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Freiheit und Hecfit!

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Wiesbaden. Donnerstag, io. Mai

ALLSTE

1849.

DieFreie Zeitung" erscheint mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. - Der Abonncm-mtövrns beträit vierteliSbri^ in «Ut^x. . ~T~-«- vurch die Pest bezogen mit verhaltmßmaßegem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig aufgenviumsn und sins bei der großes Verbreitung'der 3 freien ^âârtâ

Erfolge. Die JnserattSnsgedudren betragen für die veerspaltige Pecttzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. 0 y 'â derFreien Zeitung stets von wirksamem

LPC. Frankfurt, 7. Mai. Die Ratzen verlassen das Schiff, die ultramontanen und parnkularisiischen Baiern haben ihre» Austritt angezeigt wie bald werden die Preussen nachfolgen! Sie werden es frei­lich seiner machen. Sie werden Urlaub ne Men und von Hause ihren Austritt anzeigen aber gehen werden die Beamten bald. ~ .

Was sollen wir von der heutigen Sitzung sagen. Die Abgeordneten der Märzvereine, welche in dichten Reihen die Galerien zur Rechten des Präsidenten füll­ten, nahmen den Eindruck der Erbitterung, der Scharn, des Ekels über die Majorität der viatconalversamm- lung mit sich nach Hause! Den älteren Kämpfern im Parlamente schon mußte es schwer werden, sich zu beherrschen ist es zu verwundern, .wenn die aus weiter Ferne kommende» kaum zu bewegen waren, ihr gestriges Banner nicht umzustoßen und Loslösung von der Nationalversammlung in erste Vinte zu setzen.

Wir haben selten einer Sitzung beigewohnt, in welcher sich so ganz der Eharakter eines feden Theil- nehmenden kund gab. Die vollkommene Leerheit des Ministerpräsidenten, mit jener namenlosen Leidenschaft- lichkeit gepaart, in welcher er auf pöbelhafte Werse um sich ^impfte, die hohle Geschwätzigkeit Rresser 's, die begeisternde Festigkeit Bogt 's, womit er vernich­tende Streiche gegen die Umtriebe in Sachsen und Würtemberg führte, all' diese Anschauungen mögen die Abgeordneten der Märzvereine in sich ausgenommen und weithin in das deutsche Vaterland getragen haben. Das Echo, welches sie dort erhalten werden, kann kein schmeichelhaftes sein für die Männer, welche jetzt am Ruder stehen. Gagern vernichtet sich selbst mehr und mehr. 3m Bewußsein der Beschränkiycit seines Gei­stes glaubt er die Mittel beschränkt, die er in Händen hat, und hängt noch immer an dem Phantome fried­licher Ausgleichung, während das Schwerdt von Seite der Gegner längst gezückt ist. So wartet er denn immer noch des entscheidenden Augenblickes, während dieser schon längst vorübergerauscht iftz und es ihm gehen wird, wie dem Archimebes. too schwankt er Penn hin und her; schickt lächerlicher Weise Erekutions- truppen nach Hessen-Homburg, während er den Brand in Sachsen durch Eommifsäre zu lösen sucht und hängt, wie die von ihm vertretene Majorität, von jeher von den Ereignissen ab, statt daß er sie beherrschen sollte.

Die Stellung des Erzherzogs Johann ist nachge­rade unhaltbar geworden. Er ist ein Habsburger und hätte längst den Posten verlassen sollen, auf welchem er nur ein Hemmschuh in dem Entwicklungsgänge ge­worden ist. war freilich inkonstitutionell von Vogt, daß er des Privatbriefes vom Erzherzog an den Kö­nig von Würtemberg erwähnte. Wir erfahren aber, daß grade in der Kirche der König, eine Abschrift des Briefes an den Staatsrath Römer sandte mit dem Bemerken, er möge sich doch überzeugen, daß der Erz­herzog ganz so denke, wie er; wir erfahren, daß in

diesem Briefe der Erzherzog dem Könige die Versiche­rung gab, es werde von Seiten der Eentralgewalt niemals gegen ihn eingeschritten werden, er möge nur muthig ausharren und sich die Oberhauptsfrage nicht unbedingt auflegen lassen. Wenn solche Privatbriefe einen bedeutende» Einfluß auf das Geschick ganzer Volksstamme haben, wie hier, wo der König in,einem Widerstande durch diesen Brief nur bestärkt und er­muntert wurde, dann denken wir ist es Pflicht, den konstitutionellen LügenmAntel zu zerreißen uno Die Um­triebe unter demselben aufzudecken. Der Erzherzog spielt in Frankfurt dieselbe Rolle, welche Erzherzog Stephan berüchtigten Andenkens in Ungarn spielte, dieselbe Rolle der Zögerung, des Hinhaltens, des Er- tödtens der Bewegung, bis er den Moment gekommen glaubte, wo er sie durch sein Ausscheiden unrettbar vernichtet. So handelte Stephan, er versprach zur Armee zu gehen und als Palatin gegen Jellachich zu ziehen, uno ließ Die Ungarn- im eutM'lvenven Mo­mente im Stiche. Denselben Erzherzog Stephan wollte sich, wie wir hören, der Reichsverweser substitutiren, um ins Bad gehen zu können, da feine Gesundheit allerdings noch sehr angegriffen ist.

Die widersprechendsten Gerüchte kreuzen sich hin­sichtlich der Ereignisse in Sachsen und m der Pfalz. Bald sind die Preussen in Dresden eingerückt, balo nicht; ein Reisender erzählt, Leipzig habe sich der pro­visorischen Regierung untergeordnet, ein anoerer leug­net's. Nach Der Pfalz sollen bairische Truppen im Anmarsche sein, die Würtemberger nnv Badenser wol­len ihnen vas Land sperren. l»0 seien Preußen, Ba­dener und Oesterreicher nach Landau geschickt von Seite des Ministeriums, von Mainz aus mittelst der Eisenbahn, in Mannheim aber fei Der Uebergang vcr- barrikavirt. Dies und anderes wird erzählt, ohne daß sichere 'Nachrichten vorhanden wären.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

213. Sitzung.

N.ich Dcrlcsung des ^rotofolla wünschen Schober und Venedey Fragen an bas Ministerium zu stellen, aber die Mi­nister sind nicht da. Es. trägt daher Umbj Heiden darauf an, daß die Minister eingeladen werden, sofort zu eischeinen. Dem widersetzt sich Ruber, indem er bittet, dein eben versammelten RelchSminisierium einige Zeit zu lassen. Es sei beßer, daß dieses handle als daß die Versammlung beschließe. (!!!) ES folgt hierauf gewallige Aufregung. Ja, jagt Hoffbauer, das Minincrinm handelt, aber es handelt fo, daß es sich für seine Handlungen verantworten soll, wir verlangen, daß es sofort hierher komme. Das Ministerium ruft Schmitt von Löwen­berg aus schickt Truppen auf Truppen nach der Pfalz, um, wie es in dem amtlichen Befehl heißt, die anarchische Schilderhebung zu unterdrücken. (FluH über das RckchSministerium!)

Es wird die Frage der Dringlichkeit gestellt und diese wird von der Mehrheit verworfen! Die Aufregung und der Tumult steigen jetzt aufs Höchste, in der Ver­sammlung drohende Stimmen und ein vollständiges Durcheinander, auf den Gallerten wieder ein furchtbares Pfui! Der Präsident

(Bauer von Bamberg) schließt die Sitzung und vertagt sie auf DoiiiierStag! Sogleich stellen mehr als l0v Mitglie­der der Linken das schriftl Verlangen, daß heute um Uhr wieder Versammlung sei. Der Präsident Simson steigt auf die Rednerbühne und erklärt, obgleich ein Theil der Mehrheit schon den Saal verlassen, dem Verlangen zu entsprechen.

Nach Wiedereröffnung dec Sitzung, um 12 Uhr, erwidert Ministerpräsident v. Gagern auf verschiedene Interpellationen, daß das Ministerium über seine Stellung in Bezug auf' bie Be- ivegung in der Pfalz und in Bayern erst morgen oder über­morgen der Veisammlung eine Vorlage machen könne!!! Er ant­wortet daher auch nichts in Bezug auf den Einmarsch der Preußen in Sachsen. Von dem Reichskommissär habe er keine Depeschen erhallen, da Hr. v. Watzdorf abgelehnt. An seine Sielle sei Hr. v. Briegleb als Kommisfâr gesandt. (Lebhafte Zeichen des Unwillens.) Das i|t Alles, was Hr. v. Gagern zu sagen weiß! Der Kriegsminister v. Peucker erwidert auf andere Interpella­tionen, daß dem Reichskommissâr nach der Pfalz die Instruktion ertheilt worden seizur Aufrechthaltung uns Herstellung der Gesetze ßch mit bent Militär in Verbindung zu setzen und die Beschlüsse des Landcsvertheidigungs-Ausschusses, die in die Wirk­samkeit der gesetzlichen Behörden eingreifen, aufheben zu lassen oder nölhigenfalls im Namen des Reiches aufzuheben!!! Der Kommandant von Landau habe, theils weil die Beurlaubten sich nicht stellen (Bravo!), theils well einHandstre ch" zu be­sorgen sei, die Festung in Kriegszustand versetzt und Verstärkung verlangt. Der Kriegsminister ist diesem Gesuch bereitwillig ent- gegengekommen, indem er sofort zwei Bataillone (ein preußisches und ein badisches) nach Landau geschickt hat!!! Andere Truppen seien von Reichswegen dahin gesandt.

Auf diese Erwiderungen folgen mehrere dringliche Anträge: Von Vogt, Simon von Trier u. A. wird beantragt, das Reichsmin sterium aufzufordern, die Bewegung in Sachsen und dec Pfalz thatkräftig zu unterstützen, im llebri- gen heute dje Sitzung zu beschießen und morgen den Ant ag zu behandeln. Schutz und Andere dringen darauf das Mcichs- ministerium in Anklagestand zu versetzen. Auch Schmidt von Löwenberg beantragt, zu erklären, daß der Kriegsminister durch die Sendung der Truppengegen die in der Pfalz ausaebrorbene anarchisch-' Schttd»ri,-<-»»g," M- wocillcy in dein amtlichen Befehl steht, sich des Verraths scyuldig gemacht" und daß das Gesammtministerium den Rückmarsch sämmtlicher Truppen anzuordnen habe. Nach dem Anlrag von Vogt und Genossen wird die Sitzung auf morgen 10 Uhr vertagt, um die obigen Anträge zu verhandeln. (N. D. 3.)

Vèaffa ui scher Landtag.

lOlte Sitzung vom 8. Mai.

Vorsitzender: Wirth. Negierungskommissäre: Hergen Hahn, Reichmann, Werren. Nach Eröffnung der Sitzung werden wieder viele Petiiiönen, die Verfassung betreffend, an­gekündigt. Müller II. übergibt ebenfalls einige, sowie eine Petition des Gemeinderaths von Weilbnrg, worin um sofortige Beeidigung des Militärs und der Beamten auf die Rcichsvcr- fassung gebeten wird.

. Hergenhahn beantwortet die verschiedenen Interpellationen in Betreff der Kammerbeschlüste über die dcnrschc Frage. Die bewaffnete Macht Nassau'S, welche bereits durch das Gesetz vom 28. Juni 1848 der Zentralgewalt untergeben sei, sei derselben nochmals zur Verfügung gestellt worden. Die Vereidigung des Militärs sei nach der Ansicht des Neichsministerinins noch nicht an der Zeit. Der Minister wiederholt die aus den Verhand­lungen der Nationalversammlung bekannten Einwendungen gegen die Vereidigung. Was die übrigen Maßregeln zur Durchführung der Reichsverfassung betreffe, so würden die Wahlen zum Volks- hauS ausgeschrieben, sobald die im Gesetz vorausgesehenen Vor­bereitungen getroffen seien. Die bekannte preußische Note sei beim Ministerium eingetroffen undnatürlich" ablehnend be-

Die Lossagung Ungarns von dem Habs­burg-Lothringischen HauS.,

Der 14. April des Jahres 1849 bleibt ein ewiges Denkmal in der Geschichte Ungarn s.

Die Vertreter der Nativn versammelten sich an die­sem Tage in Debreczin in ihrem gewöhnlichen BerathungS- saale, um eine der Hauptfragen ihrer großartigen Auf­gabe zu lösen; und um über das Lvos Ungarn's und des an dessen Spitze gestandenen Habsburg-Lothringischen Herrscherhauses zu entscheiden. Damit aber die zu fas­senden Beschlüsse mit einer um so größeren Oeffentlich- keit und Förmlichkeit stattsinden können, wurde die Sitzung in der großen Kirche der Reformirten abgehalten, in Gegenwart von Tausenden aus dem Volke.

Ludwig Kossuth, der Präsident des Landes-Der- theidigungö-Ausschusses, stattet Bericht ab über die ge- wouneneii Schlachten und von dem siegreichen Fort- schrciten unserer tapferen Armee; er hob besonders den Umstand hervor, daß jetzt die Zeit gekommen ist, daß Ungarn seine 300jährige Fesseln abschüttelte, im Fami­lienkreise der europäischen Staaten seinen würdigen Platz einnehme, und daß es mit jener Dynastie ins Reine komme, welche sich die Liebe und Treue der Großmüthigen, in der Treue unerschütterlichen Nation durch ihre ewigen Meineide nnd unerschöpflichen Verräthereien leichtsinniger Weise auf imm verscherzt haben. Diesen Beschluß der Nationalversammlung verlangt die Nation, welche,die

Lasten unseres Freiheitskampfes treu und mit patriotischer Bereitwilligkeit trägt; es fordert dieses von ihr die tapfere Armee, welche zur Rettung des Vaterlandes ihr Leben aufopfert; dies fordern die Umstände daß man in den curcpäischcn Kongreß, welchen man beabsichtigt abzu­halten, ohne uns nicht beschließen könne, mit einem Worte, das Vaterland, die Welt und Gott fordert dazn das Re- präfentauteuhaus auf, daher auch der Regierungs-Präsideut zu folgenden Bcschlüsseu das Repräsentantenhaus anfforcerte:

Im 9tamen der Nation werde bestimmt ausgesprochen:

1) Unaarn sammt dem damit geseyl ich ver­ein igten ^Sieben rgcn und allen dazu gc- hörigen Theilen, Ländern und Provinzen wird als ein freier, selbstständiger und unab­hängiger europäischer L>taat öffentlich er­klärt; die Flächeneinheit dieses ganzen Staates wird als untrennbar und seine Integrität als unverletzlich erklärt.

2) Das Habsburg-Lothringische Haus hat durch

seinen Verrath, Meineid und Waffencrgreifuiig gegen die ungarische 9huion, nicht minder durch die Kühnheit wodurch es vor der Zerstückelung der Bodenintegrität des Landes, die Trennung Siebenbürgens und Croaliens vcn Ungarn und die Auslöschung des selbstständigen Staats- lcbens des Landes mit bewaffneter Macht zur Ermor­dung der Nation nicht zurückbebte; mit seinen eigenen Händen die pragmatischen Sanctionen ge­brochen, eben so, wie überhaupt jedes Band, welches auf Grundlage gegenseitiger Verbindung zwischen ihm

und Ungarn sammt seinen Ländern bestand. Dieses meineidige H a b s b u r g - L o t h r i n g e r H a u s wird von der Herrschaft über Ungarn, dem damit vereinigten Siebenbürgen und allen dazu gehörenden Speisen unv Ländern im Namen der Nation auf ewig ausgeschlossen, entseyt und von Dem Genusse des Laud es bodens und aller Bürgerrechte verbannt.

So wic dasselbe a ud) hiermit dcsThroneS verlustig, ausgeschlossen und verbannt, im Namen der Nation erklärt w i rd.

3) Indem Die ungarische Nation zufolge ihrer nnentthron- baren Skaturrechte in die europäische Staatenfamilie als selbstständiger und unabhängiger freier Staat eintritt, er­klärte sic zugleich, daß allen anderen Staaten gegenüber, wenn ihre eigenen Rechte nicht verletzt werden, in Friede und Freundschaft zu leben, besonders mit jenen Völkern, welche ehemals mit uns unter einem Operhaupte standen, wie auch mit dem benachbarten türkischen Reiche und Den italienischen Staaten eine gute Nachbarschaft zu gründen, in derselben fortzuleben nnd auf Grundlage ge­genseitiger Interessen sich in freundschaftliche Verbindung einzulassen, ihr fcstcsier Entschluß ist.

4) Das künftige Regierung s-Sy st c m in allen seinen Details wird die Nationalversammlung zu Stande bringen; so lange aber, bis tiefe» durch Grundprinzipien zu Stande kommt, wird das Land in seiner gesummten Ausdehnung von einem Regierung»-