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ften bildet. Als der sich versteckt gehaltene kurhessische Husar, der später nach Entfernung der Dänen, in Gefahr war, durch den Verrath des Dorfpredigers in dänische Hände zu fallen, die Nachricht von dem er­littenen Unfall nach Horsens brachte, soll die Erbitte­rung seiner Landsleute und der dort stationirten Reichs­truppen Veranlassung zu einer beabsichtigten Katzen­musik gegeben haben, die jedoch, als im Hauptquartier unzulässig, nicht verwirklicht worden sein soll. Ein später auf freie Requisition noch Nörresnede abgesand- tes Detachement soll, nach Aussage eines Reisenden, das verräterische Dorf niedergebrannt haben.

Berlin, 16. Juni. Ich habe Ihnen sehr wichtige Nachrichten mitzutheilen, lesen wir in der Köln, Ztg., deren nähere Erörterung ich mir vorbehalten muß. Der Kongreß erhält eine andere Gestalt. Radowitz zieht sich für den Augenblick zurück, Canitz tritt für I Preußen ein, v. Ze sch au für Sachsen, v. Wangen­heim für Hannover und ein anderer Diplomat für Baden. Hier soll zugleich der Keim einer künftigen, mindestens provisorischenCentralgewalt" für den Bundesstaat gelegt worden. Ein solches Organ war, wie Sie wissen, seit dem 28. Mai in Aussicht gestellt. Die Ereignisse und die Entwickelung des Bundesstaates werden natürlich die Attributionen dieser Gewalt, welche sich heute instattirt, näher bezeichnen müssen. Vielleicht wird das Fürsten-CoUegium daraus. Hoffen wir, so paradox dies klingen mag, daß mit Radowitz's Rück­tritt das deutsche Element doch ungeschwächt vertre­ten bleibe! Sie erinnern sich meiner Version über den baierischen Hülferuf, wie ich sie Ihnen in meinem Briefe vom 13. Juni wiedcrgab. Dieselbe war, wir wissen nicht, ob absichtlich, in stets gut unterrichte­ten Kreisen verbreitet worden. Die Nachrichten der Constitutionellen Korrespondenz" legten mir die Pflicht auf, genaue Erkundigungen an authentischer Quelle einzuziehen. Da stellt sich die Sache nun freilich ganz anders. Baiern hat vor einiger Zeit die preußische Hülfe für die Pacification der Pfalz auf zwei Wegen zugleich verlangt, einmal durch den Reichsverweser, zweitens direct hier, in Berlin. Lerchenfeld hat eine dahin gehende offizielle Note abgegeben. Die direct verlangte Hülfe war gewährt. Es war die Zeit der großen Hitze. Man mußte die meist jungen Soldaten, z. B. zwischen Dresden und Frankfurt, langsam mar- schiren lassen, aus. Furcht vor der Cholera und Lager- Ruhr. Diesen Aufschub benutzte Baiern, zog eine Di­vision bei Nürnberg zusammen und ließ plötzlich in Berlin melden, es bedürfe nur eines Bataillonsâpreu- ßischer Soldaten. Diese wurden für die spätere Oc- cupation der Pfalz, nach der Bekämpfung des Auf­standes, zugesagt. Aber die, einem festgestellten, und in Ausführung begriffenen Plane gemäß, vorgerückten Soldaten wurden nicht zurückgezogen. Nach ehrlichem Kriegsbrauche ist es nicht Sitte, daß Bundesgenossen inmitten der Campagne der Macht, welche ihnen zu Hülfe eilt, insinuiren, sie könne nun wieder nach Hause gehen. Auch namentlich Preußens für Baden unter­nommene Pflichten ließen dies nicht zu. General Hirsch­feld konnte also in seiner Proclamation vom 12. Juni getrost sagen, er komme auf Befehl seines Königs, veranlaßt durch die Aufforderungen der Regierungen, die bundesmäßige Hülfe zu leisten, und er konnte diese Proklamation an Rheiubaiern zugleich richten. Wir wollen nun sehen, ob Baiern, wie es damit gedroht haben soll, gegen diese Proclamation protestiren wird. Es müßte erwarten, daß mit Lerchenfcld's hier abge­gebener Note geantwortet würde. Radowitz geht nicht nach Gotha. Er leidet an einer Cholerine und wird sich nach der Wiederherstellung auf einige Zeit nach Freienwaldau zurückziehen.

Berlin, 17. Juni. Die wahren Gesinnungen der loyalen Standrechtspreye mögen die Leser aus folgen­dem in derNeuen Preuß." enthaltenen Pröbchen ersehen:

Es ist mir sehr leid, daß ich nicht zu befehlen habe. Nicht altd ob ich Minister sein möchte; mit Nichten! Nein, wenn ich schon etwas Anderes sein möchte, als ich bin, so möchte ich jetzt König sein und zwar König von Preußen. Ich wollte den Lellten eine andere Melodie aufspielen; es sollte dabei wahrlich Niemanden das Lied einfallen von Hinz, des Murners Schwiegervater, aber beten sollten die Leute lernen, daß ihnen (sic!) der Kinnbackenkrampf anwandelte. Die Konstitution, die ich für's Erste geben würde, dürfte nur zwei Paragraphen haben: §. 1 der König befiehlt, §. 2 das Volk gehorcht. Mit einer andern läßt sich jetzt nicht regieren. Die Seele der Constitu­tion wäre der Grundsatz: besser zehn Unschuldige ster­ben, als daß ein einziger Schuldiger leben bleibt. Alle Häupter des Aufruhrs, deren wir in allen Kreisen ge­nug haben und sic kennen, würden als notorisch schul­dig erklärt und zum Strange verurtheilt. Menschen aber, wie Waldeck, ließ ich bei den Beinen aufhän­gen und mit dem Kopfe in einen Ameisenhaufen stecken. Solche Leute erst in Untersuchung ziehen, ist eine Kar- rikatur auf die Gerechtigkeitsliebe. Schulmeister, Ju­risten und Bücherschreiber (nulla regn la sine excep- tionc) ließ ich fleißig ausrotten." (N.D.Z.)

Wien, 15. Juni. (N.O.-Z ) Ich muß Ihnen noch als Kuriosum ein Bruchstück aus der Unterredung des Ministers Bach mit den Deputaten der böhmischen Gemeinden, welche um Zurücknahme der o c t r o y i rte n Charte vom 4. März und Entlassung des Mini­steriums Schwarzenberg-Stadion petitionirten, mitthei­

len. Einer der Landleute überreichte die Bittschrift und ;agte in seinem schlichten Bauerndialecte:Wir wissen zwar, daß das Alles nichts nutzen wird, aber wir müssen Ihnen doch zeigen, daß nicht Alles so ist, i ivie es Ihnen Ihre Beamten schreiben und daß wir gar nicht zufrieden sind." Der Minister unterbrach ; ipn und meinte, die Besitzenden seien zufrieden. 1

Sandmann ließ ihn fortreden, endlich sagte er: So, jetzt sein's stat und lassens mich reden. Wisseu's, day mir mein Haus und Hof alle Jahre eine Paar Wählend Gulden trägt. Der Gevatter, der ist ein Millionär, und was der Nachbar hat, das wissen wir gar nicht, aber haben thun wir Alle was uhD schauns, wir sind doch nicht zufrieden. Was der Minister auf dieses argümentüm ad hominem, erwiederte, davon schweigt die Chronik; Die Supp- ( licanten jedoch wurden, wie sie vermuthlich gelesen haben, durch ein kaiserliches Reskript abgewieseu.

Vom ungarisch - österreichischen Kriegs­schauplatz.

Wien, 15; Juni. Keinen Sieg, abermals eine Niederlage habe ich zu berichten, eine Niederlage, welche schwere moralische Folgen nach sich ziehen dürfte. Ge- neral-Maj. Wyß wurde von den Magyaren gefan­gen. Die Sache verhält sich vhugeMr so. Ein Uhla- nenmajor fährt spazieren, gerâth aus Unvorsichtigkeit zwilchen die magyarischen Vorposten, die ihn zu,am- meuhaueu und einen Operationsplau bei ihm vorfin- deu, in dem notirt ist, daß sich die Brigade Wyß au dem bezeichneten Tage dort und .dort befinden werde. Dies wußten die Magyaren trefflich zu benützen, sie stellten ihre Fallen und die kaiserlichen Feldmäuse fin­gen sich. Cs ist empörend über solche Fahrlässigkei­ten hier in Wien kein lautes Wort sprechen zu Dürfen. Gestern erzählte man sich hier, Gen. Schlick sei uitt 6000 Maim zu den Biag yareu übergc- gangen, dieses Gerücht ist ohne Zweifel nichts an­deres als eine nebelige Variation des obigen Vor­falles sammt NamenSverwechselung.

Hayn au hat einen energischen Tagesbefehl an die gesummte ungarische Armee erlassen, worin er voller Entrüstung den Verlust der Brigade Wyß bespricht. Denn das Haus brennt, nützt keine Assekuranz mehr, daher wird auch der neue Schwur oder Fahneneid, den die Armee in einigen Tagen leisten wird, nicht viel nützen.

Hier in Wien beginnt es^flau zu werden, die Ver­mögenden ziehen in die Bäder und lassen die Armen hier, denen Fleisch und Brod aufzubringen bald un­möglich sein dürfte. Der Arbeits- und Tagelohn bleibt gleich, die Lebensmittel steigen. (N. O.-Z.)

Wien, 15. Juni. Aus Preßbnrg wird geschrie­ben: Truppenmärsche sind noch immer an der Tages­ordnung. Die Stadt ist beinah hermetisch von drei wohlorganisirten Kriegslagern eingeschlossen. In nörd­licher Richtung erstreckt sich das"Lager über Tirnau, Szered, Trentschin bis an das Waagufer, in östlicher Richtung beschreibt das Lager einen Halbkreis, die Ortschaften Sommerein, Szerdahely, Vajka berührend, und ist von zwei Flüssen, die Donau und Waag be- gränzt; in südlicher Richtung endlich umfaßt es die Punkte Carlsburg, Wiselburg, Altenburg, und hat seine Vorposten bis au die Straße gegen Hochstraß vorgeschoben. In den zwei ersten Lagern werden die Gefechte mit ziemlicher Lebhaftigkeit seit einiger Zeit fortgeführt, üben jedoch auf den Hauptplan der Ope­rationen nicht den mindesten Einfluß.

Bei kroatisch Kümling ist cs zu einem bedeuten­den Gefechte gekommen, der Kanonendonner war einige Stunden lang in Wiselburg sehr vernehmbar. Von dem Gefecht bei Szered erzählt man sich die wun­derlichsten Details. In der Schütt haben die Ju- surgenten Nyarosd verlassen, und sich bis Megyer zurückgezogen. Ein Theil der f. k. Truppen steht bei Bös. Nyarosd bildet den Mittelpunkt der einander gegenüberstehenden Heere und scheint das vorläufige Ziel der Bestrebungen beider zu sein. In Pest ist der Verkehr in Waaren ziemlich lebhaft, jedoch muß Alles zu dreifachen Preisen bezahlt werden. Nicht zu erschwingende Preise stellen die Handwerker, da Mangel an Arbeitern ist, denn alle Kräfte werden von der Negierung theils als Soldaten, theils zu Lieferungen requirirt.

Wien, 15. Juni. Bems Hauptquartier befindet sich bei den Herkulesbädern in Mehadia; doch dürfte er sich weiter bald in das Innere des Laudes zurück- ziehen, da General Lüders mit 40,000 Mann Russen gegen Orsopa im Anzuge ist. (?)

Die Magyaren scheinen die Waaglinie hartnäckig behaupten zu wollen. Bei Leutschau verrammeln sie alle Pässe, um das Heranrücken des Generals Saß zu verhindern.

Wie verlautet, hat Kossuth nach seinem Einzuge in Pesth die Erbauung eines prachtvollen Juvaliden- Hauses, die Umgestaltung der Margarethen-Insel in einen großartigen Volksgarten, die alsogleiche Anlegung eines Canals zur Verhinderung von Ueberschwemmun- gcn, eines großen Hafens und Docks zur Sicherung der Schiffe und die Angriffnahme der Eisenbahn von Szolnok nach Arad und Debreczin angeordnet. (N.O.Z.)

Von der galizisch-schlesischen Grenze, 10. Juni. (C. Bl. a. D.) Der größte Theil der im Wadowicer Kreise im Lager gelegenen Truppen hat die ungarische Grenze schon überschritten. Von den 68,000* Russen,

den beiden Lagern Jordanow und Misleuice Uttter-

. ^en, sind die ersteren über Neumarkt nach llugaln gezogen und ihre Vorposten waren schon vor faßt 26 000 Ä '" ®Ä Das Lager von Misleuice Mn^ ^ erstreckt sich bis Bochum und 1 U binnen Kurzem noch weiter ausgedehnt werden, b.pff bombten und 7ten und 6000 Mann ; . ' * f Bochum und Umgebung erwartite, General Statz, aus dem Tscherkessenkriea bekannt, befindet sich gleichfalls schon ai f'iui.w Boden. Von k. k. Truppen si.Z ti Ä (MtrgSfreife ganz entblöst; sie wurden vi?llicht m.t Ausnahme von einem Bataillon Fürstenwärther^n- Anteile, welches zur Deckung eines Magazins von Neumarkt beordert worden, alle nach Ungarn diriqirt Von den eigentlichen Operationen hört man nichts doch muffen Vorposteugefechte schon fhttgefimoen haben' Du die Macfen zeitweise gefangene Magyaren nach Krackau eskortiren. Vorgestern soll ein Ungarischer Genera! nach Wodowice als Gefangener eingebracht und von da nach Krackau geschickt worden sein. Ueber- all wo russische Truppen sind, versehen sie den Gar- ulsous- sind Escortedieust; so in Bochum, in Wado- wme und Seypusch. In dem letzten Orte feierte so­gar die dort befindliche Kosackenschwadron das Frohn- leichuamsfest, wiewohl dieses nach griechischem Ritus erst auf den 19. d. M. fällt. Sie begingen Den üb- li^en Umgang und machten während des Gottesdien­stes das übliche Spalier. Die Grenzstadt Biala, wel­che um 12. ihre Garnison verliert, soll eine russische Besatzung von 1000 Mann erhalten; auch nach Bielitz soll eine russische Garnison verlegt werden. Der Pre- rauer, Hradischer und Teschuer Kreis werden, wie Pri­vatbriefe versichern, als die dem ungarischen Kriegs­schauplätze zunächst gelegenen Gebietstheile, in Be- lagcrungszustaud versetzt. Kommt diese Maßregel zur Wirklichkeit, so dürfte der kürzlich eingerisseue Waffen- und Personenschmuggel Nach Ungarn die Veranlassung .dazu gewesen sein. Ju den Grenzorten Bistrai und Ustroo wurden letzter Tage bei 40 Individuen ver­schiedener Nationalität, Deutsche, Polen, Schlesier ja einmal auch drei preußische Artilleristen angehalten und verhaftet, welche zur ungarischen Armee übergehen wollten.

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Nach Berichten aus Trapezunt, welche dasJournal de Constautinopel" vom 24. Mai bringt, haben die Tscherkessen einen bedeutenden Sieg erfochten. An der Küste des schwarzen Meeres, zwischen Anapa und Son- Hunkala, liegt die wichtige russische Veste Sotcha (die auf Karten Mamai genannt wird), welche als Waffen- und Muuitionsentrepot den Russen dient. Gegen Ende Aprill griff ein Corps Cirkassier von 12,000 Mann unter Ibrahim Rarabatir unvermuteter Weise die blos von 3600 Russen besetzte Festung an nnd be­mächtigte sich ihrer, bevor die Besatzung an Verthei­digung denken konnte. Der dritte Theil der Russen wurde nicdergehaueii, die übrigen besonders alle Offi­ziere, wurden als Gefangene zur Airswechselung zurück­gehalten. Die Tscherkessen räumten aber wieder den Platz, nachdem sic alle Waffen und Munition und 160 Kanonen mit fortgeschleppt hatten. Ein Corps des General Nestoroff, das zweimal den Versuch machte, nach Bessarabien zu maschiren, um in der Moldau die nach der Bukowina bestimmten Truppen zu ersetzen, mußte zweimal nach Tiflis zurück, da die Tscherkessen ihn; den Weg gesperrt.

Republik Frankreich.

Paris, 17. Juni. (Mz. Z.) Der Minister des Innern schreibt im heutigen Moniteur 35 neue Wah­len für den 8. Juli aus. Auf Paris fallen allein 11 Neuwahlen, da Ledru-Nollin, Murat, Lamorciere, Dufaure, Passy, Pyat, Birio, Barrot, Bac, Cavaignac ttttv Rogce (Nord) durch das Loos oder Option" für andere Departement bestimmt sind.

Erst heute veröffentlichen die Morgeujournale ein von Dufaure kontrafiguirtes Dekret des Präfiveuten Bonaparte vom 13. Juni, das 1) die deforme, ,2) Peuple, 3) Revolution, 4) Democratie pacifique, 5) Völkertribüne und 6) vraie Republique suspendirt und dem General Changarnier befiehlt, die Verlagsbureau dieser Journale militärisch zu besetzen. Wie es scheint, wurde dieser Beschluß den Interessenten erst gestern Abend eittgkhändigt; denn der National fragt gestern das Ministerium sehr naiv, waruin der Präfekt von Paris dieses Dekret drei Tage in der Tasche getragen?

Ein Armeebefehl macht dem ganzen Heere bekannt, daß die legislative Versammlung in ihrer Sitzung vom 15. Juni dem General Chaugarttier als Retter des Vaterlandes ein Dankesvotum abgestattet habe.

Die Cholera nimmt bedeutend ab. Die Bewegung der letzten Tage hat das Blut in Cirkulation gebracht. In den Kirchen finden noch immer Gebete gegen den asiatischen Gast statt.

Die Verhaftungen, Haussuchungen und Auswei­sungen dauern fort. Alle Personen, die mit Lcvrn- Rollin verkehrten oder seit geraumer Zeit auf rein schwarzen Register standen, werden von dem Arine der Staatsanwaltschaft erreicht und sogar aus den; Bette herausgeholt, um vor den Untersuchungsrichter gestellt zu werden.

Der Arm der Polizei hat sich selbst auf die Glie­der der republikanisch-rheinisch-deutschen Gesandtschaft