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Freiheit und Neeht!"

Wiesbaden. Dienstag, 12 Juni

18^9

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Protokoll der Landesversammlung zu Idstein

vom 10. Juni 1 849.

Zu ter nach geschehener Aufforderung auf heute anberaumten Landesvcrsammlung waren ungefähr 509 Abgeordnete aus allen Theilen des Landes erschienen.

^acf) Maasgabe der in der gestern Abend stattge- fundenen Vorsammlung gefaßten Beschlüffe eröffnet Präsident Naht die Sitzung.

Auf die Vorschläge von Naht und Schapper wird folgendes Bureau gebildet:

Her Präsident: N aht, 2ter Präsident: Hehn er, 2 Schriftführer: Oppermann und

Müller II.

Präsident Naht eröffnet die Sitzung mit folgen­der Ansprache:

Ich statte Ihnen meinen Dank ab für das Ver- trauen, welches Sic mir durch ihre Wahl bewiesen haben. Mit der Versicherung, daß ich mich bestreben werde, dasselbe zu verdienen, bitte ich um ihre Nach­sicht bei der Verwaltung meines Amtes. Ich bin ver­sichert, daß Sie durch willige Beachtung der Geschäfts- Ordnung und meiner Erinnerungen an dieselbe, wo dieses nöthig werden sollte, unsern Geschäftsgang und die baldige Erreichung des Zweckes unserer Zusammen­kunft erleichtern werden.

Mitbürger! Die Noth, des Vaterlandes dringende Noth, führt uns zusammen. Euer zahlreiches Erschei­nen ist eine erfreuliche Bürgschaft dafür, daß mit der Einsicht unseres Nothstandes zugleich der Entschluß bei Euch feststeht, durch Einigung zu gemeinschaftlichen Maßregeln wirksame Abhülfe zu schaffen.

Mitbürger! Wir stehen auf reichsgesetzlichem Bo­den; wir sind die Verfassungstreuen; wir sind gehor­sam dem Gebote der allein befugten obersten Gewalt in Deutschland, der Nationalversammlung, wie sie von der Nation kraft ihrer Söüveränekät eingesetzt und seiner Zeit selbst von den Fürsten anerkannt worden ist. Unsere Dränger sind Nebelten gegen diese oberste gesetzliche Behörde Wir streiten für unsere Ehre und für unseren Wohlstand, für unsere Freiheit und für die deutsche Einheit, welche man uns rauben will. Unser Zweck ist ein vor Gott und Menschen gerechter und Heiliger. Möge unsere Versammlung mit Ernst und Besonnenheit, aber auch mit Muth und Entschlos­senheit, den richtigen Weg finden, um im Verein mit der gleichgesinnten unendlichen Mehrheit die bedrohten höchsten Güter der Nation zu retten."

Das von einer Kommission entworfene Programm der Forderungen wird verlesen. Das Programm selbst lautet folgendermaßen:

§ . 1. Die constituirende deutsche Nationalver- sammlnng erkennen wir als solche und deren Be­schlüsse als unbedingt bindend an.

§ 2. Die Regierung des Herzogthums Nassau hat gleich jeder deutschen Regierung die Verpflichtung, den Verfügungen der von der Nationalversammlung am 6. l. M. als höchsten Neichsgewalt eingesetzten Regentschaft unweigerlich Folge zu' leisten.

rèi §. 3 Jeder, der mit der seitherigen vrovisori- schen Centralgewalt, oder einem reichsverfassungsfeind­lichen Staate eine die deutsche Neichsverfassung vom 28. März d. I., oder deren Durchführung gefähr­dende Verbindung unterhält, ist des Hochverraths schuldig.

§ . 4. Die nassauische Negierung wird aufgefor­dert, unsere Truppen aus ihrer feindlichen Stellung gegen Baden und Rheinbaiern sofort zurückzuziehen und zur Verfügung der Reichsregentschaft zu stellen.

§ . 5. Die nassauische Regierung ist, um die all­gemeine Volksbewaffnung auf das Schleunigste Herzu- ftellen, zur Beschaffung der Waffen von Seiten des Staats aufzufordern.

§ . 6. Von der nassauischen Regierung wird er­wartet, daß bei der Besetzung der höheren Stellen der Volkswehr nur solche Männer gewählt werden, welche entschieden das Vertrauen des Volkes besitzen.

§ . 7. An die Regierung wird das Verlungen ge­stellt, alsbald eine vollkommene Amnestie für^Ue wegen politischer Vergehen Angeschuldigte und Ver- urtheilte, sowohl aus dem Civil- als dem Militär- stande ohne Ausnahmen eintreten zu lassen.

§ . 8. Da der bestehenden Versammlung der Ab­geordneten der Charakter einer Verfagunggebenden sowohl von der Regierung, als auch von der Kam- mermajorität abgestritten wirb, dieselbe auch das er­forderliche Vertrauen des Volkes nicht genießt; so wird die unmittclbaee Berufung einer nach dem Prin­zip der direkten Wahl zu wählenden verfagunggcben- tm Versammlung verlangt.

§ . 9. Schließlich erklären wir, daß nur ein sol­ches Ministerium das Vertrauen des Landes besitzen wird, welches sich die Vollziehung der vorstehenden Beschlüsse zur Aufgabe setzt.

§ . 1 wird mit folgendem Zusatz von Meier ange­nommen:in welcher Stadt des Vaterlandes auch immer die Nationalversammlung sei (sie ist unsere Höchste Behörde.)"

Die §§. 2 und 3 werden angenommen.

§ . 4 wird angenommen mit dem Zusatz von Schap­per und Oppermann:

Wir verlangen ebenfalls, daß die nassauische Re­gierung sofort bei der Regentschaft dahin wirke, daß die nassauischen Truppen in Schleswig Holstein von den Preußen getrennt und unter die Befehle eines die Nationalversammlung anerkennenden Neichgenerals gestellt werden.

§ . 5 und 6. angenommen.

§ . 7. desgleichen.

§ . 8. desgleichen mit dem von Schapper bean­tragten Zusatz:

Wir verlangen, daß die Nassauische Negierung an die Stelle derjenigen nass. Neichstagsabgeordneten, welche' sich bis zum 14. v. M. nicht in Stuttgardt eingefundeu haben, unverzüglich neue Deputirten wäh­len lasse.

§ . 9. (10) angenommen.

Ferner wurde beschossen:

Das Bureau zu beauftragen 3 Eingaben zu ent­werfen, eine an die nass. Kammer, eine an daS Mini­sterium, eine an den Herzog; sodann eine Deputation atts 56 Mitgliedern zu wählen, welche dem Herzog die Beschlüsse der Versammlung überbringt.

Sodann wurde beschlossen einen Landesausschuß aus 7 Mitgliedern zu bilden, der von heute an zu- fammen bleibt, und die nöthigen Maaßregeln zur Durch­führung der heutigen Beschlusse zu treffen hat, sowie ferner auf den Vorschlag von Dr. Lange, daß diese Mitglieder aus der Linken der Kammer zu ernennen seien.

Der Landesausschuß besteht au$ folgenden Mit­gliedern der nass. Kammer:

1) Hühner,

2) Ruht,

3) Vang,

4) Euell,

5) Muller II.,

6) Weukenbach,

7) Justi.

Zur Deputation wurden gewählt:

1. Duque, 2. Staaß von Lahnstein. 3. Philipp Gült, 4. Major Frensdorfs von Diez. 5 August Krü­ger, 6. Heinrich Frank Richter von Dillenburg. 7. Mathias Helsper, 8. Peter Joseph Cratz von Nieder­walluf. 9' Richter aus Hachenburg. 10. Adami aus Hadamar. 11. Jusseamne, 12 Schuhmann aus Her­born. 13. Mathi Advokat aus Hadamar. 14. Jakob Schwab, 15. Georg Hofmann aus Hochheim. 16. Barlow von Kriftel. 17. Ppilipp Kremens v. Hoch- heim. 18. Bürgermeister Kerner von Schneidhain. 19. Nebenstock von Kelkheim. 20. Winkler von Idstein. 21. Seibert von Esch. 22. Bürgermeister Hofmann von Nauheim. 23. Georg Graulich von Dauborn. 24. Nikolaus Thönges von Montabaur. 25. Nikolaus Eschenauer von Holler. 26. Kölsch von Ems! 27. Dr. Meyer von Kaßenellenbogen. 28. Peißer, 29. Wilhelm Lang von Langenschwalbach. 30. Flach von Villmar. 31. Jakob Müller ans Wolfenhausen. 32 Bürgermeister Köpp von Pfaffenwiesbach. 33. Wen­genroth aus Usingen. 34. Dr. Gerau aus Weilburg. 35. Fritz Meyer aus Gräveneck. 36 Helmrich von Sonnenberg. 37. Bürgermeister Pfeiffer von da. 38. v. Eck von Bleidenstadt. 39. Bürgermeister Crezelins von Michelbach.

Naht, Hehner, Müller BI Oppermann.

Deutschland.

H** Von der Elbe. Daß der preußische Ent­wurf einer Verfassung des Reichs, diese Karrikatur der Neichsverfassung, nirgends, selbst nicht in Preußen, An­klang gefunden hat, steutsich täglich deutlicher heraus. Ueber das öffentliche L>timmgesetz nach Klasseneintheilung, wel­ches, dem Bürgerstande, jeden Einfluß raubt und den Beamten an freier Abstimmung hindert, hat die öf­fentliche Meinung schon hinlänglich- gerichtet. Und mit dieser unvolksthümlichen Einrichtung hat der König noch nicht genug; dazu muß noch das ebenfalls gegen die Neichsverfassung streitende absolute Veto treten. Der alte Bundestag ist wieder da; nur seine von ihm ernannten Kreaturen, nicht der Soldat, der freie un­parteiische Sohn des Landes, wird auf die Verfassung beeidigt, die Preßfreiheit wird bei jeder Gelegenheit beyssrankt, sowie dies jetzt schon geschieht, mo jeder Tag uns die Unterdrückung eines freisinnigen Blattes und die Verhaftung seiner Redakteure meldet.

Es ist unnöthig, über den Entwurf weiter zu re­den, denn aus jeder Zeile leuchtet uns der Verrath offenkundig entgegen. Aber. die renitenten Staaten sind einig und deshalb müffen auch die Völker, die die Neichsverfassung anerkannt haben, fest zusammen- halten. Wir müssen uns mit Würtemberg, Hessen, Baden und den übrigen Ländern verbinden. Vor dem letztgenannten Staate werden zwar Etliche sich bekreu­zigen, die fortwährend sich bemühten, die dortige Be­wegung zu verdächtigen und deren drittes Wort dabei stets:die rothe Republik",die Guillotine" war. Aber das wird jetzt Keiner mehr können: jetzt gilt es Baven und u ns selber zu schützen vor preußischem Despotismus. Der Großherzog von Baden hat preußische Hülfe in Anspruch genom­men unb wird dafür jenen erbärmlichen Entwurf an­erkennen. Eilen wir nicht zur Unterstützung herbei, so werden wir durch die Unterwerfung Badens von allen Seiten umschlossen; im Norden und Süden stehen jene Verbündeten, um die übrigen Staaten nach und nach mit bewaffneter Hand ihrem Reiche einznverlei- ben. Und was ein König, der in feigem, selbstsüchti­gem Partikularismns mit den Feinden Deutschlands, den Dänen, einen Separatfrieden schließt und mit den Russen im Bunde steht (beim daran wird wohl Nie­mand mehr zweifeln-, was ein solcher König für men- schenbeginckende Pläne mit uns im Sinne hat, welches Verderben derselbe über Deutschland bringen wird, das mag ein Jeder bei sich selber überlegen.

Aber darum, ihr Bewohner Nassau's, sehet euch vor mit Waffen, dringet darauf, daß eure Vertreter in der Kammer dahin wirkens mit den übrigen Län­dern ein Schutz- uno Trutzbündniß zu schließen. Denn Baiern, das mit Oesterreich im Bunde ist, wird nicht gegen uns kämpfen; vielmehr hat Oesterreich schon eine Nöte an Preußen erlassen, worin cs auf das Ent­schiedenste eine Hegemonie Preußens zurückweist und die 28 Länder sind stark genug, gegen Preußen, Sach­sen und Hannover, wo das Volk noch dazu auf un­serer Seite steht, anzukämpfen. Rufet eure Solda­ten zurück, duldet nicht, daß eure Söhne und euere Brüder, die. auf die Verfassung geschworen haben, meineidig werden. Lasset sie nicht gegen Baden käm­pfen, wo das ganze Volk sich jetzt erheben wird, wo der Krieg jetzt eine ganz andere Gestalt annimmt. Uno so hoffen wir auch insbesondere von unserer auf einige Zeit vertagten Kammer, daß sie gleich bei ihrem Zusammentritt tu diesem Sinne Schritte thun und rasche und energische Beschlüsse fassen werde.

H Aulhausen, 7. Juni. Gestern Nachmittag ge­gen 2 Uhr zog sich aus Nordwesten gegen unser Dorf ein in seinen Folgen schreckliches, hier nicht er­lebtes Gewitter. In den vorhergehenden Tagen schmachtete Alles unter der drückendsten Hitze imb der Wunsch nach Regen war allgemein, obgleich das seit­herige Wetter dem Weinstocke sehr günstig war. Eine heitere Stille, ein klarer Himmel und ein frohes Leben in der ganzen Natur herrschte am frühen Mor­gen; gegen Mittag jedoch trat eine große Hitze ein, welche sich gewissermaßen noch steigerte bis gegen 1 Uhr. Zu dieser Zeit überzog ein durchsichtiger Wolkenflor die angenehme Bläue des Aethers und wenige Minu­ten spater stiegen dicke Wolken am Horizonte empor. Fast zu gleicher Zeit bildete sich auch in nordöstlicher Richtung ein schweres Gewitter. Kaum hatte ersteres den sogenannten Bacheracherkopf überstiegen, so kam