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Freiheit nnd Recht!"

WieSbade». Mittwoch, «. Jn»i

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5 Vom Taunus. Das ganze Amt Höchst ist in Belagerungszustand erklärt, die gesetzlichen Behörden sind für null und nichtig erkannt, das geltende Recht ruht auf der Spitze eines beliebigen Hauptmanns-De­gens und mit der vollziehenden Gewalt sind preußi­sche und österreichische Bajonette betraut. Wer dieses liest, wird staunen, er !at nie von einem Gesetz ge­hört, das einen solchen Zustand verfügte und noch viel weniger einen Grund in Erfahrung gebracht, der zu einer derartigen Maßregel Veranlassung gegeben. Doch Gesetze kennt ja das sogenannte Reichs-Ministerium Grävell nicht, das da berufen wurde, um der Nach­welt einen glänzenden Commentar zu der Handlungs­weise der Deutschen von Gottes Gnaden abzugeben, cs hält sie für überflüssig, wo Reichstruppen die Ge­wehre präsentiren. £cm Zufall also verdanke ich nur die Kenntniß von dem Vorhandensein einer Bestim­mung, welche die bisher bestandene gesetzliche Ordnung umstößt, welche die Ruhe und Sicherheit sämmtlicher Bürger gefährdet und Hohn spricht jedem Recht.

Wer mit einer Waffe in der Hand erblickt wird, wer die rothe Farbe liebt und sie in irgend einer Weise äußerlich werden läßt, soll unverzüglich arretirt und nach Frankfurt abgelicfert werden, so lautet die In­struktion, die der jeweilige HarPtmann einer die Bür­ger aussaugenden Compagnie Soldaten mit sich trägt. Die Eroberung Nassau's hat hiermit begonnen und unsere Negierung schweigt und noch heult man dem Volke vor, daß bald seine Freiheit von dem Nccktar saufenden Jupiter in Berlin kommen werde; ja sie wird kommen, diese Freiheit, ähnlich der, welche dem westindischen Sklaven auf den Plantagen seines väter­lichen Beschützers verlieben, ist, Vergebens sprach ein Ehrenmann vor einiger Zeit in der nassauischen Kam­mer von einer Kriegserklärung Preußens, der nassaui­sche Minister schalt ihn einen Aigner; schau um dich, Volk, und überzeuge dich, daß Jener die Wahrheit ge­redet. Aber leider gibt es bei uns noch Menschen, die jubelnd in die Hände klatschen ob solchem Zustand, die Gewiffenslosigkeit genug besitzen, um schmählicher Militärwirthschaft in die Hände zu arbeiten. Beispiele sollen reden.' In dem Dorf Hattersheim eristirt eine Partei oder richtiger gesagt ein Mann, der einige zwar mit weltlichen Güter gesegnete, aber mit geistigen Gü­ter stiefmütterlich bedachte Menschen nach seiner Pfeife tanzen läßt, welche es bedauert, daß der gesunde Sinn der dortigen Bauern sie ihres früher besessenen Ein­flusses auf Gcmeiudeangelegknheitku beraubt hat und deßhalb nach allen Mitteln greift, um ihre früher aus- geübte Willkür wieder zu erringen. So versuchte diese Parthei den Amtmann in Höchst mit einer Anklage zu belangen, weil er bei den Gemciudewahlen, sonderbar, nach dem Gesetze verfahren hatte. Ferner begab sie sich eines Tages zn dem Herzog von Nassau, um dem­selben wichtige Aufschlüsse in Betreff der von ihm zu befolgenden Politik zu ertheilen. Diese Partei befand sich nun vor einigen Tagen in dem Gasthaus zum Schützeuhof in Hattersheim und ihr Chef ein gewisser Werle, der sich, beiläufig gesagt, für einen großen Staatsmann erachtet, hielt Vorlesungen über Politik re. Getrennt von diesen saßen drei Fremde, unter ihnen ein Kaplan aus der Umgegend, der sich durch sein humanes Benehmen der allgemeinen Achtung erfreut, welche sich zufällig auf der Taunuseisenbahn getroffen und ruhig über die Tagesneuigkeiten verhandelten. Im Laufe ihres Gesprächs erwähnte Einer der badischen Freischaaren und als sich der Kaplan billigend über deren Auftreten aussprach, sprang der Wirth plötzlich auf, faßte den Kaplan an der Kehle, riß ihn zu Bo­den und transportirte ihn mit Fußtritten zur Thüre hinaus. Die beiden Genossen des Kaplan's erhoben sich natürlich, entrüstet über solch schmähliche Gemein­heit, zu dessen Schutz; der eine faßte seinen Stock und bei dieser Gelegenheit zeigte sich, daß derselbe eine Klinge umschloß. Dies bemerkend, schrien diese saubern Hattersheimer nach dem Offizier der Reichstruppen und bezeichneten demselben den Träger des Stockvegens als einen gefährlichen Wühler. Der Offizier hatte nun nichts eiligeres zu thun, als den Verdächtigen zu ar- retiren und nach Frankfurt abführen zu lassen; der Arretirte war Dr. Dronke aus Coblenz. Sat sapienti.

HM. Aus dem Sundewitt, Standquartier der Nassauer, Ende Mai. Schon zeigte der Frühling, ob­gleich erst in blatt-grüner Farbe, daß er die Kraft des

starren Winterschlafes gebrochen, als das zweite Regi­ment Nassau, die von einer wärmeren Sonne geseg- ueteu^Gauen seiner Heimath verließ und nach weni­gen Tagen Fluren begrüßte, über welche die todte Winterherrschaft ihr weißes Kleid noch ausgebreitet

Und wie dieses Schlafgewand Schleswig-Holstein's Gauen weit länger überzogen, denn die südlicheren Ge­filde Deutschlands, so scheint auch ein politischer Schlaf die Bevölkerung, besonders von Nordschleswig, zu'bc- Herrsichen, denn man findet wenig klare Ideen in po­litischen Dingen. Welch ein großer Unterschied in der politischen Bildung zeigt sich zwischen dem Bewohner des badischen Oberlandes und dem von Nordschleswig!

Die Erzeugnisse des gesegneten Landes, die Gast­freundschaft seiner Bewohner, boten den zur Unter­drückung der Freiheitsbestrebungen herbeigezogenen Nas­sauer nur Freude; indeß das verschlossene argwöhnische Betragen der hiesigen Bewohner, deren Freiheit zu er­kämpfen die Tendenz der militärischen Wirksamkeit ist, das elende Lager in schlechten Strohhütten, Scheuern, Ställen rc., schlechte Kost, nasser kalter Wind, der starke Kamaschendienst vor in Feinde, nur Trübsinn und Krankheit an Körper und Geist erzeugen.

Das traurige, verdrießliche der Lage wird noch ge­steigert durch die pflegmatische Behandlung der Kran­ken durch die Aerzte, sowie durch den schwachen Sold bei der Theuerung aller Lebensbedürfnisse. Die Hrn. Offiziere fühlen das nicht so, da denselben, während dem Soldaten ein Abzug an der Löhnung festgesetzt wurde, eine nicht ganz unbedeutende Marschzulage per Tag in die Tasche fließt.

O diese Herren befinden sich in warmen Zimmern, bei Geldüberfluß, sehr wohl.

uno ^W Möauer' 'gVoiÄ "ut ruhigem ^Ergeben für man kämpfte, war es ja doch Die*Sacif?"Dl!utsch- lands, die Sache der Freiheit, wofür dieses Alles ge­duldet werden mußte.

Aber jetzt ist's anderes, wofür nunmehr gekämpft wird, wer löst das Räthsel ? Man denke sich, gestern wurde von dem Grafen Castell, Adjudant des Bri­gade-Commandeurs Herzog von Nassau, nachstehender Befehl an sämmtliche Corps-Chef abgegeben:Die in Hamburg erscheinende Zeitschrift (Freie Presse) ist für das Militär zu lesen verboten, und sind die, bei welchen solche vorgefuudcn, oder welche solche und de­ren Tendenz enthaltende Schriften und Reden verbrei­ten, zu arrctiren und an das Brigade-Commando ab­zuliefern."

Also eine Zeitschrift, welche unter Verantwortlich­keit eines Redakteurs in Deutschland ihre Eristen; hat, wird zu lesen verboten, eine Zeitschrift, welche mit dem Kampfe in Holstein eine und dieselbe Tendenz zu verfolgen schien.

Wer löst nun die große Frage, welches ist die Tendenz des Krieges in Schleswig-Holstein? Ohne Zweifel Herr von Hohenzollern selbst, welcher zu der ihm die Kunde der Kaiserwahl bringenden Deputation sagte: Der König von Dänemark ist mein guter Freund, ich liebe ihn, denn er will das Wohl seiner Untertha­nen!,, -? Man wundert sich jetzt nicht mehr, daß bei dem am 17. d. M. stattgehabten Batterieenkampfe von deutscher Seite nur 6466 Schüsie gethan wur­den, indeß von dänischer Seite 150160 Kugeln und Bomben das deutsche Lager begrüßten, die jedoch nur 1 Braunschweiger schwer und 2 leicht verwundeten.

So viel ist klar, daß blos der Unwille der Sol­daten, ob des Kamaschendienstes vorm Feinde, beson­ders das nicht befohlene Feuern der Holsteiner Artil­lerie auf dir Hufen Flügelbatterie, der Kampf hervor­gerufen und die Mißbilligung höherer Befehlshaber zur Folge hatte.

x Wiesbaden, 4. Juni. Bekanntlich hat die Kam­mer in einer der letzten Sitzungen den Beschluß gefaßt: die Regierung aufzufordern, für den aus der Natio­nalversammlung ausgetretenen M. v. Gagern so­fort die nöthige Ersatzwahl vornehmen zu lassen. Der Beschluß wurde wie zu erwarten stand, einstim­mig gefaßt, denn die Stimme,des Abg. Heyven- reich, die einzige Stimme dagegen, hat wegen der traurigen Berühmtheit, welche die Abstimmungen dieses Herrn bereits im ganzen Lande erlangt haben, gar keine Bedeutung. Aber ungeachtet dieser Einstim­migkeit soll, wie das Gerücht geht, die Regierung ge­sonnen sein, die fragliche Ersatzwahl nicht anzuord­

nen. Ob dieses Gerücht gegründet ist, hoffen wir den Lesern dieses Blattes nächstens mittheilen zu kön­nen, da eine Interpellation deßhalb jedenfalls in der nächsten Kammersitzung stattfinden dürfte.

DerKarlsruher Zeitung" vom 3. Juni entneh­men wir folgende Ansprache:

An das Volk in Vaden!

Als vor nicht ganz drei Wochen der Großherzog und seine Minister aus dem Lande flohen, hielten wir es Kraft der uns von der großen Landesversammlung zu Offenburg ertheilten Vollmacht, und in Gemäßheit des deutlich ausgesprochenen Willen des Volkes und des Heeres für unsere Pflicht, die Zügel der Regie­rung zu ergreifen. Es ist uns gelungen, das Land vor Anarchie zu bewahren. ,

Jetzt aber gilt cs, den drohenden Kampf mit den verbündeten Feinden der Freiheit und Einheit Deutsch­lands aufzunehmen. Das Vaterland ist in Gefahr. Die Zeit drängt zu rascher That. Eine zahlreiche Versammlung, wie unser Landesausschuß, ist nicht ge­eignet, den großen Kampf der Befreiung Deutschlands, der uns bevorsteht, mit der erforderlichen Kraft durch- zuführen. Darum haben wir einmütig eine

Provisorische Regierung

erwählt, welche in sich die gesammte Gewalt des Lan- desausschuffks und der.Vollziehungsbehörde vereinigt.

Unsere Wahl siel auf die Bürger

Lorenz Brentano, Armand Go egg, Joseph Fick­ler, Ignatz Peter, Franz Sigel.

Wir selbst haben unsere Kräfte zur Verfügung die­ser provisorischen Regierung gestellt. Wir werden die­selbe mit voller Ueberzeugung und allem Nachdruck unterstützen, und fordern zugleich das gesammte Volk in Baden auf, dem Rufe dieser wackern Männer zu folgen, zu der provisorischen Regierung zu stehen und sein wird. * "

Hoch lebe das große, das einige, das freie beutle Vaterland !

Karlsruhe, den 1. Juni 1849.

Der regierende Landesausschuß. Bannwarth, Barbo, Cordel, Damm, Degen, Happel, Henneka, Hoff, Junghanns, Kiefer, Rehmunn, Richter, Ritter, Rotteck, Stark, Statt, Steinmetz, Struve, Thi­baut, Torrent, Werner, Wernwag, Willmann, Ziegler.

Frankfurt, 4. Juni. Daß der Präsident des Reichs- ministeriums, Dr. Grävell, seine Entlassung einge­reicht, wird heute offiziell bestätigt.

Frankfurt, 4. Juni. (Rt. Z.) Aus ziemlich guter Quelle hören wir, daß alle Truppen kleinerer Staaten von der badischen Gränze zurückgezogen werden sollen, um nur Preußen das Pacificationsgeschäft im Süden Deutschlands übernehmen, d. h. den alleinigen Henker der Freiheit machen zu lassen. Dies würde mit unserer heute angesprochenen Ansicht ganz übereinstimmen, daß Rußland, Oesterreich und Preußen die Beruhigung Europas en gros übernehmen, damit in den groß­artigen Plan möglichste Einheit komme. Wie lange die Preußen selbst freilich sich zu dem brudermörder- ischen Plane hergcbrn werden, ist eine andere Frage.

München, 31. Mai. Die bei Donauwörth lagernden Truppen haben Befehl zum Ab­marsch nach der badischen Grenze erhalten!

Uebrigens greift im Militär der demokratische Geist ungemein stark um sich, daher sowohl Baden, als die Pfalz von unsern Truppen kaum etwas zu befürchten haben dürften. Kürzlich erst zog eine Abtheilung Sol­daten verschiedener Waffengattungen vor das Haus des Prinzen Karl, wo sie dem Hecker einHoch" aus­brachten. Dann zogen sie die Säbel, und riefen:Seht dieses Schwert, es gehört für die Freiheit Deutschlands, sonst aber für Niemanden!" Der Kommandant des ersten Jägerbataillons, Oberstlieutenant Hoffmann, der mit seiner Abtheilung kürzlich hier durchmarschirte, hielt vor München eine Anrede an seine Soldaten, worin er sie ersuchte, den Umgang des Leibregiments (bekanntlich durchaus demokratisch gesinnt) zu vermei­den, denn cs sei eine Schande und ein Spott, daß ein solches Truppenkorps eristire. (Karlsr. Z.)

Stuttgart, 1. Juni. In einer von vielen Sok- daten hier gehaltenen Versammlung wurde beschlossen, der Reutlinger Deputation die volle Zustimmung zu ihrem Verhalten zu erklären und Unterstützung zur Durchführung der Reutlinger Beschlüsse zuzufageu, die ausmarschirten Kameraden zu einer Beitrittserklärung