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Freiheit und Recht!"

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Wiesbaden. Freitag, 1 Juni

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2! u f r li f.

Die Pfälzer Studenten-Legion an ihre Commilitonen in Deutschland

Der große Kampf für des deutschen Vaterlandes gerechte Sache naht, stündlich seiner kräftigen Eröffnung.

Durch alle Herzen in Deutschland, die für sein Wohl und seine Ehre schlagen, hat der Nothruf der Freiheit, der vom Rhein aus erklungen, seine mächti­gen Pulse getragen, und auf die Jugend vor Allem, auf die deutsche Jugend sind die Augen des Vater­landes in diesem heilig ernsten Augenblicke gerichtet. Sie wird, sie muß dem Rathe die That vermählen, mit Herz und Hand in die Steinen der Freiheits­kämpfer eintreten. Bereits hat sich unter der Aegide der provisorischen Regierung der Pfalz eine Studenten- Legion gebildet, die als bewaffnete Intelligenz sich ver­pflichtet, in Leben und Tod für die durch des souve­ränen Volkes sclbstgewählte Vertreter endgiltig ge­schaffene deutsche Reichsverfassung wie ein Mann ein­zustehen, und sie gegen Angriffe aller Art, kommen sie, woher sie wollen, würdig der Enkel Hermanns zu vertheidigen.

Die Legion hat ihr Wirken bereits begonnen vertheilt in die Eantoralbesirke der ganzen Pfalz, und jeden Tage beweisen zahlreiche Anmeldungen, daß Deutschlands Jugend, wie immer, heilige Begeisterung und kräftige That für ihr schönes großes Vaterland zu bieten hat.

Darum fordern wir Euch auf, Commilitonen in ganz Deutschland, begreift die Zeit und die hochwich­tige Stellung, die sie Euch anweist als die Ersten zu flehen in der Phalanr des Rechts und der Freiheit.

Vereinigt Euch mit uns unter der Fahne der Studenten-Legion, laßt sie uns vereint auf der Zwingburg der Feinde des Vaterlandes aufpflanzen und Euer süßester Lohn wird der Dank des geretteten Vaterlandes sein.

Doch vor Allem kommt wo möglich bewaffnet. Es lebe Deutschland! es lebe die Reichsverfassung! Deutschen Vrubergruß!

Die Studenten-Legion in der Rheinpfalz. Kaiserslautern, den 27. Mai 1849.

Der traurige Zustand der Wehrmanuschaft in Nassau.

O Rüdesheim. Wie jammervoll der Zustand unsrer Bürgerwehren an den meisten Orten des Landes geworden ist, das hat sich recht auffallend bei der kürzlich angeordneten Vereidigung derselben auf die Reichsverfassung gezeigt. Ein politisches Institut, wie die Volköwehr, ist und bleibt ohne politisches Leben ein Unding; für den rechten Geist unter Führern und Mannschaft ist aber, am wenigsten auf dem Lande, Sorge getragen worden und so ist es denn hin und wieder sogar vorgekommen, daß die Leute den Eid auf die Verfassung geradezu verweigerten, weil ihnen kein Mensch Sinn und Verstand jener Maßregel verdeut­licht hatte. Wir wollen statt aller ein Beispiel erzäh­len, wie es in einem der größeren Orte des Rhein- gaus dieser Tage vorgekommen sein soll.

Am zweiten Feiertage sollte daselbst die Vereidigung der Wehrmannschaft stattfinden. In der glühenden Hitze des Mittags von 12 bis gegen 2 Uhr, stand auf einem freien, schattenlosen Platze, am Ufer des Rheins, die sogenannte Wehrmannschaft haufenweise um einen Tisch herum, von welchem herab der Bür­germeister eine entsprechende Anrede hielt und die ganze Verfassung paragraphenweise vorlas. Wie bei jedem beliebigen Volkszusammenlauf standen die Leute, ergraute Männer und blutjunge Burschen, bunt durch einander; keine Frontaufstellung, keine Abteilung in Compagnien, kein Stück Waffe in der ganzen Mannschaft, die un­entbehrliche Tabakspfeife natürlich ausgenommen; kein Fähnlein, das in den Lüften flatterte; keine gleichför­mige Bekleidung mit Uniform oder Kittel; nicht ein­mal die Hauptleute hatten ihre Säbel umgeschnallt; die Umstehenden aber hörten entweder mit offenem Munde dem Vorlesen zu oder schwätzten und gafften. Das war das Bild einer nassauischen Wehr Mann­schaft bei dem feierlichen Akte der Eidesleistung im Jahre des Heils 1849! Kein Wunder, daß diese so­genannte Mannschaft, nachdem der Major die nur von

Wenigen verstandene Eidesformel vorgelesen und zum Handaufhebtn aufgefordert hatte, anfangs einzeln, dann haufenweise auseinander lief und nur schwätzende Grup­pen übrig blieben, die über Holzfällung und Wald­sperre sich echt spießbürgerlich in eine Zänkerei einzu- lassen Miene machten. Zu rechter Zeit schlugen die Trommler zum Abmarsche; es war aber nicht e t n Mann, der hinter ihnen drein marschirte und damit löste sich denn der letzte Rest der Versammlung un­verrichteter Sache auf.

Wir wollen hoffen, daß kein Wehrmann aus dem hessischen oder preußischen Nachbarlande diesem klägli­chen Schauspiel beigewohut hat; der Schimpf wäre zu groß für unsere Regierung, die doch auch nichts gethan hat, um das Volk nur einigermaßen wehr­haft zu machen; für unser Volk, das die erste der Märzerrnngenschaften durch seinen Unverstand, seine politische Gleichgültigkeit und das Ungeschick seiner An­führer dem Gespötte preiß gibt. Das sehnlich er­wartete neue Wehrgesetz wird unendlich Vieles gut zu machen haben; wenn aber für politische Aufklä­rung des Volkes nicht besser gesorgt wird, als bisher, so bleibt gewiß auch in dieser Beziehung halt Al­les beim Alten und unsre lieben Beamten lachen ins Fäustchen. Zum Glück sind aber die Zeitumstände mächtiger, als die Menschen; auch unser Völkchen wird heute oder morgen in ihren Umschwung mit Hineinge­rissen werden, und dann wehe denen, die sich selbst nach dem 4. März noch dem Zeitgeist selbstverblendet zu widersetzen wagten!

Verrath und Schmach.

Was im Dunkel der Kabinette gesponnen worden, tritt bereits heraus an das klare Licht des Tages. Balb^ und unsere Fürsten sind offen die Satrapen des Selbstherrschers aller Reußen, unsere Heere die demüthigen Kameraden der nordischen Sklavenhorden Und Deutschland schweigt, sein 9teichsMi­nisterium schweigt, und der Troß seiner Vertreter läuft davon!

Schon spricht der Auswurf der Presse, die Kreuz- zeitung von der Hülfe der Russen, wenn es Preußen nicht gelingen sollte, die Ordnung, d. h. den Bank­bruch alles Rechtes und Gesetzes, den geistigen und politischen Tod, herzustellen. Treibt man doch die Schamlosigkeit so weit, das Bündniß mit Rußland ein Vermächtniß des besten und edelsten Königs (Frie­drich Wilhelm III) zu nennen! Ja die Russen für achtungswerther zu erklären, wie jetzt die Preu­ßen, da bei ihnen kein Treubruch, kein Aufruhr vor­gekommen!!! Ein russisches Armeekorps in Oberschle- sien soll Posen schützen! Der gewöhnliche Maßstab der Berechnung ist zerbrochen; Verachtung und Ent- rüstung allein bleiben übrig für die Gemeinheit und Wahnsinn solcher Deutschen. Und Deutschland schweigt und sieht sich unthätig von dem schmählichsten Netze umstrickt!

Rußland soll bei den Verhandlungen mit Däne­mark die Vermittlung übernehmen! Durch das Ein- rücken in Jütland soll die Ehre der Armee gewahrt sein! Dieser Ehre, d. h. dein Verrathe scheußlicher Art, würden Tausende geopfert Tausende für den Wahnwitz einiger Gottbegnadeten, um mit unauslösch­licher Schmach heimzukehren! Nie wurde einem Volke mehr Hohn, mehr Verachtung geboten! U n d D e u t sch - land schweigt und schmiegt sich dem gräß­lichsten Loose, der Selb st Vernichtung als N a t i o n!

Unsere Städte werden Croatenlager; auf ihren Märkten brennen die Wachtfeuer; die freie Wissenschaft wird in ihren Jüngern mißhandelt. Ein wüstes, cnl- turfeindliches Treiben überall. Wir gehen einem gräß­lichen Zustande entgegen, um so schrecklicher, weil wir die Luft der Freiheit geathmet, ihre Früchte glänzen gesehen. U n d D e u t s ch l a n d s ch w e i g t, u n d sp r i ch t kein Wort im Rathe der Völker, als wäre es ein kleiner, unbeachteter Punkt, den man sorglos mit Füßen tritt! Wohl, so möge cs sich bereit halten für die Knute und das Standrecht! Fluch aber denen, welche die Gefahr nahen sahen, feige die Hände in den Schooß legten, ja jene noch beförderten durch bodenlose Schwäche, und in der Stunde der größten Gefahr, im Augenblicke des Seins oder Nichtseins einer ganzen Nation, das

Volk schamlos im Stiche lassen, und die vom Volke gemästeten Leiber in Sicherheit bringen!

Gehe wieder schlafen, deutscher Michel, oder schüttle Dich in wilder Kraft, dch die Säulen des geschändeten Tempels stürzen und die falschen Baalspriester im schütte begraben! Aus diesen Trümmern allein kann Deine Ehre und Freiheit gerettet hervorgehen. Noch ist es Zeit! (Ntgsztg.)

Der ,.Penple" an die Armee!

Die französische Armee hat den demokratischen Kan­didaten eine große Majorität gegeben, die Demokratie hat als Erwiederung darauf in Paris zwei Unteroffi­ziere gewählt und einen dritten Soldaten durch eine doppelte Wahl in Lyon und Straßburg ausgezeichnet.

Volk und Armee umarmen sich brüderlich. Werden die Staatsmänner die Bedeutung dieses Votums der Armee verstehen?

Seine Bedeutung ist die: Die Armee will die Ehre Frankreich rein gewahrt wissen.

Seit dem Februar begehrt die französische Armee das republikanische Banner in alle Hauptstädte zu tragen.

Sie will die Polen und Italiener, ihre treuen Kriegs- gefährteu 25 Jahre lang, befreien helfen.

Auch stößt die Armee mit Verachtung die Voten der Staatsmänner zurück, welche die Verträge von 1815 erhalten wichen wollen.

Krieg , Krieg den Königen, den Aristokraten, den Bezwingern Polens und Italiens, Krieg den Kosacken.

Das ist die Bedeutung der Wahl von Boichot, Rattier unb Kommissare. Die Marschälle und Gene­räle weigerten sich, das absolutistische Europa zu be­kämpfen und wollten die französischen Waffen nur gegen die Demokraten gebrauchen. Da bedeuteten die Sol­daten ihren Generälen und der Regierung, daß sie Willens seien, über den Rhein nnd die Alpen zu gehen.

Noch ein anderer Beweggrund bestimmte das Vo­tum der Soldaten. Ein royalistischer General versucht die Soldaten der Republik gegen Rom und die Repu­blik zu führen.

Gewiß, wenn Nom noch eine päpstliche Stadt wäre, und wir eine römische Arinee aus päpstlichen Soldaten zu schlagen hätten, der Feind wäre längst schon bewältigt.

Aber die römische Armee ist heute die Armee der italienischen Republik, welche unsere Soldaten verthei­digen wollen. Die päpstlichen Soldaten sind die Nea­politaner, die man uns zu 21(Hirten geben will. Die französische Armee konnte in den Republikanern Roms keine Feinde, in den Söldlingen eines Bourbonen keine Alliirten erblicken.

Die französischen Soldaten, zwischen ihre Fahnenehre und ihre Ueberzeugung gestellt, haben sich also tobten lassen, ohne siegen zu wollen. Ja gewiß! trotz ihres Muthes und ihres Patriotismus hätten die Römer nicht die französischen Soldaten zurückwerfen können, wenn sich die Franzosen nicht der Nolle geschämt hätten, die man ihnen zugedacht.

Wie? französische Regimenter, die unbeweglich standen vor der vereinten Uebermacht der Oesterreicher, Preußen und Russen:, sollen sich mit den Patrioten einer kleinen Republik messen, die von den Heeren dreier Mächte zernirt ist?

Die französischen Soldaten verlangen Gegner, die ihrer würdig sind!

Die Demokraten verweisen sie auf Deutschland, das sie in seinem Kampf gegen das preußische Militär unterstützen sollen, auf Italien und Ungarn, das von den Rotten der Kaiserlichen gesäubert werden muß, auf Polen, das aus den Krallen des Ezaren zu befreien ist. Die Soldaten stimmten für die Demokraten. Die römische Republik hat die französische Armee zurückge­worfen mit dem Artikel V. der Konstitution, den sie ihr vorgehalten. Die Soldaten, die Bürger sind, haben das Grundgesetz der Republik achten müssen.

Unsere Soldaten haben besser als ihre Offiziere die militärische Ehre verstanden.

Brüder Soldaten! Die Demokraten verstehen Euch. Die Zeit ist nicht ferne, wo es Euch gewährt sein wird die absolutistischen Armeen zu bekämpfen, die Redouten des Feudalismus zu erstürmen, die Quarres des Czaren im Galopp niederzuschmettern.

DasHurrah!" der Kosaken hat dereinst in Paris ertönt.

Soldaten! Indem Ihr für uns gestimmt, habt Ihr uns die Verpflichtung auferlegt, Euch nach Wien und