Der zurückberufene Melden bleibt nicht Gouverneur von Wien, er geht in Pension. Hainau ist zum Feldzeugm. und G. Geisberg zum Generalstabs -Chef ernannt.
Das Gerücht: Radetzky werde das Obercom- mando in Ungarn übernehmen, und baldigst in Wien eintreffen, gewinnt täglich mehr Wahrscheinlichkeit, weil er nicht nur österreichischer General, sondern auch den Titel eines russischen Marschalls hat.
Mit Bestimmtheit sieht man der Anerkennung Ungarns von Seite Frankreichs entgegen. Dann gibts einen Weltkrieg. Im französischen Gesandtschaftshotel wird bereits gepackt.
21,000 Mann russische Truppen werden ein Lager bei Margarethen in der Nähe Oedenburgs beziehen, irli Bei Peter war dein fand ein für die Kaiserlichen günstiges Treffen statt. Die Serben sind wie die Kaiserlichen stets siegreich, und Verlieren eine Strecke Landes nach der andern. Die Naizen sind hirnverrücktes Gesindel! Nach neueren hier circüli- penden Gerüchten soll der Ban geschlagen, ja gar- gefangen worden sein.
1000 Russen find in Neustadt eingerückk. Görgey hat seine Hauptmacht, 60,000 Mann bei Raab concentrirt. In Kaschau und Eperies sind die Russen. In Preßburg begnadigt man fortwährend zu Pulver und Blei. Eine als Spionin eingezogend Freiin von Uovorovsky erhielt50 Peitschenhiebe!!! dann ward sie gehängt.
Ungarn.
Wien, L Juni. (N. O. Z.) sVom ring arischen Kriegs-Schau platz. ] Mit Kaschau geht cs uns ganz so, wie mit Ofen, es circuliren darüber die widersprechendsten Gerüchte; selbst das sonst gut unterrichtete Fremdenblatt zweifelt an der Einnahme dieser Stadt durch die Russen, theilt aber dennoch einen Privatbericht mit, worin erzählt wird, die Russen hätten sich der Stadt genähert und dieselbe zur Uebergabe aufgefordert. Man sandte einen Parlamentär hinaus, mit der geheimen Instruction, die Russen so lange als mäglich mit Discussionen hinzu- halten, endlich kam ein zweiter Bote, der die Unterwerfung der Stadt anzeigte und die Russen zum Einzüge aufforderte. Kaum waren sie jedoch cingerückt, als auch schon auf das Heftigste aus allen Häusern auf sie gefeuert wurde, man warf Tische, Stühle hinab , begoß sie mit siedendem Oel u. s. w. Der Commandant richtete sich mit größter Kaltblütigkeit zum Abmarsch und zog mit seiner Mannschaft unter klingendem Spiele (?) aus der Stadt; dort ließ er Kanonen auffahren und so lange bombardiren bis die ganze Stadt zerstört war. — Umständlich ist diese Erzählung, aber ob sie auch wahr sei, daß ist eine andere Frage, zumal vielseitig behauptet wird, daß die Russen noch an keinem Punkte die ungarische Grenze überschritten haben.
Pcsth und Ofen bieten seit der Einnahme des Letzteren nur wenig Interesse mehr für das Ausland; der Pcfther Magistrat veranstaltet ein Volksfest zur Feier der ungarischen Unabhängigkeit; er hat gleichzeitig im Namen der Stadt hundert Verwundete zur Verpflegung übernommen und gibt Jedem eine Zulage von 6 fr. Auch an Wiederherstellung des durch das Bom- bardcmcut angerichteten Schadens wird rüstig gearbeitet und cs wird zu diesem Zwecke Bauholz aus Szol- nok und Komorn zugeführt. — Die gestrige Wienerin klagt, daß die Naizen in Ofen schlecht behandelt werden, verschweigt aber, daß die Naizen, welche gleichfalls Ofener Bürger sind, aus den Häusern der Festung auf die Magyaren feuerten, als diese Ofen einnahmen.
Die Besatzung von L e op o l d st a d t an der Waag ist ausmarschirt und durch ein combinirtes Bataillon ersetzt worden. FML. Wohlgemuth hat sein Hauptquartier in Frcistadtl. Die Magyaren stehen jetzt wieder plötzlich in Neutra; die österreichischen Vorposten sind bis nahe dahin vorgerückt. In Frcistadtl an der Waag wurde ein Ingenieur verhaftet, dessen Bruder — ein Bischof — sich bei Kossuth befindet. Der Ingenieur soll mit den Plänen im Einverständnisse gewesen sein, die über die Waag von den Oestreichern geschlagene Brücke in die Luft zu sprengen und so die am jenseitigen Ufer stehenden Kaiserlichen von der Hauptarmee abzüHncideu. Der Verhaftete wurde nach Tyrnau abgeführt. Die in der Umgegend von Neutra Wohnenden hören fortwährend Kanonendonner. In der Gegend von Tyrnau soll das russische Lager geschlagen werden, woselbst auch der Keiser erwartet wird;' in Holitsch sind die Appartements für denselben bereits hergerichtet worden.
An der galizischen Grenze werden noch immer Leute aufgegriffen, welche nach Ungarn hinüber kommen wollen; doch wird das Glück, erwischt zu werden, nicht allen zu Theil und eine ansehnliche Zahl hat sich neuere diings zu DembinMs Armee durchgebracht.
Ein dumpfes Gerücht durchläuft heute die Stadt, — daß ich Ihnen nur mit der Bemerkung mitzuthei- len wage, daß Sie demselben nicht mehr Glauben bck- messen mögen, als eben ein Gerücht beanspruchen kann. Reisende aus Pcsth sollen die Abschrift eines dort erschienenen Plakates mitgebracht haben, worin die Ge- fangennahme eines sehr hohen Offiziers der Südarmec gemeldet und die Bevölkerung ermahnt wird, im Falle der Gefangene nach Pcsth gebracht würde, den Unglücklichen zu schonen und sich durch ein zartes Benehmen als hochherzig und edel zu beweisen. Ich
habe die Sache mehrffeitig erzählen gehört, ohne die Wahrheit verbürgen zu können.
_ Debrezin, 18. Mai. In der heute abgehaltenen Sitzung des Repräsentantenhauses unterbreitete B. Ha- Isljj einen Vorschlag zur ModiMirung der jetzigen Sta- tute^des Hauses; derselbe wird gedruckt, und soll am 4. Unni in Verhandlung genommen werden. Der Finanzminister Duschek ersuchte das Haus, je eher die Steuergesetze in Verhandlung zu nehmen; was auch in Kurzem geschehen wird.
(H V v ß ö r è t Ä R N i e N.
London, 31. Mai. Die Berichte ans Irland lauten immer kläglicher. Hungertod, Fieber und Pest wüthen selbst in den Armenhäusern, welche durch das tägliche Austreiben einer Masse kleiner Pächter noch überfüllter werden, als sie cs schon längst sind. Die Berichte sprechen jedoch günstig von den Aussichten für die diesjährige Kartoffelernte. Die Opposition gegen die Hülfssteuer im Norden ist verschwunden. Sie wird bezahlt werden — aber Irland ist damit nicht geholfen — es bleibt nach wie vor in den Händen der rücksichtslosen Aristokratie. Ueber die Staatsgefangnen O'Brien Menagher und M'Maus ist noch nichts entschieden. Eine Petition zur Linderung des ihnen ebenfalls bevorstehenden Urtheils geht an die Königin. Sie hat an 50,000 Unterschriften in wenigen Tagen erhalten, unter denselben diejenigen der geachtesten Männer- des Landes. — In Tormawara sind kürzlich 600^Personen auf einmal von den Gütern des Rev. Massy Dawson — also eines Geistlichen — verjagt worden, um auf offner Landstraße zu wohnen, unter freiem Himmel zu schlafen, und Gras zu essen, wenn sie nicht gleich verhungern wollen. Die Königin gibt Feste, man illuminirt an ihrem Geburtstag uno ihre Unterthanen sterben zu Hunderten, zu Tausenden vor Hunger. Dieses die Folgen unserer socialen Zustände.
Mit dem Dampfschiff „Amerika", welches die Reise von Ncw-I)ork über Halifax in 11 Tagen 10 Stunden nach Liverpool zurücklegte, haben wir hier Nachrichten bis zum 16. d. aus New-Iork und bis zum 19. d. auS Halifax erhalten. In Canada herrscht jetzt so ziemlich Ruhe, weil die Unzufriedenen die Antwort der Königin auf die zahlreichen an sie abgesandten Adressen um Abberufung des Gouverneurs Lord Elgin, und Widerruf der „Entschädigungsbill" abwarten wollen. In Ankatan dauert der Krieg fort, die Indianer scheinen an Stärke und Verwegenheit zuzunehmen. Die Mexikaner flüchten von allen Seiten in größere Städte. Im westlichen und südlichen Theile der vereinigten Staaten macht die Cholera fürchterliche Verwüstungen. In Mew-Orleans soll sie sich besonders stark zeigen.
Die Nachrichten aus St. Domingo reichen bis zum 27. April. Das Kriegsglück hatte sich dort gewendet. Präsident Soulouque lagerte vor St. Domingo; ein kleiner Bach, aus dem er sein Wasser schöpfte, war von den Einwohnern vergiftet worden, welches Tod und Verderben unter die haytische Armee brachte. Die Dominger benutzten diesen Zeitpunkt, fielen über seine Truppen her, schlugen sie und machten viele Gefangene.
Die Regierung zu Washington will das Absegeln des von der deutschen Centralgewalt angekauften Dampfboots „United states", das in ein Kriegsdampfboot umgewandelt und bemannt werden soll, nur unter der Garantie absegeln lassen, daß dasselbe in dem gegenwärtigen Kriege gegen Dänemark nicht verwendet werde. Dies ist um so auffallender, als Niemand, selbst nicht einmal der dänische Gesandte dagegen pro- testirte. (T. Z.)
K r a u k r § è dj.
Paris, 3. Juni. Perrot, bisher nur provisorischer Befehlshaber der Seinebürgerwehr, ist zum DivisionsGeneral und definitiven Kommandanten derselben ernannt.
Auf den Tisch der Legislativversammlung wurden gestern folgende zwei wichtige Anträge gelegt: 1) Eine Commission ist sofort in den Abtheilungen zu ernennen, welche das Reglement durchzusehen und der I Versammlung die nöthigen Aenderungen vorzuschlagen ! hat. (gcz.) Barthelemy Saint-Hilaire, 2) Die Unterzeichneten glauben einem allgemeinen Gefühl zu entsprechen und den Inte: eßen der Republik zu dienen, ! indem sie der nationalen Legislativversammlung folgende Proposition verlegen, deren Überweisung an die Abtheilungen sie beantragen: „Einziger Artikel. Ganze und volle Amnestie ist allen Bürgern gewährt, ] die seit der Februarrevolution für politische Vergehen oder Verbrechen verurteilt wurden." (gez.) Pascal Duprat. Charras. H' Latradc.
Bei der immerwährenden Angst: das Volk oder ! Chaugarnier könnten die Nationalversammlung stürmen, I ist die Quästorenwahl sehr wichtig. Die Poitiers trauen 1 dem General Lebreton nicht länger und möchten ihre Freunde Panat und Baze an dessen Stelle setzen. Das Skrutin mußte indessen gestern Abend annullirt werden, denn nur der General Le Flo errang die nöthige Majorität — 347 Stimmen. Die Abstimmung über diesen Posten muß deshalb morgen wieder erneuert werden. Le Flo gehört keiner Partei entschieden am
Im Operngange'läuft das Gerücht, es solle ein Corps von 50,000 Mann am Rheine aufgestellt werden. Ähnliches melden die Blätter aus ChalonS und andern Orten.
. , x^Iten besitzen wir keine wesentlichen That- sachen über Toulon oder Marseille. Dagegen erfährt man durch das Turiner Blatt Opinione, daß Oester- rclch alle Festungen längs der piemontesisch-französischen Gränze, namentlich Genua, besetzen wolle. Diese Nachricht macht große Sensation in Paris. (Mz. Z.)
Italien.
Rom, 25. Mai. In der gestrigen Sitzung der Constituante wurde eine Mittheilung des Triumvirats viilcgn, auS bei hcrvorgeht, daß die Negoziationen mit der französischen Republik keineswegs jede Hoffnung zur gütlichen Ausgleichung der Differenzen ab- schneiden. Behufs näheren Abschlusses sei der Depu- tirte Accursi wieder nach Paris geschickt worden. Aus Ankona nichts Neues.
Turm, 30. Mai. Ein Gerücht von höher Wichtigkeit! Es soll eine österreichische Note eingetroffen sein, welche die Uebergabe aller Grenzfestungen und der Stadt Genua an die Radetzky'schen Truppen fordert Das Ministerium hat 8 Stunden deliberirt und ist noch zu keinem Entschlusse gekommen. Alles ist außer sich, Alles ruft : Krieg den Oesterreichern! (M.Z.)
S eh w e è z.
Im Kantsn Bern hat die sozial-demokratische, die rothe Partei einen bedeutenden Sieg erfochten: ihr erster Staatsmann deutsch-schweizerischer Zunge, der talent- und charaktervolle junge R. R. Stämpfli, ist vom Gr. Rath am 30. mit eklatantem Mehr zum Regierungspräsidenten erwählt, und zugleich sein Schwager, Fürsprech Niggeler, Redakteur des Stämpfli'schen Organs, der „Bern. Ztg.", zum Präsidenten des ber- nischen Gr. Rathes. Die Stadt Bern, welche nicht übel Lust zu haben schien, die Erbauung des Bundesrathshauses nunmehr, da Bern ja einmal Bundesstadt geworden, auf sich beruhen zu lassen, hat dieser Tage einen sanften Rippenstoß als Mahnung zur Beschleunigung erhalten: Die Regierung that ihr am 25. kund, falls bis zum 28. kein Bericht über die bisherigen Schritte u. s. W. einlaufe, so werde sie selbst beförderlichst die Sache an Hand nehmen und dem eben versammelten Gr. Rathe geeignete Vorschläge hinterbringen. — General Thiard, der Gesandte der „Nationalpar- tei" zu Bern, will den Sturz her ©einigen nicht überleben ; er hat daher dem „Elysee" seine Entlassung eingereicht, — warum sollten wir nicht etwa den „Holzgrafen" sonderbüttdischeu Andenkens zu seinem Nachfolger erhalten? Wenigstens visirte er doch die Pässe gratis, und zwackte den armen Teufeln von pensionir- ten Soldaten nicht den vierten Theil ihrer Pension unter dem Titel von Legalisationsgebühren ab.
Eine ehemalige Genossin der berüchtigten Rollfuß- schen „Sterbeanstalt zu Steinerberg" im Kanton Schwyz, Therese Städelin, die zur Vorsteherin des durch des Sonderbundkrieg in's Stocken gerathenen Gubelklostern bestimmt war, gab, da dieser Plan scheiterte, bei einem Pfarrer Rollin in Menzingen (Kanton Zug) Privatdarstellungen: in majorem dei gloriam schwitzte sie Blut an der Stirn und an den Händen, alle Freitage fiel sie zu Ehren des Charfreitags in Verzuckung, starb regelmäßig um 3 Uhr und stand um 5 Uhr von den Todten wieder ans. Die Regierung drückte anfangs ein Auge zu, als aber ganze Schaaren fanatisirter Bauern den Pfarrhof zu umlagern begannen, um das angebliche Wunder anzustauneu, und dadurch ein immer willfährigeres Werkzeug in der Hand kluger Pfaffen zu werden, da griff sie doch endlich durch: eine nach Menzingen geschickte Kommission entdeckte balv den läppischen Betrug, und seit dem 21. Mai sitzt die blutschwitzende Heilige in Zug in sicherm Gewahrsam. (N. D. Z.)
N K ch s ch r i f t.
Heidelberg. (Westd. Z.) In Kirchheim-Boland fand ich die Mainzer Freischaaren, Alles prächtige, thatenlustige Leute. Ueberhaupt gilt dieses von allen Freischärlern, die ich sah. In Kaiserslautern traf ich übergegangene Preußen. Hier tadelte man Blenker sehr, weil er die unhaltbare Stellung in Worms eingenommen. Es ist nur gut, daß die Pfälzer ohne den geringsten Verlust Worms aufgegeben haben.
Siegel hat bei Heppenheim großen Muth aber wenig Feldherrntalent bewiesen. Er ist deßhalb auf den Wunsch der Truppen vom Obcrkonrmando abgetreten, Beck ist zu seinem Nachfolger ernannt. Die Freischaaren haben sich besser geschlagen als das sogenannte reguläre Militär. Unparteiische Berichterstatter versichern, bei Heppenheim sei die Unordnung auf beiden Seiten gleich groß gewesen. Die Hessen sind im trübseligsten Zustand nach Heppenheim zurückgekehrt.
Die Stimmung ist, wo ich hin kam, überall sehr gut. Wäre die Anarchie in den Monarchien nicht größer als hier, so wäre hier kein Aufstand erfolgt, Es ist richtig, daß hin und wieder noch disputirtwird, ob die Republik einzuführen sei. Aber in einem Punkte herrscht die größte Einheit, nämlich im gemeinsamen Hasse gege^ " Alles, was Preuß heißt. Für die Pfalz schadet die Verzögerung des Angriffs keines wegs. . DaS Land ist sehr reich und fruchtbar.
Da die fmuzösischen Behörden keine Waffenausfuhr gestatten,- so wird die Fabrikation derselben allen Orten mit dem größten Eifer betrieben.