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nen, und man bereitet sich überhaupt zu ferneren mili­tärischen Operationen im Süden emsig vor. Die Stunde der Entscheidung^durch die Waffen naht. (N. D. Z.)

Berlin, 4. Juni. Die oppositionelle Agitation in Bezug auf die bevorstehende Neuwahl zur zweiten Kam­mer, die durch die kürzlich vorgenommenen Verhaftungen der Leiter der Wahlbewegung des Januar eine Läh- mung erhalten hatte, ist jetzt durch die Oktroyirung des neuen Wahlgesetzes und die Anberaumung des Wahltermins wieder einigermaßen lebhaft geworden. Sie hat die Richtung genommen, die oppositionellen Wahlberechtigten für die Nichtwahl zu gewinnen. So weit man bis jetzt voraussehen kann, wird in Ber­lin eine ansehnliche Majorität sich der Theilnahme an den Wahlen ganz enthalten, eine'ansehnliche Minori­tät nur erscheinen, um gegen ihre Gesetzlichkeit Protest einzulegen. Um diese beiden Wege des passiven Wider­standes gegen das oktroyirte Wahlsystem dreht sich gegenwärtig der Meinungsstreit innerhalb der Oppo­sition. Dem Vernehmen nach findet diese Art des Widerstandes auch in den Provinzen Anklang. In Frankfurt a. d. O. ist man gleichfalls darüber einig geworden, nicht zu wählen. Hier in Berlin würden, wenn die Agitation ihr Ziel erreichen sollte, von etwa 50,000 Wahlberechtigten 30,000 nicht wählen. Wie die Dinge bei uns jetzt liegen, kann man von jener Taktik, ohne übrigens damit über ihren politischen oder sittlichen Werth ein Urtheil zu sprechen, nur sagen, daß sie dem Ministerium willkommen ist, und daß man mit der gleichzeitig oktroyirteu öffentlichen Stimm- gebung nichts Anderes als einen möglichst allgemeinen Verzicht auf das Wahlrecht beabsichtigt hat. HFr.Z.)

Nachrichten aus Oesterreich.

Wien, 2. Juni. In Preßburg herrscht ein bös­artiger Typhus, resp. Cholera, die besonders in der Vorstadt Blumenthal arg wüthet; täglich sterben da bei zwanzig Personen. Die Seuche beginnt in der Re­gel mit Kopfweh, Mattigkeit, dann Erbrechen, Ab­führen und Tod. Füllt der Sommer so anhaltend heiß ans, wie es den Anschein hat, so werden beson­ders die untern Gegenden Ungarns der Operations­armee viele Opfer auferlegen. Auch in Preßburg und Umgebung sind Krankheiten und Sterblichkeiten bei dem Militär nicht sehr unbedeutend.

Nach dem konstitutionellen Blatt aus Böhmen hätte sowohl Wien als Prag russische Garni­sonen zu gegenwärtigen; hier wird daran noch sehr gezweifelt.

Wien, 2. Juni. Während wir die Hauptmacht der Ungarn in Oberungarn vermeinten, scheinen sie einen Einfall nach Steiermark «bei Frida») zu beab­sichtigen, um von da aus im Rücken des Banus nach Croatien durchzubrechen. Dieser Plan wäre genial.

In wohlunterrichteten Kreisen erzählt man sich, ein Agent des Ministeriums hätte die Nachricht vom Falle Ofens früher nach Wien gebracht, als ihn Melden im Hauptquartier wußte, der erst durch das hiesige Ministerium hiervon in Kenntniß gesetzt wurde.

Diese verbürgte Episode wäre recht lustig, wenn sie nicht so traurig wäre, traurig als Beweis, wie wenig Kapacitäten Oesterreich zählt, denn der Spion, dem es gelang, so schnell durch magyarische und kai­serliche Vorposten sich durchzuschmuggeln, ist ein Ausländer. (N. O.)

Wien, 2. Juni. (Vom Kriegsschauplätze. Wind ischgrätz. Kupfer. Agio.) Ein auswär­tiges Blatt bemerkte jüngst mit vollem Rechte: wenn ein Krieg in China geführt würde, könnte man dar­über nicht mehr im Dunkeln sein, als über den Krieg in Ungarn. Nichts als widersprechende Gerüchte! Schon hatte man mit aller Bestimmtheit das Einrücken der Russen in Tirnau angekündigt; nun berichtet plötzlich die Grazer Zeitung bekanntlich ein offi­zielles Organ daßbet Tirnau ke t' ne Rus­sen stehen". Dafür melden wieder heutige Berichte, daß die Russen Neustadt an der Waag passirt ha­ben und ein Lager bei Oedenbürg beziehen sollen. Ebenso verworren sind die Berichte aus dem Südew; das Gerücht von der Gefangennahme eines hohen O'f- fiziers bestätigt sich, der Gefangene ist der Seressaner- Hauptmann Jcllacic, Bruder des Banus; dieß ver­anlaßte auch den Glauben, der Ban selbst sei gefangen. Die Kaiserlichen sollen einige wenn gleich nicht be­deutende Vortheile über Perczel errungen haben. Die Schlappe bei Orsova jedoch steht nun außer Zweifel und wird von allen Journalen bestätigt. Die Ungarn halten ihre Pläne noch immer in das tiefste Dunkel gehüllt, Niemand weiß, wo sie stehen; bei Neutra |oll ihre Anzahl nicht groß sein, dafür will man sie massenhaft in der Gegend von Stuhlweis- l c nburg und Wesprim gesehen haben, während Andere behaupten, sie hätten ihre Hauptmacht bei Pesth concentrirt. Aus all dem geht hervor, daß man gar nichts weiß. Wo ist Dembinski? Wo Görgey2 Und Daneberg, Vetter, die doch gewiß allesammt nicht müßig stehen. An ein Zerwürfnis zwischen den Un­garn und Polen wollen Sie ja nicht glauben, am al- lerwenigstens daran, daß die Letzteren das wahnwitzige Verlangen gestellt hätten, Dembinski solle Kriegsmini­ster werden!

Gestern war in Preßburg allgemein das Gerücht verbreitet, daß Görgey mit einer Armee von 50,000 Mann am rechten Donaunfer vorrücke; 30,000 brachte er von Ofen mit und 2O,Ooo sollen sich ihm in der

Gegend von Raab angeschlossen haben. Wir hoffen nun recht bald, von einer entscheidenden Schlacht zu hören. (N.O.Z.)

Die Allg. Ztg. meldet aus Preßbung, daß sich Haynau nur mit Widerstreben zur Uebernahme des Oberbefehls verstanden habe. Der Angriff ist wieder­um 8 Tage verschoben. Von den Russen sollen 24,000 Mannn bei Margarethen, unweit Oedenburg, ein Lager beziehen. Die Ungarn haben unter Görgey mit 60,000 Mann bei Raab Stellung gefaßt. In und um Preßburg werden die Oesterreicher durch die Cholera dezimirtFällt der Sommer so anhaltend heiß aus, wie es den Anschein hat", schreibt der Nb.K. so werden besonders die untern Gegenden Ungarns der k. k. Operationsarmee viele Opfer auferlegen." Den Berl. Nachr. wird aus Wien geschrieben, daß der Wechsel im Oberkommando an der Wiener Börse einen entmuthigcnden Eindruck gemacht und eine Ver­schlimmerung der Banknotenentwerthung zur Folge gehabt habe. In einem andern Briefe der B. Nehr: wird geklagt die Sachlage in Ungar» sei sehr ernst und der Kaiser werde deshalb nicht zur Armee gehen. Görgey, heißt es dann weiter, steht mit 60,000 Mann bei Naab, Dembinski hält vor Kascha» (das also nicht erobert ist) die Russen im Schach ; Bem beherrscht die ganze Umgebung von Temeswar; Perczel isi Herr des Banats. Die k. k. Generäle sind überall im Nach­theil. Derselbe Korrespondent bestätigt, daß ein russi­sches Corps in Wien Garnison nehmen werde.

P o l e n.

Krakau, 30. Mai. Wieder ziehen durch unsere Stadt ganze Caravanen russischer Truppen; eine un­übersehbare Kette von Kibitlen schleppt sich seit gestern die langen Straßen entlang, die mit regulärem Fuß­volk und Reitern abwechselnd, und bei dem anhaltend trockenen Wetter große Staubwolken hinter sich zu­rücklassend, unserer Stadt ein wahrhaft kriegerisches Ansehen verleihen. Gestern Nachmittags rückte nach dem Tacte eines Krakoviak ein Bataillon des 6. In­fanterieregiments ein und durch; ebenso heute in aller Frühe ein Grenadier- und Jägerbataillon, die letzte­ren mit ausgezeichneten Dratläufen; auch sollen gl/ch- zeitig im Gebiete mehrere Abtheilungen Kavallerie un­terbracht worden sein. Heute werden noch 16,000 Mann erwartet; Alles zieht jetzt, nicht wie früher mit der Eisenbahn nach Schlesien, sondern in Eilmärschen über Podgorze in das Lager von Jordanow, wo be­reits bei 40,000 Mann beisammen sein dürften. Auch werden heute 600 Pferde aus den Stallungen des Fürsten Paskiewicz hier erwartet; der Fürst selbst soll erst am 2. Juni hier eintreffen. Am Ringel- platze müssen sehr viele Parteien ihre Quartiere, be­sonders die ersten Stockwerke, räumen, angeblich für hohe Gäste aus dem Norden, wahrscheinlich aber für Kanzleien, da an einem Wechsel in der Verwalung Krakaus, die jetzt schon eine gemischte ist, Niemand mehr zweifelt. Dreißig ungeheure Backöfen wurden von den Russen bei dem Kloster na scalce ausgestellt; ebenso in Kalwaria und andern Orten in der Nähe; die Proviantvorräthe sind sehr stark und werden täg­lich vermehrt, als standen Jahre lang Kriege in Aus- sicht. Lobzow ist zu Pulvermagazinen bestimmt. Kranke unter dem russischen Militär mehren sich täg­lich, zur Stunde liegen gegen Tausend in den ver­schiedenen Spitälerrn und an verschiedenen Uebeln krank, besonders werden sie vom Typhus und der Cholera stark mitgenommen; gestern starben 14, vor- gcstern 8 an der Cholera. Die Karpathengegcnden, wo der Temperaturwechsel, besonders in dieser Jah­reszeit , so empfindlich ist, sollen am nachtheiligsten auf dieselben wirken. Heute soll der König von Treusten über Szezakowa auf unserer Bahn nach Warschau fahren. (C. B. a. B.)

Italien.

Rom, 26. Mai. Laut der letzten Berichte aus Ancona hatten die Oesterreicher die Tesi-Straße besetzt und machten Miene, Ancona durch Hunger und Waf­fengewalt anzugreifen. Ein Dekret des Triumvirats und der Konstituante nimmt alle Güter, die der Kö­nig von Neapel bisher im Kirchenstaate besaß, in Beschlag. Die römische Republik wird sich zunächst für die ihr verursachten Kriegskosten bezahlt machen. Ga­ribaldi hält mit seiner Armee immer noch an der ne­apolitanischen Grenze.

Turin, 31. Mai. Die Opinione besteht darauf, daß Radetzky das Verlangen gestellt habe, ihm alle an der französischen Grenze gelegenen festen Plätze, sowie Genua zu überliefern. Das Ministerium habe aber Alles rund abgeschlagen.

Republik Frankreich.

Paris, 3. Juni. Das neue Ministerium beschäf­tigt, wie natürlich, alle heutigen Journale. Da in­dessen die Zusammensetzung desselben von der des al­ten sich nur durch drei neue Namen unterscheidet, welche dem neuen Ministerium eine Färbung im Sinne des gemäßigten Fortschritts (Partei Cavaignac) geben, so ist die Polemik über dasselbe sehr unbedeudentend. Beachtenswcrth ist wohl der Umstand, daß letztere Par­tei jetzt im Ministerium die Oberhand hat, da man zu ihr 6 von den 9 Mitgliedern desselben rechnen kann, nämlich Odilon Barrot, Dufaure, Tocqueville, Passy, Lanjuin- nais und Lacrosse. Das der bisherige Minister des

Denyern Drouin de l'Huys durch Hrn. v. Tocqueville ersetzt worden ist, beweist, daß eine Aenderung in der äußern Politik, namentlich in Bezug auf Italien, nahe bevorsteht. Wir erwähnen hierbei einer Aeuße­rung , die der Marschall Bugeaud dem Präsidenten der Republik gegenüber gethan haben soll: Es gebe nur Ein Mittel, um Herr der Lage zu bleiben, die Amnestie zu proklamiren und der heiligen Allianz den Krieg zu erklären. Die Stimmung der Armee, die der Marschall Bugeaud am Besten kennen muß/ hat, wie versichert wird, nicht wenig dazu beigetragen, diese Ueberzeugung in ihm zu befestigen.

Odilion Barrot wird in einer der nächsten Sitzun­gen einen neuen Credit für die italienische Erpedition verlangen. Bei dieser Veranlassung wird die römische Frage verhandelt und entschieden werden. (Tr. Z.)

Paris, 4. Juni. (M. Z.) Dufaure, Tocque­ville und Lanjuinais haben bereits ihre Ministerial- wohnungen bezogen. Sie werden einen bedeutenden Wechsel im Beamtenpersonale vornehmen. Tocque­ville will das ganze Korps der Konsuln reformiren.

Emil v. Girardin scheint in Algier doch durchgc- sallen zu sein. Wie man hört, sendet es uns nur Herrn Didier, Barrault und de Rance. Girardin und der Erherzog von Aumale zählten indessen be­deutend viele Stimmen. Aus den übrigen Kolonieen noch keine Resultate.

Die Abweisung ungarischer Deserteure an der schweizerisch-französischen Gränze ruft hier die schmerz­lichsten Empfindungen hervor. Der National stellt heute das Ministerium wegen dieser Fakten zur Rede. Man glaubt, daß Dufaure die Faucheö'schen Eng­herzigkeiten fremden Flüchtlingen gegenüber zurück- nehmen wird.

Barbes, Albert und Blanqui desavouiern den Konftitutionalismus des Peuple durch folgende Er­klärung aus Doullens:....Wir denken, der erste Schritt des Volkes, wenn es wieder gegen das Stadt­haus rückt, wäre: die 1848er Verfassung, dieses Werk der Unterdrückung, zu verbrennen.... "

Der römische Minister und Gesandte Mursi ist gestern im Elysee eingetroffen.

Das Schloß in Scaumur soll in ein Staatsge­fängniß umgewandelt und die gefürchtetstenJuni- räuber"" aus Belle-Jsle dahin gebracht werden.

Die Hundstage, denen wir seit voriger Woche ausgesetzt sind, bringen allerlei Uebel zum Ausbruch. Die Menschen sterben wie die Fliegen. Laut der Hospitalzeitung lagen bis vorgestern 6988 Cholera­kranke darnieder.

Die bitteren Kritiken gegen das Ministerium dauern in den heutigen Pariser Journalen fort. Die alte Gazette sagt nicht ohne Gift:Weder Thiers noch sein Feind Dufaure vermögen den Revolutionsstrom aufzuhalten. Sie sind beide längst von ihm fortge­rissen. Nur wenn sich alle Freunde und Vertheidiger des Droit-National (!!!) um sie sammeln, um den gemeinschaftlichen Feind, den Sozialismus, zu be­kämpfen, dann können sie wieder politische Bedeutung erlangen."

Die Botschaft des Präsidenten Bonaparte ist heute noch nicht verlesen worden. Die Zögerung kommt von den zahlreichen Aenderungen her, die Wfaitre zur Bedingung stellte. Dufaure will viele sozialistische Phrasen hineinbringen , gegen welche Barrot und Fallour heftig gekämpft zu haben scheinen. Aus diesem Grunde wird die Botschaft erst morgen oder gar erst übermorgen das Licht der Welt erblicken.

Wie wir hören, ist auch die Eröffnung der In­dustrieausstellung um einige Tage verschoben worden.

Paris, 4. Juni. (Mz. Z.) Das Ausbleiben der Präsidentenbotschaft in heutiger Sitzung macht unge­heures Aufsehen, weil sich daraus der Zwiespalt des neuen Ministeriums ergibt. Ja man spricht bereits von einer Auflösung des schlecht zusammengeleimten Kabinets. Die alten Minister können sich mit den neuen weder über die auswärtige noch innere Politik vereinigen; Dufaure und Fallour gerathen einander bei jedem Schritt in die Haare. Als das neue Ka- binet gestern Abend zusammentrat, um die letzte Re­daktion der Botschaft vorzunehmen, waren zunächst alle darüber einig, daß etwas geschehen müsse. Aber über das Was und Wie entstand sofort eine heftige Scene. Wir wollen dem honetten Sozialismus aufhelfen!" soll Dufaure geäußert haben.Auch ich bin dafür, etwas zu thun,"" soll Bugeaud, der hinzugezogen worden war, entgegnet haben;ich fordere 400 Ba­taillons, jedes zu 1000 Mann, zur Bildung von fünf Armeen für die Mosel, den Rhein, die Alpen, für Paris und...""Aber, Marschall", soll ihn der Präsident Louis unterbrochen haben,so wollen Sie denn Krieg?"Das nicht gerade, doch ich denke an den alten Spruch; Si vis pacern para bellum!"" Aber wir müssen sparen um jeden Preis," soll der neue Finanzminister eingewendet haben;und diese Rüstungen kosten mehr Geld, als uns bewilligt wür­de."Wir haben ja die Majorität.""Die Ma­jorität wird zu solchen Thorheiten nicht Ja sagen." Darüber Unmuts und Aufhebung der Sitzung mit der Bemerkung des Präsidenten Louis Bonaparte, er wolle sich die Sache überlegen. So wird die Ver- zögerung der Botschaft erklärt. Es wird hinzugesetzt, daß LouiS Bonaparte die Weißen im Kabinet fallen lassen, sich mit den Blauen vereinbaren und et­was für den honetten Socialismus thun wolle, den