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Freiheit und Recht!"
Wiesbaden. Mittwoch, 30. Mai
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± Ems, Ende Mai. Der Verein zur Wahrung der Volksrechte zu Ems hat nachstehendes Schreiben an die Landesregierung abgesendet:
Es ist den ergebens Unterzeichneten die verläßliche Mittheilung gemacht worden: man habe ein amtliches Ersuchen an die hochlökliche Landesregierung gerichtet, zum Zwecke die Ausweisung der beiden hier anwesenden Preußen, des Hrn. Dr. Gottschalk und des Hrn. Studiosus Pappenheim, zu gestatten und daß hochlöbliche Landesregierung in gerechter Wahrung der Freiheiten des deutschen Volkes und unserer eigenen Interessen, für welche wir uns gern zu Dank verpflichtet erkennen, den betreffenden Ersuchen keinerlei Folge gegeben.
Herr Studiosus Pappenheim hat, ehe er sich mit der Erlaubniß seiner Regierung zur Fortsetzung seiner Studien von hier, nach Würzburg begeben, an den Bestrebungen des unterzeichneten Vereins mit Eifer sich betheiligt; seine politischen Vorträge waren alle belehrender Art. Hr. Dr. Gottschalk erschien nur einmal und auf besondere Einladung in unserem Verein; er erklärte, zu unserm allerdings großen Bedauern, daß er zur ärztlichen Pflege seiner kranken Schwester nach Ems gekommen und deßhalb vorziehe, sich aller politischen Thätigkeit am hiesigen Orte zu enthalten. Nur nach langem Widerstreben ließ er sich bewegen, auf der Volksversammlung zu Nievern zu sprechen, wo er denn die gegenwärtige Lage des deutschen Volkes zum Gegenstände seines Vortrags nahm.
Auf diese Thatsachen hin — wenn nicht etwa der eigentliche Grund in dem Rufe des Hrn. Dr. Gottschalk liegt, ein ebenso wissenschaftlicher und tüchtiger Arzt, wie entschiedener Volksmann zu sein — fordert man eine hnAsäblid^ ^""^ "^- ^70 ^- • '"v auf, von dem nur der blödeste Unverstand irgend einen Nutzen für unsern Kurort erwarten kann, will man ein Präeedens schaffen, daß gerade in dieser Zeit, wo fast ganz Deutschland sich zum Schutze seiner Rechte erhebt, Ems in den Ruf eines Krähwinkel oderSchöppen- siadt bringen muß; und um endlich die übelverstandenen Gelüste einiger Unfähigkeiten zu befriedigen verlangt man von unserer Regierung, sie solle sich herbeilaßen, das Reichsgesetz zu verletzen, das sie selbst als rechtsbeständig verkündet hat.
Es kann uns, Bewohnern von Ems, aber nicht gleichgültig sein, in welcher Weise über den Ruf unserer Stadt und das Wohl vieler Familien verfugt wird; bei der verfassungs- und gesetzmäßigen Ausübung unserer Rechte wünschen wir die Männer zu kennen, auf die nach solchen Vorgängen bei der Wahl für Gemeinde-, Kreis- und Volksämter keine Rücksicht zu ihren Gunsten genommen werden darf. Zu der Loyalität unserer hochlöblichen Landesregierung, die durch ihr Verfahren umgeben bewiesen, daß sie über den Parteien auf dem klaren Boden des Gesetzes stehen will, hegen wir darum das Vertrauen: sie werde uns geneigtest mittheilen, ob und welche Personen durch ihre Angebereien sie zu derartigen gesetzwidrigen und volksfriedlichen Schritten haben mißbrauchen wollen, indem wir die ergebenste Versicherung hinzufügen, daß wie die Unterzeichneten in der Aufrechthaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung Allen vorangegangen, um namentlich den Ems besuchenden Kranken ein von politischen Stürmen durchaus ruhiges Asyl zu bereiten, so werden sie auch mit aller Entschidenheit dafür wirken, daß man nicht unter dem heuchlerischen Mantel der Menschen und Ordnungsliebe die Gesetzwidrigkeiten der Contrerevolution in unserem Lande proclamire.
Folgen die Unterschriften.
Y Hadamar, 26. Mai. In der „Nass. Allg." befindet sich in Nro. 121 unter dem Zeichen ^ ein Artikel, welcher viel Wesens macht, von einem angeblich hier gewesenen Pulverfaß. Der Verfasser, wahrscheinlich ein zweiter Diogenes, versah dabei ein bret- ternes Grubenhäuschen, das sich vor der Behausung eines hiesigen Schreiners zur Neperatur befand, für ein Faß, und man kann dabei wohl nicht umhin zu glauben, daß der Verfasser vorher eine etwas zu genaue Bekanntschaft mit einem Weinfaß gemacht hat, um eine Hütte mit Thür und Dach für ein Pulverfaß zu versehen und es hat wohl in seinem eigenen Dach ein wenig arg gespuckt, so daß er das Dach auf der Hütte nicht sah, oder es verging ihm wohl Hören und Sehen als er die Aufschrift Pulvermagazin las und gleich in seinem Hirn (?) combinirte, es sei
für die Nassauer Freischärler (?) bestimmt. Wenn nun der Verfaß er weiter meint das Faß sei mit Braunstein ungefüllt gewesen, so - ertappen wir ihn abermals auf einer Unwahrheit, denn die Hütte war so leer, wie die Köpfe mancher Correspondenten. Jener Artikel führt auch ganz richtig ein Kreuz als Anhängeschild, denn man kann wohl nicht anders, als sich bekreuzigen, bei Durchlesung dieses Artikels.
Wir würden nun auf diese Einfältigkeit nicht mehr zurückkommen, wenn nicht die „Allgemeine" in der Uebersicht des Blattes die Frage: Armselig oder lächerlich gestellt hätte, wir glauben solches dahin beantworten zu müssen, daß der Artikel allerdings ein armseliges Machwerk, dagegen die Aufnahme desselben eine große Lächerlichkeit ist.
Was nun den in selbem Blatte, wie auch in Nro. 119 angeregten Verein anbelangt, so hat sich derselbe allerdings hier konstituirt und zwar unter dem Namen „Hadamarer Volksverein", die Statuten sind angenommen und es sind dem Vereine bereits sehr viele beigetreten. Es ist nicht in unserer Absicht, hier über den Zweck dieses Vereins mit der „Allgemeinen" zu verhandeln, sondern nur einfach zu bemerken, daß sich dieser Verein das löbliche Ziel vorgeisseckt hat, die Reichsverfassung und die dadurch dem deutschen Volke gewährten Rechte und Freiheiten durch Wort und That aufrecht zu halten und durchzuführen und andern Bestrebungen wie denen des Piusvereins, sowie des Krebsclubs bei H. im N. H. zu H. entgegen zu wirken. Daß ein solcher Verein mancher Aristokraten, der schon bei dem Worte „Demokrat" zusammenschrickt und gleich Barrikaden und sonstige Schreckbilder in seinem Hirn sieht, ein Greuel ist läßt â krächz.ü«r- vaterlande wohl meint, der Ansicht sein, daß ein Volksverein in dem angeregten Sinne gewiß nur Gutes stiften kann.
14 Von der Feldwache. Es ist eine verdrüßliche Ansicht heut zu Tage und muß den wahren Menschenfreund mit tiefem Ingrimm erfüllen, wenn er allenthalben wahrnimmt, wie vornehmlich zwei große, volksfeindliche Faktoren sich nach Umstanden wechselsweise zu unterstützen bemüht sind, um das arme Volk zu ihrem Vortheile geistig und materiell zu Grunde zu richten.
Da haben unsere allerchristlichstcn, nassaußchen Sionswächter in dieser gefährlichen Zeit aus bekannter allumfassender Liebe auch ihr besonderes Augenmerk auf ihr geliebtes Stiefkind, die Schule, gerichtet, um dieselbe unter ihrer sorglichen Obhut fest zu verwahren, damit sie nicht vom Geiste der Welt angesteckt und verführt werde. Eine Petition, die einen geistlichen Pädagogen zum Verfasser haben mag, cirkulirt in allen katholischen Gauen Nassau's in so vielen Exemplaren, daß man ganze Stoßkarren voll davon sammeln und beifahren könnte, und wird der „hohen Kammer", der „hohen Landesregierung" und dem hohen Staatsministerium" darthun, welches die Wunsche der unterzeichneten Katholiken bezüglich einer Reorganisation des Schulwesens sind. Die getreue geistliche Gens'darmerie der „Piusvereine" bemüht sich eifrigst in Verbindung mit den Herrn Pastoren diese Petition zu vervielfältigen und Unterschriften zu sammeln. Der eine geistliche Herr schildert sehr beredt unter frommen Seufzern, wie die Religion in Todesgefahr gerathen sei und fordert dabei zu Unterschriften auf, um diese drohliche Gefahr dadurch glücklich zu beseitigen. Der andere spricht von Belzebub, der wie ein brüllender Löwe umhergehe und namentlich die Jugend aufs Korn genommen habe. Die gläubigen Alten vermeinen nun wirklich, der gefürchtete Unhold schleiche leibhaftig von einer Schulthüre zur andern, und werde die lieben Kleinen mit Haut und Haar sammt und sonders verschlingen. Was ist natürlicher, als daß sie unterschreiben, um da, wo die geistlichen Beschwörungswaffen nicht mehr ausreichen wollen, den Schutz noch zu erlassender Landesgesetze gegen solches ungebührliche, teuflische Spektakel anzurufen. Ein dritter läßt ganz ins Geheim den Ortsvorstand wissen, die Schrift habe weiter nichts zu bedeuten, als daß künftighin an katholischen Orten keine evangelischen Lehrer mehr angestellt werden sollten, und der Vorstand unterschreibt so auf guten Glauben hin im Namen der Gemeinde. — So kommen mitunter die betreffenden Wünsche der unterzeichneten Katholiken zu Stande.
Wir hoffen jedoch, alle diejenigen, denen es obliegt zU cuici zeitgemäßen Umgestaltung des Schulwesens das ihrige beizutragen, werden sich durch solches Treiben nicht beirren lassen, sondern einsehen, welcher Werth beregten Petitionen beizulegen ist.
Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, wie in einem vormals kurtrierischen Städtchen unsers Landes zwei Lehrer sogar nicht nur Mitglieder des Piusvereins sind, (wir haben dagegen nichts zu erinnern und wollen jedem seine religiöse Freiheit und die Art, solche zu bethätigen, ohne anderweitigen Anstoß zu erregen, belassen), sondern sich zu ihrer Schande dazu hergeben, auf Befehl des Vorstehers ihres Vereins eine bestimmte Anzahl von Abschriften fraglicher Petition Behufs der Versendung in die Nachbarschaft zu fertigen und so m ihrer Beschränktheit mit emsiger Hand ihre eigne Gruft schaufeln helfen.
Mainz, 28. Mai. Gestern Abend traf die zweite Kolonne Mecklenburger hier ein; die erste ist diesen Morgen in die Provinz Rheinhessen abmarschirt Heute wird mecklenburgische Kavallerie und Artillerie er* wartet. (M. Ztg.)
Aus Oberhessen, 27. Mai. Der Bezirksausschuß der demokratischen Vereine Oberhessens zu Gießen fordert in dem zu Gießen erscheinenden „Wehr Dich" (Organ der demokratischen Vereine Oberhessens und des Landwehrbundes) die sämmtlichen demokratischen Vereine Oberhessens auf, sich so zahlreich als möglich durch Abgeordnete bei einer Deputation zu betheiligen, welche folgende 12 Forderungen, „nach dein Beschlusse mehrerer großen Volkâv^oka mm 1 mi^ui- ...»k u..v Rheinhessen" an den Großherzog stellen soll, als Forderungen des hessischen Volkes an die Negierung: 1) Sofortige Auflösung beider Kammern und Bern nun einer hessischen verfassunggebenden Versammlung, für welche und in welche jeder volljährige Staatsbürger- Wähler und wählbar ist. 2) Entfernung des M i u i st e r t u in 3 Jaup und alsbaldige Bildung eines volksthümlichen Ministeriums. 3) Augenblickliche Organisation der Volksbewaffnung auf Kosten des Staates mit freier Wahl der Führer. Alle Volljähr gm bis zum 40. Jahre sind alsbald gesetzlich unter die -- Waffen zu rufen. 4) Anerkennung der völligen Selbstständigkeit der Gemeinden, Bestätigung der höchst Bestimmten zu Bürgermeistern, gesetzliche Einführungen der öffentlichen Gemeinderathssitzungen. 5) Unentgeltliche Äufhebung aller Feudallasten, sofern dieselben nicht auf Privatverträge gegründet sind, damit ein tüchtiger Mittelstand als Grundsäule des Staates erhalten werde. 6) Allgemeine Amnestie für alle politischen Vergehen bis auf diesen Tag, incl. des Militärs re. 7) Organisation des Schulwesens, Ferien unabhängige Stellung der Lehrer und Entlassung aller Behörden, welche seither auf die politische Ueberzeugung der Lehrer einzuwirken sich erfrecht haben. 8) Alsbaldige Einführung einer Synodalverfassung, Entfernung des allen religiösen Fortschritt hemmenden Oberkonsistoriums. 9) Sofortige Vereidigung des Militärs, der Bürgerwehr und der Beamten aus die Verfassung. 10) Alsbaldige der Nationalversammlung zur VerfügnngsteUung des hessischen Heeres mit Einschluß der Bürgerwehr zur Durchführung der Reichs- verfaffung. 11) Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit und somit Gleichstellung deS Militärs mit den Bürgern. 12) Sofortige Neuwahl der Gemeindevorstände im ganzen Lande. — Die Versammlung der Abgeordneten soll Mittwoch den 30. Mai im Lindenhofe in Darmstadt sein. (F I.)
Karlsruhe, 25. Mai. Die Organisation des Landes sowohl in der Zivil- wie Militärverwaltung ist auf gutem Wege, und nur über die allzu große Nachsicht des Landesausschusses werden einige Klagen laut. Statt den vielfachen Verleumdungen gegenüber mit eiserner Strenge vorzuschreiten, lasse er, jo klagt man, zu oft Gnade für Recht ergehen. Als neuen Beweis führt man die gestern erfolgte Freilassung des gefährlichsten und übermüthigsten Gegners der Volkserhebung, des Er-KavaUerieobersten Hinkeldey an. Indeß sind neuerdings strenge Verwarnungen gegen die geheimen und offenkundigen Eontrerevointionäre erlassen worden, die, wenn sie auf die seitherige Weise fortzufahren wagten, den L^idcsausichuß zwingen dürften, zur unerbittlichsten Strenge zu schreiten. Auch