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Freiheit und Recht!"

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Wiesbaden. Sonntag, 3. Juni

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1849

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montaw TT.r f "~ "' ""^......."" ===^----------

durch die Post bezogen mit verhäUnißmäßiqeul Aufschläge 'Wor-,»/.« ^ !l ^^^^ Dogen. Der Abonnementsvreis hofr?;^ n x <."7^^^«^^^^ü

Der Sanipf an der Bergstraße.

Frankfurt, I.Jum'. DieDeutsche Zeitung" ent­hält in einem Erteablatt eine Erzählung des Gefechts bei Heppenheim, welches vorgestern (am 30.) stattfand. Um 4 Uhr Morgens stellten sich darnach die Hessen gegen die badische Grenze auf, "ihre Borposten im Kirchhäuser und Erbacher Thale und in der Ebene gegen Oberlaudenbach vorschiebend. Der Morgen ver­lief ruhig; die Truppe«, 5 Bataillone, 2 Schwa­dronen und 8 Geschütze, zogen sichder Erholung wegen" mehr nach Heppenheim zurück. Da erhielt man die Nachricht, die Badenser seien von Weinheim aus in das Weschnitzerthal eingedrungen und ziehen gegen Rimbach und Fürth. Die hessischen Vorposten wurden verstärkt, erhielten aber Befehl, sich nicht durch ein Gefecht von dem Hauptkorps entfernen zu lassen. Gegen 4 Uhr fing eine Kolonne badischer In­fanterie, mit Freischaaren untermischt, 10001200 Mann stark, an, mit den Hessen zu plänkeln. Sie riefen ihnen zu, es leben die Hessen! und forderten sie auf, mit ihnen für die Reichsverfassung zu kämpfen. Vergebens! Nach Inständigem ziemlich erfolglosem Plänkeln zogen sich die Hessen durch das Erbacher Thal auf ihr Hauptkorps bei Heppenheim zurück, wel­ches unterdessen von den Badensern inüberlegener Zahl", aber mit nur 5 Geschützen heftig angegriffen war, nachdem letztere wiederum vergeblich versucht hatten, die Hessen, zum Uebertritt zu dem Verfassungsheere zu bewegen. Die Badenser wichen zurück; die Hessen »rahmen das badische Dorf Unterlaudenbach und dran­gen nach Hemsbach vor. Hier wurde zwischen Wald und Obstbäulnen der Widerstand hartnäckiger. Ein hessisches Bataillon, welches schon eingedrungen war, »nutzte das Dorf, durch ein plötzliches unvermuthetes Feuer überrascht, wieder verlassen. Mit Einbrechen der Dunkelheit wurde dies Dorf zwar genommen, aber General Schäfer fühlte sich zu schwach, um seine Vortheile zn verfolgen und zog sich auf Heppenheim zurück. Aus dieser konzentrirten Stellung kann er nun, sobald die nöthigen Verstärkungen eingetroffen sind, sowohl im Odenwald, als in der Ebene vorrücken und die gestrigen Erfolge bürgen dafür, daß der demnächst zu erwartende allgemeine Angriff gelingen wird. Mit der Meldung, daß in diesemheftigen" Gefechte nur 2 hessische Offiziere und 12 15 Soldaten geblieben, 1 Offizier und mehr als 30 Soldaten verwundet find, und mit Anerkennung derTüchtigkeit" der Hessen und deshartnäckigen Widerstandes des Volksheeres" schließt der Bericht derDeutschen Zeitung".

Wir finden in demselben erstens das Gerücht be­stätigt, daß die Badenser einen verstellten Rückzug ge- macht und einem Bataillon durch eine versteckte, plötz­lich demaskirte Batterie empfindliche Verluste beige­bracht hätten. Das ist in den harmlosen Worten: ein Bataillon mußte, von einem unvermutheten Feuer

.....u-l", zu lesen. das sich am Euve des

überrascht, das Dorf wieder verlassen Zweitens sehen wir daraus, s.

Gefechts General Schäfer zurückzog,weil er sich zu schwach fühlte, feine Vortheile zu verfolgen", b. H. daß er zurückgeworfen wurde, nachdem das Volksheer durch den verstellten Rückzug seinen Zweck erreicht hatte.

Drittens scheinen die Verstärkungen, obgleich schon die Baiern und Mecklenburger angekommen waren, zu dem beabsichtigten Angriff aus derkonzentrirten Stellung" nicht ausreichend gewesen zu sein. Denn von den Ereignissen, die gestern am 31. vorsielen, von dem siegreichen Gefecht bei Bürstadt, von dem das Franks. Jour». gestern Abend berichtete, welches uns nach diesem Rückzüge in die konzentrirte Stellung sehr wahrscheinlich wird, enthält der Bericht kein Wort.

Die so eben (Mittags, 1. Juni) ausgegebene Ober- postamtszeituug, der doch gewiß die Nachrichten des Reichsministeriums zu Gebote stehen, beschränkt sich darauf, Berichte anderer Blätter, wie der Darmst. Zeitung, abzudrucken. Gewiß ein Beweis, daß sie Nichts ihr Wohlgefälliges zu melden hat.

Nur bemerkt sie noch, daß eine mecklenburgische Batterie, welche heute früh auf der Eisenbahn nach Darmstadt abguig, zurückkehrte, weil die Eisen­bahn zwischen hier und Darmstadt stellen­weise zerstört ist, und nun zu Fuß dorthin gehen

Frankfurt, 1. Juni. Die bisher hier liegenden Preußen sollen nach der Bergstraße abgegangen sein. Der Oberst soll ihnen auseinandergesetzt haben, sie seien jetzt nur noch Preußen. Oesterreicher aus Mainz sind wieder eingerückt; wie es heißt sind auch Preußen, von Erfurt kommend (?), in Bornheim eingetroffen.

Darmstadt, 31. Mai. Obgleich wir so nahe am Kriegsschauplatz liege», fehlt es uns doch ebenso, wie wahrscheinlich auch Ihnen, an genauen Nachrichten. Der Verkehr ist hermetisch gesperrt; aber ebenso her­metisch ist der Mund unseres sonst so geschwätzigen Ministerpräsidenten I a u p verschlossen. Er muß Nichts zu berichten haben, was diewohlgesinnten" Bürger zur Niederschmettcrung derverbrecherischen Umsturz­partei" ermutigen könnte; sonst würde er sich gewiß das Vergnügen einer langen Proklamation gegen die Wühler mit obligate» Siegesberichte» »icht versagen. Freilich, Herr Jaup hat ja jetzt als neuesteErrun­genschaft" das Standrecht proklamirt; damit thut man die Veute am Ende doch noch schneller ab, als mit Proklamationen, obwohl Herrn Iaup's langstielige Sätze eine mörderische Wirkung haben.

Was von ziemlich verbürgten Gerüchten hier um­läuft, theile ich Ihnen nachstehend mit. Die badische Volkswehr griff gestern bei Heppenheim an. Es ent­spann sich ein heftiges Gefecht mit dem 2. und 3. hessischen Regiment, in welchem diese viele Todte und Verwundete hatte». Hier fielen die Oberlieutenants

Zimmermann und Hoffmann; Lieutenant Plonnies wurde schwer verwundet. Es heißt, das Volksheer hätte Heppenheim besetzt und sei in der Nacht noch weiter vorgedrungen. Hente wurden hier in 12 Wa­gen etwa 40 Schwerverwundete eingebracht. Man sagt auch, 2 Kauonen seien sammt ihren Mannschaften verschwunden, ob genommen oder übergetreten, wird unbestimmt gelassen. Der rechte Flügel des Volks­heeres soll seine Vorposten schon bis Bickenbach, we­nige Stunden von hier, vorgeschoben haben. Heute gingen ohne Unterlaß Verstärkungen für die Truppen hinauf; aber die hier einquartirten Nassauer erklärten bestimmt, sie würden nicht gegen die Badenser fechten. Seit gestern Abend versieht die Bürgerwehr de» Po­stendienst, da sämmtliches einheimisches Militär nach den: Kampfplatze geschickt ist.

In den Dörfern im Odenwald ertönten gestern den ganzen Tag die Sturmglocken. Die Erbitterung der Odenwälder und der badischen Freischaaren ist durch die neuliche Hinschlachtung wehrloser Menschen bei der 33 er saunn hing in Laudenbach furchtbar gesteigert. Die (schlecht) Bewaffneten hatten die Waffen weggelegt, weil man rief, die Soldaten gingen über. Es stellt sich immer deutlicher heraus, daß diese Versammlung durchaus nichts beabsichtigte, als eben eine Versamm­lung zu halten. Das hochfahrende, bureaukratisch an­maßende Wesen des getödteten Reg.-Kom. Prinz ist an allem Unheil Schuld. Er drohte von vornherein mit Gewalt, er verlangte grob und barsch die Nieder­legung der Waffen, und trieb den Oberst Dingeldey, mit dem Dr. Zimmermann wegen des Abzugs unter­handelte, stets zum Einschreiten. Zimmermann, Löhr und Ohly redeten die Soldaten an, und obgleich ein Offizier ihnen einreden wollte, man wollte ihnen die Waffen nehmen, was Dr. Zimmermann vor der Fronte für eine Lüge erklärte, so reichten sie doch mit thrä­nendem Auge den Bürgern die Hände, und viele ver­sprachen nicht zu schießen. Der Oberst zog hierauf zurück einen Berg hinauf; Prinz und ein Gens'darm folgten der legten Rotte auf dem Fuße und ersterer forderte eine Gruppe Bewaffneter nochmals unter Höh­nen und Schimpfen zur Niederlegung der Waffen auf. Entrüstet hierüber bedrohten ihn einige mit Stöcken; sofort feuerte der Gens'darm sein Pistol in den Hau­fen ab das war das Signal des Kampfes, wenn man das Kampf nennen kann, wenn etwa 100 schlecht bewaffnete Leute mit höchst mangelhafter Munition einem Bataillon wohlausgerüsteter Soldaten gegen­überstehen. Es wurde bald eine Treibjagd. Prinz fiel zuerst; die Pferde des Obersten und Adjutanten sprengten, ihrer Reiter ledig, den Berg hinauf; ich weiß nicht, ob die Reiter verwundet sind; aber dadurch und durch die Entstellung der letzten Szenen mit Prinz ist es wahrscheinlich gelungen, die Soldaten in Wuth zu setzen. Gegen 20 todte Bürger bedeckten das Feld; über 100 wurden geknebelt nach Darmstadt geschleppt.

(N. D. Ztg.)

& Kampfruf.

Auf, aus, ihr Deutschen Alle, Reicht euch die Bruderhand, Der Freiheit Kampfruf schalle Durch'S ganze Vaterland. Die alte Knechtschaft mahne Uns an die neue Zeit Der Freiheit Brudersahne Sei unser Schwerdt geweiht.

Das Schwerdt, wir woll'n es rothen. Nur mit Verrätherblut; Den Kuechtsinn woll'n wir tödten Mit heißer Freiheitsgluth. Nur siegen oder sterben! Ist unser Schlachtpanier; Und um den Kampfpreis werben Durch Bruderliebe wir.

Ja Brüder sind wir Alle Von^einerlei Geschlecht: Ein Hoch mit Schwerdterschalle Dem ew'gen Menschenrecht!

Die heil'ge Bruderliebe In Aller Herz und Mund Die heil'ge Bruderliebe, Die kettet unfern Bund.

Wie schlägt das Herz so mächtig! Wie hebt sich stolz die Brust! Wie weht die Fahne prächtig In naher Siegeslust!

Auf, deutsches Volk, ermanne Zur Bruderfahne hin Hoch jedem freien Manne, Und Hoch dem Brndcrsinn!

Aus der Provinz.

Wies dem Teufel ^u arg wird.

So falsch war nie noch Satanas,

So laug' er das Scepter führte;

Sonst macht' ihm das Braten und Spießen Spaß, Und, frohen Sinn's alle Sorgen vergaß

Er, wenn man die Gluthm recht schürte.

Sein Bocksfuß stieß das Zeitungsblatt

Hinein, in der Hölle Flammen : Wuthschäumend, schrie er:nun bin ich es satt, Daß man länger noch mich zum Narren hat!" Und biß seine Zähne zusammen.

Wenn i ch nicht selbst der Teufel wär'.

Nüf' auâIch es, «verholen:

Der Teufel, er.hat keinen Raum wohl mehr,

Muß^er einst das gekrönte Hcrrscherhcer

Herab von der Oberwelt holen!""

Potz Blitz nnd^Kreuz und Sapperment

Potz alle Millionenwetter!

Ueberall verschrie'» ist mein Regiment,

Doch bin ich sprecht! nicht ein gnäd'ger Regent Gegen all' diese Erdengötter?

Was glaubt das Pack? Mein Reich ist voll

Bis zu den äußersten Schranken;

Nachgrade wird's aber zu arg und toll,

Und, daß ich der Herrchen mehr nehmen soll, Fein will ich dafür - mich bedanken !"

Deutschland, Mai 1849,

Dr. Daniel F. V. Fenneverg.