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^N LON Wiesbaden. Mittwoch, 0» Mai iSiO.
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Frankfurt, 7. Mai.
Heute- wurden von dem Congreß sämmtlicher März- Vereine folgende Proklamationen erlassen:
An das deutsche Volk!
Deutsche Männer!
Der Augenblik ist gekommen, wo cs gilt, für die Freiheit, für die Einheit des gesummten deutschen Vaterlandes Gut und Leben einzusetzen.
Die Verfassung, welche die Vertreter des Volkes beschlossen und endgültig verkündet haben, soll durch die Gewalt rebellischer Regierungen umgestürzt, vernichtet werden. Die preußische Regierung erklärt, daß sie überall rechtzeitig erscheinen werde, nm gewaltsam die Erhebung des Volkes zu Gunsten der Verfassung niederzufchlagen. Russische Horden ruft man zu Hülfe, um die Freiheit zu unterdrücken und die Macht des einigen Deutschlands auf's Reue zu lähmen.
Die Nationalversammlung hat das gesummte Volk, alle Behörden und Gemeinden aufgefordert, die Verfassung zur Anerkennung und Geltung zu bringen.
An Euch ist es, diesen Beschluß auszuführen. Tretet zusammen, als freie Männer und schwöret Treue der Verfassung, wie wir Alle sie geschworen haben. Wer Waffen tragen kann, rüste sich sie zu gebrauchen! Bildet Wehrvereine, schließt Euch aneinander; schließt Euch uns und dem Central-März-Verein an!
Einheit thut vor Allem Noth! Einheit des Planes, Einheit der That! Einzeln können wir unterliegen, vereinigt müssen wir siegen!
Frankfurt 6. Mai 1849.
Der Congreß sämmtlicher Märzvereine Deutschlands.
In dessen Auftrag:
Der Präsident: Juttas Fröbel.
Der Vize-Präsident: Franz Raveaux.
Die Schriftführer: GoltzF
. Hellmuth Wöhler.
y Aufruf an das deuts^e^eer!
Deutsche Krieger!
Die Stunde ist gekommen, da es sich entscheiden wird, ob Deutschland frei und stark, oder geknechtet und verachtet sein soll. Die Vertreter der deutschen Nation, von allen Bürgern und von Euch gleichfalls gewählt, haben die Reichsverfassung für ganz Deutschland beschlossen und als unverbrüchliches Gesetz verkündigt. Die ganze Nation ist fest entschlossen, die ZWWverfassung durchzuführen. Aber dieselben Menschen, welche Deutschland's Freiheit und Einheit seit vielen Jahren auf unerhörte Weise darniederhielten, sie stemmen sich auch jetzt wieder entgegen. Die größeren Fürsten und ihre Kabinete verweigern der Reichsverfassung den. Gehorsam. Sie sind Rebellen gegen den Willen und das Gesetz der Nation. Soldaten!
In diese MoMon will man Euch hin ein stürzen. Man will Euch mißbrauchen gegen -Gesetz und Ordnung^ gegen Vaterland und Familie, gegen Freiheit und Gleichheit zu kämpfen, man will Euch zu PoKzeC büttelu machen, welche die Menschenwürde mit Fußest treten, ja — hört es, wackere deutsche Krieger -4 man treibt den schwarzen Verrath so weit, Euerö rühmlich getragenen und geführten Waffen im Dienste des russischen Despotismus zu beflecken.
Soldaten! Wir Vertreter von Millionen Deutschess aus allen Gauen des Vaterlandes, wir fragen EuchA werdet Ihr es dulden, daß Kürsten und Ministers welche das Gesetz der Nation mit Füßen treten, EucÄ gegen Eure Brüder und Väter hetzen?
Nein! Ihr werdet Eure Ehre, Eure Vaterlands^ liebe höher stellen als die Laune und Willkürherrschaft der Fürsten und Peiniger des Volkes! Ihr werdet' dem Willen der souveränen deutschen Nationalver-ß famintnng gehorchen, welche das gesummte Volk, uuds somit auch die Soldaten, aufgefordert hat, die Reichsverfassung zur Anerkennung und Geltung zu bringen.
Soldaten! Ihr habt geschworen dem Fürsten unds dem Vaterlande. Wenn aber ein Fürst gegen dass
Vaterland rebellirt, so darf in der Brust des braven: ehrliebenden Kriegers nur der wahre Eid, der höchste? Eid für das Vaterland lebendig bleiben. Erwäget es wohl, deutsche Krieger!
Weun Ihr gegen die Reichsverfassung kämpft, wenn Ihr Euch an den Vertheidigern derselben vergreift, so; vergreift Ihr Euch an Euch selbst, so wühlt Ihr in Euren eigenen Eingeweiden. Wollt Ihr nicht selbst, freie Männer werden? Nun wohlan! Streitet^für die deutschen Grundrechte, welche den deutschen Sol-^ dateil erst zum freien Menschen machen. Wer hat den Soldaten auf ewig vom Ofsizierstande fern ge- _ a ............................
hallen V Der alte fürstliche Absolutismus, welcher jetzt, um die den vbwaltenden Verhältnissen entsprechenden Massregeln mit unerhörter Frechheit sich wieder erhebt und dabei zur Wiederherstellung desselben von Reichswegen anzuvÄnen. auf Eure Hülfe zählt. Wer hat auf Euch die Schmach geladen, daß Eure Invaliden hungernd vor den Thü- ( ren betteln müssen? Das alte Regiment der Junker; und Schreiber. Jetzt aber hat auch für Euch Die 1 Stunde Fer Befreiung geschlagen. Die ReichHvèrfas- sung befähigt Euch zu allen Ehrenstufen aufzusteigen, f sie gibt Euren Invaliden Ehre und Brod, sie gewahrt s Euch alle Freiheitsrechte, welche Eure bürgerlichen Mit-
brüder besitzen.
Darum, deutsche Soldaten, wendet eure Waffen' nicht gegen Eure Brüder, sondern kämst für die hei- . lige Sache der ganzen Nation. Nur im Felde gegen; den äußeren Feind wachsen Eure Lorbeeren; aber Schimpf und Schande Dem, welcher gegen die Vertheidiger des Gesetzes die brutalen Befehle hochverrä- therischer Oberen vollzieht.
Gedenkt Eurer Kameraden in Würtemberg nno Sachsen und folget ihrem ruhmvollen Beispiele! Sie haben sich ui^t 'mücbixgim wollen durch Feindseligkeit
gegen die Freiheit, sie haben sich verdienOMmch^ das Vaterland. Und das ganze deutsche Volk jubelt ihnen zu! So thuet denn desgleichen!
Ihr insbesondere noch, preußische Laudwehrmänner, erklärt überall, was Eure edlen Kameraden zu Elberfeld und Krefeld erklärt haben: daß sie der Nationalversammlung und der Reichsverfassung Gehorsam leisten werden.
Deutsche Krieger! Höret die Stimme des Vaterlandes. Es rufet Euch, es erwartet auch von Euch seine Rettung. Es wird denen fluchen, welche brudermörderisch ihre Waffen entehrten, es wird aber die segnen, welche zum Volke standen. Höret es, deutsche Krieger, und thut, was Ehre, Freiheit und Vaterland fordern 1
Frankfurt, 6. Mai 1848.
Der Congreß sämmtlicher Märzvereine Deutschlands.
In dessen Auftrage:
Der Präsident: Julius Fröbel.
Der Vize-Präs.: Franz Raveaux.
Der Schriftführer: Hellmuth Wöhler.
Der Schriftführer: L. Simon von Trier.
Nationalversammlung zu Frankfurt.
212. Sitzung.
v.
Der Präsident verkündigt den Austritt felgender Mitglieder: -. Schrenk, Graf, Philipps, v. Beisler, Neumayr, Eckart aus Lohr, Obermüller, v. Nagel, v. Jolantes* v. Wulffen, v. Lassaulr, Darenberger, v. Grundner (sämmtlich Bayern), Graf Schwerin und Engel von Eulm.
Reichsniinisterprâsident v. Gagern erhält das Wert zu folgender Mittheilung:
„Die Störung des Reichsfriedens in Sach>en yâb^ Een- tralgewalt veranlaßt, «im»ReichscommiMr .zir bevollmächtigen.
wesentlich im Sinne der von mir am 3. d. Mts. im Namen der
Centralgewalt abgegebenen Erklärung. Auch in der bayerischen Pfalz sind Ereignisse eingetreten, die die Absendung eines ReichS- Eommissärs zur Folge gehabt haben, um vermittelnd einzuschreiten, Gewaltsamkeiten zu verhüten, um eventuelle Eingriffe in die Schranken zurückzuweisen. (Links: Namen!) Nach Dresden ging Reichsconimissär Hr. Watzdorff, nach der Pfalz Hr. Biece- Präsident Eisenstuck." (Beifall links.)
Reichsjustizminister Mohl theilt der Versammlung mit, daß das ReichSgesetz wegen Schließung der Spielbanken allenthalben mit Ausnahme Homburgs vollzogen worden, und daß nach wiederholten fruchtlosen Aufforderungen an die landgräfliche Regierung in Gemäßheit der Bundeserekutionsordnung in diesem Augenblick die Erecutionstruppen unterwegs seyen. (Beifall.)
Der Präsident verliest folgenden dringlichen Antrag des Abgeordneten Wesendviick:
„Die Nationalversammlung beschließt: 1) sämmtliche deutsche
Truppen unter den Befehl eines von der Centralgewalt zu e ner» " nenden Obercommnndnnten zu stellen; 2) sie haben sofort len Ed dec Treue gegen die Reichsverfassung und die sie an-führende Reichsgewalt zu leisten; 3) Reichscommissäre sind sofort in alle ff deutschen Laude und insbesondere zu allen Truppentheilen alH- - senden, um diesen und den Beschluß vom 4. Mai d. J. in Aus-
fnhrung zu bringen."
Die Gefängnisse der Inquisition in Nom.
Ueber die Ausgrabungen, welche in den Kerkern der Inquisition in Nom stattgefunden haben, liefert ein englischer Reisender, der nm 18. April diese Gewölbe besuchte, folgende Schilderung.
„Ich besuchte heute früh die Ausgrabungen, welche in den unterirdischen Gewölben des Juguisitivus-Gebäu- des begonnen haben, und nicht wenig war ich über dasjenige erschrocken, was ich mit meinen eigenen Augen dort sah.
Wenngleich ich seit einem Viertel-Jahrhundert mit Allem, was in und um Rom ist, vertraut bin, so muß ich doch zugcstchcn, daß ich niemals Neugier empfand, das Inquisitions-Gebäude zu besuchen. Es liegt überhaupt von dem gewöhnlichen Wege entfernt, welchen alle Fremden in Rom ciuschlagen, in einer Art Sackgasse hinter Ler Peterskirche; Hierher hat sich die heilige Inquisition zurückgezogen, um ihre Operationen, die zum Zittern bringen, in aller Stille zu bewirken und „im Verborgenen Gutes zu stiften."
Ich war überrascht von dem Aeußeten des Gebäudes, welches von Außen modern und bequem gebaut erscheint und von Pius V. (dem Autor des letzten Glau- bensbckcnntiusses) errichtet worden ist. Bei meinem Eintritt in dasselbe erkannte ich jedoch seine wahre Bestimmung.
Eine Reihe-fest vergitterter Gefängnisse bildet das Erdgeschoß eines viereckigen Hofes. Diese dunkeln, dumpfigen Behälter waren nur der vorläufige Schauplatz der Prüfungen für neu hinzukommende Gefangenen, welche in die eleusinischen Geheimnisse diefes Gebäudes noch nicht eingeweiht waren.
Ein Gang zur Linken führt zu einem kleinern Hofe, woselbst sich von der Erde drei Reihen kleiner vergitterter Kerker über einander erheben, so daß das Ganze fast wie ein Dreieck aussieht; — jede Reihe kann ungefähr 60 Gefangen? „versorgen," — und diese vergitterte Käfige müssen oftmals vollständig gefüllt gewesen sein, denn cs ist noch eine Reihe an der äußeren Seite des Vierecks auf ebener Erde erbaut, welche die Aussicht nach einem großen Garten gewähren.
In allen diesen Zellen sind starke eiserne Ringe ins Mauerwerk eingelassen und in einigen derselben ist in deren Mitte ein großer Stein fest eingemauert, an welchem sich ein schwerer Ring befindet.
Zahlreiche Inschriften, welche mehrere Jahrhunderte alt sind, kann man weacn Mangel hinreichenden Lichtes nur undeutlich lesen und ihr gewöhnlicher Inhalt sind Unschnldsbetheurungcn, wie z. B- „Io Domenico Coz- zoii vissi qui anni 18..", — „Calumniatores men- daces exterminabuntur.“
Ich las eine andere, welche etwas länger war und ungefähr dahin lautet: „Die Laune oder Bosheit des
Menschen kann mich aus Deiner Kirche nicht ausstvfen. — O Christus, meine einzige Hoffnung!"
Der dienstthuende Beamte geleitete mich hierauf an den Ort, wo in den unteren Gewölben die Leute mit Ausgrabungen beschäftigt waren. Sie hatten eine nach unten führende Anzahl von Stufen blosgelegt, welche mit Schutt bedeckt waren und kamen so zu Gefängnissen, welche unter den Gewölben der oberen angelegt waren. Diese vergegenwärtigen mir die schrecklichen Gefängnisse des Dogenpalastes unter dem Kanal der „Seufzer-Brücke" zu Venedig, — nur mit dem Unterschiede, daß das Entsetzliche noch in größerem Maßstabe vorhanden war. — Ich sah in altem Mauerwerk, wo kaum erst die Wegräumung begonnen hatte, fünf Skelette in verschiedener Entfernung von einander eingemauert. Der Zeitpunkt, wo dies geschehen, muß sich auf etwas mehr als anderthalb Jahrhunderte zurückdatiren. Aus einem andern Gewölbe voll Hirnsehädtl und zerstreuter Ueberreste führte ein 4 Fuß im Quadrat haltender Schacht in perpen- diculärer Richtung zur ersten Etage des Gebäudes und endete in einem Gange, welcher zum Saale des Inquisitions-Gerichts führte. Hier war eine Fallthüre angebracht; der Gang lag zwischen dem Tribunale und einer Reihe von Zimmern, welche für die Beamten bcpinmit waren. Der Zweck dieses Schachtes kann nur die Vermuthung zulassen, daß die auf der Folter zu Tode gequälten oder sterbenden Opfer hier hinaogesluiz würben.