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Freiheit und Neekt!"

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Mufgefcharrt, ihr Männer in Nassau!

* Wiesbaden, 6. Juni. Das nassauische Regierungs­blatt von gestern trägt einen Artikel an der Stirne, worin es in der Mannten schamlosen Weise Nassau auffordert, sich für die Verfassung des Bürgers Frie­drich Wilhelm Hohenzolleru zu entscheiden.

Darum aufgcschaut, ihr Männer in Nassau: es scheint Leute in Nassau zu geben, die Euch gerne der preussisch - russichcn Knute überliefern mochten.

Nur Menschen, welche jedes Ehrgefühls baar, Menschen, welchen der Geldbeutel der Gott ist, und welche bei dem Namen Vaterland nur an ihre Aem­ter, Pfründen und Würden denken, nur solche Ere- aturen können cs wagen, jetzt vor die deutsche Nation zu treten und ihr zuzumuthen, mit der königlichen Un­verschämtheit des Hohenzolleru, welcher die Anerbie­tungen des Parlaments so schnöde zurückwies, noch­mals Verbindungen anzuknüpfen.

Der Bürger Hohenzollern hat die ihm von der deutschen Nation angebotene Krone der letzteren vor die Füße geschleudert, und jetzt will dieser übermütige Bürger diese Krone durch sein herrliches Kriegsherr sich erobern, und er will diese Krone nicht aus der Hand des Präsidenten der deutschen Nationalver- sammlung, sondern aus der des Wrangel und sei­ner unsaubern Genossen entgegennehmen.

Unauslöschliche Schmach und Schande wird das deutsche Volk auf sich laden, wenn es den jetzigen Anerbietungen des Prcussenköuigs, der vielmehr russ­ischer Statthalter in Kleindeutschland ist, Gehör leiht, und das deutsche Volk wird, wenn es an der Ver­fassung jenes Königs sich betheiligt, beweisen, daß es nicht aus freiheitstolzen Männern sondern aus feilen und verweichlichten Buben besteht, welche verdienen von der preußisch-russischen Knute gezüchtigt zu werden. Der Deutsche ist schon viel geschlagen, betrogen und geschunden worden, und in seiner erbärmlichen gesetz­lichen Geduld, hat er die gesetzwidrigsten Prügeleien ruhig hingenommen; wenn er aber jetzt nochmals sich durch die preußischen Pfiffe überflügeln läßt, dann mag er sich glücklich schätzen, wenn ihn der Kossacke und Kalmücke seiner Gesellschaft nicht für unwürdig hält.

Wir hoffen aber, daß das .Volk in Nassau nicht den Sclavensinn besitzt, welchen das Regierungsblatt bei ihm voraussetzt, und wir sind fest überzeugt, daß ganz Nassau wie ein Mann einem Beschluße der auf 2 Volksversammlungen zu Oestrich und Hofheim, bereits gefaßt wurde, beitreten wird und der also lautet:

Die Versammlung beschließt zu erklären: daß jeder, wer cs auch sei, welcher die Hand dazu bieten würde, die von dem König von Preußen ausgegangene Verfassung, auch für Nassau verbindlich " zu machen ein Verräther am Vaterlande sei.

Deutschisnk.

-»-Wiesbaden, 6. Juni. Das ganze Land war mit Recht darüber entrüstet, daß die Kammer sich nach den Pfingsten auf acht Tage vertagte, zu einer Zeit, in welcher das Volk einer kräftigen und entschiedenen Sprache seiner Vertreter so nothwendig bedurfte, und in welcher die Regierung ganz im Widersprüche mit einem klarredenden Kammerbeschlusse, Truppen gegen die badische Grenze abscndcte. Samstag den 2. Juni sollten sich die Kammermitglieder wieder auf ihrem Posten einfinden. Man erwartete nun von Tag zu Tag eine Kammersitzung: allein Montag und Diens­tag verstrichen und eine Kammersitzung wurde nicht abgehalten.

Daß heute, Mittwoch den 6. Juni, eine Sitzung abgehalten werden würde, glaubte man nun allgemein. Allein die Hoffnung auf eine Kammersitzung wurde abermals zu Wasser. Warum wurde aber heute keine Sitzung abgehalten?

Weil die Herren Regierungskommissäre einer Sit­zung beizuwohnen, nicht für gut fanden. Bravo! ihr Heirn Negierungskommissäre! _

Was habt ihr auch nöthig, die Stimme der Volks­vertreter zu hören? Das Volk kann sich ja so auf Euch und eure Collegen verlassen, daß es eigentlich gar nicht einer Volksvertretung bedarf. O gläubiges Volk falle auf die Knie und bete deine Regierungs­

menschen an, welche unter allen Umständen für dein Wohl Sorge tragen werden. Kann aber die Kammer nicht ohne die Herren auf der Negierungsbauk eine Sitzung halten? Nein, der §. 40 der Geschäftsord­nung verbietet cs, und die Mehrheit unserer Kammer, welche Mehrheit bekanntlich aus unvergleichlichen und ausgesuchton Personen besteht, wird eS wol nm Alles in der Welt nicht wagen, trotz des §. 40 sich zu ver- sammeln.

Nebermorgcn, Freitag den 8. Juni soll erst wieder eine Sitzung sein.

Volk fei ruhig und bezahle stillvergnügt die Diä­ten für die Kammer und die Besoldungen für die Herrn der Regierungen, und vergesse keinen Augen­blick, daß du eigentlich bloß zum Zahlen, Zahlen da bist.

OKatzenclllibogen, 4. Juni. Nachdem bereits in verflossener Woche von allen hiesigen Orten Miß­trauensadressen, welche nie freudiger und einstimmiger gezeichnet, an den Minister H e r g e n h a h n abgesen­det worden, ging heute die nachstehende, von der Ho- lenfelser Volksversammlung einmüthigst angenommene und von fast sämmtlichen Bürgern aller Gauortschaf- tcn unterschriebene Adresse an unsere Kammer ab:

H o h e K a m in e r:

Unterzeichnete Nassauische Staatsbürger finden in der Absendung der Nassautzyen Truppen an die Ba- densche Grenze, die keinen andern Zweck haben kann, als die Erhebung der BadePer und Pfälzer für die deutschen Rcichsverfassung zu unterdrücken, eine unver­antwortliche Handlung des Ministeriums Hergenhahn.

Jetzt, nachdem unsere Truppen die Reichsverfassung beschworen, ist jede Handlung, die gegen die Ausfüh­rung derselben gerichtet ist, Hochverrath gegen die hei­lige Sache des Volkes und eine Verletzung des jüngst erst geschwornen Eides.

Dem Volke ist es nicht gleichgültig, ob seine Söhne und Brüder auf Befehl eines Ministers Meineidige werden, oder nicht.

Eine Berufung auf die Befehle des Reichskriegs- ministers halten wir um so weniger geeignet, die oben­genannte Maßregel unsers Ministeriums zu rechtferti­gen, da das Reichsmiyisterium von der Nationalver- sammlung der höchsten Behörde in Deutschland selbst nicht anerkannt ist.

Wir fordern daher hohe Kammer hierdurch auf, den Minister Hergenhahn wegen der Absendung unse­rer Truppen an die Badensche Grenze zur Verant­wortung zu ziehen und unverzüglich dahin zu wirken, daß dieselben schleunigst zurückgerufen werden.

PH.rborn, 3. Juni. Bei den heutigen Urwahlen Behufs der Ersatzwahl für den ausgetretenen Depu- tirten E. Wenckeubach hat die Demokratie den voll­ständigsten Sieg über unsere heulerische Bourgeoisie davongetrageu. Von den durch den Märzperein aus­gestellten 21 Kandidaten gingen 19 mit entschiedener Majorität durch und die beiden übrigen fielen nur wegen ungenauer Namensbezeichnung aus. Daran hätte gewiß unsere Aristokratie vor einem Jahre nicht geglaubt, allein man lernt seine Leute kennen und die Demüthigung davon bleibt nicht aus.

O Hachenbnrg, 1. Juni. Obgleich unsre Schul- kommission am 25. April zusammcugetreteu ist und während einer fünfwöchigen Thätigkeit gewiß schon über wichtige und wesentliche Punkte der Schulorgauisation berathen und beschlossen hat; so hat sie außer der An­zeige ihres Zusainmcntrcteus noch nicht das Geringste von sich vernehmen lassen. Es muß dies von den Vertretern des Volksschulwesens um so auffallender erscheinen, als ihnen wohl bekannt ist, daß sämmtliche Lehrer des Landes mit gespannter Erwartung der Ver­öffentlichung ihrer Verhandlungen entgegensetzen. Wa­rum das Schweigen und Geheimhalten? Mißtrauen gibt sich zwar nirgends kund; denn man ist fest davon überzeugt, daß die Vertreter des Volkslehrerstauves Kraft, Muth und guten Willen genug besitzen, das Wohl der Volksschulen und deren Lehrer wohl zu wahren; aber ein wenig Unmuts spricht sich ob diejes geheimen Thuns, allgemein aus.

Alsbaldige Veröffentlichung der Verhandlungen und zwar Abschnittweise hält man für unumgäng­lich nothwendig, namentlich weil die tausend Volks­schulen des Landes und ihre Lehrer nur zwei Ver­treter haben, die unmöglich mit den Wünschen aller Lehrer so ganz vertraut sein können und insbesondere

nie Gelegenheit gehabt haben, die Bedürfnisse der Land­lehrer aus eigner Erfahrung genau kennen zu lernen. Zweifelsohne würden noch Anträge und Vorschläge zu den Verhandlungen eingehen, welche sehr zweckdienlich sein dürften und auf diese Weise Mißgriffe verhütet werden, deren Beseitigung später äußerst schwierig sein möchte.

Also Veröffentlichung der Verhandlungen, ehe die vorbehaltene zweite Lesung vorgenommen wird.

§t Limburg, 4. Juni Heute fand die wichtigste und für Limburg vielleicht die folgenreichste Sitzung des Gemeinderaths, seit Einführung der neuen Ge- meindeorduuug, statt; nämlich die, über Einführung der barmherzigen Schwestern. Von dem hiesigen Pius- Verein war an den Gemeinderath das Ansinnen ge- ftellt worden, die Krankenpflege im hiesigen Kranken­hause den barmherzigen Schwestern anzuvertrauen und wurde tiefer Antrag hauptsächlich dadurch motivirt, daß die bisherige Pflege mangelhaft gewesen sei. In einem von Herrn Obermedizinalrath Thewalt ein- gezogeuen Gutachten, sprach sich derselbe dahin aus, daß die bisherige Krankenpflege ganz genügend gewe­sen sei, die Mängel des hiesigen Krankenhauses ganz anderer Art seien und daß er im Verein mit dem Ge­meinderath recht gern zu deren Hebung bereit sei.

In der Sitzung wurde dieses Gutachten verlesen und hierauf von dem Gemeinderath Eduard Trom­bet ta der Antrag gestellt, daß man auf das Ansinnen des Piusvereins eingehen und die Berufung der barm­herzigen Schwestctn genehmigen möge.

Ein Gegenantrag des Gemeinderaths Thewalt auf Abweisung dieses Ansinnens, wurde von demselben in tüchtiger, wenn auch mitunter etwas herben Rede, motivirt Derselbe machte auf das Gefährliche dieser Be- rufung, auf die Proselitenmacherei ?c. aufmerksam, berief sich darauf, was Limburg in freisinniger Beziehung gewe­sen und nun geworden sei, und stellt die Stadt, wenn sie sich noch mehr dem UeberhandgenommencnUltrammtanis- mus in die Arme würfe, das ungünstigste Prognostikon. Vor Schluß der Rede ereignete sich der komische Zwi­schenfall, daß Gemeinderath Fachinger aufsprang und unter dem Gelächter des Publikums heftig aus­rief, er sei nicht hierher gekommen, um Reden zu hö­ren, er habe zu Hause zu thun unb gehe weg, worauf Thewalt ruhig entgegnete, letzteres stehe ihm frei, übrigens möge er überzeugt sein, daß er so delikat sein werde, ihn ruhig anzuhören, wenn er (Fachin- ger) je einmal in den Fall kommen werde, eine Rede zu halten.

Bei der nun erfolgten Abstimmung stimmten für Einführung der barmherzigen Schwestern, die Ge­meinderäthe Eduard Trombetta, I. A. Pachten, Jo­hann Nepomuck Kremer, I. Fachinger, I. Geisel und Hensler; dagegen die Gemeinderäthe Buchhändler Ebenau, Amtsaecessist Thewalt, Prokurator Hilf, J. P. Hammerschlag und Joseph Burkhart.

Die 4 letzten zeigten nun ihren Austritt aus dein Gemeiuderäthe mit dem Bemerken an, daß sie auf eine gedeihliche Wirksamkeit ihrerseits nicht mehr rechnen könnten.

Referent enthält sich jeder Bemerkung und über­läßt es Ihren Lesern, sich seine Glossen über die hie­sigen Zustände im Jahre des Heils 1849 selbst zn machen.

Mainz, 5. Juni. Es gibt nichts so Dnmines, Gemeines oder Freches, wozu derangestammte Ge- horsam" eines doktrinären Professors nicht fähig wäre. Kaum ist die Drei-Königs-Verfassung erschienen, kaum hat König Friedrich Wilhelm gewinkt mit dem Finger, so thut sich jene Clique der Außrekßer, welche Deutsch­land schon in so unsägliche Verwirrung gestürzt und dann feig ihren Posten verlassen hat, auf, um sich wie­der in den Vordergrund der politischen Vermittelung oder vielmehr Verpfuschung zu stellen. Es sind die nur zu bekannten Namen eines Mathy, Soiron, Dahlmann, H. und M. v. Gageru und Konsor­ten, welche unter dem Schutze der Erfurter Kanonen eine Einladung zu einer Versammlung der Außreißer nach Gotha ansschreiben, umauf friedlichem und ge­setzlichem Wege" die deutsche Nation wieder an der Nase herum zu führen oder wie sie sich in ihrem Auf­rufe ausdrücken,ein möglichst übereinstimmendes Ver­halten in der gegenwärtigen Lage des Vaterlandes, insbesondere gegenüber der obschwebenden Frage der Reichstagswahlen für diejenigen Staaten sowohl, welche