Freiheit »nd Neeht!"
Wiesbaden. Sonntag, 13. Mai
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1819
>.Z Vom Main. Die heillose Politik des Königs von Preußen und seines unfähigen Ministeriums tritt jede Minute deutlicher ans Licht und eröffnet selbst Denjenigen, welche bisher blind und voller Zuversicht waren, die Augen.
Diese Politik hat sich bei vielfachen bekannten Veranlassungen gezeigt, am klarsten aber, wenn man das von dein Berliner Kabinette in Bezug aus Schleswig- Holstcin befolgte, Deutschlands Ehre im höchsten Grade gefährdende, Verfahren betrachtet, wobei aber auch die Haltung des Reichsministeriums nicht von aller Schuld freigesprochen werden kann. Man hat den General Prittwitz an die Spitze der gegen Dänemark bestimmten Operationsarmee gestellt, welcher Zeitungsnachrichten zu Folge die Schleswig-Holsteiner als Rebellen gegen ihren sogenannten rechtmäßigen Herrn und Gebieter betrachtet, der sich nicht als Feldherr der Reichsarmee, sondern fortwährend^ als preußischer Ge- neral betrachtet, der den Einflüssen des Preußischen Gouvernements sich untergeben zeigt, einen Marin, der unverantwortlicher Weise bis jetzt hauptsächlich auf die Defensive sich beschränkt und unverantlicher- weise, ohne daß Grund dazu vorgelegen hätte, den Fabius Cunktator gespielt hat, der namentlich, statt schon längst in Jütland mit der Reichsarmce vorzudringen, m t derselben erst in diesen Tagen in Jütland eingedrungin ist, wofern überhaupt die beifälligen Zeitungsnachrichten wahr sind.
Die Conseguen en daraus, daß ein absoluter König 1 sogenannte Rebellen gegen ihren Gebieter kräftigst unterstützen läßt, könnten aber auch gefährlich sein. Unter diesen Umständen erscheint es gewiß geboten, daß einem andern Deutschen, welcher vom Berliner Hofe nicht abhängig ist, der Oberbefehl über das deutsche Heer gegen Dänemark übertragen wird.
Von dem größten Unwillen und Abscheu muß aber jeden Vaterlandsfreund gegen das Cabinett an der Spree erfüllt werden, wenn man an das ungerechtfertigte Einschreiten in Dresden denkt
Diese Volkserhebung in Dresden, lediglich daraus gerichtet, einen den gerechten Willen des Volkes nicht begreifenden König und ein unvollkommnes, eigensinniges Ministerium zur Annahme der Reichsverfaffung zu bewegen, welche Gesetz für ganz Deutschland ist, eine solche Volkserhebung kann kein Vaterlandöfreund für verwerflich halten.
Nichtsdestoweniger sendet man zur Unterdrückung dieser deutschen Bewegung Truppen von Berlin nach Dresden und das preußische Militär läßt sich gegen seine Brüder in Dresden zum angegebenen Zwecke mißbrauchen. Das preußische Cabinet, welches freilich von sogenannten anarchischen Bestrebungen redet, hat dadurch aufs Klarste den Beweis abgelegt, daß cs ein Ftiud jeden Nationalgefühls ist und daß es den ver- abscheuungöwürdigen Entschluß hat, alle und jede Aeußerungen des deutschen Nationalgefühls gewaltsam, mit den Bajonetten, zu unterdrücken. Es verdient gewiß mit Recht den Beinamen „Säbelmiiusterlum."
Es wird auch davon gesprochen, daß man von Berlin aus in übergroßer Bereitwilligkeit dem König von Hannover Truppen angeboten habe, welcher solche ähilfe aber mit Protest zurückgewiesen haben soll. Es heißt auch, daß an verschiedenen Orten preußische Truppenkorps zusammengezogen werden sollen, offeii- bar in der Absicht, zu Gunsten der Reichsverfaffung ausbrechende Bewegungen gewaltsam zu unterdrücken.
Wir halten es für eine heilige Pflicht derjenigen teutschen Regierungen, welche die Reichsverfaffung anerkannt haben, und sämmtlicher deutschen Volksvertreter, der Politik des preußischen Cabinets, insbesondere den Truppendurchzügen des preußischen Militärs, eine sorgfältige Aufmerksamkeit zu schenken, eintretenben Falls solche Durchzüge, welche nicht im Reichsdienste geschehen, abzulehnen.
Das üibcfonbere bei Wetzlar zusämmenzuzlehende preußische Truppenkorps scheint den Zweck zu haben, die angrenzenden Länder, Nassau, Darmstadt nnd Kur- Hessen, im Schach zu halten, oder gar in letztcrn zu Gunsten der Reichsversässung laut werdende Bewegungen gewaltsam zu unterdrücken.
Das gesammte deutsche Vaterland, insbesondere die kleinen Staaten, haben daher alle Ursache, auf der Hut zu sein!
Nachrichten auS Sachsen.
„Man kann den Kampf in Dresden, schreibt die „Dem. Korresp." vom 9. aus Berlin, ohne Nodomon- dade der Vertheidigung von Saragossa an die Seite setzen. Im Laufe des gestrigen Tages, also des 8., haben die Truppen nicht nur keinen Schritt vordringen können, sondern das Volk hat wieder die Offensive ergriffen. Mit unwicderstchUcher Tapferkeit wurden dem Militär mehrere Barrikaden wieder abgenommen und besonders tue wichtige Position am Weumarft, am Hotel de Rome, zurückerobert."
Indessen all' diese glänzende Tapferkeit, diese, hel- denmuthige Ausdauer der tapferen Kämpfer ist vergebens, wenn das Volk in Preußen, in Sachsen sich nicht überall erhebt. Der Uebermacht der Kanonen muß die tapferste Stadt am Ende unterliegen.
Wir wissen nicht, ob Dresden bereits ausgerungen hat, wie die reactionären Blatter berichten, welche, wie das Organ des abgetretenen Reichsnunisteriums, jetzt die Kämpfer für die Verfassung schon Aufrührer ninnen. Aber cs wird geschehen was geschehen muß, wenn nicht Hülfe kommt.
Aus Dresden 9. Mai 9 Uhr Morgens meldet die halboffizielle „Leipziger Ztg.": „Erst diese Nacht konnte die große Barprade vom Postplatz nach der WiUsvruffer Gasse, welche schon mehrmals als erobert angezeigt wurde, erstürmt werden. Es sind von beiden Seiten Viele geblieben. Darauf wurde das Postgebäude mit Kanonen angegriffen, und unter den scharfen Schüssen der dasselbe besetzt haltenden Techniker gestürmt. Das Standrecht ist proklamirt. Es sind weiße Fahnen aufgesteckt; „Insurgenten" flüchten aus den Thoren; die Einnahme der Willsdruffer Barrikade mag solchen Schrecken' verbreitet haben. Um 10 Uhr laßt der Krlcgöminlster nach Bantzen telegrap hiren, daß der Widerstand ver„Jn- surgenten" bewältigt sei. Von V2|O U l;r an schweigt das Feuer. Die ganze Altstadt ist in Bsitz der Truppen. Die „Insurgenten" ziehen sich durch den Freiberger Schlag nach dein Plauen' scheu Grunde"
Die „Leipziger Ztg" hat zwar von Anfang au täglich verkündet, der Aufstand sei besiegt, und die thelegraphische Nachricht des Kriegsministers nach Bautzen konnte auch den Zweck haben, den Landsturm von dort zuruckzu- halten, der, wie wir gestern meldeten, schon am Walvschlößchen auf der Weuftabter Seite stand; das wird durch einen Privatbries aus Dresden vom 8. bestätigt. an welchem Tage auf dem Palaisplatz in der Neuftabt gekämpft wurde. Auch die „O.-P.-A.-Z." hat eine thelegraphische Depesche aus Berlin, nach welcher die Truppen die Altstadt besetzt haben, und natürlich von den Bürgern mit Jubel empfangen wurden.
Daß Dresden von den Stampfern geräumt ist, sann man wohl nicht mehr bezweifeln, obgleich das preußische Ministerium am 9.'Nachmittags 5 Uhr in Berlin noch keine Bekanntmachung erlassen hatte und obgleich die „Weite Preuß. Ztg." vom 10., die am 9. Abends ausgegeben wird, noch kein Wort von der Uebergabe enthält. Bo viel ist aber gewiß, die Stadt hat nicht fapitulirt; die Kämpfer, bie so tapfer fochten , kapital, ren nicht. Sie haben die Stadt geräumt, weil sie sich gegen das wacrgheln- lich angelangte schwere Geschütz und die stündlich mehr anlangenden preußischen Truppen nid)t halten konnten und weil die Bourgeoisie am Ende doch ihre Stadt nicht gänzlich opfern wollte. D-e Kämpfer werden sich mit der provisorischen Regierung in daS Erzgebirg ziehen und dort den Aufstand or- ganisiren. Aus dem Voigtlande wird uns vom 5. gemeldet, daß aller Orten die Sturmglocken ertönen.
Dresden ist heldenmüthig gefallen für die Freiheit und hat sich mit unverwelklichen Lorbeeren bedeckt. Ewige Schmach haben Leipzigs Bürger auf sich geladen, an deren engherziger Feigheit bie Erhebung scheiterte. Mit dem preußischen Heere, welches sich wiederum zum Schergen der Tyrannei hergab, mag das preußische Volk rechten. Aber die Hauptschuld tragt das Ministerium Gagern, trägt bte Nationalversammlung, welche die heldenmüthige Stadt durch feiges Zaudern untergehen ließen, wie sie Wiens Untergang ruhig zusahen. _
Ueber Leichen und Trümmer hält der geliebte <an- dcsvater seinen Einzug. Der Fall Dresdens ist ein
schwerer Schlag für die Demokratie; aber ein schwererer noch für die Monarchie. Kämpfer, wie die Dresdener lassen sich nicht mehr entmutigen — und überall erhebt sich auch in Preußen das Volk für die Freiheit gegen tiefe fluchbeladene Regierung. Wir stehen erst im Beginn des Sturmes. (N. D. Z.)
Dresden ist zwar von den Kämpfern geräumt, aber nur weil sie bei den stündlich mehr Heranwogen- den preußischen Truppenmassen und bei dem angelang- ten schweren Geschütze auf keinen Erfolg, welcher der völligen Verheerung der Stadt nnd der gräßlichen Metzelei entsprach, mehr rechnen konnten. Die Preussen haben, laut der Deutschen Zeitung, zuletzt in der Wuth fast gar keinen Pardon gegeben, sondern Alles niedergestoßen. Die Kämpfer zogen in geschlossenen Kolonnen ab; erst dann steckte die zurückgebliebene Bürgerschaft die weiße Fahne auf. Die provisorische Regierung zieht ins Erzgebirge, um von dort aus die Gegenwehr gegen die Despotie der Reich sseinde fortzusetzen.
Die Reichstagszeitung meldet aus Dresden: „Die Patrioten, welche für das Reich unb die deutsche Reichs- verfassung sich erhoben und helbenmüthig sechs Tage lang den Kampf gegen die Rebellen bestanden hatten, zogen sich 6000 Mann stark auf der Freiberger und Wilsdrufer Straße ins Gebirg zurück. Ein Gleiches geschah von den Schlachthaufen, die am rechten Elb- ufer dem todesmuthigen Dresden zu Hülfe gerückt, . und den Preußen bis in die Neustadt hinein blutige Treffen geliefert; sie traten den Rückzug in die lau- sitzer Gebirge an. Jetzt erst wird der Krieg im ganzen sächsischen Gebirge von der Lausche bis zum Fichtelgebirge entbrennen."
Die Zustände in der bairischen Nhempfalz
Kaiserslautern, 10. Mai. Die widersprechenden, zum Theil völlig entstellten Berichte öffentlicher Blätter über die Zustande in der bairischen Nhempfalz veranlassen mich, über meine Sendung hierher folgende authentische Nachricht der Oeffentlichkeit zu übergeben.
Auf das entschiedene Verlangen der Pfälzer Abgeordneten zu Frankfurt übernahm ich den Auftrag der Centralgewalt. Diese Freunde waren einmüthig der Ansicht, daß es dringend erforderlich sei, der allgemeinen Erhebung dieses Landes für die deutsche Sache eine nachhaltige Stütze zu verleihen, daß cs aber auch zu diesem Zwecke unerläßlich erscheine, diejenigen Beschlüsse des, im ersten Sturme der Bewegung gebildeten Landesvertheivigungsausschusses, welche die all- gememe Ordnung geführten könnten, so u modifi; ren, als es die sichere Erreichung des gemeinsamenZieles erfordere. Demgemäß übernahm ich das Mandat des Reichsmi- msteriums, welches die Weisung erhielt, die am 5. Mai gefaßten Beschlüsse des LanvesvertheidigungSansschuffeS aufzuheben, dagegen alles Dasjenige vorzmenen, was die öffentliche Ordnung der Provinz und die allge neine Sicherheit und Wohlfahrt von Deutschland erfordert. Ich erklärte meinen Auftraggebern, daß es nach Lage der Dinge mir zunächst nothwendig erscheine, einen gesetzlichen Haltpunkt für die deutsche Erhebung des Volkes zu schaffen, wie er von den, einer renitenten Regierung untergeordneten Landesbehörden nicht wohl erwartet werden könne, daß man diesen Haltpunkt wahrscheinlich nur in einer Organisation des gebildeten Landesverthklvigungsausfchusses finden könne, daß man im äußersten Falle aber, wenn inan wirklich seitens der Centralgewalt dem deutschen Volke mit Kraft und Nachdruck 511 seinem guten Rechte verhelfen wolle, selbst nullt vor der Einsetzung einer provisorischen Regierung in der Pfalz zuruckschrecken dürfe. So betrat ich die Provinz mit einer (schon in Nr. 11 des Frks. Jouru. enthaltenen) Ansprache. Ein allgemeiner Jubel der Bevölkerung begrüßte mich; die Volkswehren der Städte, die ich betrat, die Behörden derselben, die Vorstände der politischen Vorstände stellten sich zu meiner Verfügung. Die Beamten des Landes sprachen mir in überwiegender Mehrheit ihre aufrichtige Hingebung an die deutsche Sache mit tiefer Betrübniß über das Verhalten ihrer vorgesetzten Regierung aus. Es war sichtbar von allen Seiten und in allen Klassen der Bevölkeuung, daß man auf Rettung hofft in der höchsten Noth und daß man in der Absendung eines Abgeordneten, dessen politische Ansicht der allgemeinen Völksgesinnung in der Pfalz näher steht als