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Der Landes-Ausschuß ist bereits am 14. Mai Nach­mittags 3 Uhr in Karlsruhe angekommen und hat sofort die Negierung übernommen.

Rastatt, 13. Mai. Die Nacht hat noch gebracht, daß einige wirkliche und ehemalige Militärs von ihren Gameraben als Spione erschossen wurden. Mini­ster Hofmann und General Cloßinnnn konnten die Festung noch verlassen. Das provisorische Gouverne­ment übernahm der älteste Offizier, Oberstlieutenant Pfeiffer vom dritten Regiment. Die Post darf die Festungswerke überschreiten; sonst darf dies nur mit Erlaubnißschein des Bürgermeisters geschehen. Diesen Vormittag wurde durch Generalmarsch Militär nnb Bürgcrwehr zusammengerüfen. Man verkündete, daß jede Compagnie aller Waffengattungen die Wahl­männer zu wählen habe; diese wählen einen Obmann ; sämmtliche Obmänner bestimmen die provisorische Lei­tung der bürgerlichen und'militärischen Angelegenheiten. Von höher« Offizieren ist nur noch Obrist Röder von Freiburg anwesend (Oberrh. Z.)

Dresden, 12. Mai. In Dresden wüthen jetzt sächsische und preußische Soldaten fürchterlicher als die Kroaten in Wien. Wer nach Erstürmung der Stadt mit den Waffen in der Hand angetroffen ward, wurde ohne Weiteres gleich auf den Straßen, ohne weiteren Befehl von den Soldaten erschossen. Einige andere Greuelthaten, die ich verbürgen kann: In der Schloß­gasse bemerkten die Soldaten Sachsen! daß aus einem Giebel im 4. Stock auf sie beim Stürmen einer Barrikade geschossen worden war. tote drangen in das Haus ein und fanden sich in der That 10 Mann mit Büchsen bewaffnet dort vor. Sie wurden überwältigt, die Hände ihnen auf den Rücken gebunden, und einer nach dem andern aus den Fenstern auf das Straßen­pflaster hcrabgestürzt. Alle Gefangenen, die die preuß­ischen Soldaten über die Brücke führten, wurden mit Fäusten in das Gesicht geschlagen und gemißhandelt, einem wurde mit einem Degen ein Backen heransge- schnitten und er sodann über die Brücke in die Elbe geworfen. Drei andere wurden zusammengebunden und ebenfalls in die Elbe geworfen, und wenn sie auf­tauchten, nach ihnen geschossen. Ein Soldat vom 20. preußischen Regimente erzählte, daß als sie ungefähr 20 Mann in die Kreuzkirche eingedrungen wären, sic 5 Studenten in einem Gewölbe versteckt gefunden, und sofort niedergestoßen hätten. Auf Jeden, wer den Kopf zum Fenster herausstreckte, wurde geschossen, so wurde ein Fräulein von Seidewitz aus Gera und der Dr. Frau­enstein erschossen. Die furchtbarsten Szenen wird man später noch erfahren. Auf dem Gottesacker wurden in ein Grab 67 furchtbar verstümmelte Leichen vom Volke gelegt, so daß selbst der Todtgräber laut weinen mußte. Wie viel von bethen Seiten gefallen, kann man nicht sagen, es hat viel Menschenleben gekostet. Die größte Lüge, die dieLeipziger Ztg." gemacht hat, ist, wenn sie von 27 Todten von Seiten des Militärs spricht.

Dresden ist hauptsächlich mit durch den Verrath seiner eigenen Bürger gefallen. Die Soldaten wurden von ihnen zn Hinterthüren hereingelassen und fielen den Kämpfern in den Rücken. Eine Menge Ver­haftungen sind vorgenomm, so Blöde, Minkwitz, Hir­schel, Advokat Heinze, Klette, Ttschucke (Bürgermeister von Meißen) der mit Kavallerie von dort abgeholt wurde. Alle Waffen mußten abgeliefert werden, die Stadt ist in Kriegszustand erklärt, in einem Umkreis von 3 Meilen. 20,000 Preußen rücken nach und nach noch ein, sollen in allenunruhigen" Orten eingelegt werden, namentlich überall dahin, wo die provisorische Negierung anerkannt worden ist. Heubner wurde in Chemnitz imEngel" von einigen Komnnalgardisten, auf Veranlassung des Dr. Becker, Nachts im Bett verhaftet und heimlich nach Altenburg und von da nach Neustadt-Dresden gebracht. Hirschel und Oberstlieu­tenant Heinze sollen bereits erschossen sein.

Allgemein ist man empört über die nichtswürdige Darstellung, welche die halboffizielleLeipz. Ztg." von dem Kampfe giebt. Da sind natürlich wieder aus­wärtige Anarchisten die Seele des Aufstandes und nur wenige sächsische Unterthanen ließen sichverführen." Sie dürfen aber glauben, daß das ganze sächsische Volk aufgestanden ist und daß jede Stadt ihren Zuzug ge­schickt hat. Die entfernten Orte kamen leider zu spät; denn die Eisenbahnen konnten sie nicht benutzen, weil die Bahnhöfe von preußischem Militär besetzt waren. In Altenburg wurden bei Ankunft jedes Zuges Ka­nonen mit Kartätschen geladen, vorgefahren. So konnte kein Bewaffneter die Eisenbahn passiren. Das Land ist empört über die verläumderischen Berichte derLeipz. Ztg." und mit Wuth und Verachtung erfüllt über das niederträchtige Benehmen der Leipziger Bourgeoisie. Sie wird das noch büßen. (R. D. Z.)

Berlin, 13. Mai. Aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen die Nachricht mittheilen, daß die octroy- i r t e Reichsverfassung bereits gedruckt ist, ii 11 b morgen an alleRegierungen versendet wird. Das Ganze ist nach Hansemann's Vorlagen bearbeitet. Zur Eingang heißt cs:Um den anti-de- mokratischen (!) und anarchischen Bestrebungen ein Ende zu machen. (N. Nh. Z.)

Berlin, 14. Mai. Der heutige Staatsanzeiger macht eine Verordnung in Betreff derAbberufung der preußischen Abgeordneten" von der Nationalver­sammlung zu Frankfurt a. M. bekannt. Die Motive zu der Abberufung findet die Regierung in dem Be-

fchluite bei- Nationalversammlung, worin sie erklärt, daß sreupen durch seine Intervention in Sachsen den Neichvfneden gebrochen habe, sowie in der Nichtannahme der ihr angebotenen Vereinbarung. (F

Köln, 15. Mai. Essen und Umgegend ist auf C runb ber neuesten christlich-germanischen Verfassung 'n Belagerungszustand erklärt worden.

Düsseldorf, 14. Mai, Mittags 12 Uh?' Sieben rurft etne halbe Batterie ttnb die 8. Jägerabtheilung mit bei Eisenbahn nach Camen, wo eine große Mili­tärmacht zufainmengezogen wird. g

. 13. Mai. Heute wurde hierselbst bei einer Vollversammlung der Gemeinde Overath wel­cher der Gemeinde rath beiwohnte, bie in Frankfurt pubhjiite deutsche Reichsverfassung beschworen und der EiM geleistet, dieselbe mit Gut und Blut aufrecht zu erhalten. Zugleich wurde eine Kommission erwählt sofort die Volksbewaffnung einzuführen. Eine Masse hat sich unterzeichnet, auf den Ruf der Gefahr gleich zu folgen, besonders aber die Landwchrleute auf den Ruf des Standrechtsministeriums nicht folgen zu lassen und sie zu schützen. (N. NH. Z.)

Mülheim am Rhein, 14. Mai Verflossene Nacht ist von hier ein starker Zug bewaffneter Männer mit einem erprobten und entschlossenen Führer nach Elber- felv abgcgangen. Unsere Bergischen Männer ver­stehen keinen Spaß. Ein Guerillakrieg, wovon selbst die Franzosen aus den Wer Jahren noch nachzuerzäh­len wissen, wird durch das ganze Land auflodern. Mögen auch die übrigen Rheinländer ihre Schuldig­keit thun I (N. Nh. 3.)

Neust, 13. Mai. Die fieberhafte Stimmung Hie­sigen Orts erreichte ihren höchsten Grad, als man er­fuhr, daß 13 der gefangenen Freischärler von Glad­bach gestern Abend nach Düsseldorf transportirt wor­den , nachdem einer an von den Soldaten erhaltenen Wunden gestorben sein soll.

Ein Nachcruf durchhallte die Stadt.

Unser Bürgermeister, ein Brandenburg-Manteuffel en miniature, den alle Demonstrationen und Miß­trauensvota der hiesigen Bürgerschaft nicht aus seiner Stellung herausbringen konnten, und sich in dieser mit Arretirungeu und Bajonetten behauptete, sah sich, da alles Militär nach Elberfeld abmarschirt, einsam und und alleine und dankte endlich ab.

Viel hat zu dieser die Abdikation diegrasfres­sende" Klasse beigetragen.

Als vor längerer Zeit die hiesigen Proletarier um Unterstützung aus den städtischen Fonds baten, wurde ihnen die Antwort: Wenn Ihr nichts zu fressen habt, geht auf die Wiesen und fresset Gras, wir können Euch nicht helfen

In Folge dessen wird nun, nachdem uns früher ein Polizeitommissär, der aus städtischen Mitteln un­terhalten wird, trotz Gemcinderathsprotest, und vor einigen Tagen ein Landrath provisorisch octroyirt wor­den, und jetzt auch ein Bürgermeister gottesgnädig octroy­irt worden.

Der für einen politischen Flüchtling gehaltene und gefangene, jetzt in Freiheit gesetzte Bürckner kann Ihnen die blutigen Merkmale des traurigen Konfliktes der Soldatenbajonette mit seinem Rücken zeigen.

Ein Herr Lieutenant, der die Arretirung des Wir­thes Lukas leitete, gab einer Patrouille wörtlich den Befehl:Schießt den Kerl nieder, wenn ihr ihn nicht ergreifen könnt, wir haben die Gewalt!"

Solche Gewaltthaten geschehen in einer Stadt, die noch nicht einmal die Ehre des Belagerungszustandes genossen. (N. Nh. Z.)

Hagen, 13. Mai." Vorgestern wurde hier von den Theilnehmern an der Bewegung ein Wagen mit Zünd­hütchen, Pulver und Patronen aufgefangen und Tags vorher wurde ein Courier des Majors, der hier die Landwehr einzukleiden den Auftrag hatte, angehalten, und die Depeschen, welche er an das Obecommando nach Münster bringen sollte, weggenommen. Von Iser­lohn ist eine Deputation an das Gener al-Commando nach Münster abgegangen, welche bei demselben folgende Bedingungen geltend zu machen suchte:

1) Amnestie für alle Vergehen;

2) Nichteinkleidung der Landwehr;

3) Annahme der Reichsverfassung von Seiten des Königs;

4) Entlassung des Ministeriums;

Die beiden ersten Punkte wurden sofort bewilligt; über die beiden andern versprach man, sofort nach Ber­lin zu berichten, von wo man innerhalb zweimal 21 Stunden Antwort zu erhalten hoffte. Die Sache wird sehr ernst behandelt; alle Verbindung mit Iserlohn ist gehemmt, und Iserlohn ist nach allen Richtungen mit Wachtposten umgeben. Alles hat sich daselbst be­waffnet, doch wird Ordnung und Disciplin mit einer Strenge gehandhabt, die bcwunderswerth sein soll.

(Elbers. Z.)

N n g Ä r sr.

Posth, 4. Mai. Das bei Warasdin angelangte, etwa 8000 Mann starke Corps von Je ll ach ich ist am 1. Mai von den Ungarn, die von allen Seiten herbeiströmten, total.aufgelöst und vernichtet worden. Iellachich hat von Kreuz aus in kaiserliche Lager ge­schrieben, der Brief ist aber in ungarische Hände ge­rathen undzirkniirt in gedruckten Abschriften; er recht­fertigt darin die bekannte Zerstückelung seiner Truppen,

räumt ein, daß er Nachtheile erlitten, hofft aber, das ganze Bangt nächstens gänzlich zu unterwerfen u. dgl.

(N. D. Z)

Laut der Breslauer Zeitung sind die Ungarn schon über Bram in den Wadowitzer Kreis vorgedrnngcn; am J. wurden zwanzig verwundete Russen nach Pod- gebracht. Auch im Jasloer Kreise sollen schon Ungarn stehen. Man erwartete bei Krakau in Kur^ zcm eine Schlacht. In Krakau hat sich das General- kommanco schon veranlaßt gesehen, wegen der Ver- fuhrung russt,cher Truppen durch Polen auf die Kriegs- gesetze Hrnzuwcyen und Geldbelohnungen für Solche auszusetzen, welche solche Verführer anzeigen. (M.Z.)

Italien.

Rom. Der Popolano von Floren; meldet unterm 7. , die Römer hatten die neapolitanische Avantgarde mit großem Verluste zurückgeschlagen; auch habe be­reits eine Schlacht zwischen den Römern und'Neapo­litanern begonnen und die Franzosen, überrascht von der Entschlossenheit und dem Muthe der Römer, sollen stch darouf befranst haben, Zuschauer bei diesen Er­eignissen zu bleiben. (Mainz. Z.)

F r K K § r s è ch.

Paris, 13. Mai. Heute also die große Wahl­schlacht! Zum dritten Male seit dem 24. Februar 1818 übt das französische Volk seine Souveränetät durch das allgemeine Stimmrecht aus. Paris ist außer­ordentlich belebt. Die Boulevards sind mit Papier und Menschen überfüllt, und an den Gemeinde- und Sektionshäusern herrscht starkes Gedränge, aber nir­gends Unruhen. Im Studentenviertel (quartier latin) nnb hinter dem Pantheon allein sieht es tumultuarifch aus. Man gruppirt sich zusammen, durchzieht die Straßen Arm in Arm und ruft von Zeit zu Zeit: Nieder mit dem Ministerium! Zwei Parteien stehen sich völlig kampfgerüstet gegenüber: die Rothen und Weißen, die Sozialisten und die Individualisten, die Poitiersstraße und die Klubbs, die Bourgeoisie und das Proletariat Was zwilchen diesen beioen Haupt- faktoren liegt, hat kaum Bedeutung. Aus der Urne des 13. Mai kann eine große Zuknnst für uns und die europäischen Völker, aber auch ein bisher in der Geschichte unerhörter Bürgerkrieg hervorgehe«.

Mittags 2 Uhr. Die Regierung erhält eben Depeschen aus Rom vom 8. Mai. An diesem Tage war unsere Arinee noch nicht in Rom. Aber sie stand 19,000 Mann stark unter den Mauern von Rom und erwartete die Uebergabe Rom's mit jedem Momente. Morgen hierüber Ausführlicheres. Der Verlust an Todten war übertrieben angegeben; er soll nur 29 be­tragen. (?) (Mainz. Z.)

Nachschrift.

Nürnberg, 13. Mai. So eben, 5 Uhr, ist die von über 50,000 Menschen besuchte Volksversammlung in größter Ruhe und Ordnung zu Ende gegangen. Der Vorsitzende, Hr. Schmitt, leitete dieselbe mit eini­gen Worten, in denen er die Anwesenden bat, die gleiche ruhige und gesetzliche Haltung wie am 2ten dieses Monats szu beobachten, worauf dee Abgeord­nete zur Nationalversammlung, Hr. Vogt von Gießen- durch eine Deputation des Comitâ's für Volksversamm­lungen hieher berufen, die Rednerbühne bestieg und zuvörderst erklärte, daß er in keiner amtlichen Eigen­schaft, sondern nur im Interesse der guten Sache, die besprochen werden solle, hier sei. Herr Schmitt lud hierauf die Anwesenden ein, mit ihm, wenn es ihr Wille sei, nachfolgenden Schwur auszusprechen:Ich schwöre Treue der Reichsverfassung, so wahr mir Gott helfe!" und die Versammlung sprach mit entblößten Häuptern und emporgehobener Rechten den Schwur nach. Nachdem der Präsident nun noch die Depu- tirten der verschiedenen auswärtigen Volksvereine aufgefordert hatte, ihren Vereinsmitgliedern in der Heimath einen gleichen Schwur abzunehmen, stellte er folgende Anträge: 1) Es sollen die Beschlüge der letz­ten Volksversammlung (vom 2. Mai) auch von der heutigen anerkannt werden. 2) Die Beschlüsse der in Frankfurt versammelt gewesenen bayerischen Abgeord­neten (von der Linken) zur Nationalversammlung und zum Landtag mit dem Zusatz zu Nro. 3 derselben: zugleich erklärt das Volk, daß es seine Vertreter un­ter allen Umständen in Schutz nehmen werde", eignet sich die heutige Versammlung an. 3) Eine Verwah­rung und Protestation gegen die verdächtigende Be­kanntmachung des Regierungspräsidenten v Melden, d. d. 10. Mai. 4) Einen Antrag von Hrn. Abge­ordneten Morgenstern, das Vereinswesen betreffend, mit folgenden Abtheilungen: a) daß überall, wo po­litische Vereine noch nicht bestehen, solche geschaffen werden; h) daß sich alle Vereine dem Centralmarz- Verein in Frankfurt und zunächst dem Centralmärzverin in München anschließen sollen; der Sitz des Central­märzvereins für Baiern kann aber auch in Nürnberg und Bamberg sein; c) daß dieser Centralmärzverein aufgefordert werde, Centralpunkte zu bilden; d) daß sich in jedem Ort Wehrvereine bilden sollen, um jlch in den Waffen üben zu können; e) der Nationalver­sammlung und der Centralgewalt soll angeboten wer­den, daß diese Vereine alle Beschlüsse der Natior a- Versammlung aufrecht erhalten und für ihre - . ,