten. Meiner Meinung sind es 3; der erste, ist der der unbedingten Annahme des preußischen soge­nannten Entwurfs, der zweite der der Vermittlung, wie ihn die Deutsche Zeitung vorgeschlagen hat und der dritte der des unbeirrten Festhaltens an der von unserm Parlament beschlossenen Äcichsvcrfassung. Wir wollen den ersten ins Auge fassen, und nachsehen, ob durch Betretung desselben unser höchstes Ziel, unsre Freiheit und Einheit, ja ob auch nur Ruhe und Ge­schäftsbelebung durch denselben, erreicht werden. Daß durch das ungerechte, einen großen Theil unserer Bc- Völterung ausschließcudc, einen andern in seinem Rechte beschränkende und kränkende Wahlgesetz, wie es die preußische Verfassung enthalt, daß durchs das Fürsten- collegium und das absolute Veto keine Freiheit erzielt wird, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung; ebenso steht 'es mit der Einheit, die wahrlich zwischen Nord- nnd Süddeutschlaud nicht eintritt, wenn es auch dem König von Preußen durch die Macht seiner Bajonette gelingen sollte, seinen Plänen Eingang zu verschaffen; im Gegentheil muß bei dem Sieg des prenßizchen Willens der Mangel an Sympathie zwischen Nord- und Süddeutschlanv in Antipathe übergehen, die bet der ersten Gelegenheit zum offnen Bruch führen wird, des Mangels aller Bestimmungen in der preußischen Verfassung, durch die eine feste Einheit möglich wäre, gar nicht zu gedenken. Durch die oetroyirte Ver­fassung wird also weder Freiheit noch Einheit gewahrt werden; dock' darnach fragen unsre Krämerseelen nichts, ite wollen Ruhe, sie wollen Geld verdienen; sehen wir nun, ob wir auch nur hierzu gelangen. Wir fragen, wird das deutsche Volk von 45 Millionen es für alle Zeiten dulden, daß sein deutlich ausgesprochener Wille dem eines Einzelnen und weniger Gleichgesinnten unter­liege, wird nicht einmal vielmehr der durch die Bajonette m'cdcrgehaltene Ingrimm plötzlich zur vollen Zornes- glut auflodern unt) die Unterdrücker in seinen Flam­men verzehren? So würde cs selbst kommen, wenn der Einzelwille ein guter wäre, da die verletzte Ehre zu solchen Schritten drängen würde; um so sicherer ist dieser Ausgang, weil der siegende Wille ein unhalt­barer ist, weil durch die oben erwähnten Bestimmun­gen der preußischen Verfassung, wodurch die beiden Häuser zu der untergeordneten Rolle einer berathenden Behörde herabsinken und das Ganze Nichts ist, als eine zweite, sehr theure Auflage des Bundestags, ein geregeltes Fortschreiten, ein Eingehen in die Be­dürfnisse der Zeit nicht möglich wird, weil vielmehr das deutsche Volk, da die Fürsten seinen Rath gewiß­lich nicht beachten werden, immer wieder zu neuen Schilderhebungen seine Zuflucht nehmen wird, wenn es den gerechten Forderungen Geltung verschaffen will. So wird cs mit der Ruhe in unserm Vaterlande ste­hen, die durch den König von Preußen cingeführt wird; daß dieß auch unsere Geldmänner einsehen, daß sie den Verhältnissen kein Vertrauen fd)cnfcn und nur die kurze Zeit wiedergekehrter Gesetzlichkeit dazu be­nutzen werden, um ihre Kapitalien, zu denen sie bis­her nicht gelangen konnten, noch vollends herauszu- zichcn, um sie in England oder Amerika, wo Freiheit herrscht und deßhalb keine Revolution zu befürchten ist, anzulegen, daß durch solche Maßregeln Handel und Wandel nicht nur nicht belebt, sondern vielmehr das Wenige, was bis jetzt noch eristirt, gänzlich vernichtet, daß dadurch alle Spekulationen unmöglich werden,

und unsere Landesprodukte im Werth fast auf Null Heeabsiuken, daß die Regierungen unter solchen Umständen ihre Heere nicht -entlassen werden, und das Wenige, was dem Bürger bleibt, durch Steuern nehmen müssen, um die Söldlinge zu unterhalten, daß endlich nach jahrelanger Noth und gänzlicher Ver­armung die Völker dennoch gezwungen werden, in^cr größten Verzweiflung den Kampf auf Leben und Tod mit ihren Unterdrückern zu beginnen, um zu siegen oder unterzugchcn, dieß Alles wird dem denkenden Patrioten nicht entgehen; das sind die Ausgänge un­seres ersten Weges,' w.c ich sie voraussehe. Lasst uns nun den 2. beleuchten; er ist der der bedingten An­nahme der preußischen Verfassung, die verschiedenen Länder sollen nach beliebigen Wahlgesetzen wählen, und das so zusammengesetzte Parlament die preußischen Vorlagen revidiren, es ist der Weg der Vermittlung, den uns Gagern in seinem Vertrauen zu den Fürsten geführt, der uns an den jetzigen Abgrund gebracht hat. Wird dann der König von Preußen, im Falle daS Parlament seine Verfassung nicht anerkennen, son­dern verschiedenes Wichtige geändert haben will, nach- geben (?)wird er nicht vielmehr wiederum «einen absoluten Willen durch seine Bajonette dnrchznsctzen suchen ? Wir­schen, dieser Weg führt nach kurzer Zeit wieder auf dem er­sten zurück ii. uns nicht zum Ziel, wie alles Halbe, Unent- schicdene, Vermittelnde, es bleibt uns deßhalb nur der dritte, und das ist der des entschiedenen Fcfthaltens an der Nat.-Vers. und an der durch dieselbe endgül­tig festgesetzten Neichsverfaffung, es ist der des Ein- führens derselben durch alle nur möglichen Mittel. Wir sind leider bei uns, wo die Beamten und Bürgerweh', ren auf die Neichsverfaffung geschworen haben, schon wieder so weit gekommen, daß man für einen Revo­lutionär, für einen rohen Anarchisten gehalten wird, wenn man solche Meinung anszpricht, wenn man es wagt, solche Wege zu Betretung anzurathen, und den­noch kann ich nicht anders, ich muß den dritten als den einzigen betrachten, der auf die schnellste, wenigst Zeit, Geld und Blut raubende Weise uns aus den jetzigen ungewissen Zuständen heransführt, durch den wir den Alp, der so lange auf uns gelastet, abschüt- tcln, durch den wir zu der heißersehnten Freiheit ge­langen werden, und ohne Freiheit keine Gesetzlichkeit, ohne Freiheit keine Ruhe, kein Wohlstand, kein Glück. Darum zeigt Euch entbieten , suchet unsere Feinde durch das offene Aussprechen unsers festen Willens, durch eine achtunggebietende Stellung zum Nachgeben zu veranlassen. Verzweifelt nicht, Freunde! lln ere gute Sache muß siegen! Sehet wie die freien Völker des Kaukasus als Verbündete auftreten und unsern gemeinsamen Feind bekämpfen, sehet, wie selbst die Gottheit sich mit uns verbündet, wie sie unsere Unter- drücker blendet, wie sie den unermeßlichen Heerschaa- ren des russischen (paaren jene vergerenve Krankhei­ten zusendet, welche den Magyaren die Gelegenheit raubt, die Sclaven durch die Macht der siegreichen

I Waffen zu Boden zu werfen.

DeursebiÄnd.

X. Aus dem Amte Runkel, 17. Juni. (Die Stimmun g der Soldaten.) Die Volkserhebung in Baden und der Pfalz zur Durchführung der Frank­furter Neichsverfaffung hat bei den meisten Bewohnern unseres Amtes wenig Sympathien; mit jedem Tage wünscht man sehnlicher, daß die Freischaaren geschla­gen, und die freisinnigen Ansichten und Wünsche ganz von der Erde vertilgt werden möchten und daß endlich der König von Preußen Ruhe und Ordnung in die Welt bringe. Mit diesem Wunsche und dem Vorsätze, tüchtig drein zu schlagen, zogen unsere Sol­daten gen Baden und Rheinbaiern. Die Ideen ichei- nen sich jedoch nmgeschlagen zu haben. _ Wir hatten Gelegenheit, Briefe von Soldaten zu lesen. In den

ersten war noch jener Wunsch und Vorsatz lebendig in den letzten lautete cs ganz anders.Die meisten Soldaten, so erzählt man sich", heißt es an den Brie­fen,wollen nicht auf die Freischaaren schießen, und ich weiß nicht, ob's auch recht ist; denn die Leute da wollen, was sie bei uns zn Hause auch wollen, näm­lich Freiheit und Erleichternug. Wie's die meisten ma­chen so mache ich's auch." So unsere jungen Krieger.

Q Aus dem Amte Runkel, 19. Juni."Unser Amt ist ein Amt derRnhe"; die bewegenden Zeit­ideen, namentlich die vorherrschenden ^demokratischen, fin­den nur selten Eingang in die Köpfe der meisten Be­wohner, weil das geistigeDolce lar niente" dadurch gestört und das Gemüth mit Sorge und Kummer er­füllt wird. Das politische Leben ist ein vom König von Preußen octroyirtes, d. h. mit dessen Regierungs- Maßregeln ist man höchlich zufrieden, man sehnt sich nach der von ihm octroyirten Ruhe. In kirchlicher Hinsicht ist auch nichts Besonderes hervorzuheben. Ka­tholiken und Evangelische leben als Brüder beisammen, die Geistlichen ebenfalls; im Leben kennt man keinen konfessionellen Unterschied. In jüngster Zeit sollte die­ses Verhältniß jedoch gestört werden und zwar durch den Kaplan Hellerbach in Villmar. Dieser geistliche Herr ist den Lesern dieses Blattes schon von Hadamar her näher bekannt und dürfte die Säulderung von dessen Thun und Treiben in Villmar jur Vervollstän­digung seines und des Charakters seiner im Finstern schleichenden Genossenschaft Wesentliches beitragen. Das ganze Frühjahr bis dieser Kaplan in fast jeder sonn­tägigen Predigt die Unterscheidungslehren der katholi­schen uni) evangelischen Konfession in einer Weise an­gezogen, die die katholischen Einwohner Villmar's, so­wie auswärtige evangelische Zuhörer im höchsten Grade empörte, so das; dieselben zum größten Theile die Kirche verließen. Die Evangelischen wurden ganz und gar verdammt, und die Katholiken vor jeglichem Umgänge mit diesen gewarnt: das war das jedesma­lige Thenra der Predigten. Auf diese Weise wollte ein Mann, der sich rühmt, ein ächter Verkündiger des Evangeliums von Christo, der Religion der Liebe, zu sein, den Haß zwischen Bürgern anfachen. Doch die Zeiten sind vorüber, in welchen solches geschehen könnte. Auch auf andere Weise, doch verborgener, sucht er die Karten zu mischen. Er hat den Gemein­derath zu Villmar bestimmt, den beiden Lehrern,. Ur­ban und Gilles, die ihnen von dem Schulvorstande bewilligten Geatisieationen zu versagen und bei der Regierung um Versetzung derselben nach zu suchen. Ehe dieser Kaplan nach Villmar kam, waren die Villmarer mit diesen beiden Lehrern recht wohl zufrieden, «seit­dem aber der Kaplan die Karten mischt, sind beide in ein höchst unangenehmes Verhältniß versetzt.

Der Kau'pf ßeß^it Baden und die baierische Pfalz.

Karlsruhe, 19. Juni. (Mz. Z.) In Mannheim hat sich der Stand der Dinge noch nicht verändert. Es wird immer noch von beiden Seiten herüber und hinüber geschossen. Suren ist mit Truppen vollge­pfropft, daß die weitgehendsten Operationen über­nehmen kann, und es hat den Anschein, als wüßte man recht gut etwas mit den Leuten anzufangen. Zu dem Opcrationstalent Mieroslawski's herrscht blindes Vertrauen, und er wird es glänzend rechtfertigen. Sicherheit und Festigkeit in der Leitung läßt sich nicht verkennen. Sämmtliche pfälzischen Truppen- theilc sind nun auf badisches Gebiet übergetreten; die Pfalz ist geräumt, die Brücke bei Knielingen abge­brochen. Auch die pfälzische provisorische Regierung befindet sich seit gestern hier. General Sznayde t|t vorläufig noch Befehlshaber der pfälzischen Armee, welche gestern hier einzog und allgemein teil Eindruck ma^tc. Dir Hâug dieser gut; die jede- Emjttnm zeig, Muts, und Eut,chi°ff°n-