Einzelbild herunterladen
 

Freiheit und Reeht!"

SfiRSMUSGSS*

Wiesbaden. Sonntag, 17 Juni

IM®

Dir Freie Zeilung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Ler Adonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 Er., auswärts A bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem

_ Die InserationSgebühren betragen für der vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

* Wiesbaden, 16. Juni. In Nr. 139 des nas- sauiswen Negierungsorgans vorn 14. juni findet sich In den Anzeigen einebescheidene Anfrage an die nas­sauische Regierung" folgenden Inhalts:Ware es nicht zweckmäßig, diejenigen Staatsbeamten, welche das Geschäft der Wühlerei betreiben (d. h. aber in ehrliches Deutsch übersetzt, welche nicht bei alten Maßregeln der Negierung den" unterwürfigen gehorsamen Diener ma­chen und welche das Interesse des.gesummten Volkes höher stellen, als das Interesse dieser oder jener Kaste) aus dem Dienste zu entfernen?" Für diese nieder­trächtige Anfrage eines elenden Denunzianten findet sich bereits in dem heute den 16. Juni ausgegebenen Verordnungsblatt Nr. 21. eine Antwort. 4- fiag- Hebe Verordnungsblatt theilt nämlich dem staunenden Lande mit:daß Hofgerichtspräsident Naht und Land- vberschultheiß Wenckenbach in Ruhestand versetzt worden seien und Amtsaccessist Müller 1L sogar des Dienstes entlassen worden.

- Träumen wir oder wachen wir? Haben wir je einen 4. März gehabt? Ist das der Lohn für die Männer, welche in der Kammer gerade am entschie­densten für des Volkes Rechte einstanden? Werben die jungen Staatsdiener die alten werden zum großen Theil niemals die Bedeutung eines freien öf­fentlichen Staatslebcns erfaßen durch solche Lim schüchterungsmaßregeln zu freien unabhängigen ^ie* nein des Volkes, oder nicht vielmehr zu unterthäin- gen Knechten einer kleinen, sehr kleinen Beamtenkaste im Staate erzogen? Glaubt das todesmutchge, hel- denkühne, ritterliche Ministerium sich dadurch im Ver­trauen des Volks etwa zu befestigen, daß es die Männer, auf welche das Volk mit Vertrauen und Zuversicht zu blicken gewohnt ist, aus dem Dienste des Staates, d. h. aus dem unmittelbaren Dienste für das Volk entfernt? , ,

Beugen aber werden diese ministeriellen Maßregeln den Muth unb die Ueberzeugung jener betroffenen Männer sicher nicht; im Gegentheil, sie werden die Thatkraft derselben nur mehr wappnen und stählen.

Und in der That, was bedeuten alle diese kleinli­chen Maßregeln eines großen Ministeriums, dein miß­fällig zu werden wir für eine Ehre halten? Wir wiederholen: wenn man in Viaffau fortfährt auf bei Bahn des Rückschritts vorzugehen, so werden manche Herren in Kurzem vor sich selbst erschrecken, weil ste mehr als selbst die feurigsten Demokraten der De­mokratie zum endlichen, glorreichen Siege verholfen

<3: Wiesbaden, 16. Junl. Gestern wurden wieder zwei Haussuchungen in der Wohnung des Redakteurs dieses Blattes vorgenommen. Die eine ging von dem Polizeiamt, die andere vom Criminalgericht selbst aus. Das Polizeiamt suchte nach dem Manuskript des Auf­rufsan das Nassauische Volk" in Nro. 141 der Freien Zeitung, fand aber nichts; das LriminaH gericht suchte nach Manuskripten, durch deren Abdruck die 17 Preßprozesse veranlaßt sind, fand aber ebenfalls nichts.

0 Hadamar, 12. Juni. (Katzenmusikalische Nachklänge.) So verbraucht und außer Cours auch immerhin seit vorigem Jahre die disharmonischen Töne erscheinen mögen, durch welche man in herzzerreißen­der Manier den Freunden des alten Zopfs seine Auf­merksamkeit auf ihr jammervolles Thun und Treiben an stillen Abenden au den Tag legte: so sind dieselben doch hier noch nicht verklungen, und der gestrige Abend versetzte uns durch die gelungene Produktion einer katzeumusikalischen Serenade noch einmal in die Blu­thenzeit dieser nächtlichen Volksdemoustrationen. Unser Abgeordneter, Herr Seminardirektor B-, den wir in den eingetretenen Landtagsferien mit seinem neuen Dienste vollauf beschäftigt glaubten, schenkte nämlich unserer Stadt die Ehre seines Besuches. Diese ^Y»n- pathie für die hiesige Einwohnerschaft, die ihm so viele Beweise ihrer Anhänglichkeit gegeben hat, ver­diente eine laute und öffentliche Anerkennung, und die Remiscenzen, welche sich an seine Person knüpften, erlaubten es nicht, seinen Aufenthalt zu ignoriren. Man glaubte ihm um so weniger die gebührende Aufmerk­samkeit versagen zu dürfen, da er gerade eine Zeit zu seinem Besuche gewählt hatte, wo man sich links und rechts die Köpfe zerbricht, wer statt des ausge­tretenen Deptttirten Siebert zu wählen sein dürfte.

Ein Mann, wie B., der sich jüngst bei der Wahl des Deputirten R. schriftlich urd mündlich so große Ver­dienste erworben hat, wird, so dachte man, wohl auch diesmal guten Rath wissen, und wenn auch die geistes­verwandten Piusfreunde sicherlich 'bereits ihren Mann in petto haben, so muß doch schon die Theilnahme und die gute Absicht für die Kammer und das Wohl des Landes anerkannt und gefeiert werden. Von sol­chen Gedanken, deren Richtigkeit wir dahin gestellt lassen, beseelt, wurde denn in aller Eile unter den Fenstern unseres Hochverdienten Deputaten auf den verschiedenartigsten Instrumenten ein sonores Ständchen improvisirt. Daß es seine Wirkung nicht verfehlte, geht daraus hervor, daß die -Hausbewohner und ihr Gast sich andern Tags um die Ehre stritten: wem es eigentlich gegolten habe. Wie kritisch übrigens für uns der gegenwärtige Moment und zu welcher gele­genen Zelt Hr. B. hierher gekommen ist, ersehen Sie daraus, daß am verflossenen Sonntag in den 6 Be­zirkslokalen unserer Stadt wegen Mangel an Urwah­lern keine Wachmänner gewählt werden konnten. Eine Wiederholung dieses Akts wird ohne Zweifel dasselbe Resultat liefern, weil man zu der Weisheit und Einig­keit des Piusvereins und seines Anhang das feste Ver­trauen hat, daß derselbe jeden Mann von In­telligenz und Gesinnungstüchtigkeit in der Wahlurne erdrückt. In dieser gegründeten und zuversichtlichen Unterstellung enthalten sich diejenigen, welche nicht zu dieser Partei gehören, da sie gewiß sind, überstimmt zu werden, alles Antheils an der Wahl, und über­lassen es gern dem Piusverein, der Zahl seiner Nullen noch eine beizufügen.

^ Aus Rheinhessen, 14 Juni. Das Ausscheiden

oder vielmehr die Ausweisung des Hru. Kilian aus dem Hessischen Ministerium, das einzige liberale Glied desselben, hat, namentlich auf die Rheinprovinz, einen großen Eindruck gemacht. Niemand verhehlt sich, daß mit der Entfernung dieses bei Hofe längst verhaßten Mannes der Anschluß Hessens an den Sonderbund der drei Könige und ihre oktroyirte Zwangsverfassung, dieses Monstrums von Freisinnigkeit und Hinterlist, eine Thatsache, daß damit aber auch Hessens Selbst­ständigkeit und Zukunft in Frage gestellt sei. Wenn irgend ein Mittel unsere politischen Halbheiten und Zweifler zur Entscheidung drängen konnte, so war es dieses; was nicht mit der bekannten hessischen Stock­blindheit geschlagen tritt hiermit der deutschen Ver­fassungspartei bei. Indeß erhebt der Absolutismus immer kühner das Haupt und legt seine frevelnde Hand an die heiligsten Rechte des Volkes. Kein Gesetz herrscht hier mehr, nur die brutale Gewalt. Wer die Hand erhebt zur Vertheidigung der von der Hessischen Re­gierung selbst anerkannten Reichsverfapung ist ein Verbrecher geworden, und die Steckbriefe wandern zu Dutzenden durch das Land; Zitz, Bamberger, Löhr rc., die gefeiertsten Namen Rheinhessens, hat dies Geschick bereits getroffen. Nicht minder ist die Presse bedroht: durch allerlei Einschüchterungsmaßregeln hofft man sie den Hessischen Zuständen ungefährlich zu machen. Kein Wunder, wenn derMainzer Zeitung", dem einzigen größeren politschen Organ des Landes, das energisch für unser Recht und unsere Freiheit in die Schranken tritt, seit einiger Zeit der Stachel ge­nommen ist. Belagerungszustand und Standrecht mit obligater Kartätschenbegleitung bilden noch unsere ein­zigen Errungenschaften. So weit ist es in dein kon­stitutionellen, verfassungstreuen Hessen gekommen. Dock- ist es Zeit, daß die Hessische Regierung die Maske abgeworfcn; es ist gut, daß sie uns offen feindlich ent­gegengetreten ist. Das Volk wird dadurch auch die letzte Hoffnung auf Darmstadt aufgeben und in näch­ster Zeit zu beweisen wissen, daß es für sein gutes Recht einzustehen bereit sei. Es hat seit anderhalb Jahren so viele Erfahrungen gemacht; sollte es sie nicht zu benutzen verstehenW--

CB. Mainz, 14. Juni. Die Truppenmärsche durch unsere Stadt sind seit einiger Zeit außerordentlich leb­haft. Kein Tag vergeht, an dem nicht solche statt- sinden. Die hiesige Besatzung ist eine sehr schwache, und dürfte auf ein Drittel ihres frühern Bestandes reduzirt sein. Es heißt übrigens, daß bedeutende Ver­stärkungen auf dem Wege seien. Das Dorf Nie­deringelheim, in dessen Nähe auf den Prinzen von Preußen geschossen wurde, ist in Belagerungszustand erklärt und entwaffnet worden!! Der wahrscheinliche

Urheber jener That, über welche übrigens gar viele Gerüchte gehen, ist gestern Abend hier eingebracht worden. Es heißt, der Erzherzog - Reichsverweser werde nächstens auf einige Zeit seinen Sitz hier neh­men, und es würden in dem hiesigen großh. Palais für ihn bereits Zimmer in Bereitschaft gesetzt. Der Großherzog von Baden hat vorgestern Mainz ver­laßen. Zur Ergänzung des Ausfalls an Hessischen Truppen durch Gefechte und Desertionen sollen näch­stens die Truppen-Rekruten der diesjährigen Ziehung einberufen werben. Bereits aber haben sich diese ge­weigert, und in einer hier stattgehabten Versammlung beschlossen, nicht zu marschiren.

Worms, 14. Juni. So eben erfahren wir, daß es heute Morgen bei Weinheim zu einem Gefecht zwischen Hessen und Badensern gekommen sei, bei dem das 4. hessische Infanterie-Regiment bedeutend gelitten haben soll. Die Badenser sollen ihre Grenze zwischen Mannheim und Heidelberg bedeutend verschanzt haben; Heidelberg soll fast uneinnehmbar sein. Heute Abend fand wieder ein kleines Gefecht zwischen den Preußen und der pfälzischen Volkswehr statt. Preußische Hu­saren sprengten eben in die Stadt, mit Tornistern und Gewehren, die sie den Freischaaren abgenommen haben. Es sollen wieder einige Freischärler gefangen genommen sein Es ist nicht recht, daß man die Kräfte in solchen Scharmützeln, die in der Sache keinen Aus­schlag geben, vergeudet; die Pfalz wird jeden Mann und jede Büchse gebrauchen können, die auf solche un­nütze Weise verloren gehen. Morgen wird der Prinz von Preußen hier erwartet. (Mz. Z.)

Worms, 15. Juni. (Frkf. Z.) Kirchheim-Bolan- den ist gestern von den Preußen besetzt worden; die Pfälzer ließen dem Vernehmen nach etwa 40 Todte auf dem Platze. Heute wird Kaiserslautern durch die von St. Wendel her eingerückten Preußen besetzt werden.

Kirchheimbolanden, 15. Juni. ZMainz.Z.) Nach dem Vorpostengefecht von Morschheim wurde eine zurück­gebliebene Schaar von Freischaaren (etwas 30), welche in dem Schloßgarten als Nachhut zurückgeblieben wa­ren, von den Preußen umzingelt nnb nach hartnäcki­gem Kampfe theils gefangen genommen, theils ge- tödtet. Kirchheimbolanden wurde hierauf von den Preußen eingenommen. Der Theil der Einwohner, der es, wie überall, mit dem Stärksten hält, hat die Preußen mit weißen Tüchern empfangen.

Alzei, 13. Juni. (Fr. I.) Gestern rückten etwa 6000 Mann preußische Truppen mit 6 Kanonen hier ein; sie zogen heute morgen weiter in der Richtung von Worms. Im Laufe des Tages werden wieder 8000 Mann erwartet. (Neuere Nachrichten berichten, daß die von Saarbrücken und von St. Wendel vor­gerückten preuß. Truppen bereits eine Poststation von Kaiserslautern, in Landstuhl stehen.) Bei dem Ad­vokaten Lehne wurde heute Haussuchung nach Corre- spondenzen, Scripturen re, in Untersuchungssachen ge­gen Blenker, Zitz und Consorten wegen Hoch- und Landesverrats borgenommen! Die Reaktion wird es jetzt versuchen, auch auf gerichtlichem Wege mit allem Glanze aufzu treten.

Frankfurt, 15. Juni. Nach den uns gestern Abend direkt zugekommenen Nachrichten stationirt das Frank­furter Linien-Bataillon in diesem Augenblick zu Fürth im Odenwald.

Heppenheim, 15. Juni. (Fr. Z.) Gestern sollten die Reichstruppen über die Grenze gehen, im Moment des Aufbruches kam aber ein Befehl von Darmstadt, kraft dessen die Hessen abzuwarten haben, bis die Preußen angekommen seien; es wird dadurch die Nach­richt bestätigt, daß sich auch der Großherzog von Darm­stadt den Preußen in die Arme geworfen hat.

Karlsruhe, 12. Juni. (Mz. Z.) [4. Sitzung des konst. Landtags^ Interpellation Mördes wegen der Ansprache Erzherzog Johann's an das ba­dische Volk. Brentano antwortete, daß die Regierung noch keine amtliche Kenntniß davon erhalten habe. Als seine Privatmeinung spreche er aber aus, daß er keinen Erzherzog Reichsverweser mehr kenne, da ihn die Nationalversammlung seines Amtes entsetzt habe. Auf Antrag von Mördes wurde sodann eine Koinmls- sion ernannt, welche sich mit Abfassung einer Ant­wort auf jene Ansprache befassen solle. Hieraus Ge­richt des Justizministers Peters über d-e ^ustizverhalt-