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es, den ganzen Himmel Üverziehend, in einem furcht­bar prächtigen Aussehen, majestätisch ernst herangezogen, durcheilte alsdann, wie auf Sturmflügeln getragen, den weiten Luftraum. Nach allen Richtungen wurden Blitze auf Blitze geschleudert, denen fur^e krachende Donner folgten, und alle schöne Hoffnungen wur­den vernichtet, alle Mühen vergebens unternommen. Der Kern der blühenden, gesegneten Aulhauser Flur wurde durch einen furchtbaren Hagelschlag, durchmischt Wit wenigem Regen, größteutheils verheert. Das schreckliche Wetter währte von 1'/z Uhr bis 1 Uhr 40 Minuten. Das Blitzen und Donnern dauerte, mit wenigen kurzen Zwischenräumen, fort bis gegen Abend. ; Welche Verheerungen das Wetter in den benachbarten ' Fluren und Orten angerichtet hat, kann ich Ihnen nicht mittheilen. Eine Schilderung dieser enormen Schreckensscene wird mir ebenfalls erlassen werden; man muß selbst Augenzeuge sein, um sich eine Vor­stellung von dem schauderhaften Zustande unserer noch gestern Vormittag so blühenden Fluren machen zu können. Die meisten frei nach Nordwesten stehenden Fenster sind beschädigt. Es fielen Hagelkörner von der Dicke eines Hühnereies, die Mehrzahl hatte die Größe starker Flintenkugeln.

Mit begründeten Sorgen sehen wir bei der großen Armuth vieler unsrer Bürger einer sehr traurigen Zukunft entgegen.

L Aus dem Hessen - Homvurgischen, 10. Juni. Der altliberale Minister Jaup, dem im März v. J. dahier eine Serenade gebracht wurde, die er durch eine freisinnige Rede vom Fenster des Hessischen Hofes er­wiederte, wobei er auf die bereits vom Landgrafen bewilligten Forderungen des Landes feierlichst hinwies, sandte uns kurz darauf den Herrn Dr. Bansa aus Gießew, der von Sr. Durchlaucht zum Dirigenten der Landesverwaltung bestellt wurde. Auch dieser ließ eine freisinnige Ansprache überall ankleben und austheilen, die uns anGesetz und Ordnung" mahnte, damit auch alle vom Laudesfürsten so bereitwillig er­theilten Verheißungen ohne Störung ins Leben gerufen werden könnten! Die Ruhe ist bis jetzt nicht gestört worden und was wir bis jetzt erhiel­ten , ist in Rauch aufgegangen die Aecise-Angele- gcnheit ausgenommen! Der freisinnige Dr. Bansa läßt sichs bei seinem Gehalte von 3000 fl. wohl sein und gedenkt vielleicht noch, nach Absterben des Fürsten, zum Gouverneur der Provinz Homburg durch seinen Freund Jaup ernannt zu werden.

Doch die Rechnung ist falsch: herrscht auch in Homburg ein großer Partikulariömus, so wird doch das Land sich lieber mit Nassau verbinden, um mit dem demselben zur Durchführung der Reichsverfassung zu kämpfen, als des Höllenspiels wegen, unter Janp's Knuten- und Kartätschen-Herrschaft sich beugen. Das Oberamt wird sich wohl auch gegen die hessische Trau­ung erklären, die ihm unter den jetzigen Verhältnissen keinen Vortheil gewähren kann, und so sehen wir dem Augenblick entgegen, wo es und vergönnt sein wird, unsere Gesinnungstüchtigkeit mit der That zu beweisen.

Mainz, 9. Juni. (Fr. I.) Der Großherzog von Hessen ist heute Nachmittag gegen 2 Uhr wirklich hier kingetroffen; auch der Herzog von Nassau, der gestern schon hier war, befindet sich heute in unserer Stadt, und es scheint, daß die Großherzöge von Baden und Hessen, sowie der Herzog von Nassau ihre Angelegen­heiten gerade hier berathen wollen, wo sie vor der Hand ganz ungestört sind. Nach einer Mittheilung des hiesigenTagblattes" würde auch der König von Würtemberg erwartet, doch halten wir diese Nachricht vorläufig nur für ein Gerücht.

Mainz, 9. Juni. Soeben verbreitet sich hier das Gerücht, daß das nassauische Militär, welches an der Bergstraße steht, zu dem badischen Volksheere überge­gangen sei.

Das hier befindliche preußische Bataillon vom 30. und das 28. Regiment hat Ordre erhalten, heute früh noch nach Nierstein und Oppenheim zu marschi- ren. (Mz. Z.)

Frankfurt, 9. Juni. (N. D. Z.) Aus einem nachträglichen Briefe «Heidelberg den 6. Juni) über die Affäre bei Weinheim, welche am 5. Mor­gens statt hatte, ersehen wir, daß wir ganz Recht hatten, als wir sie für ein unbedeutendes Scharmützel erklärten, und daß die Darmstädtischen Berichte eben­so aufschneiderisch sind. als die Welden'scheu. Wein­heim war nur schwach besetzt durch 2 Compagnien und 1200 Mann Bürgerwehr von Heidelberg , Offen­burg und Lahr; es sollte dadurch gegen die Requisiti­onen von Lebensmitteln von Seiten der Heyen ge­schützt werden. Im Uebrigen sollte sich die Besatzung bei einem ernstlichen Angrtff zurückziehen. Am 5. früh rückten 3 Bataillone Hessen und Mecklenburger, 2 Schwadronen Chevaurlegers und 4 Geschütze von 3 t Selten an, und obgleich bald überfallen, faßten die Volkstruppen alsbald Posto, hielten den Feind gegen 3 Stunden auf und zogen sich dann in Ord­nung zurück. 9?ur einige Vorposten wurden abge­schnitten. Die vielen Todten, welche die hessischen Berichte den Badensern gaben, reduziren sich auf 9, darunter mehrere Heidelberger, ^Förster und Kohl- hagen. Sie wurden am 6. feierlich in Heidelberg be­graben; die Wagen trugen die Inschrift:Deutiche Helden, für die Freiheit gefallen!" Die Leichen waren nicht nur geplündert, sic wa­

ren auch verstümmelt. Die Erbitterung über die Rohheit der Hessen ist furchtbar; sie wird sich bei dem nächsten Zusammentreffen entladen; denn sse mußten bisjetzt Gelegenheit haben, sich von den Lügen der kontrerevolutionären Partei über bcn Charakter der badischen Bewegung zu überzeugen. Wie viel Todte und Verwundete die Hessen haben, läßt sich nicht er­mitteln; um es zu verheimlichen, brachten sie die Wagen für Todte und Verwundete gleich mit; viele Wagen kehrten beladen zurück. Die Hessen mißhan­delten und verwundeten viele Einwohner von Wein­heim. Der Oberst requirirte 12 Ohm Wein und 6000 Nationen Brod. Der Wein wurde beschafft und die berauschten Soldaten waren natürlich noch viel roher, als vorher.

Als das Brod zu beschaffen unmöglich war, drohte der Commandant mit Bombardement. Als Grund der Brandschatzung führte er an, daß Wein­heim seine eigenen Truppen ausgenommen habe!! Plötzlich ziehen vie Hessen, einen Ueberfall befürch­tend, wieder ab, nahmen aber 147 Gewehre der Bürgerwehr mit. (Das sind also die Gewehre, welche feierlich nach Darinstadt gebracht wurden, als badische von d e n S o l- baten weggeworfene Gewehre. D. R.) Au­ßerdem schleppten sie den Civikcommissär Herder mit sich, wofür die Badenser den Bürgermeister Münch von Birnheim aufhoben. In den Reihen der Hes­sen kämpften 2 badijche Offiziere Stengel und Da­vans; letzterer hat schriftlich sein Ehrenwort gegeben, nie gegen Baden zu kämpfen. Man wird sich die Herren morsen. Heer und Volkswehr sind vom besten Geiste beseelt und haben alles Vertrauen zu Sigel, der sie auf ihren Wunsch nach wie vor kom- mandirt. Die Hanauer Freischaar steht 2 Stunden von Heidelberg.

Frankfurt, 9. Juni. N. D. Z.) Vom Kriegs­schauplätze.) Allein Anscheine nach ist cs oben in der Bergstraße bis jetzt noch zu keinem Zusammentreffen gekommen. Das Volksheer hat Weinheim stark be­setzt und seine Vorposten sind bis Heppenheim vorge­schoben. Das Hauptquartier des Fürstenheers ist zu­rückverlegt, nach derMainz. Ztg." bis Darinstadt, vielleicht nur bis Bensheim. Gestern Abend ist von hier wieder ein knrhessisches Bataillon hinaufgeschickt. Jetzt wird der Angriff wieder verschoben nach wohl­gesinnten Blättern, die unerschöpflich in der Auffiu- durg von Gründen hierfür sind, bis ein baierisches Armeekorps hier eingerückt ist. (Woher?) Will denn das Volksheer zusehen, bis cs ganz umzingelt ist? Schon setzen sich die Massen bei Wetzlar in Bewe­gung. Auch hier und in der Umgegend in Friedberg, Nauheim zc. sind mehrere tausend Mann Preußen angesagt. Mögen die Führer des Volksheers nicht vergessen, daß der erste Ruf der Revolution Vor­wärts ist!

Das gestern von den hiesigen Zeitungen gegeben Gerücht von einem von Struve und Becker in Carls­ruhe versuchten Putsch und ihrer Verhaftung, scheint sich nach einem heutigen Berichte derO.-P -A.-Z." in folgendes einfache Faktum aufzulösen. Es hatte sich unter Struve's Präsidium einKlubb des ent­schiedenen Fortschritts" gebildet. Dieser stellte an die Regierung die Forderung, revolutionäre Maßregeln zu ergreifen. Diese mag etwas gezaudert haben; cs kam zu einer Demonstration. Ob die Regierung eine Verhaftung versucht hat, lassen wir dahin gestellt sein. Gewiß ist, wie wir schon gestern meldeten, daß sie alle Forderungen jenes Klubbs angenommen hat und daß die angeblich Revoltirten (Schweizer) mit Struve und Becker nach Heidelberg nach dein Kampfplatze ab­gegangen sind. Das Gerücht zerfiel in sich selbst; wie sollte Struve dazu kommen, die Regierung zu stür­zen, nachdem sie die Forderungen seines Klubbs an­genommen hatte?

Briefe und Zeitungen ans Karlsruhe sind uns wieder nicht zugegangen.

Frankfurt, 10. Juni. (F. I.) Heute früh um 7. Uhr sind die mecklenburgischen Dragoner, welche seit einigen Wochen hier casernirt worden, sammt Ar­tillerie und Bagage, so wie das zweite Bataillon des dritten kurhesfischen Infanterieregiments nach der Berg­straße abmarschiert. Wie man vernimmt werden diese Truppentheile hier durch Preußen ersetzt werden. Auch das 38. preuß. Infanterieregiment hat Befehl erhalten, sich zum alsbaldigen Ausmarsche bereit zu halten. Dem Vernehmen nach soll in und um Frankfurt ein Armeeeorps von 15 20,000 Mann in den nächsten Tagen zusammengezogen werden, um in der Eventua­lität nach den verschiedensten Richtungen verwendet werden zu können, sobald die Operationen gegen Baden begonnen haben.

Gießen, 8. Juni. Sicherm Vernehmen nach ha­ben preußische Trnppencorps, die von Eisenach eben­falls über Grünberg und Gießen nach Wetzlar gehen sollten, Ordre erhalten, in Eilmärschen von Grünberg gleich über Lich und Hungen nach Frankfurt zu gehen. Ebenfalls sollen die bei Wetzlar zusammengezogenen Truppen Befehl zum Aufbruch erhalten haben, und zum Theil schon aufgebrochen sein, sicher das 31. Li- nien-Jufanterie-Regiment, dessen hier zu einem Konzert anwesendes Musikcorps von hier gleich nach Friedberg, statt zurück nach Wetzlar ging. Demnach dürfte dao Einrücken der Preußen in Baden sehr nahe bevor- stehen. (Fr. I.)

Würzburg, 9. Juni. Heute Vormittag trafen 5 Bataillone Infanterie (1 Bataillon vom 5., 2 Ba­taillone vom 10. und 2 Bataillone vom 12. Regi­ment) und 1 Eskadron Cheveanrlegers hier ein, und wurden hier und in der Umgegend einquartirt. Sie verlassen morgen wieder die ètabt. Auch das Haupt­quartier wurde hierher verlegt und bleibt fünf Tage hier. (Würzb. Z.)

Stuttgart, 7. Juni. Wer auf der Hochwarte der Revolution steht, entfernt von den Klüften und dunklen Schluchten, über den drohenden Gewitterwol­ken erhaben, welche dem Kämpfer im Thale oft den Gesichtskreis verdüstern, dein mag das Ziel, die Sonne des Sieges schimmernd vor Augen stehen! Wer aber mitten im tobenden Gewühle der Leidenschaften, mit­ten in dem Todeskampfe zwischen dem guten und bö­sen Elemente sich den Boden Schritt vor Schritt erst erringen muß, der kann nicht immer so heitern Mu- thes sein. Denn wenn man sich zu der Erwartung berechtigt hält, daß derjenige Normalzustand des Vol­kes, den dessen größte Geister angestrebt, für welchen dessen edelste Männer ihr Blut vergossen, ihr Lebens­glück geopfert, auch ohne weiteres zur Verwirklichung kommen müsse, so wird man schmerzlich enttäuscht, wenn man sieht, daß jede vernünftige, jede humane Idee erst aller Poesie, erst aller ihrer Blüthen ent­kleidet wird, daß ihre edelsten Kräfte, ihre besten Strei­ter abgenützt werden, daß sie selbst so häufig der Spiel­ball der Unfähigkeit und Schlechtigkeit werden müssen, ehe sie verwirklicht ins Leben treten. Der Streiter in solchem harten Kampfe, sage ich, wird oft entmu- thigt; da aber erscheint plötzlich ein hoher Moment, an dem er seine Seele wieder stärkt, der ,einen Muth höher belebt, auf daß sein Arm neu und gewaltiger erstarkt dem Kampfe entgegenschwellt--Ein solcher Moment ist wie die Feuersäule des Moses, welche ein ganzes Volk dem Meere der Revolution weiter leitet, ein solcher Moment war der gestrige Tag.

Alle Parteien, selbst die entschiedensten Zweifler, sind darüber einig, daß ein so feierlicher erhebender Augenblick seit dem Bestand der Nationalversammlung nicht da gewesen ist, als bei der Proklamirung der provisorischen Regierung für die deutsche Nation. Wa­ren ja auch bei keinem Momente solche Männer auf der Bühne, um die feierliche Stunde zu verherrlichen.

So feierlich ernst hat noch Keiner in der deutschen Nationalversammlung gesprochen, als der Präsident Löwe, als er die Regentschaft proklamirte, so kraft­voll entschlossen noch Keiner als Naveaur, als er im Namen seiner Kollegen die Regierung antrat. Ihre Worte sind würdig, der Nachwelt überliefert zu werden.

Nachdem die Wahl vollzogen war, ergriff Präsi­dent Löwe mit seiirer klangvollen, edlen Sprache in ernstvoller Würde das Wort:

Dieser wichtige Wahlakt ist vollendet; das Er­gebniß desselben ist, daß die Männer des beutfetjen Volkes: Franz Naveaur aus Köln, Karl Vogt aus Gießen, Friedrich Schüler aus Zweibrücken, Heinrich Simon aus Breslau und August Becher aus Stutt­gart zur provisorischen Regentschaft von Deutschland eingesetzt worden sind.

Diese Männer werden die Negierung unseres Va­terlandes führen bis zu dem Augenblicke, der durch unser Gesetz vorgesehen ist.

(Mit erhobener (Stimme:)

Ich proklamier sie als provisorische Regentschaft von Deutschland und fordere im Namen der deutschen Nationalversammlung das deutsche Volk auf, den Be­fehlen dieser Männer: Naveaur, Vogt, Schüler, H. Simon und Becher Folge zu leisten, auf daß die Freiheit und nationale Würde unseres Vaterlandes wiederhergcstellt werde (dreimaliger, stürmischer, don­nernder Applaus) ... Ich fordere die genannten Herren, die zur Regentschaft gewählt worden sind, auf, sich zu

konstituiren!" (Tobender endloser Jubel, der auf das in den Straßen harrende Volk überging und wie ein Echo wiederholt wurde.)

Raveuar betrat hierauf die Tribüne und sprach im Namen seiner Kollegen mit seltener, ungewöhnlicher Kraft und Würde, mit feierlich erhobener Stimme folgende Worte:

Indem ich vor Sie trete, füble ich die ganze Wichtigkeit des hohen Moments! Wir danken Ihnen, die Sie uns gewählt haben im Augenblicke der Ge­fahr. Wir verkennen es nicht, daß Sie durch Ihr Vertrauen uns große Ehre erwiesen haben, aber auch große Lasten sind uns aufgebürdet! Aber freudig und willig nehmen wir das Amt an. Wir werden entschlossen die Zügel der Regierung er­greifen! Wir werden energisch, so viel an uns liegt, dahin wirken, daß das einmal Versprochene eine Wahrheit werde. All unser Bemühen soll dahin ge­richtet seyn, ein einiges, ein großes, ein freies Deutschland zu schaffen; Wenn augenblick­lich uns nicht die Mittel zu Gebot stehen, die Andern so gutwillig in die Hand gegeben wurden, jo ist das ein Hinderniß ! Allein, wenn das deutsche Volk, wenn Sie, meine Herren, uns unterstützen, sojchrccken wir vor keinem Hinderniß zurück, so groß es ist; wir werden mit Ihnen stehen, wir werden mit Ihnen fallen!

Ich erkläre im Namen meiner Kollegen:Wir er­greifen die Zügel der Negierung und erwarten, daß