„âeiheit und Recht!"
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Wiesbaden. Dienstags 19, Juni
1859
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Der Kampf gegen Baden und die baierische Pfalz.
y Mainz, 17. Juni, 10 Uhr Morgens. Aus gestern Abend und heute Morgen hier angekommenen Nachrichten aus Baden und der Pfalz theile ich Ihnen folgendes Zuverlässige mit: Der Kampf bei Ludwigshafen war ein im höchsten Grad erbitterter, vonseiten der Badenser ein heldenmüthiger. Nachdem die Badenser nach einer äußerst heldcumüthigen Vertheidigung des Brückenkopfes sich zurückgezogen und zwei abgefahrene Brückenjoche gut verbarrikadirt hatten, sollte von Seiten des Feindes die Beschießung Mann- heims erfolgen. Die Geschütze der Badenser waren indeß so gut bedient, daß bald der größte Theil der feindlichen Geschütze demontirt war. Eine Kugel dc- montirtc eine feindliche Kanone, zerschmetterte dem eben mit Richtung der Kanone beschäftigten Kanonier den Kopf und tödtete noch zwei andere Kanoniere. Auf Seiten der Badenser waren 150 Todte ; der Verlust des Feindes soll indeß ungleich größer gewesen sein. Die Mecklenburger sollen sehr gelitten haben. Nach einem mehrstündigen heißen Kampfe zog sich der Feind aus Ludwigshafen zurück, pemolirte die Eisenbahn und schoß einige Häuser in Brand. Fortwährend kommen Transporte verwundeter Soloaten und Pferde hier an. - Anders stehen die Sachen in der Pfalz. Nirgends Vertheidigungsmaßregeln, mr- gends hartnäckiger Widerstand. Ueber das Gefecht bei Kirchheimbolanden folgende Einzelheiten: Schon eine Stunde vorher, als die obersten Führer der 400 Mann starken Freischaar den Anmarsch von 9000 Mann Preußen erfuhren machten sich erstere aus dem Staube und ließen ihre Soldaten im Stich. Von dlesen erboten sich 30 beherzte Männer sich in dem Schloß- garten zu verbarrikadiren und so den Rückzug der Schaar zu decken, was auch vollkommen gelang. Von den 30 Helden entkamen nur vier durch List, zehn wurden gefangen, sechszehn blieben auf dem Platze. Unter Letzteren ein Mainzer und ein Frankfurter. — Gestern erschoß sich hier ein preußischer Unteroffizier, weil man bei demselben Civilkleider gefunden, vermittelst deren er desertiren wollte. Aehnliche Desertionen kommen hier in neuerer Zeit mehrere vor. Nach soeben einlausenden Nachrichten hat sich in dem Kampf bei Ladenburg Metternich mit seiner Schaar besonders ausgezeichnet. Er fiel durch eine geschickte Beweguug dem Feinde in den Rücken und brachte ihm bedeutenden Schaden bei.
Mainz, 17. Juni. (Mz. Ztg.) Von dem Kriegsschauplätze aus Baden find uns bis jetzt noch keine zuverlässigen Berichte zugekommen. Doch geht ein nicht aerobe der Glaubwürdigkeit durchaus entbehrendes Gerücht, daß die fürstlichen Truppen vor Mannheim bedeutende Verluste erlitten und bis zur Bergstraße zurückgetrieben worden seien. Ein Augenzeuge versichert, daß der Kampfplatz soweit sein Auge gereicht, mit Todten und Verwundeten bedeckt gewesen sein.
Frankfurt, 17. Juni. Ueber die Affaire bei Ladenburg schreibt das Fr. J. circuliren hier verschiedene Gerüchte, wovon wir, jedoch ohne sie zu verbürgen, unsern Lesern einige mittheilen. Vorgestern wollten sich die mecklenburgischen Truppen eine Bahn über die Brücke bei Ladenburg brechen, wurden aber von den Freischaaren mit bedeutendem Verluste zuruck- aeschlaqen und Ladenburg soll wieder von den Frel- schaaren besetzt sein. Gestern sollen die Reichstruppen sogar einige Kanonen verloren und bis Heppenheim zurückgcschlagcn worden sein. Bei diesem Kampfe soll der Generalstab in großer Gefahr gewesen sein, gefangen zu werden. Thatsache ist, daß gestern Mitag um 2Vz Uhr ein Flügeladjutant des Großherzogs von Darmstadt mit einem Ertrazug hier ankam; ferner traf der 4 Uhrzug von Darmstadt erst um 672 Uhr hier ein und werden auch keine Personen mehr be
fördert. ,
Dasselbe Blatt läßt sich aus Darmstadt, 16. Ium berichten: Vom Kriegsschauplätze an der Bergstraße sind im Laufe des heutigen Tages schlimme Nachrichten eingetroffen, welche Nachmittags ihre volle Bestätigung erhielten durch die vielen Verwundeten, die auf der Eisenbahn hierher transportirt wurden. Unsere
^VS; E;SÄ h der Gegend M-.m entfommen. ®« Hesse» >En von den Un Großsachsm von badischem Lmienmilitär plötzlich I feigen verfolgt. Die Preußen sind durch mi|ci Al
Truppen wurden
von
angegriffen und aus mehreren Batterien (man spricht von 16 Stück Geschütz) anhaltend beschossen. Weder die Position der Unsrigen, noch die wenigen Feldstücke, die sie bei sich führten, soll ihnen erlaubt haben, gegen den bedeutend überlegenen Feind mit Nachdruck agiren zu können. Die feindlichen Kartätschenschüsse und Schrapnells erzählte einer der hier angekommenen Verwundeten, hätten den Hessen und Mecklenburgern arg sugefegt, und unter den Ersten seien es besonders zwei Bataillone vom dritten und vierten Infanterie- Regiment , welche schwer gelitten hätten. Die Verwundeten dieser beiden Bataillone, deren Zahl nicht gering angegeben wird, sind heute Nachmittags um 3 Uhr in dem hiesigen Bahnhöfe eingetroffen und in Omnibus, Droschken und auf Tragbahren in das Militärlazareth vorläufig geschafft worden ; womit die dazu verwendeten Kutscher und sonstige Mannschaft wenigstens 1 */2 Stunden beschäftigt waren. Groß war der Zulauf und die Theilnahme der Bevölkerung, welche auf die Trauerbotschaft schnell in Bewegung kam und der Nheinstraße hinab dem Bahnhöfe zu- ftrömte. Zu derselben Stunde erhielten die hier und in der Umgegend j Arheilgen und Langen) ciuquartier- ten Preußen eiligst Marsch-Ordres und schlugen sofort den Weg nach der Bergstraße ein. Das auf dem Lande einquartiert gewesene preußische Militär (1 Bataillon) marschirte um 5 Uhr hier durch. Auf heute Abend ist abermals preußische Einquartierung im Betrage von 2400 Mann angesagt worben. Für bic Kranken und Verwundeten des 1. und 2 gr. Hess. Infanterieregiments ist die ehem. Dragonerkaserne zu Bickenbach zum Lazareth bestimmt worden. Die heute von hier und aus der Gegend nach dem Kriegsschauplätze vorgerückten preußischen Truppenthcile sind Landwehr und scheinen — wenigstens nach dem Urtheile Einzelner zu schließen — von dem ihnen bevorstehenden Dampfe und der Sache, wofür sie fechten sollen, eben nicht sonderlich erbaut zu sein. Nachdem nun die Lage der Dinge auf dem Kriegstheater sich in der eben gemeldeten Weise gestaltet hat, dürfen wir in den nächstfolgenden Tagen wichtigeren Ereignissen entgegen sehen. — Mit einem späteren Bahnzuge sind ebenfalls Verwundete hier eingetroffen und einstweilen in dem Militärlazareth untcrgebracht worden. In dem zu diesem Zwecke gemietheten Doll'schen Wirthschaftslokal vor dem Rheinthor, werden in diesem Augenblicke die ersten Einrichtungen zur Aufnahme von Verwundeten und Kranken getroffen.
Die „Darmstädter Zeitung schreibt unter dem 1b. Juni: „Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz lauten noch unbestimmt und lassen sich nicht sichten. Gewiß ist, daß die Reichstruppen überall an die Neckarlune vorgedrungen sind, daß Weinheim, gestern Morgens noch von 3000 Badenser besetzt, von diesen sogleich geräumt wurde und in vergangener Nacht das Hauptquartier Peuckers und Schäffers war. Auf bic|em Zuge fiel kein Schuß, und wurden einige Freischärler zu Gefangenen gemacht. Oberst von Witzleben ging von Großsachsen nach Ladenburg, und nahm, wie es scheint, auch ohne sonderlichen Widerstand die ^tabt. General Wachter wandte sich von Virnheim aus gegen Käferthal und diese Heerlinie ist in ein ernstliches Gefecht verwickelt worden, aus welchem bereits gestern Rittmeister v. Jäger und 14 zum Theil leicht verwundete Chevaurlegers hierher gebracht worben; außer diesen gab es unsererseits zwei Todte. lieber den Aus- gang dieses Gefechtes, an welchem hauptsächlich das 2- gr. Jnf.-Negiment bttheiligt war, so wie über bic Angriffe auf der LadenburgerBrücke, wobei namentlich mecklenburgische Truppen im Feuer standen (31 Verwundete der letzteren wurden heute Morgens hierher transportirt, man spricht auch von 2 todten Offizieren), können wir in diesem Augenblicke noch keine genauere Auskunft geben und beschränken uns auf die Andeutung daß die um 5 Uhr hierher gelangte Depesche des Commandanten die bisherigen Erfolge als günstige bezeichnet.
Die Mannh. Abd.-Ztg. schreibt unter dem 16.:
Mannheim. Gestern Nachmittag ist hier folgende
Proklamation erschienen:
Bürger!
Das Dorf Käferthal ist soeben von den Unsrigen ohne Flintenschuß im Sturmschritt, mit dem Bajonette
genommen worden.
Hatten wir mehr Kavallerie gehabt, so wäre kein
tilleriefeuer gezwungen worden, Ludwigshafen wieder zu räumen. Sieg der gerechten Sache. Es lebe die Einheit, Freiheit Deutschlands!
Mannheim, 15. Juni 1849.
Im Auftrag des Obergenerals: Der Ci v il - C o m missär.
Trützschler.
Stichs, Schriftführer.
Die Stadt war am Abende festlich erleuchtet. Unsere Truppen sind voll besten Mnths, wir können unser gestriges Urtheil über ihre ausgezeichnete Haltung nur wiederholen; insbesondere heben wir das vierte Infanterie-Regiment und Artillerie von Linie und Volkswehr hervor. Das Gefecht am Rhein hat bis in den Abend gewährt. Mehrere Gebäude in Ludwigshafen sind ein Raub der Flammen geworden. Die Preußen haben das erste Feuer hineingeworfen, und so ihren Beruf des Städtezerstörens abermals erfüllt. In der Nacht wurde ihnen von Zeit zu Zeit eine Kngel gesandt; heute Morgen eröffnete sich wieder ein lebhaftes Feuer, das uns aber nicht den geringsten Schaden gethan hat, zugleich mit einem Angriff des Feindes auf der Neckarlinie. Auf beiden Seiten schweigt so eben 12 Uhr Mittags das Geschütz. — Bei Ladenburg ist gestern der Feind vorgedrungen; er wurde jedoch auf's Kräftigste zurückgeschlagen und verfolgt. Er verlor außer mehreren Soldaten drei Offiziere, darunter einen verrätherischen ehemaligen Ober-Lieutenant v. Roggenbach.
Wir haben nur 2 Todte und etwa 15 Verwundete zu beklagen. — Gestern Abend find Verstärkungen eingerückt. Unsere Frauen fertigen unausgesetzt Patronen und Charpie.
Frankfurt, 16. Juni. Die „N. D. Ztg." berichtet ferner: „Nach uns so eben zngehenden Berichten liegen in Kirchheimbolanden die Leichen der Bürger Nahe, Schwab, Scheidel, Schlosser Bohl und Paul Stumpf, sämmtlich aus Mainz, Wolff aus Oberingel- heim, Brotzler aus Frankfurt, Vogel aus Pfeddersheim; außerdem sechs durch Wunden unkenntliche Lci- ch.n, zusammen 15. Brotzler und Vogel wurden nachträglich erschossen; sie wollten sich ergeben, erhielten aber kein Pardon."
Der N. D. Z. entnehmen wir noch folgendes: Darmstadt, 16. Juni. Wenn Sie von Brand und Bombardement Mannheims und dem Vorrücken der „Reichstruppen" nach Karlsruhe hören, so heißt das zu Deutsch, daß die Hessen in einem Gefecht bei Kä- fernthal eine Stunde von Mannheim hierherzu, eine Schlappe erlitten haben und dieser Ort in Brand steht. Das ist die Maus aus dem Berg von Lügen, den wohlgesinnte Bürger aufbauen und weitertragen. Gestern Abend kamen gegen 20 verwundete hessische Chevaurlegers, darunter ein Rittmeister, mit der Eisenbahn hier an, während der Nacht sind noch mehrere Wagen voll Verwundeter gebracht worden, man spricht auch von vielen Todten. So verstehen die, Badenser das „Fortlaufen."
G e r ü ch t e melden noch Folgendes: Der Angriff sei nicht von den Reichstruppen erfolgt, sondern nur ein einzelnes Gefecht von hessischen Reitern habe gegen ein badisches Karree stattgefnnden (wofür die Art der Verwundungen spricht), ferner fei den Chevaurlegers weiß gemacht worden, sie wurden keinen Widerstand finden, weshalb sie sich tollkühn auf eine überlegene Zahl von Feinden geworfen, und bedeutenden Verlust erlitten hätten. Im Hauptquartier herrscht große Verwirrung; österreichische, preußische und kleinstaatliche Interessen laufen wild durcheinander. Die Herren scheinen sich um den Pelz zu streiten, ehe sie das Wild haben. Neuen Nachrichten zufolge, sollen die Badenser heute Morgen im Vorrücken begriffen sein, auch hört man von der Bergstraße her deutlich Kanonendonner. Jetzt rennt wieder alles nach der Eisenbahn da neue Verwundete kommen sollen.
Die „Frankf. Ztg." meldet den „Sturm" von Weinheim und Ladenburg, „welches wegen der Neckarbrücke wichtig ist." Details fehlen ihr; auch sagt sie nicht direkt, daß die Neckarbrücke genommen sei. Weinheim ist gar nicht vertheidigt.
Erbach, 16. Juni, 10 Uhr B-rmittaA â^ Gestern rückten von hier und Fürth circa 2 c Baiern und Kurhessen mit Mecklenburger $ über Beerfelden gegen Hirschhorn, um hrer "‘ Heilung Hanauer Turnerwehr, welche jedoch meiste s