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in Köln haben die Soldaten den Wisch erhalten, den wir bereits in Nr. 3 aus Stettin, auszugsweise mit; theilten. Das Ding trägt nicht einmal den Namen des Druckers, geschweige den des Verlegers oder Her­ausgebers. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß es auf Kosten der Steuerpflichtigen gedruckt ist.

(Westd. Ztg.)

Elberfeld, 26. Mai. Die meisten deutschen Zei­tungen haben über die hiesigen Ereignisse die entstell­testen Berichte gebracht. Die Quellen sind nicht schwer zu errathen. Diese Artikel hatten entweder den Zweck, das Verfahren der Regierung oder den Betrug der angeblichen Deputation oder die Planlosigkeit der Füh­rer der Bewegung zu bemänteln. Die einzige Ten­denz der Bewegung war Durchführung der Neichs- verfaffung. In diese in Sinn wurde die Gegend in- surgirt.Die wildaussehenden verdächtigen Gesichter von Trier, Berlin, Dresden und Wien und das be­stochene und betrunkene Proletariat" sind bloß Traum­bilder â la Bassermann. Das Haus des Oberbürger- meisters v. Carnap wurde freilich verwüstet. Es ge­schah dies am ersten Tage, weil die bis jetzt unwider- icgte Ueberzeugung ins Volk gedrungen war, v. Ear- nap habe trotz seines Ehrenworts die Herbeiziehung des Militärs veranlaßt; eine Ueberzeugung, die um so gerechtfertigter, als v. Carnap plötzlich am Casino verschwunden war. Eine Verwüstung des v. d. Heydt'schen Hauses wurde durch eine bloße Ansprache an das Volk durch ein Mitglied des spätern Sicher­heitsausschusses abgewehrt. Gerade die Zerstörung des v! Carnap'swcn H. nies hat aber bewiesen, daß es nicht auf Plünderung abgesehen war, weil noch kein Diebstahl bei diesem Vorfälle hat constatirt werden können. Sonst hat das Volk nirgends für früheres Unrecht Rache genommen. Die verschiedenen Elemente, die den Sicherheitsausschuß bildeten, haben wenigstens bewiesen, daß sie unfähig waren, die Ordnung auf­recht zu erhalten, und eine schnelle Organisation zu schaffen, als alle Behörden feig entflohen. Die größ­ten Heuler müssen anerkennen, daß die Sicherheit des Eigenthums und der Person größer war, als unter dem angeblich von Gott eingesetzten Regiment. Die Bürgerwehr hat Nichts gethan, die Einheit in der Einwohnerschaft gestört. Ihr Muth hat sich erst er­probt, als ein Nachzügler des Mirbach'schen Corps die Stadt verließ. Diesem einzelnen Menschen hat man 12 bis 15 Schüsse nachgeschickt. Am großartigsten waren die Honetten im Verrath. Eine telegraphische Depesche wurde veröffentlicht, an der kein wahres Wort; die Minister sollten zugesagt haben, der König habe die Kaiserkrone angenommen, die Verfassung un­bedingt anerkannt und volle Amnestie bewilligt. Der Staatsanzeiger" hat die Lüge constatirt; die angeb­liche Deputation war bei gar keinem Minister gewesen; höchstens privatim bei v. d. Heydt und Simons, die aus Furcht für ihre Angehörigen vielleicht das Plän- chen mit ausgeheckt haben. Als Doktor H ö eh st e r die Lügendepesche vorlas, machte sofort Jemand auf den offenbaren Betrug aufmerksam, ohne daß Höchster sich daran kehrte. Von einer Erpressung von Sei­ten Mirbachs kann nicht die Rede sein, da er das Geld erhielt, um die bewaffneten Fremden auf ihrem Abmärsche damit verpflegen können. Man wollte sich nicht v. Mirbach, sondern die Zuzügler vom Halse schaffen! wie ehrlich die Honetten es gemeint, ist be­kannt; sie boten Alles auf, um Mirbach in die Hände des Militärs zu bringen, und in Lüttringhausen war er bereits als Hauptmann einer Räuberbande ange­kündigt, ehe er dort ankam; auch hatte man gleich Sorge getragen, daß der ihm eingehändigte Wechsel nicht ausbezahlt wurde. Das Geld ist nicht von Da­niel v. d. Heydt, sondern von W. Simons, dem Va- ter des Ministers, beschafft worden. Auf Mirbach ruht der Tadel, daß es ihm augenscheinlich gar nicht um die Vertheidigung Elberfelds, sondern nur um einen Zug nach der Pfalz zu thun war. Er hat sich kaum oberflächlich mit der Umgegend Elberfelds bekannt ge­macht, auch die Organisation der Zuzügler und alle entschiedenen Dispositionen unterlassen, obschon er als Militär-Commandant in diesen Dingen völlig freie Hand hatte und es an Geld nicht fehlte. Wer Elberfelds Lage kennt, weiß, daß es von seinen Höhen aus sich wenigstens noch 14 Tage lang halten konnte, und daß kein Ort sich zum Mittelpunkt der Bewegung so eignete, wie Elberfeld. In 14 Tagen aber wäre der schöne Zweck der Bewegung erreicht gewesen.

(Westd. Ztg )

Conz, 28. Mai. Vorgestern gegen 11 Uhr Mit­tags erschien hierselbst ein Polizeikommissär aus Trier in Begleitung mehrer Sergeanten und Gensd'armen, welche Letztere mit großer Umsicht das an der östlichen Seite des Dorfes gelegene Wohnhaus des Gutsbesitzers Wallrath umstellten, worauf sich die Polizeibeamten in dasselbe begaben. Auf Grund eines vom königl. Oberprorutator Hecker zu Elberfeld erlassenen Ver- haftsbefehls gegen den königl. Landgerichtsassessor Riotte zu Elberfeld, dem Schwiegersöhne des Gutsbesitzers Wallrath, fand hierauf die sorgsamste Nachsuchung statt; dieselbe blieb jedoch ahne Resultat, da bekannt­lich der Assessor Riotte bereits vor 5 bis 6 Tagen von hier ans sich auf den nur wenige Stunden ent­fernten französischen Boden begeben hatte. Aus dem­selben Grunde blieb auch eine zur selbigen Stunde bei dem Gutsbesitzer Wallrath Sohn in gleicher Absicht vorgenommene Haussuchung ohne Resultat. (Tr.Z.)

Berlin, 29. Mai. Ueber den Stand der deut­schen Oktroyirungsfrage wird in gut unterrichteten Kreisen folgendes erzählt. Die oktroyirte Verfassung nebst Wahlgesetz sollten schon am 24. d. M. vom Kö­nig von Preußen behufs der Ausfertigung unterzeich- net werden und^waren bestimmt, am 26. in den Kolumnen des Staatsanzeigers zu erscheinen. Da traf die definitive abschlägige Antwort aus München ein, und der König weigerte seine Unterschrift, so daß die Veröffentlichung und das znr Feier der neuesten rettenden That,, schon beschlossene Te Deum am Pfingstsonntag unterbleiben mußten. Radowitz nun reichte hierauf seine Entlassung als preußischer Kom- miyär bei der Staatenconferenz ein, und da er be­kanntlich in der letzten Zeit einen überwiegenden Ein­fluß auf die Stimmung und Entschlüsse der kgl. Per­son gewonnen, so hatte dieser angedrohte Rücktritt des ultramontanen Diplomaten zur Folge, daß der König seine Weigerung nun doch zurücknahm, und daß, wie man allgemein versichert, Verfassung und Wahlgesetz heute Abend im Staatsanzeiger erscheinen werden. Die oktroyirenden Mächte sind zunächst jedoch nur Preußen, Sachsen und--Anhalt-Bernburg; selbst mit Hannover hat man sich nicht definitiv einigen können. Das Reichswahlgesetz wird, wie ferner ver­lautet, mit den nöthigen lokalen Abänderungen auch als spezielles preußisches Wahlgesetz Gültigkeit haben, und beabsichtigt das Ministerium, um nicht seine eigene oktroyirte Verfassung vom 5. Dezember ganz und gar zu verletzen, die Wahlen statt innerhalb 40 Tagen, innerhalb 60, vom 27. April ab gerechnet, vornehmen lassen.

Die im Militärarrest befindlichen Mitglieder des demokratischen Wahlcomites haben nun schon die Ver­günstigung erhalten, täglich % % Stunden im Hofe sparzieren gehen zu dürfen; auch ist ihren An­gehörigen gestattet, während dieser Zeit in den an­stoßenden Garten zu kommen und sie wenigstens zu sehen. Man glaubt übrigens ziemlich allgemein, daß sie sämmtlich noch im Laufe dieser Woche frei kommen werden, da sich immer mehr herausstellt, daß durch­aus kein Grund zum gerichtlichen, ja nicht einmal zum kriegsrechtlichen Einschreiten gegen sie vorliegt.

Der ehemalige Ministerpräsident, Oberpräsident v. Preußen Auerswald, und ein anderer hoher Be­amter, Wallach, sind auf unbestimmte Zeit beurlaubt, d. h. entlassen. Manteuffel schont Niemanden, der sich ihm nicht blind ergibt. (N. D. Z.)

Berlin, 29. Mai. Heute wird im Schlosse Belle­vue die S chlußconferenz mit dem dänischen Be­vollmächtigten über den Frieden mit Dänemark statt- finden. Der Prinz von Preußen wird sich an den Rhein begeben, um, wie es heißt, das Commando des dort zusammenzuziehenden preußischen Armeecorps zu übernehmen. ' (Fr. I.)

Preußen. Mit welchen Mitteln die Fürsten das Volk, welches sie verachten und knechten, in der Stunde, wo sie es brauchen, um die ihnen drohende Gefahr abzuwehren, zu ködern suchen, erhellt aus folgendem Brief, welchen ein Gefreiter des zweiten preußischen Infanterieregiments an seine Eltern auf der Insel Usedom an der Ostseeküste geschrieben und der in einem pommer'schen Blatte veröffentlicht worden ist. Man wird bei Lesen desselben lebhaft an die Künste erinnert, welche in der ersten französischen Revolution Ludwig XVI. und noch mehr seine Frau Marie Antoinette anwanden, um sich der Treue der Soldaten zu ver­sichern, was ihm als es zum Klappen kam, doch nicht gelungen war; denn das Volk ist klug genug gewor­den, umdie Absicht zu merken" undverstimmt" zu werden.

General Wrangel, so erzählt der Briefsteller naiv, hatte eine Jnspicirung des zweiten Regiments auf dem Kreuzberge bei Berlin befohlen. Da kam der König mit der Königin von Potsdam zurück, wo sie ihren Aufenthalt hatten nehmen wollen, wo es ihnen aber nicht sonderlich gefallen haben mußte. Der König ließ die Jnspicirung abbestellen, denn er wollte an die­sem Tage das erste Bataillon zur Tafel ziehen, so jedoch daß nur die erste Compagnie an diesem Tage^ die übrigen aber je an den folgenden Tagen bei ihm zu Abend geladen wurden. Als die Compagnie, bei der unser Gefreiter sich befindet, vollständig in den Speisesaal hereinmarschirt war, sagte die Königin welche auch jeden einzelnen, wie er hereintrat, besonders angesehen hatte, zum König:so! nun sind deine Kinder wohl alle ljier?" die Soldaten setzten sich in vier Reihen, in der Mitte des Saals war ein freier Gang, in dem der König und die Königin mit sämmtlichen Offizieren auf und abspazierten. Als alle sich gesetzt und die Helme unter den Tisch gestellt hatten, klopfte der Hauptman auf den Tisch, und der König hielt eine Rede, die mit den Worten schloß: Kinder, setzt Euch und eßt." Der älteste Sergeant brachte nun ein Hoch, oder vielmehr ein Hurrah, auf den König und die Königin. Hierauf setzten sich die Soldaten und aßen und tranken.

Während dieser Zeitging der König und die Königin auf und ab und schauten zu mit welchem An­stand die Soldaten aßen, einige hatten gewiß noch nicht Messer und Gabeln in der Hand gehabt, die faßten dann mit fünf Fingern zu, da lachte der Friedrich über; er hat mit einem Musketier, noch dazu ein Polack, aus einem Glase Wein getrunken, der Polack nahm das Glas mit zum Andenken; der Lakai sagte es, und diese warteten auch auf."

Nach einer Beschreibung deS Anzuges der Königin fährt unser Berichterstatter fort:Ob das zweite Ba­taillon es (die Bcwirthung) auch bekommen wird, weiß ich nicht; die Garden sind uns furchtbar neidisch und falsch auf uns. Die alten Einwohner! hier be­haupten, so lange sie denken und wissen, sei cs noch nicht vorgekommen, daß der König seine Soldaten zur Tafel eingeladen hätte, mir und uns allen ist auch noch nicht so was passirt; es ist wirklich viel, eine Anzeige, daß seine treuen Pommern in großem An­sehen bei ihm sind." (R.-Z )

Vom Rhein läßt sich eine Stimme über den neu- ernannten Reichsminister des Auswärtigen, Jochmus, (in der Allg. Ztg.) also vernehmen: Sind wir im Mai oder noch im Februar vor Aschermittwoch? Wer ist Jochmus? So werden gewiß viele von Ihren Lesern fragen! die kürzeste Antwort lautet: Ein wunderschöner junger Pascha von drei Roßschweifen. Sie staunen! Mein Gott, es ist ja nicht meine Schuld, Abd-ul- Medschin hat ihn dazu gemacht, nicht ich. Jochmus ist ursprünglich ein Hamburger Ladencommis; sein wun­derschönes Gesicht brachte ihn in Hamburg in einige amouröse Verlegenheit, er floh und machte zuerst als Soldat den spanischen Feldzug mit. Darauf trat er in türkische Dienste, und schwang sich, obgleich er eine Schlacht im syrischen Kriege glücklich verlor, beunoeß mit Hülfe seines Freundes, des Hrn. v. Titoff, in Kon­stantinopel der erste Christ zum Pascha von drei Roßschweifen empor. Voriges Frühjahr kehrte er nun nach Deutschland zurück, nachdem t;m Titoff eine ziemlich beträchtliche türkische Pension ' verschafft hatte. Aus eben jener Zeit finde ich in meinem Tage­buch ein ziemlich weitläufiges Gespräch mit ihm über unsere kaum damals ausgebrochene Revolution. ' Würde ich cs Ihnen hierher setzen, so würden Sie sehen, daß ihm gegenüber sein Landsmann Banks zu einem vollen­deten Staatsmann, zu einem Lord Catham wird. Joch­mus ist, abgesehen von seiner militärischen Empirie, ohne alle und jede wissenschaftliche Kenntniß; von Deutsch­land, seinen Bedürfnissen und seinen Interessen ver­steht er nichts, absolut nichts. Ein hübscher junger Soldat, der, wenn er in Deutschland geblieben wäre, vielleicht jetzt Oberlieutenant sein könnte, und alle Frauen verrückt machte, hat nun auch sogar das RZsss- portefeuille dcs Aeußern iu sich verliebt gemacht, dear. dear! Was werden wir mit seiner Jungfernrede er­leben I

Chemnitz, 23. Mai. Der Amtsaktuar zweiter Klasse Susemihl, der bei der Verhaftung Heubners freiwillige hülfreiche Hand geleistet, ist zum Referendar in's Ministerium nach Dresden befördert worden und wird in diesen Tagen abgehen. Darnach zu schließen, dürfte auch Dr. Becker seinen Lohn für jenen Fang empfangen. Ich liebe den Verrath, sagte Friedrich der Große, aber die Verräther mag ich nicht. Hier ist übrigens vollständige Militärherrschaft, das Denun­ziationswesen im schönsten Gange, alle Vereine sind indirekt untersagt oder unmöglich gemacht. Ueber 2000 Mann drückende Einquartierung, von welchen aller­dings in der Landwehr ein Geist herrscht, der für die Dispositionen des Ministeriums Manteuffel-Beust nicht passen dürfte. Wenn Ihnen dieser Brief eröffnet zukommen sollte, so wundern Sie sich darüber nicht, es lind bereits Briefe eröffnet an ihre Adressaten ge­kommen. O, die Grundrechte des deutschen Volkes! (V.-Vl.)

München, 29. Mai. Gestern wiederholten sich die Schlägereien von Seiten des Militärs, im Para­diesgarten so wie im Prater. Der Tambour der nächsten Wache schlug Generalmarsch; ein Offizier eilte mit einer Compagnie des Leibregiments herbei, und ließ, als alle Aufforderungen zur Ruhe vergebens waren, Feuer geben, worauf die Tumultauten auseinander liefen. Die Gewehre waren jedoch nicht scharf geladen. Eine Compagnie des Regiments Kronprinz stellte gestern bei ihrem Hauptmann das Ansuchen, bis Nachts 11 Uhr aus der Kaserne bleiben zu dürfen. Das Gesuch wurde abgeschlagen, die Soldaten verabredeten sich sogleich eigenmächtig auszubleiben und sind erst nach Mitter­nacht in die Kaserne zurückgekehrt. Alle Verständigen sind darüber einig, daß die Disciplin im Heere gänz­lich gelockert ist, und daß wir Aehnliches, wie im Badischen zu hoffen haben. Der Rücktritt des Kriegs­ministers soll eben dadurch veranlaßt worden sein. Neuerdings will man gewiß wissen, daß auch Forster und Aschenbrenner ihren Austritt aus dem Mini­sterium erklärt haben, da sie mit den gegenwärtigen Maßnahmen der Negierung nicht übereinstimmen könnten. Als Nachfolger des ersteren nennt man den Regierungs­präsidenten von Zwehl, an dessen Stelle dann der" Herr von Weiden, Regierungspräsident von Mittel­franken, die Hauptursache der Unzufriedenheit in Fran­ken, versetzt werden soll. Aschenbrenners Nachfolger ist noch nicht bekannt. Der Prinz Luitpold kam gestern mit seiner Gemahlin nach Großhaffellohe und besuchte den dortigen Belustigungsort, wo beide mit starkem Zischen, Pfeifen und Pereatrufen empfangen wurden und sich deßhalb sogleich wieder entfernten. Der Prinz ist nicht unbeliebt; die Ursache dieser De­monstration mag demnach darin liegen, weil allgemein das Gerücht verbreitet ist, die Prinzessin Luitpold sei das Haupt der baierischen Camarilla. Ein Batail­lon des Leibregiments ging heute früh 5 Uhr auf der Eisenbahn nach Donauwörth ab. Die weitere Bestim­mung ist nicht bekannt; die Offiziere glaubten, daß es nicht weiter als nach Franken gehe. Offiziere und