„âeiheit und Meeks’“
JJg IAO Wiesbaden. Samstag, 2. Juni I8LN.
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D e u t s eb E a rs ^.
:=: Wiesbaden, 1. Juni. Am nächsten Sonntage, den 3. Juni, findet in dem hiesigen deutsch- katholischen Gottesdienste die Confirmation von 8 hoffnungsvollen Kindern statt. Es dürfte wohl jedem wahren Volksfreunde nur erwünscht sein, bei dieser Gelegenheit einmal näher sich die Sache des freien Christenthums ansehen, um sich ein Urtheil darüber bilden zu können, ob es nicht wahre Pflicht der Eltern eigentlich sein sollte, ihren Kindern den religiösen Unterricht genießen zu lassen, der nur auf durchaus vernünftigen, den Kindern leicht faßlichen, unsere Zeit v ol l k o in m e n erfaßenden Grundsätzen fußt, statt den armen Kleinen die Lehren verschmitzter Unbegreiflichkeiten, heuchlerischen Wahnglaubens, ja, daß man es gerade heraus sage, des grassesten Unsinnes einprägen ju lassen, die sie in der Regel, versteht es der betreffende Lehrer so recht, ihnen die Sache plausibel zu machen, ewig zu feigen Kopfhängern und Philistern stempeln. Versäume man den nächsten Gottesdienst der Deutschkatholiken nicht, man gehe hin, höre und prüfe und behalte das Beste; ich glaube, daß die gute Sache dann bald zur besseren Würdigung gefangen wird.
4- Aus dem Gebirge. Es hat mich gefreut, daß in No. 103 dieses Blattes vom platten Lande aus die VerfassungsangAegenheit der evangelischen Kirche einmal wieder öffentlich angeregt worden iss. Je weniger die berufenen für Einleitung einer neuen, auf allgemeiner Vertretung fußenden Kirchenverfassung — ich will nicht sagen: thun — aber doch Thätigkeit offenbaren, desto nothwendiger ist es, daß die Presse, dieser mächtige Hebel der Freiheit, zur Hilfe genommen werde, um dem Ziele näher zu kommen. Im erwähnten Artikel wird auf die ernstliche Lage der evangelischen Kirche in Nassau hingewiesen, welche, ihres bisherigen weltlichen Regiments enthoben, nur von einem einzigen Kirchenverweser, ohne jedes Ministerium zur Seite, regier wird, wobei mir nur das nicht gefallen hat daß dabei blos die bedenkliche äußere Stellung von 200 Geistlichen erwähnt wurde, und nicht vielmehr die bedenklichen Folgen, welche daraus für die Kirche selbst, für die Erhaltung und Verbreitung der herrlichen Güter des Protestantismus erwachsen können. Es wurde aber auch die erfreuliche Aussicht eröffnet, nach Pfingsten eine Generalsynode zum Aufbau einer neuen Kirchenverfassung auf demokratischer Grundlage berufen zu sehen; doch wollen sich Manche dieser Freude noch nicht so recht hingeben. Erstlich wollen sie nicht vergessen, daß „nach Pfingsten" eine sehr unbestimmte Zeitangabe ist. Sodann find über die projektirte Zusammensetzung der Generalsynode Nachrichten verbreitet, welche den allgemeinen Erwartungen nicht entsprechen, die ich, in der Hoffnung, daß sic sich als grundlos erweisen werden, mittheilen will, um die Wachsamkeit zu befördern, welche niemals überflüssig ist. Man sagt nämlich, die im vorigen Jahre erwählten vorbcrathen- den Spezialsynoden sollen die Wahlkörperschaften zur Generalsynode bilden, jede Spezialsynode soll sich wie- ^der in zwei Wahlordnungen, eine geistliche und eine nichtgeistliche, spalten, und es sollen die Geistlichen einen aus ihrer Mitte, die Nichtgeistlichen einen aus der ihrigen, als Mitglied zur Generalsynode wählen!
— Haben die im vorigen Jahre erwählten Abgeordneten von ihren Gemeinden das Mandat erhalten, in diesem Jahre zur Generalsynode zn wählen? Soll denn methodisch und gewalsam der Gegensatz zwischen Geistlichen und Laien vermehrt werden; soll die Kluft, welche durch die Mängel der bisherigen Verfassung zwischen Geistlichen und Gemeinden entstanden ist, jetzt, statt ausgeglichen, noch weiter aufgerissen werden? Sollen den Geistlichen auf der Generalsynode allein ihren Stand und nicht die Kirche, nicht die Gemeinden ihres Wahlbezirks vertreten, da die Nichtgeistlichen an deren Wahl gar keinen Antheil haben sollen? Fürchtet man etwa, daß die nichtgeistlichen Mitglieder der Spezialsynoden bei den Wahlen das Uebergewicht haben und freisinnige Geistliche wählen würden, so erwarten wir von den Geistlichen selbst, daß sie nicht minder freisinnig wählen werden. Wozu wären denn aber die Spezialsynoden gehalten worden, wenn ihre Anträge nicht berücksichtigt werden sollten ? Ein Vorschlag, wie der obige, ist wohl von keiner einzigen Spezialsynode gemalt worden. — Es wurde daher wohl hier und da die Frage entstehen, ob man nach
einem solchen Modus wählen, oder die Wahl verweigern solle? Wählen würde wohl das Beste sein, aber mit dem Auftrage an die Gewählten, ein besseres Wahlgesetz zu beschließen und darauf allein die erste Generalvorsynode zu beschränken.
X Limburg, 30. Mai. Auch dahier ist nun eine Gewerbhalle errichtet und eröffnet, und es stehen zum Verkaufe bereit zu den billigsten Preisen: tüchtig gearbeitete Schreiner-, Horn-, Drechsler-, Seiler- und Schlosserarbeiten u. s. W. Die Kaufliebhaber werden ersucht, sich an den Geschäftsführer der Gewerbhalle, Herrn Kilian Seibel dahier, zu wenden. Werden diese Gewerbhallen nach und nach in allen deutschen Städten entstehen und wie, ein Netz die Arbeitsprodukte der deutschen Handwerker umfassen, und in den schönsten und solidesten Formen dem Kaufpublikum entgegen führen, werden sich die deutschen Handwerkerin Innungen (nicht Zünften) zusammengesellen, und durch Benützung gut eingerichteter Realschulen eine tüchtige Bildnng in ihrem Stande pflegen, werden sie in denselben wohl eingerichtete Vorschußkassen zur billigen Beschaffung von Arbeitsmaterialien errichten, zugleich auch gehörig organisirte Arbeitsbureaus, werden junge brauchbare Handwerker durch eine geregelte Auswanderung in ein Auswanderungsgebiet, wo das Menschenkapital noch in einem hohen Werthe steht, hinüber gesiedelt, so wird die verderbliche Pfuscherei/ die sonst nicht zu beseitigende übergroße Konkurrenz der Handwerksmejster nach und nach durch Lichtung der Bevölkerung beseitigt, die Macht des Kapitals gebrochen und das geistig moralische Ansehen des Hanv- werkstandes befestiget, und derselbe wird dann wieder das sichere unerschütterliche Fundament, worauf das Staatsgebäude ruht, der freie unabhängige Nähr- und Wehrstand, worauf das Vaterland in der Stunde der Gefahr rechnen kann.
* Wicker, 30. Mai. Gestern wurde hier und in den umliegenden Dörfern mecklenburgische Kavallerie und Artillerie erwartet, welche auch gegen Abend von Mainz aus kam und Quartier bezog. Wir hörten, daß diese Truppen zunächst nach Frankfurt bestimmt sind, und daß ihnen in den nächsten Tagen noch bedeutende Züge nachfolgen werden. Wirklich kommen so eben (9 Uhr) zwei Abtheilungen Dragoner, jede aus circa 120 Mann bestehend, die Mainstraße herauf nach Frankfurt.
Die Nassauer, welche seither in Hochheim, Florsheim rc. kantonirten, sind ins Kurhessische abgegangen, und zum Ersatz dieser einige Kompagnien kurhessischer Infanterie in die betreffenden Orte gekominen.
Kaiserslautern, 30. Mai. Die Rekrutirung hat begonnen, ebenso die Betreibung der Zwangsanleihe. Im Ganzen gehorcht man den Anordnungen der provisorischen Regierung sehr willig; nur einzelne Fälle der Renitenz kommen vor, und wo diese vorkommen, da haben regelmäßig die Pfaffen die Hand mit im Spiele. Der berüchtigste darunter ist der Pfarrer Weber in Landstuhl, derselbe Mann, welcher vor 15 Jahren Franz von Sickingen's Gebeine heimlich ihres metallenen Sarges beraubte, und, zur Verantwortung gezogen, eine andere Rechtfertigung nicht zu geben wußte als die, daß der dafür gelöste Geldwerth zur Anschaffung von Glocken verwendet worden sei!! Dieser Mann ist es, welcher den bigotten Theil der Bewohner von Landstuhl so gegen die Sache der Freiheit aufgewiegelt hat, daß die provisorische Regierung sich gar bald veranlaßt sehen, dürfte, durch Gewaltmaß- regeln sich Gehorsam zu verschaffen. Mittlerweile hat der Pfarrer seine Persönlichkeit durch die Flucht in Sicherheit zu bringen gewußt. Die provisorische Regierung läßt auf ihn fahnden. — Ebenso macht man uns die Mittheilung, daß es sieben zu Sch al o- denbach versammelten Kuttenträgern gelungen sei, vierzehn kleine Gemeinden dahin zu bestimmen, bei dem bayerischen Ministerium in München Truppen zu verlangen und „mit Gott für König und Vaterland" ihre Dienste anzubieten. Die provisorische Regierung ist entschlossen, mit aller erforderlichen Strenge gegen die geschäftigen geistlichen Maulwürfe und Störer der Ordnung einzuschreiten, und bereits gestern ist eine Freischaar von hier abgegangen, um sie festzunehmen. - Es ist nicht schwer zu begreifen, warum gerade in der Pfalz der Ultramontanismus an der empfindlichsten Stelle sich bedroht fühlt durch Einsetzung einer neuen provisorischen Regierung. Er sieht das ihm so
ergiebige Konkordat in Frage gestellt, welches die bayerische Regierung mit dem Bisthum Speyer abgeschlossen. Die Priesterfackel ist in Gefahr. (M.Z.)
Von der hessischen Bergstraße, 30. Mai. Von den in Laudenbach Verwundenden starben bis jetzt noch zwei in Fürth, zwei in Lindenfels und zwei wurden im Walde bei Kirchhausen von den Truppen sterbend gefunden. Außerdem glaubt man, daß sich beim Abmähen des sehr hochstehenden Korns noch manche Leichen finden werden. Jedenfalls beträgt die Zahl der Todten jetzt schon über fünfzig (O.-P.-A.-Z.)
Gießen, 30. Mai. Der gesetzliche Vorstand der hiesigen Bürgerwehr, der Oberst und Stellvertreter des (kranken) Bürgermeisters, mahnen in öffentlichem Anschläge von allem und jevem Conflikt mit dem preußischen Militär ab, mit der ausdrücklichen Erklärung, daß sich auf Befehl der Centralgewalt ein preußisches T r u p p e n c o r p s bei Wetzlar zu- fammenziehe. (Fr. I.)
Köln, 30. Mai. Unsere loyale Köln. Ztg. wird bitter gegen ihre ministerielle Schwester; ja das allerdings merkwürdige Seitenstück zur Elberfelder Depeschen- und Deputationsgeschichte, nämlich die gestern durch die Deutsche Reform angekündigte, derbe kriegsdrohende Note Rußlands und der heutige Widerruf, als sei die gestern in allen ihren Einzelnheiten aufgeführte Note gar nicht vorhanden, preßt unserer Kölnischen den Zornruf aus: „Es sind das die alten elenden Pfiffe, die
der preußischen Politik schon so unendlich geschadet haben, indem durch sie das Vertrauen seit Jahren fast unheilbar untergraben ist!" Ich führe Ihnen dies nur als Probe von der Stimmung unserer rheinpro- vinzlichen Bourgois von Joseph Dumonts Kaliber an. Auch diese Leute fangen jetzt an, „fast" an der Pietistenpolitik der Leo-Gerlach'schen Bibelfesten zu verzweifeln. Der Haß gegen die Jesuiten kann weiland im Volke kaum heißer gewesen sein, als es der Pietistenhaß jetzt mehr und mehr wird. Die Elberfelder Geschichte zumal hat so stark auf das Wupperthal gewirkt, daß
der dortige Arbeiterstand plötzlich von seinem frömm- lerischen Verhimmeln kurirt ist. Welches auch die politischen Resnltate unserer jetzigen Verwicklungen sein werden, der gleißnerische, kriechende Pastorenprotestantismus, dessen Moral sich so wenig vor der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, stichhaltig zeigt, hat durch Leo, Gerlach und Genossen einen Stoß erhalten, der über kurz oder lang sein Todesstoß sein wird. Es ist nicht Schuld des Protestantismus als Prinzip, es ist Schuld des hier verknöcherten, dort verweichlichten, überall aber entarteten nnd von seinem demokratischen Prinzipe abgefallenen Protestantismus, daß seine Geistlichen, wie seine kirchlich gebliebenen Confessionsmitglie- der so wenig begreifen wollen oder können, daß Sünden wieder die ewigen Rechte der Menschheit zugleich Sünden wider den heiligen Geist des wahren Christianismus sind. Wie klein, verzagt, wie hohl und bornirt steht ein größer Theil dieser protestantischen «Geistlichen den Zeitkämpfen gegenüber, selbst überflügelt von manchem katholischen Geistlichen, auf welche diese Pastoren und Doktoren der Gottesgelchrtheit so gern von oben herabsehen! Wie elend und erbärmlich verhalten sich diese protestantische Abbes zu jenen gewaltigen Agitatoren der Reformation in Deutschland und ganz besonders in England und Schottland! So hörte ich von jüngst noch sehr kirchlichen Männern klagen, als ich dieser Tage einen Frühlingsausflug ins Bergische machte. Wie dir Katholiken dieses ganze pietistische Treiben hassen, weil es Protestantismus ist, so zürnen viele Protestanten darüber, obgleich es Protestantismus ist. Beide aber nennen es im gemeinen Lebeu wie die Kölnische Zeitung: „Die alten elenden Pfiffe!" (Mz.Z.)
Köln, 30. Mai. Heute früh wurde Herrmann Korff, der Anmaßung öffentlicher Aemter (in der Bürgerwehr) angcschuldigt, vom Zuchtpolizeigericht freigesprochen, aber auf Betreiben der Staatsbehörde, die sich Berufung vorbehielt, wieder in die Haft abgeführt. Es gehört in der That ein seltener Scharfsinn dazu, um die Anklage festzuhalten. Korff hatte auf den Wunsch einer Bürgerwehrkompagnie die provisorische Vertretung derselben übernommen, und zu einer Kom- aaqnieversammlung eingcladen. Das ist das grause Verbrechen, dessen der Gerant der „Neuen Rhemt- schen Zeitung" angeschuldigt ist. -
„Mein herrliches Kriegsheer" wird überall! mck aktionären lügenhaften Proklamationen versehen. Auch