auf diese Ansprache gezogen wurde, und daß sie jetzt iu Jedermanns Munde ist. Sie wäre sicher unbeach- । tet vorübergegangen, denn es gibt der Aufrufe jetzt so viele, daß, wenn sie nicht durch die Bemühungen der Behörden selbst pikant gemacht werden, die Vergessenheit bald über sie hineilt. (Tr.Z.)
Berlin, 26. Mai. (Berl. N.) Aus glaubhafter ; Quelle geht uns die Nachricht zu, daß der Abfchluß ; eines Friedens mit Dänemarkuganz nahe sei, und zu diesem Zweck der dänische Kammerherr von Reetz seit einigen Tagen mit geeigneten Vollmachten aus Kopenhagen hier verweilt.
— Die Anzahl der bis jetzt mobil gemachten preußischen Truppen beträgt 240,000 Mann mit 864 i Feuerschlünden. Von der Landwehr-Kavallerie sind , noch gar keine Mannschaften eingezogen. — Von guter Hand wird uns mitgetheilt, daß an eine Verwendung der hiesigen Garden zu den bevorstehenden Er- peditionen augenblicklich noch nicht gedacht wird.
Die Theile des 38ten Regiments, die früher in ; Mainz, zuletzt in Frankfurt a. M. garnisonirten, werden nächstens in Berlin einrücken. Die Fouriere eines : Bataillons dieses Regiments sind vorgestern bereits I hier eingetroffen.
^ Hannover, 26. Mai. Die Hannov. Ztg. nennt die Reichsverfassung eine „gestorbene." So sprach sie früher auch vom Staatsgrundgesetze; damals war sie Stüve's erbitterste Feindin, jetzt ist sie Stüve's Organ. Man sieht, der Mann hat von seinen — Feinden etwas gelernt. Auch in den Verfolgungen gegen die Verfechter der freien Presse ist Stüve ein großer Mann. Wie früher die Mehrzahl von Stüve's politischen Freunden im Zuchthause schmachtete, so sind jetzt die Verhaftungen an der Tagesordnung. Hier wurde Althaus von der Zeitung für Norddeutschlaud verhaftet, in Göttingen Fiedler, der Herausgeher der „Volkswarte." (Mz. Z.)
Wien, 21. Mai. Die Nachrichten von dem desor- ganisirten Zustande mancher in Ungarn operirenden Truppenabtheilungen scheinen denn doch nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein. Selbst die „treuen Grenzer" nehmen mitunter Reißaus, und vom Liceaner Regimente sind seit Kurzem gegen hundert Mann mit Sack und Pack desertirt; die armen Leute sind meist Familienväter und verlieren durch ihre Desertion zugleich das Recht, in dem Grenzbezirke zu wohnen. Wer im Osten — in Siebenbürgen — dem General Bem gegenübersteht, weiß eigentlich Niemand; vermuthlich wird man ihn den Russen überlassen, die, wie es heute wieder für bestimmt angegeben wird, am 17. d. M., 60,000 Mann stark, in Siebenbürgen ein- rücken sollten. Von einer Operation der Russen verlautet gar nichts, und unsere Gutgesinnten, welche hoffen, die Russen würden das ganze Rebcllenpack mit einem Hauche wegblasen, schneiden lange Gesichter. Am thätigsten ist noch Weiden, der, wie Sie wissen werden, bei Freistadtl über die Waag ging; übrigens ziehen sich die Ungarn meist freiwillig zurück, und daß sie etwas ganz Appartes im Schilde führen, lassen selbst die magern amtlichen Berichte ahnen, welche von „Bewegungen" der ungarischen Armee erzählen, die vermuthlich in den nächsten Tagen „einen bestimmten Charakter" annehmen werden. Die heutige „Presse" berichtet einen Sieg der Oesterreicher, trotzdem noch nichts Offizielles darüber publizirt wurde;-non omnes possumus . ..
Soeben sprach ich einen Handelsmann, der am Montag (21.) bei Tagesanbruch Pesth verließ. Er brachte die Nachricht mit, daß das Kanonenfeuer von Ofeil her am 20. Abends aufgehört hatte, und dafür die ganze Nacht hindurch ein starkes Gewehrfeuer gehört wurde, welches am Morgen schwächer wurde; vermuthlich sind die Ungarn in jener Nacht in die Festung gedrungen. Görgey's Corps, welches dee Festung cernirt hielt, zählte 23,000 Mann. Ein anderer Umstand erhöht die Wahrscheinlichkeit des endlichen Falles der Festung. Der Berichterstatter war nämlich auf Umwegen Dienstag Abend nach Raab gekommen und fand dort in der Nähe der Stadt ein Piket Husaren, welches das Gros der Görgey'- s ch e n Armee bereits von Ofen z u r ü ck erwartet e. (N. O. Z.)
Wien, 25. Mai. Nach der Einnahme von Panc- sowa'hat Perczel eine wte an die Negierung des Fürstenthums Serbien gerichtet, worin er derselben anzeigt, daß die k. L österreichische Armee in Ungarn von den magyarischen Waffen besiegt und aus dem Lande vertrieben wurden sei und der ungarische Reichstag die Dynastie entthront und Ungarn als unabhängigen europäischen Staat erklärt habe. In Folge dieses Beschlußes der ungarischen Nation werde die Regierung des Fürstenthums Serbien aufgefordert, mit Ungarn jenes gute frenndnachbarliche Einvernehmen auch ferner zu erhalten, welches sie bis jetzt stets bewahrt habe, und da fürstlich-serbische Unterthanen unter Kni- cjanin und Milivoj in Ungarn gegen die Magyaren und zwar wider Willen der fürstlichen Regierung kämpfen, so sehe man sich veranlaßt, an dieselbe Regierung die Aufforderung ergehen zu lassen, daß sie ihre in Ungarn kämpfenden Unterthanen abberufe und bestrafe und der Bevölkerung des Fürstenthums verbiete, die „räuberischen Raitzen" zu Unterstufen.
In Neusatz werden alle Serben vom 15. bis 40. Jahre von den Magyaren für den Militärdienst con-
scribirt; kein Unterschied, ob ledig oder verheiratet, ob der Con scribirte^ Familie habe oder im Hause der Einzige fei, _ bars geltend gemacht werden; Alles muß zu den Waffen greifen und mit denselben einstehen für die magyarische Unabhängigkeit. (N.O.Z.)
Wien, 25. Mai. Von Hradrisch beginnt das -rot der Russen sich gegen Trentschin in Bewegung zu setzen. Das einstige Prämonstratenserkloster indem eine Stunde entfernten Wellechrad, jetzt das Wohnschloß des Baron Srna, Besitzers dieser Herrschaft, wurde mit seinen weitläufigen Räumen und schönen Stallungen von den Russen zur Beherbergung des Cavallericstabes und der Regiments-Canzleien in Beschlag genommen, wie überhaupt dieser reiche Eigenthümer vieler Herrschaften auch in Ungarn von allen Seiten balo von den Insurgenten, bald von den Kaiserlichen stark in Anspruch genommen wird. (F. I.)
Köln, 27. Mai. Der erste Act der Contrerevo- lution spielte bis zum Sturze Hansemanns! Das alte Regime hatte sich der bürgerlichen Eindringlinge entledigt. Der zweite Act endete mit der Auflösung der zweiten Kammer! Der dritte Act, in welchem das alte Regime aus der bloß aufhebenden Thätigkeit in eine schaffende überging, ist bald zu Ende: Das Rusfisch- O e st e r r e i ch i sch - P r c u ß i sche Dündniß fordert das rivili- sirte Europa in die Schranken. „Deshalb rufe ich schon jetzt mein Volk in die Waffen." Die drinatische Erposition war fein, aber gut und dem geübten Auge deshalb leicht erkenntlich. Nur Verrath oder Stumpfsinn konnte sagen: „Ich sehe keine Reaction." Wer früher auf den Sinn der Note Wildenbrugs über den dänischen Krieg, das Rundschreiben Peucker's über die Verpflichtung der Truppen für die Centralgewalt rc. nicht verstand, versteht vielleicht Folgendes:
Der dänische Krieg begann aufs Neue, die süddeutschen Trpppen wurden mit Posenscher und rheinischer Landwehr nach Holstein geschafft. Die norddeutschen Soldaten blieben einstweilen zu Hause.
Die Centralsgewalt erklärte sodann, zu ihrem Schutze eine bewaffnete Macht nöthig zu haben; nun rückten die Altpreußen und Norddeutschen 'nach dem Mittelrhein. Das Volk in Baden und Pfalz beging die Thorheit, für die Verfassung aufzustehen, sofort beorderte Johann ohne Land aufs Neue Truppen, die die Neichsverfas- snng nicht einmal beschworen, nach dem Süden. Von den weiteren Maßregeln des Johann gegen die Einführung der Verfassung wollen wir hier nicht sprechen. Rastatt ist in den Händen des Volkes, Landau kommt binnen wenigen Tagen hinein. Obschon beide Stämme, Pfalz und Baden, wiederholt erklärt haben, im deutschen Reichsverband verharren zu wollen, obschon sie gerade um den Verband zu schützen, aufgcstandcn sind, rücken weitere 60,000 Preußen tu Eilmärschen durch Thüringen und die Rheinprovinz zum Schutz (!) der beiden Reichs- festungen. Angeblich „um die vertragsmäßigen Etappenstraßen zu sichern" stellen kleinere Corps sich in Braunschweig, Hessen und Nassau auf. In Thüringen „fliegt" General Schack mit einem besondern Corps. Um das kleine Sachsen zu ocupiren sammeln sich dort 100,000 Mann. (Statt Sachsen wird man wohl Baiern lesen müßen.)
Die Russen kommen angeblich um Ungarn niederzuhalten, sie wollen aber nicht von ihrer Grenze, sondern vom deutschen Boden aus angreifen. Sie occupiren Oberschlesien, stellen sich in Mähren auf un beherrschen mit 150,000 Mann das Gebiet der Donau, Ober und Elbe. Zugleich ist die aus 60 Schiffen bestehende russische Flotte ausgesegelt, um in deutschen Häfen zu landen, um Preußen zum Rückzug aus Jütland zu zwingen! Sogar die Köln. Ztg. zweifelt nicht daran. Preußen öffnet dem Landheer der Russen seine Eisenbahnen und fJi mit den Operationen ihrer Seemacht nicht einverstanden sein? — Preußen wird Widerspruch heucheln, um den Russen Veranlassung zu geben, die nachgerade schwierig gewordenen Ostfeeländer zu besetzen und das bei Kalisch versammelte Corps in Posen einrücken 'zu lassen und dann eine verbesserte Auflage des Malmöer Vertrags herausgeben, es wird das revolutionäre Schleswig-Holstein der verdienten Züchtigung Preis geben. Die dort stehenden Süddeutschen macht es durch die Centralgewalt unschädlich.
Schon vor einigen Tagen berichtete die Hannov. Morgenztg, Preußen habe dem Reichsverweser angezeigt, er möge um den dänischen Krieg „unbesorgt" sein, da Preußen die „Leitung" (!) desselben jetzt allein übernehmen werde. Der östr. Prinz wird gehorchen. Die Berliner Coitferenz ist abgebrochen. Preußen dachte an gar keine Vereinborung, es wollte nur die mächtigeren Regierungen compromittiren. Dies ist geschehen. Von dieser Seite ist nichts mehr zu befürchten. 150,000 Russen in Mähren, mit 6 Reserve- corps, in der Nähe ein russisches Corps in den Häfen, 1 russisches Corps in Posen, 60,000 Preußen in Süddeutschland, mit 3 Reserveeorps in Erfurt, Westphalen und am Rhein; die süddeutsiheu Truppen zertheilt und ohnmächtig. Der vierte Act kann beginnen. Er wird es mit Uebergabe der Centralgewalt an Preußen durch den Reichsverweser.
So sind die Rollen nusgetheilt
Und Alles wohl bestellt,
So Wied die kranke Ze t geheilt,
Der März wird wegschrapnelt. (Westd. Ztg.)
Düsseldorf, 24. Mai. Einem allgemein verbreiteten Gerüchte zufolge wird in unserer Nähe, auf ber linken Rheinseite bei Grimmlinghausen, wo im Jahr 1842 das große Lager sich befand, abermals ein La-
^er uiib zwar für ein sehr bedeutendes Truppenkorps, gebildet werden. (Düsseld.Z.)
~ ^mulheim, 29 Mai. Fünf württembergische Soldaten sind heute Morgen in Karlsruhe eingctrof- sl it, m 11 b em ofg; iellcn Auftrag, Namens ihrer Kame- badischen Soldaten zu begrüßen und die Versicherung zu geben, daß das württembergische Militär nicht nur nicht gegen Baden feindlich auftreten, sondern auch im Falle der Noth mit den badischen Truppen vereint für die Verfassung kämpfen werde. ~ Heute Nach,nittags ist das hier seither in Garnison gelegene 4. Infanterieregiment ausmarschikt wie man glaubt, in der Richtung nach Heidelberg.
Darmstadt, 29. Mai. Die gestern so unerwartet abgegangene Erpedition war gegen Worms gerichtet. Truppen von dem diesseitigen Observationscorps gegen Baden, namentlich das vierte Jnfanteriereginlent unter Oberst v. Weitershausen wirken mit, so wie von jenseits gekommene Reichstruppen. Die Freischärler vermochten einem so wohl berechneten und rasch ausgeführten Angriff nicht zu wièderstehen. (F^ I.)
Altona, 26. Mai. Herr Bargum, der nun aus Jütland zurückgekehrt ist, woselbst er auf Verlangen des Genemls Prittwitz das Amt eines Zivilgouver- neurs bekleidete, ist nicht sehr erbaut von der Art der Kriegführung dieses' Generals, noch weniger aber von der Unterstützung, die Letzterer dem Zivilgouverneur angevcihen ließ. Wir dürfen nach Allem, was wir bisher erfahren, diesem General nicht größeres Vertrauen schenken, als der ministeriellen „Deutschen Reform" (hier nennt man sie „Deutsche Reaktion"), welche von einem kräftigen Auftreten des preußischen Kabinets in unserer Frage spricht. Wenn die „Reform" sagt: Preußen werde die Ehre und den Ruhm der deutschen Nation zu vertreten wissen, — so möchten wir fragen, wo denn die Handlungen sind, die Preußen zu einer solchen Sprache berechtigen? War etwa das Preisgeben der deutschen Waffenehre durch den Malmöer Vertrag, der doch zumeist durch Preußen's Einfluß geschlossen worden, geeignet, Vertrauen bei der deutschen Nation zu erwecken? Oder ist es etwa die Ehrenhaftigkeit, mit der das preußische Kabinet die innere Angelegenheit Dentschland's behandelte und noch behandelt, auf die das offizielle Organ der preußischen Re- giernng sich etwa berufen könnte? Nicht minder kann cs das System der diesjährigen Kriegführung seitens des preußischen Generals sein, welches die öffentliche Meinung bestimmen könnte, den Worten eines Branden- burg-Mantenflel oder eines ihrer besoldeten Scribenten Glauben zu schenken und zu vertrauen. Wenn Preußen auch in diesem Jahre Theil genommen an dem Kriege, den der König selber einen „unglückseligen" nannte, so ist es meist durch die Umstände dazu gezwungen worden, und wir können uns versichert halten, hätte das Cabinet zu Berlin nicht damals noch um die Gunst des deutschen Volkes gebuhlt, es würde vielleicht eher Truppen für Dänemark nach den Her- zogthümern gesendet haben, als gegen dasselbe. Wenn es Preußen Ernst ist, mit der „Ehre und dem Ruhm der deutsichen Nation", warum hat es nicht auch die Neichsgewalt wie die Statthalterschaft der Herzogthü- mer aufgefordert, Bevollmächtigte zu den Friedensunterhandlungen in Berlin abzusenden, und wie kommt es ihm und den übrigen drei in Reichsangelcgenheiten renitenten Kabinetten allein zu, sich bei diesen Friedensunterhandlungen zu betheiligen? Gott gebe, daß wir lügen! Aber unseres Dafürhaltens wird dieser Friede nur eine verbesserte Ausgabe der Malmöer Convention werden. (F. I )
I t a L i e tt.
Kirchenstaat. Die Blätter ans Rom vom 20 meloen, daß die Vorschläge des Hrn. Lesseps von bet Constituante verworfen worden seien, und daß die Franzosen daher sich anschickten, die Feindseligkeiten wieder zu eröffnen.
Drsrrkreieh.
Paris, 25. Mai. Heute ist der Tag, an dem der so lange besprochene Staatsstreich von Changarnier uub Bonaparte verübt werden sollte. Bis Postschluß zeigt sich indeß auch nicht die geringste Spur von Gährung in Paris und Umgegend; Den Montagnards ist bis zu diesem Augenblick kein Härchen gekrümmt worden. Also auch dieses Komplott scheint in das Wasser zu fallen. Aufgeschoben?
Der Montieur veröffentlicht das Dankvotum an Heer und Bürgerwehr. Die übrigen Dekrete haben kein allgemeines Interesse) mit Ansnahme dessen, das die Leiche Carnot's von Magdeburg reklamirt und ihm hier ein Monument zu errichten befiehlt.
Ueber das neue Ministerium noch michts Gewisses. Man sah gestern Abend am Schluß der Nationalversammlung Duffaurc und Barrot Arm in Arm in das Elysee gehen, wahrscheinlich, um sich mit Bugeaud zu verständigen.
Man hoffte gestern früh allgemein die noch nicht trausportirten Juniopfer (etwa 2000) amnestirt zu sehen; allein der diesfällige Antrag Flocon's fiel mit 286 gegen 281 Stimmen durch. Die Amnestie hing also an einem Haare. Thoro's „Vraie Republik" sagt, man müsse nicht mehr um Begnadigung diskutiren, sondern die Befreiung vorbereiten.
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