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land über dieselben noch keineswegs beigelegt sind und daß man russischer Seils sogar eine Demonstration der Türkei zu Gunsten Ungarns fürchtet. Seit zwei Tagen ist auch bei uns ein unheimlicher russischer Gast wieder eingekehrt, der ein noch mächtigerer Herr­scher über Leben und Tod ist als der Czaar: die Cholera. Die Aerzte verhehlen nicht das Bedenkliche dieser frühzeitigen Erscheinung der Seuche , die im j vorigen Herbst nur gelind auftrat. Auch Halle ist : arg davon heimgesucht.

Mit der Einsetzung einer Reichsregierung soll man : sehr bald vorgehen wollen, nur die Ordnung des : Verhältnisses zu der Centralgewalt macht einige Schwierigkeiten. Der Sitz der Reichsregierung soll, wie man versichert, nach Erfurt verlegt werden.

Die Untersuchung gegen den geh. Obertribunal­rath Waldeck wird sehr geheim geführt; außer bem Eriminalrath Schlötke haben nur höher stehende Ju­stizbeamte Kunde von dem Stande der Angelegen­heit; im Publikum ist jedoch das Gerücht verbreitet, es mangele noch immer jedes Beweismittel gegen Waldeck. Uebrigens hört man von anderer Seite, daß die mündliche Verhandlung des Prozesses vordem Schwurgerichte und zwar schon in den nächsten acht Tagen statt haben werde.

Eine große Anzahl man sagt 74 Konstabler der Abtheilung C. soll entlassen werden, weil sie sich weigern, nach dem Verlangen ihrer Offiziere in den Treubund" einzutreten.

In Kurzem findet eine neue Verhandlung wegen Majestätsbeleidigung vor den Geschworenen statt. Die Anklage gründet sich auf eine Aeußerung: der König habe sein Wort nicht gehalten.

Der geheime Revisionsrath Esser, der Gesin­nungsgenosse Waldecks in der Nationalversammlung und in der zweiten Kammer, ist seiner Stelle als Mitglied der Jnunediat-Justiz-Eranunations Commis­sion, die er seit 1835 neben seinem Richteramte als Rath beim rheinischen Kassations Hofe bekleidet jetzt durch den Justizminister Simons enthoben worden. Herr Simons war vor seiner Berufung in das Cabi- net gleichsfalls Mitglied jener Prüfungsbehörde. Esser hat bei Zurücksendung der Akten, in deren Besitz er sich befand, Hrn. Simons erklärt: es freue ihn, durch das Aufhören dieser Wirksamkeit den letzten Faden ihres gemeinsamen Wirkens zerrissen zu sehen.

Reisende aus Petersburg wissen nichts von dört vorgefommenen Verhaftungen, noch weniger von einem Aufstande, über den man hier sichere Nachrichten haben wollte.

Die Königin von Griechenland ist heute ängckom- men und im Hotel du Nord abgestiegen. Nachmittags 2 Uhr sollte große Tafel in Sanssouci sein.

Munch n, 4. Juni. (C. Z.) Der gestrige Tag, an dem man wieder einen Militärkrawall erwartet hatte, ging ruhig vorüber; denn die meisten Soldaten, waren in den Kasernen zurückgehalten worden. Man sieht ein, daß die vandalische Zerstörungswuth der Soldaten, die sich gegen das Eigenthum von Bürgern gerichtet hatte, auf die Bourgeoisie einen schlimmen Eindruck gemacht hat, und die Bourgeoisie darf nicht böse gemacht werden. Am schwarzen Brett der Universität ist eine Aufforderung des Rectorats zu lesen, daß sieben Studenten, unter diesen die Redac­teure Gebrüder Sensburg, Kammerloher und Prosch­bischell zurückkehren und sich gegen die Beschuldigung des Staatsverraths verantworten sollen, widrigenfalls sie in Perpetuum relegirt werden würden.

Nachrichten ans Oesterreich.

Wien, 2. Juni. Provinzialzeitungen verbinden mit der Abreise des F.-M.-L. Giulay von Triest nach Wien das Gerücht, daß der ehemalige Gouverneur zum co in« mandireuden General im Venctianischen designirt sei. Hier hingegen wurde in gut unterrichteten Kreisen ver­sichert, man gehe mit dem Gedanken um, dem Gra­fen Ginlay das Ministerium des Krieges zu übertra­gen, nur schwanke man noch in der Wahl zwischen diesem General und F.-M.-L. Schönhals. So viel scheint gewiß zu sein, daß man die in allen Kreisen gefühlte Nothwendigkeit von einer neuen Besetzung des Ministeriums des Kriegs und einer glücklichen Wahl eines commandireupen Generals im Venetianischen auch in höheren Kreisen anzuerkennen geneigt sei. (Ostv. P.)

Wien, 3. Juni. Die Avantgarde der Südarmee hat die Theiß bei Titel passirt und Perlaß genommen, welche Position den Stützpunkt der ferneren Opcratio- nen bilden dürfte. Seit 8 Tagen ist es in der Schütt ruhig; cs gibt weder Plänkeleien noch Vorpo­stengefechte. Um so heißer geht es in der Waaggegend her; die k. k. Truppen haben das jenseitige Waag­ufer verlassen und sich diesseits postirt, wahrscheinlich um einen Einmarsch zu decken. Die Magyaren be« haupten mit aller ihnen zu Gebote stehenden Energie das jenseitige Waagufer; daß sie die Waag bereits überschritten, ist bloßes Gerücht. (N. O.-Z.)

Wien, 3. Juni. (N. O.-Z.) Die Wiener wer­den wieder witzig, ein deutlicher Beweis, daß die Reaktion riesige Fortschritte macht. So erzählt man hier leise, da das laute Politisiern höchlich verpönt ist, und Wirthe und Kaffeesieder Denuncianten ex officio, bei Verlust und Sperrung ihres Gewerbes sein müssen, daß in der neuen oktrroyirten deutschen Verfassung die Grundrechte des deutschen Vol- kes ganz überflüssig wären. Wozu braucht das Volk

SclavWdifnste rc." Der Teufel selbst hat dieses scheußliche Blendwerk erfunden. Diese Sclaven ver­heißen Dir eine Freiheit und sind selbst jämmerliche Knechte der Sünde. Doch weißt Du, daß nur der frei ist, den der Sohn Gottes frei macht; Du weißt, daß es eine ewige Wahrheit:Mit Kummer sollst du dich nähren dein Leben lang." Sie werden Dir sogar Deinen König zu verdächtigen suchen. Doch solchen Schurken zeige Deine Soldatenfaust; denn ; wisse, Dein König ist ein Ehrenmann, der Gott fürchtet und sein Volk liebt."

Die christlich-germanische Elberfelder Zeitung jauchzt ; in einem Correspondenzartikel aus Samen (Nro. 131) Lieber Russen als Demokraten."(Wd.Z.)

Berlin, 3. Juni. (Z. f. Nordd.) Gestern war hier überall die Nachricht verbreitet, daß Baiern dem Bunde der drei Könige beigetreten sei; es war dies jedoch nichts als ein Börsengerücht, von Spekulanten ausgesprengt, die auch einigen Nutzen davon gezogen haben; denn die völlig todte Börse wurde auf eine halbe Stunde belebter. Es ist auffallend, daß die Veröffentlichung der Verfassung auch gar nichts dazu beigetragen hat, das Vertrauen zu erhöhen. Die Kurse bleiben nicht allein gedrückt, sie sind sogar theilweise noch mehr heruntergegangen. Das Ministerium Branden­burg läßt es nicht an Agenten und Versprechungen fehlen, um die kleinen deutschen Regierungen zu bear­beiten, und von Personen, die jenen Neichen nahe stehen, hört man mit größter Bestimmtheit äußern, daß in kurzer Zeit der größte Theil dieser Regierun­gen betreten würde. Fast täglich kommen jetzt hier englische, französische, österreichische und russische Kabi- netskuriere an. Trotz der russischen Drohungen besorgt man jedoch weder neuen Flottenangriff, noch weniger aber eine Greuzbedrohung; das russische Polen ist sehr schwach mit Truppen besetzt und übereinstimmenden Nachrichten zufolge ist die Stimmung der Russen so enthusiastisch für die Magyaren und gegen die Oester reicher, wie überhaupt gegen die ihnen verhaßten Deutschen, daß man glauben muß, die rus­sische Tapferkeit werde in Ungarn nicht eben Wunder­dinge verrichten. Wie ich schon schrieb, ist hier die allgemeine Ueberzeugung der liberalen Partei, daß sie nach dem oktroyirten Wahlgesetz nicht wählen dürfe, ein Grundsatz, der wahrscheinlich im ganzen Lande zur Anwendung gelangt und nicht ohne Folgen sein wird, wenn die Verhältnisse sich ändern. Im klebrigen ist es bis zum 17. Juli noch weit hin, und möglicher­weise kann sich Vieles bis zum Wahltage ändern. Dem Gerüchte nach soll Hr. v. Manteuffel aus dem Mi- niftcrium austreten wollen, Hr Eisenmann sein Nach­folger werden. (Die Kreuzzeitung des Hrn. V. Man­teuffel widerspricht dem Gerüchte.)

Berlin, 3. Juni. (Trierer Z.) In den hiesigen diplomatischen Kreisen erregt die Fortdauer der Unter« Handlungen zwischen Preußen und Dänemark um so mehr Aufsehen und Verwunderung, je weniger man die Motive begreift, weshalb der Friede nod) nicht ab­geschlossen ist. Da man in der diplomatischen Welt die wahren Gesinnungen unserer Regierung in Bezug auf die schleswig-holsteinische Frage sehr gut kennt; da man wohl weiß, aus welchen Gründen der Krieg ge­gen Dänemark ursprünglich unternommen und später forgeführt worden; da man endlich nicht im Entfern­testen daran zweifelt, daß unsere Regierung den An­sprüchen der Schleswiger auf unzertrennliche Einigung mit Holstein entschieden abgeneigt ist: so fragt man sich, welche neue unvorhergesehene Wendung der Dinge der Anlaß dazu ist, daß die in London gemachten dä­nischen Friedensvorschläge nicht aeceptirt worden sind. Namentlich hat es überrascht, daß General Prittwitz von Preußen neue Ordre zur energischen Betreibung des Krieges erhalten hat. Auch ein von der heutigen National-Zeitung" veröffentlichter Brief des Unter­staatssekretärs im Ministerium des Auswärtigen, wo­rin derselbe erklärt, er könne durchaus keinen bestimm« ten Zeitpunkt angeben, wann die Friedensunterhand­lungen zu einem Abschluß gelangt sein dürfen, gibt vielen Anlaß zu Vermuthungen über die der Verzöge­rung zu Grunde liegenden Ursachen. Wir glauben mit der folgenden Erklärung der Wahrheit sehr nahe zu kommen. Gerade weil Preußen in dieser Frage so entschieden mit der Eentralgewalt gebrochen und deren Autorität usurpirt hat, fürchtet man in den höchsten Regionen, ein allzugroßes Gewicht von Haß auf sich zu laden, wenn man einen Frieden in der Art des Malmöer Waffenstillstandes abschließt. Gegen die Wünsche des eigenen Herzens sucht man günstige Be­dingungen zu erlangen, um den preußischen Namen nicht noch gehässiger in Deutschland zu machen, als er es schon ist.

Berlin, 5. Juni. Seine Majestät der Kö­nig hat an den Kommandanten von Koblenz ein eigenhändiges Schreiben gerichtet, worin demselben be­fohlen wird, dem Großherzog von Baden, welcher be­kanntlich in Koblenz eine Zufluchtstätte gesucht hat, eine möglichst zuvorkommende Behandlung angedeihen zu lassen, so wie ihm das dortige Schloß zu seinem Wohnort einzuräumen. Der Großherzog soll jetzt die direkte Hülfe Preußens zur Pazifizirung seines Landes dringend und mit 11 mgehung der 91 eichsge- walt nach gesucht haben!

Berlin, 5. Juni. (F. I.) Atif consularischem Wege wird aus den Donaufürstenthümern gemeldet, daß die Verwickelungen zwischen der Türkei und Ruß-

Grundrechte, wenn im Grund die Fürsten immèk Recht behalten?Weiden hat sich aus Ungarn ein Windlschgrätz-Loos geholt!" Diese und ähnliche Wort­spiele charakterisiern die Verzweiflung der Wiener. Es geht aber auch wirklich arg zu; die Wirthe sollen ihre Gäste beaufsichtigen, die Kellner müssen Spikeltt sein nicht lange wird eS dauern, so kommt eine Verordnung heraus: Jeder, der einen Böslauer trinkt, muß aeectiet werden, weil Liebhaber von RothweineN republikanische Tendenzen in sich schlürfen.

Wir sind schon reine Vollplut-Abderiten, das zeigt sich deutlich, aus der ministeriellen Absicht eine The­atercensur einzuführen, in einer Zeit, wo ohnehin kein Mensch ins Theater geht; wo die Theilnahme am Theater 10 Grade unterm Gefrierpunkt steht, in einer solchen Zeit stellt man Censoren an, welche die Stücke streichen müssen, wahrscheinlich um zu veehin- hindern, daß aus einem Radikalen ein Schwarzgelber wird. Unser Zopf von unten hinauf und von oben herab ist kein gewöhnlicher Zopf es ist ein Weich- selzöpf, schneidet man ihn ab, geht das Leben des Besitzers drauf. Oesterreich stirbt am Zopfe. Nach dieser Weissagung erlauben Sie mir die Berichtigung, daß Graf Stadion, nicht wie behauptet wurde, schon gänzlich hergestellt, im Gegentheil noch sehr lei­dend ist. Das ewige Zusammensein mit Bach, Schwar­zenberg , Thinfeld, Cordon ic., hat sein Denkvermö­gen angegriffen, er spricht nun auch verwirrt, früher handelte er nur so.

Gestern Abend erzähle man sich, in Preß bürg brenne es an drei Orten, die Magyaren hätten einen Angriff auf unsere offensiven Verschanzungen gewagt; heutige Nachrichten von daher wissen nichts von dieser Mähr.

Der Zuzug von Verwundeten und Kranken aus Ungarn dauert fort, gestern kamen wieder Vierhun­dert im erbärmlichsten Zustande an, Wien wird bald ein großes Spital sein. Die Cholera ist im Wachsen; in Ungarn zeigt sich bereits die Kriegs- pest; die Leichname müssen künftig tiefer eingegraben werden.

Republik Frankreich.

Paris, 5. Juni. Panat und Baze, beide Weiße, sind zu Quästoren ernannt. Somit besteht demnach also der gefammte Vorstand der Kammer aus nichts als Weißen, wie er in der Konstituante aus nichts als Marrastianern und Cavaignactisten bestand. Werden sie dasselbe Schicksal haben?

Legislative Versammlung Ledru-Rollin verlangt das Wort außerhalb der Tagesordnung. Ich benachrichtige, sagt ér, die Regierung, daß ich sie mor« gen wegen der auswärtigen Angelegenheiten inteepel- liren werde. De Tracy, Marineminister: Ich be« daure, daß das ehrenwerthe Mitglied dies nicht früher anzeigte. Der Minister des Auswärtigen ist nicht hier. Er bittet, die Interpellationen hinanszuschieben. (Wi­derspruch vom Berge.) Mauguin schlägt den Donner­stag vor, um nach der Botschaft mit Ruhe zu disku- tiren. Ledru-Rollin erklärt, daß Gefahr im Verzüge. Er habe Berichte aus Italien und Deutschland erhal­ten, welche Eile erheischen. Das Ministerium müsse aus seiner Lethargie gezogen werden. Als Dupin die Vertagung auf Donnerstag zur Abstimmung brachte, und die Rechte sich wie Ein Mann erhob, klatschte die Linke ironisch Bravo und eine Stimme rief:Uu« sere Weißen haben es mit der auswärtigen Politik nicht eilig; sie sind die besten Verbündeten der Kosa­ken . . . ." Gourgaud heftig:Wenn ich wüßte, wer uns zu Genossen der Kosaken stempelt, müßte daran glauben . . . ."

Paris, 5. Juni Abends. Urbeeall scheue Gesichter an der Börse, wie in der Stadt. Die Geschäfte wa- ren heute sehr schlecht. Die Botschaft des Präsidenten ist wieder ausgeblieben. Dufaure, Lanjuinais und Tocqueville sollen ihre Demission gegeben haben, da sie eine freisinnige Politik in Italien zur Bedingung ihres Eintritts machten und es sich diesen Morgen herausgestellt haben soll, daß Louis Bonaparteunter der Hand Oudinot Befehl gab, Rom um jeden Preis zu nehmen. Oudinot soll hierauf Rom nach einem mörderischen Kampfe mit Sturm genommen haben. Diese Nachricht, wird versichert, sei diesen Morgen durch den Telegraphen eingetroffen. (Mz. Ztg.)

Nachschrift.

DasFrankfurter Journal" bringt in seiner Num­mer vom 8. Juni die Nachricht aus Baden,daß das Land Baden durch einen Erlaß vom 5. Juni in Kriegszustand erklärt, und das Standrecht daselbst ver­kündet worden sei", sowie ferner, daß Brentano Struve habe verhaften lassen, welcher letztere mit einer Schaar Scharfschützen nach Karlsruhe gerückt sei, um daselbst die Republik peoklamiren.

In Stuttgart wurden zu Mitgliedern der Regentschaft für das deutsche Reich erwählt: Ra- veaux, Vogt, Schuler von Zweibrucken, Heinrich Simon, Becher von Stuttgart.

An Fickler's und Sigels Stelle sind die Bürger Thibaut und Raveaur provisorisch als Mitglieder der provisorischen Regierung in Baden erwählt.

Die Mainzer Ztg. schreibt unter dem 8. Junik Hier in Mainz, wo gestern Abend Flüchtlinge aus Darmstadt ankamen, würde erzählt, daß die Forsten?