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Wiesbaden. Mittwoch, 23. Mai
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'-^^Kiulsruhe. Der Landesausschuß hat unter dem 17. folgende Proklamation an die deutschen Soldaten "^^Soldaten! Deutsche Brüder!
Der Hauch der Revolution weht aufs neue durch unser Volk hindurch; das deutsche Volk will den Kampf letzt zu Ende führen, Den es im März des vergangenen ZahreS aufgenommen hat. Soldaten! Auch für Euch schlagt die Stunde der Freiheit, auch für Euch blutet das Volk, wenn es für seine ewigen und unveräußerlichen Rechte in den Kampf geht; denn aus dem Fleische und Blute des Volkes seid Ihr entstammt und zum Volk kehrt Ihr zurück, wenn Euer Beruf sich erfüllt hat. Bedenkt es, was das Volk erringt, das ist Euer Gewinn, was das Volk verliert, Euer Verlust.
Soldaten! Eure Brüder in Baden haben erkannt, daß sie eins sind und daß sie eins sein müssen mit dem Volke. Sie sind es gewesen, durch deren hochherziges Beispiel sich in Baden eine Bewegung vollendet hat, die an Großartigkeit ihres Gleichen in der Geschichte sucht. Was sonst das Werk eines jahrelangen Kampfes voller Blut und Thränen war, das ist in Baden in dem Zeitraum von zwei Tagen fast ohne Schwertstreich vollbracht worden. Unsere Soldaten ernten dafür den Dank des Vaterlandes , den
Ruhm der Nachwelt. , v
Deutsche Soldaten! Ereignisse wie sie in Baden einactreten sind, bereiten sich vor über das ganze Deutschland hin. Das Volk wird sich erheben gegen seine Dränger und die Dränger des Volker, werden Euch gegen das Volk führen.
Wollt Ihr einen Kampf, in welchem Bruder ge- acu Bruver, Sohn gegen Vater die Waffen tragt/ Fluch, ewiger Fluch Denen, die zu solchem Kampfe Luch aufforvern, Fluch Allen, die sich willig und geduldig zu solchem Kampfe gebrauchen lassen! — ist unmöglich, Soldaten, daß Ihr im Bluwergleßen Euern Ruhm suchen könnt. So höret denn aus die Stimme, die aus dem Volke an Euer Ohr dringt; verkürzet, vermeidet den Bruderkrieg, zu dessen Schauplatz bereits der deutsche Boden auserlesen ist; ersparet dem deutschen Vaterlande den Schmerz, sich die Freiheit durch die Zerstörung seiner Städte, die Verwüstung seiner Fluren, die Opferung der Edelsten seiner ^öhne erkaufen zu müssen. Ihr könnt das, entscheidet Euch nur; schließt ihn ab den Bund mrt dem Volke, mit dem Volke in allen Theilen unseres Vaterlandes. Als seine Brüder will Euch da^ Volt empfangen; stößt es nicht von Euch unb reicht ihm die Hand zu ferner, zu Eurer Befreiung. — Vergeßt es nicht, es gibt ein Gesetz, das Euch an dav VUk bindet, wie Ihr gebunden seid an den Boden, aus dem Ihr wandelt, an die Erde, von der Ihr seid und zu der Ihr wieder hingeht. Schreibt es in Euern B - sen dieses Gesetz, beherzigt es, daß es in Euch a ss lodere zur Flamme der Liebe, zur Flamme einer innigen Verbrüderung mit dem Volke. Nehmet hm, unsern Brudergruß!
Nationalversammlung zu Frankfurt.
225. Sitzung vom 21. Mai.
Cs sind wiederum viele Adressen wegen, Durchführung Verfassung aus den verschiedensten Gegenden eingegangen.
Präsident Reh zeigt an, daß ihm am Sch uß der letz en Sitzung zwei dringliche Anträge überreicht worden seien, der eme einen Aufruf an das deutsche Volk wegen Durchführung der Ler- fuffüng bezwecke, der andere dahin gehend, daß di-Versammlung bei Anwesenheit von hundert Mitgliedern Meblu^abtg er habe eS für seine Pflicht gehalten, dieselbe n^Mut Verhandlung zu bringen, weil ein großer Theil ^r Mitglieder die Versammlung bereits verlassen habe, und weil die Wichtigkeit dieser Anträge die reiflichste Prüfung erheische. Nach der Sitzung seien ihm von mehreren Seiten Vorwürfe wegen dieser Verletzung Geschäftsordnung gemacht worden, und er bitte daher um -Verzeihung. (Eine schöne Art, mißliebige Anträge, den klarsten Bestimmungen der Geschäftsordnung entgegen, zu verschieben.)
Präsident verliest die von dem Ministerium ihm mitgetheille Abberufung der Abgeordneten aus dem Königreich Sachsen durch die dortige Regierung. Vizepräsident Eisenstuck gibt im Aur- trug einer Anzahl sächsischer Abgeordneten folgende Erklärung ab.
In Erwägung, daß die Mitglieder der konstituirenden Nationalversammlung nur vom deutschen Volke gewählt und bevollmächtigt sind, das deutsche VerfassungSwerk zu beschließen und vollkommen zu Stande zu bringen, daß demnach uickest e nur der Vollmachtgeber daS Recht hat, die ertheilte Vollmacht turückzuziehen, jede Abberufung durch eine deutsche ^uäelregwrung eine rechtlich völlig unbegründete und unstatthafte H^ndtti g I, erklären die unterzeichneten sächsischen Abgeordneten, daß I ‘ M
weder für berechtigt ncch für verpflichtet halten, der unterm 19. d. M. durch den Bevollmächtigten der königl. sächsischen Regierung an sie ergangenen Aufforderung, die Nationalversammlung alsbald zu verlassen, Folge zu leisten, und daß sie demnach auf diese Aufforderung hin ihre Sitze in der konstituirenden Nationalversammlung nicht verlassen werden. Unterzeichnet von: Eisenstuck, Dieskau, Mammen, Günther, Schaffrath, Scharre, Biederinann (was will Saul unter den Propheten?) mit Roß- mâßler. Langbein, Heisterbergk, Hallbauer schließen sich an.
Eine Anzahl Abgeordneter, darunter Bobdien, Bassermann, und von der Linken: Trabert! und Hensel!! treten aus. Swben- undsiebenzig Abgeordnete der Rechten: Dahlmann, Gagern (der wahrscheinlich seinen Leib zwischen die Bajonette deS Bürgerkriegs stürzen will), Saucken, Lette und E. Simson an der Spitze treten aus, darunter Beseler, Briegleb, Arndt, Schubert von Königsberg, Degenkolb, Jordan von Berlin und Jordan von Marburg Schueer, Plathner, Waitz, .Löw aus Posen und Loew aus Magdeburg, Stedlmann, Malthy und eine An am unbedeutender Subjekte treten mit einer Erklärung aus, worin sie als Grund ungeben, daß von der einen Seile vier Kronen Deutschland's die durch die Reicysverfassung gebotene Ermittlung zwischen den streitenden, das Jahrhundert bewegenden Prinzipien abgelehnt, von ter andern Seite außerhalb der Relchsversayung uuv gegen die Oberhauptsfrage eine gewaltthälige Bewegung selbst in solchen Ländern, welche die Verfassung bereits anerkannt, sich erhoben habe, sowie daß die Beschlusse, welche von der Versammlung seit dem 10. Mai gefaßt worden , unausführbar und der Richtung gänzlich widerstrebend waren, welche von der frühern Mehrheit, zu der sie gehörten, verfolgt worden. Jetzt bleibe der Versammlung nur die Wahl zwischen Bürgerkrieg oder Terzichtung auf die weitere Durchführung der Verfassung von ihrer «Leite.
Sie hätten das Letztere^ gewählt.
O edler Gagern, großer iViann ! __
Cetto und Andere tragen auf Aussetzung der Sitzung biS morgen an; Eisenstuck widerspricht und verlangt mindestens erst Beschluß über die vorliegenden dringlichen Anträge zu fassen.
Simon von Trier und 11)1. Mohl deßgleicheu; Letzterer verlangt von Denen, die noch fortlaufen wollen, so viel Loyalität, daß sie Denen, die zu bleiben entschlossen sind, dies müglrch machen, und deßhalb auch den Beschluß, daß Hundert beschlußfähig sind, annehmen sollen.
Cetto, von Ruser unterstützt, verlangt Zeit, um sich zu überlegen, was er zu thun habe.
Präsident glaubt, daß seine 7liebt fei, zunächst Cetto S Antrag und dann die vorliegenden dringlichen Anträge zur Verhandlung zu bringen. , , _
Schott schlägt vor, die Sitzung bis 4 Uhr Nachmittags zu
Claussen verlangt zuerst Abstimmung über die dringlichen Anträge. (Widerspruch.) , r f _
Eisenstu ck will sie wenigstens vorgelesen haben. Letzteres geschieht. Es sind folgende:
G o^ ^-ämlung ist beschlußfähig, wenn hundert Mitglieder anwesend sind.
Von U m b s ch c i d e n:
1) Einen Ausruf an das deutsche Volk zu erlassen, worin die Lage des Vaterlandes dargelegt und zur Durchführung der Verfassung aufgefordert wird.^
2) Den Dreißiger-Ausschuß mit der ungesäumten Vorlage eines Entwurfs zu beauftragen, damit in der nächsten Sitzung darüber Beschluß gefaßt werden kann.
Von Eisen stuck:
Die sächsischen Abgeordneten sind nicht berechtigt, auf Grund der Äl bernfung durch die sächsische Regierung ihrem Beruf als deutsche Nationalvertreter sich zu entziehen.
Von Nauwerck: , . - - , . .
1) die Versammlung stellt ,rch unter den Schutz deS Freistaats Frankfurt, 2) sie beauftragt ihren Präsidenten deßhalb, um wegen der Verpflichtung der bewaffneten Macht mit der Regierung deS Frristaats Frankfurt in Un.erhand- lung zu treten. , .
Cetto's Antrag kommt zur Abstimmung. Diese gibt fein Resultat, eS werden die Stimmzettel eiugesordert; während der Auszählung werden mehrere der ausgetretenen Niitglieder, darunter Jordan im eifrigen Gespräch mit einigen Damen auf cer bevorzugten Gallerie von den Besuchern der übrigen Gallene entdeckt, waS zu einiger Unrnh Veranlassung gibt; der Antrag wird mit 99 gegen 91 Stimmen verworfen, der Antrag Schotts aber mit einfacher Abstimmung angenommen, woraus die Sitzung sus- ^"^'untt? großer Unruhe und Unzufriedenheit trennt sich die Versammlung? (Rchstgsztg.)
der
Nassauischer Landtag.
Sitzung vom 22. Mai.
Nea Comm Reichmann theilt mit, das Reichskriegsmini- ilerium habe am 11 und 13. d. M. versügt, daß alle nasiauischen Truppen einzuberusen seien. Ein Bataillon nassauischer Truppen x T^nmtabt abaeschickt werden. Ueber die anperordent- ck n Kos^r w'elÄ M den Ankauf von 20 Pferden zur Be- spannuna von Geschützen entstehen würden, solle nachträglich Vor- K geM fährt Reichmann fort; auf die
^nterveüation von Lana in der letzten Sitzung habe er uutzu- =nn Stück ante Gewehre nach Weilburg sur das dort ae' La aill" welche/bisher FriedenSgNvehre gehabt hätte, a qefthickt stttn -uud auf die „euttcke Interpellation von Braun weaen der Weinübcrqangssteuer, cs sei zwar iu die er Angclcgeu- heit an den preußischen Bevollmächtigten in Frankfurt getrieben worden aber noch keine Antwort erfolgt. . ,
Mete!'erklärt Reichmann: Ueber bie in voriger Sitzung gestellte Interpellation von Müller IL, bezüglich ter Vereidigung des Militärs auf die Neichsverfaffurg, habe er zu erwidern, dap das Ministerium dem Generalkommando aufgegeben habe, den
NeichSverfassungseid in den Fahneneid anfzunehmen, was geschehen sei.
Müller II. verlangt, daß die Eidesformel vorgelegt werde.
Lang will, daß dies noch in der heutigen Sitzung geschehe.
W impf fragt an, wie es mit dem LanvesverfaffnngSentwurf aussehe?
Lang gibt zur Antwort, er sei soweit beendet, daß nach einer Sitzung derselbe in die Kammer zur Debatte gebracht werden könne.
Müller IL fragt bei der Regierung an, wie es mit der Wehrverfaffung aussehe, ob sie bald veröffentlicht werde.
Reg.-Comm. Reichmann sagt, daß daS Gesetz mit einem Courier an den Herzog nach Schleswig geschickt worden, und daß derselbe noch nicht zurück sei.
Lang fragt nochmals an, ob die Eidesformel bis zum Ende der Sitzung würde vorgelegt werden.
Reg.-Comm. Reichmann gibt zu verstehen, daß er durch das Verlangen des Abgeordneten Lang sich nicht befugt halte, irgend eine Antwort in dieser Hinsicht zu geben, und nur dann, wenn es die Kammer durch Abstimmung zu erkennen gebe, dieselbe herbeischaffen wolle.
Lang trägt auf Abstimmung an und die Kammer erhebt sich in großer Mehrheit bis auf B e r t r a m , Schlemmer und Consorten.
Müller II. beantragt, die Antwort der Regierung in der Amnestie-Angelegenheit an einen Ausschuß zur weitern Berichterstattung zu verweisen. Der Antrag Müller's wird mit großer Mehrheit angenommen.
Gergens drückt den Wunsch aus, es möge an den Bagger- Arbeiten in Biebrich, für die 10,000 fl. verwilligt worden seien, nach Möglichkeit gespart werden.
Die Kammer beschäftigt sich hierauf mit der Prüfung des Regierungs-Exigensetats. Berichterstatter ist Creutz. Die Anträge der Kommission erhalten mit wenigen Ausnahmen die Billigung der Kammer.
Bramn stellt bei der Regierung folgende Anfrage: Ob die Regierung, im Faste eines Konfliktes zwischen der Zentralgewalt einerseits' und der konstituirenden Nationalversammlung Deutsch- land's anderseits, welcher in Folge des Verbleibens im Amte Seitens eines von der großen Mehrheit der lottern mit einem unzweifelhaften Mißtrauensvotum empfangenen Reichsministeriums zu befürchten steht, den auf die Leistung von Militär- und Geldmitteln bezüglichen Anordnungen der Zentralgewalt resp, des Reichsministeriums selbst dann, wenn dieselben mit den Beschlüssen der konstituirenden Nationalversammlung in direktem Widerspruche stehen, oder aber der konstituirenden Nationalversammlung Folge zu geben gesonnen sei?
' Reichmann sagt Antwort zu.
Hieraus erfolgt die Mittheilung deS Eides, welchen die Soldaten bezüglich der Verfassung geschworen haben. D e Eidesformel lautet so wie wir sie gestern auS der Mainzer Ztg. mitgetheilt haben.
Der Abgeordnete Lang unterwirft die fragliche Eidesformel einer scharfen und treffenden Kritik. Anträge bezüglich dieser Eidesformel werden vorbehalten.
Leisler bringt in Erinnerung, daß anstatt deS aus der Nationalversammlung ausgetretenen Mar von Gagern eine neue Wahl vorzunehmen sei.
SS. Wiesbaden. Dem Vernehmen nach hat sich in der Nacht vom 15. auf den 16. d. an der Kirch- Hofsmauer zu Frankfurt a. M. der Postkömmissär Roos, ein Nassauer, aus Limburg gebürtig, erschossen. Schon lange hat sich das Gerücht verbreitet, daß seine Vermögensverhältnisse zerüttet seien rc. doch ist es schwer zu bestimmen, was den Unglücklichen dazu bewog sich das Leben zu nehmen, denn wer ihn kannte wird gewiß im Klaren darüber sein, daß er nur durch Ursachen von größter Wichtigkeit zu einem solchen Schritt bewogen werden konnte. Es ist wahrlich sehr beklagenswert!), daß ein mit einem so klaren praktischen Verstand und mit einer Masse von Kunstfertig- keiten begabter Mann vor und nach in eine Stellung gerieth die in ihm einen so unglücklichen Entschluß zur Reife kommen ließen. Außer Zweifel scheint es, daß es nur seine dienstlichen Verhältnisse waren, die ihn an den Rand des Verderbens führten.
Seine unleugbar sehr bedeutenden Fähigkeiten, verbunden mit nicht geringem Ehrgeiz, dem zu fröhnen er kein Mittel scheute, machte ihn zu dem geeigneten Werkzeug eines Systems, das bei der Thurn und Taris'schen Postverwaltung unter der Leitung des Hrn. v. Dörnberg ausgebildet wurde und das schon in vielen beklagenswerthen Beispielen seine fluchwürdigen Früchte getragen hat.
So war es eine auffallende Erscheinung, daß s. Z. der älteste Rath der Generalpostdirektion seinem Leben im Main ein Ende zu machen suchte, während einer seiner Collegen fast gleichzeitig in Geistesverwirrung starb; daß mehrere Beamte und Unterbedienstete aus Noth sich Unterschlagungen und Diebstähle schuldig machten und sich jetzt noch mehrere in Untersuchuügs- und Strafhaft befinden; daß (besonders in den letzten Jahren) sich mehrere Posthalter aus Verzweiflung das Leben nahmen, andere am Bettel,taab emherwandern und noch andere nur deshalb dieses so undankbar ge-