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Freiheit nnd Neeht!"

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Wiesbaden. Freitag- 13 Juni

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der AdonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr, auswärts vurch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sino bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge Die Ziiserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

An das nassauische Volk!

Der zu Idstein am 10. d. Mts. eiskaltene Lan- descongreß hat zur Durchführnug der von demselben gefaßten Beschlüsse eine aus sieben Mitgliedern bestehende Commission gewählt unter dem Namen Land es aus schuß, dessen Aufgabe es nunmehr ist, die Mittel und Wege zu veröffentlichen, welche er zur Ausführung der Beschlüsse für geeignet erachtet.

Auf die von tem Congreß gestellten, dem Herzog überbrachten Forderungen hat das Ministerium durch Bekanntmachung vom 12. L Mts. eine Antwort er­theilt, wie sie nach dem der Deputation gewordenen Empfang und der mündlichen Aeußerung des Herzogs zu erwarten stand. Dieselbe ist bezüglich aller Punkte als entschieden ablehnend zu betrachten.

Die Regierung verleugnet die Nationalsouveränität und die von der deutschen Nationalversammlung end- giltig beschlossene von ihr selbst feierlich anerkannte, von Militär, Beamten und Bürgerwehr beschworene Reichsverfaffung, indem sie sich Aenderungen an der letzteren, die je nach Umständen zu dem Bundestag zurülkführen werden, ausdrücklich Vorbehalt.

Sie kündigt einseitig der von ihr wiederholt und feierlich anerkannten deutschen Nationalversammlung und der von dieser eingesetzten Centralgewalt den Ge­horsam auf und tritt dadurch in offenen Ungehorsam gegen das Reich.

In dem Augenblick, in dem sich die Geschicke Deutschlands entscheiden, wo überdies das ganze Land von der Kammer eine erhöhte Thätigkeit erwartet, um dem Lande endlich eine Berfassung zu geben, die Or­ganisation der Verwaltung zu vollenden, die Verhält­nisse der Domänen und die Civil liste festzustellen, in dem Angenblicke, in dem dies Alles vollständig vor­bereitet ist und seiner Vollendung harrt, in diesem entscheidenden Augenblicke wagt es die Regierung, die Kammer ohne Angabe eines Grundes, und sogar gegen ten am 26 April l. J. ausgesprochenen Willen der Nationalversammlung, auf weitere Vier- Wochen zu vertagen.

Die Stellung der dermaligen Regierung ist dadurch hinlänglich bezeichnet.

Wir schlagen unter den dermaligen Umständen fol­gende Maßregeln vor:

1) in der Treue und dem Gehorsam gegen die Reichsversassung, die deutsche Nationalversamm- lung und die von ihr eingesetzte Reichsgewalt nuwaudelbar 511 beharren.

2) die Kammer und die einzelnen Abgeordneten auf- zufordern, dem dermaligen Ministerium, so lange es sich nicht entschieden von den ausgesprochenen Grundsätzen lossagt, und namentlich nicht zum Ge­horsam gegen das Reich zurückkehrt, außer den verwilligten nnv bereits angeforderten zwei ersten Simpeln, keine weiteren Steuern zu verwilligen;

3) die einzelnen Abgeordneten, welche diesen Weg der Pflicht nicht betreten zu wollen erklären oder erklärt haben, entschieden aufzufordern, ihr Man­dat in die Hände ihrer Wähler zurückzugeben, damit dasselbe in dieser bedrohlichen Lage des Va­terlandes thatkräftigeren Männern übertragen werden kann;

4) keiner der Reichsversassung entgegenlaufenden Verfügung irgend einer Behörde Folge zu leisten;

5) keine von der Kammer nicht verwilligten Steuern, wenn solche etwa ausgeschrieben wer­den sollten, zu entrichten.

Diese Vorschläge halten sich innerhalb der Schran­ken des Gesetzes, sichern uns aber bei beharrlicher D n r ch h ru ng vollständigen Erfolg.

Schließlich bemerken wir, daß wir der National­versammlung die Beschlüsse des Idsteiner Congrefses zur Kenntniß gebracht und dieFreie Zeitung" als Organ für weitere Mittheiluugen gewählt haben.

W i es baden,, den 13. Juni 1849.

Justi Lang. Müller II. Naht.

Snell. Wenckendach.

Deutschland.

* Wiesbaden, 14. Juni Gestern wurde hier Bür­ger Schapper verhaftet. Der specielle Grund die­ser Verhaftung ist uns derzeit noch unbekannt.

Bei dem Redakteur dieses Blattes und dem Ab­geordneten Müller II. wurde gesternin der Un- tersuchungssache wegen der bet der Volksversammlung zu Idstein am 9. und IO. Juni 1849 vorgefallenen Verbrechen gegen die Sicherheit des Staats (.!!!)" eine Haussuchung von dem hiesigen Polizeiamt nach Scripturen, welche sich auf die Beschlüsse der Idsteiner Versammlung beziehen, vorgenommen.

Die Herren von der Polizei fanden jedoch nur das Protocoll vor, welches in Nr. 138 derFreien Zeitung" wörtlich abgedruckt worden ist. Die Herren mögen in Gottes Namen immerzu inquiriren. Keine Versamm­lung hat vielleicht jemals rechtlichere Brschlüsse gefaßt, als die Idsteiner vom 10. Juni. Die Theilnchmcr an dieser Versammlung werden daher mit der größten Gemüthsruhe der obschwebeudcn Untersuchung entge- gcnsehen und der Erfolg der letzten wird beweisen, daß wieder einmal viel Zeit und Papier umsonst ver­braucht wurde.

X X Höchst. In den letzten Nummern derNas­sauischen Allgemeinen^führt ein Correspondent unter unterm an, daß in den Orten Höchst und Höfheim stark krawallisirt werde, daß man insbesondere in Höchst am Frohnleichnamstage einen Putsch beabsichtigt habe und daß Dr. Dronke in Hattersheim wegen auf­wieglerischer Reden verhaftet worden sei.

Der Ausdruck Krawallisiren ist schwerlich der Gram­matik von Adelung entnommen, scheint vielmehr eine Selbstersindung des oder der im Schöpfen und Er­denken sehr erfinderischen Correspondenten obiger Zei­tung zu sein. Soll dieser Ausdruck bedeuten, daß in Höchst und Hofheim die Ruhe störende Auftritte un- ternommen würden, oder zu befürchten seien, so ist das eine Unwahrheit Eine weitere ebenso lächerliche Unwahrheit ist es, daß am Frohnleichnamstage zu Höchst ein Putsch beabsichtigt worden sei; daran hat zu Höchst Niemand gedacht. Endlich ist es gänzlich unwahr, daß Dr. Dronke zu Hattersheim wegen auf­wieglerischer Reden verhaftet worden sei. Nach Ver­sicherung von Augenzeugen hat Dronke nichts der Art gethan, wohl aber zog er seinen Stockdegen, vom Rechte der Nothwehr Gebrauch machend, nachdem er von einem Wirthe zu Hattersheim aus keinem weiteren Grunde vor das Wirthshaus gebracht und mit einem Fußtritte versehen worden war, als weil er sich eines im Wirthshause gröblich insultirten Gymnasialbeamten angenommen hatte.

Wie bemerkt, zog Dronke nach der Erzählung von Augenzeugen seinen Stockdegen, nachdem sein Verfolger ihm einen Tritt versetzte, und wurde durchkurhessisches Militär ohne allen Grund und ohne alles Recht ver­haftet, aber auch, nachdem das Höchster Gericht den Thatbestand untersucht, sofort auf freien Fuß gesetzt. Indem wir die vorerwähnten Unwahrheiten im Inte­resse der Wahrheit berichtigen, wünschen wir, daß die Nassauische Allgemeine" mit Aufnahme solcher Artikel in Zukunft vorsichtiger sein möge.

ck AuS dem Oberamt Meissenheim, 11.3nm. Die Verfahrungsart des jetzigen Landgrafen Ferdinand in der deutschen Sache, bewog uns einen Blick auf die Geschichte des landgräslichen HauseS zu werfen. Wir fanden, daß der jetzige Fürst der einzige ist, den der gerechte Vorwurf der Undankbarkeit trifft.

Heldeninnth mit redlichem Worthalten gepaart, waren die Grundzüge seiner Ahnen, wie seiner Brü­der. Friedrich III , gestorben 1746, hatte den Nie­derlanden gute Dienste geleistet, und als ihm die Ge­neralstaaten dafür danken wollten, erwiederte er: Mein Leben ist dem Ruhme der Republik gewidmet!" Friedr ich V., der Vater des jetzi­gen Fürsten, gestorben 1820, antwortete stets bei Ein­reden seiner Räthe:Ich hab's versprochen!" und hielt Wort. Keiner seiner Söhne durfte in französische Kriegsdienste treten, so daß Napoleon immer abgewie­sen ansrief:Je trouve partout un llombourg!" Vier seiner Söhne, worunter auch der regierende Fürst, nahmen Kriegsdienste bei Oesterreich, das ihm 1816 die volle Souveränetät wieder erwarb, und gelangten zu den höchsten militärischen Würden. Der Reihe nach Landgrafen geworden, fanden sie, sobald die amtlichen Landesochsen am Berge hielten, bei den kaiserlichen

höchsten Behörden, Gesandtschaften, stets ein bereit­williges Gehör. Da schlug die Stunde der Revolu­tion und mit ihr fiel der Fürst von Oesterreich ab. Oesterreich gab nur geistige Hülfe, Preußen schenkte 200 Gewehre - und da man sich lieber auf Ge­wehre, als auf ten Geist stützt, legte man die Lanze für Preußen ein. Das Andenken an die von Oester­reich empfangenen Wohlthaten und Würden wurde abgeschüttelt, weil man durch Preußens Säbelregiment die Aufrechthaltung des Höllenspiels (das beiläufig gesagt Homburg zum S 0 d 0 m stempelt) wodurch man 30 pCt. und einen hübschen Pacht einstreichen kann, hoffen durfte. Der Fürst umgeben von seinem Beamtentroß und einer kleinen Anzahl Residenzeinwoh- ner wollen dem ganzen Lande die preußische Verfas­sung auforangen , Ote Oesterreich von Dentsch- l and ausschließt! Der Landgraf ist sowohl der schwärzesten Undankbarkeit gegen Oesterreich, wie des Nichtworthaltens gegen sein Volk zu beschuldigen. Aber wozu staunen im Angesichte der Beweggründe? wozu staunen, wenn man bedenkt, daß Behörden des Landes ungestraft gegen die längst bestehen­den Gesetze fehlen, wenn man bedenkt, daß man eher einen rechtlichen Bürger zu stürzen als einer fei­len Dirne den Aufenthalt in der Stadt zu wehren sucht? Nein, schmerzlich müssen wir bedauern, daß die Gallerie der Helvensöhne unseres Stammhauses mit einem undankbaren Menschen schließt, daß der Griffel der Geschichte zur Aufzeichnung solcher Thaten gespitzt werden muß.

Mainz, 12. Juni. (Mz. Z.) Die gemäß Be­schlusses der Anklagekammer eingeleitete Untersuchung gegen die Bürger Zitz, Bamberger, Löhr und Consor- ten wegenHoch- und Landesverraths," mit deren Führung der Gr. Obergerichtsrath Schmitt betraut worden, scheint von heute an mit Energie betrieben zu werden. Heute Morgen fanden Haussuchungen bei den Bürgern Zabern, Eigenthümer der Mainzer Zei­tung, Weinwirth Cathiau, Buchdruckereibesitzer Hel- lermann und den Gerichtsaccessisten Oechsner und Buhrmann dahier statt. Von hier begab sich eine Untersuchungscommission noch heute Morgen nach Oberingelheim, um daselbst gleichfalls Haussuchungen vorzunehmen. Die Herren zogen dahier, ohne auch nur das mindeste Compormittirende gefunden zu ha­ben, indem sie meist einige unschuldige Papiere Mit­nahmen, wieder ab. Das Publikum wird sich bei diesen offenbar zum Theil auf Einschüchterung berech­neten Maßregeln nicht in Unruhe versetzen lassen. Wer sich eines Verbrechens bewußt ist, mag sich fürchten; wer sich im Rechte fühlt, braucht nicht zu verzagen. Jedenfalls wird in dem bewußten, ent­schlossenen Wollen unserer Bürger jeder Versuch schei­tern, den Kampf für Verfassung und Recht als ein Verbrechen darzustellen.

Mainz, 14. Juni. Gestern haben die preußischen Truppentrasporte auf der Main-Neckarbahn mit dem 38. Regiments begonnen, da Peucker laut der D. Z. dringend gewünscht hat, daß seinem Korps auch wenig­stens ein preußisches Regiment beigegeben würde. Sehr charakteristisch für das Vertrauen des Generals in die übrigen ihm untergebenen Truppen! Das Frankfurter Linienbataillon hat sich transportiren lassen, nachdem die 150 sich darunter befindlichen Badenser den Ab­schied erhalten hatten, weil sie nicht gegen ihre Brü­der schießen wollten. Peucker, der sein Hauptquartier in Zwingenberg hat, will erst angreifen, wenn die Baiern sich dem in Fürth stehenden linken Flügel des Operationskorps angeschlossen haben, was, wie Fr. Ztg. hofft, heute vielleicht geschehen wird.

In Bensheim fmo vier badische Ueberläufer erschie­nen, welche laut der Frankfurter Zeitung erzählten, sie seien in Baden geblieben, um auf dieuntreuen" Trup­pen einzuwirken; doch jetzt sei alle ihre Hoffnung ver­schwunden,da die Freischaaren Alles terrorifirten". Die Frankfurter Zeitung setzt hinzu: es seien die drei Offiziere und ein Kriegsschüler; von den Offizieren seien zwei Majors und Bataillonskommandanten ge­wesen, darunter der Bruder des früheren Kriegsmini­sters Eichfeld ; gegen den einen Offizier sei bereits ein Haftbefehl erlassen gewesen. Man sieht, daß in Ba­den, wie früher in Ungarn, noch viele Elemente wir­ken, welche denTerrorismus" zu fürchten Grund haben. (M.Z.)

Worms, 13. Juni, Morgens 10 Uhr. (M. Z ) So eben rückt die Avantgarde vom preußischen 30,