„âiheit und Recht!"
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Oeste reich und Ungarn.
^ Aus der Provinz. „ — Oesterreich ’..... Es muß eine Wonne sein, dieser fluchwürdigen Regie- rung auf einem Schlachtfelde der Freiheit gegenüber* zustehen! Es muß eine tugendhafte Schadenfreude sein, der dumm-verzagten Welt zu beweisen, daß Gott mächtiger ist als der Teufel! Die heiße Wuth eines Tyrannen, wie Don Mignels, kann meine Nerven in Aufruhr bringen; aber nie vermochte sie meine innere unsterbliche Seele so zu empören, als es die kalte, abgemessene Tücke Oesterreichs thut , das, ohne Leiven- schaft, gleich Göthe's Mephistopheles, die Menschen verführt oder verdirbt, nur um zu zeigen, daß es keine Tugend gibt, daß die Tugend ohnmächtig sei, dem Bösen zu widerstehen."
Also schrieb Börne nach der Julirevolution. Er hatte den wunden Fleck entdeckt. Man.weiß, welche Summe ihm die Oesterreichische Regierung bot, nur um ihn zum Schweigen zu bringen. Und was damals wahr war, das ist es noch heute. Wie damals die von Paris nach Italien und Polen gewalzte Revolution unter den Mordknechten des Oesterreichi- schen Absolutismus verblutete, so ist auch heute der Sturz Oesterreichs die Eingangspforte zu Beider Freiheit. Und wie seit dem Jahre 15—30 von Wien aus das Netz der europäischen Reaktion gesponnen würbe, wie Oesterreich die Freiheit unterjochte, die Völker mordete, ja wie es die Völker unwürdig machte der Freiheit, „mit kalter, abgemessener Tücke die Menschen verführte und verdarb" — so hat es auch seit dein Jahre 30 über die Heere der Reaktion kommandirt, hat überall die revolutionären Elemente vernichtet mit der Gewalt der Bajonette oder mit der systematischen Korruption. , .
Die Niederlage der Arbeiterklasse im Juni in Pans war zunächst auch die definitive Besiegung der italienischen Revolution. Die Bourgeoisie bedarf der Ruhe und Ordnung: an eine Intervention der Franzosen in Italien war nicht mehr zn denken. Oesterreich hatte jetzt freies Spiel. Es konnte jetzt mit Muße daran denken, die Grundsätze der alten Politik wieder einzuführen, die aus der Revolution hervorgegangenen Gewalten zu stürzen. Gerechtes Loos für deren Halbheit, Ungründlichkeit und Schwäche! Geschickt hatte es schon die Karten im Reichstage gemischt. Stadion war nur zu lange Metternichs Schuler gewesen, um nicht dessen satanische Politik begriffen zu haben. Die beste Zeit war in unnützen Berathungen verstrichen; es wurde geredet, wo rasches Handeln Noth that. Und die Zeit war nur zu schnell gereift. Der erste Schlag, den die Oesterreichische Negierung im Schilde führte, war gegen Ungarn gerichtet. War ja doch von dort her die erste revolutionäre Gesandtschaft nach Wien gekommen, mußte sie sich doch zuerst dahin wenden, wo die Demokratie den entschiedensten Fortschritte
gemacht, ja wo ein Abfall vom Kaiserstaate drohte! Welch ein Netz von Intriguen, Heuchelei und Verrath vom Anfang der Revolution, wo der Kaiser die Selbstständigkeit Ungarns in allen Angelegenheiten der inneren Verwaltung bestätigte, bis zum Oktober, wo man dasselbe damals gegebene Versprechen zurücknahm, wo man den kaum zuvor für einen Hochverräter erklärten Jellachich im Kampfe gegen Ungarn offen unterstützte ! Aber das Volk in Wien begriff sein Interesse: die nach Ungarn kommandirten deutschen Regiinenter wurden von ihm zurückgehalten, durch den Mord des Kriegsministers der Kamarilla der offene Feydehand- schuh hingeworfen. Gewiß hatte das Ministerium daran nicht gedacht. Es glaubte erst die Freiheit Ungarns vernichten zu können, ehe es auf Wien und den Reichstag das Messer setzte. Durch diese unerwartete Wendung wurde es zunächst auf die Vernichtung der Revolution in Wien hingewiesen. Der Reichstag kam ihm durch seine Halbheit entgegen — während e.ne Diktatur damäls vielleicht Wien gerettet hätte. Ueber die Betheiligung des heil, römischen Reichs an diesem Kampfe brauchen wir kein Wort zn verlieren. Die sogenannte konstituirende Nationalversammlung in Frankfurt sah es gerne, daß die deutsche und zugleich demokratische Partei in Wien erlag. Ihr Sieg wäre ja eine Vermehrung der äußersten Linken, eine Vernichtung der Kaiserpläne, ein Sturz des Ministeriums Pfuel, mit Einem Worte: ein Wiederausbruch der Revolution in Deutschland gewesen. Wohl hatte das deutsche Volk von Wien seine Freiheit zu erwarten, — aber nicht Wien vom deutschen Volke. Die deutsche Partei in Wien war auf ihre eigene Starke angewiesen: sie erlag der Uebermacht von Außen, der Halbheit und dem Verrath im eignen Schovße. Und ob sich die Arbeiter wie Löwen wehrten, — ihre Brüder in Paris hatten ihnen vor fünf Monaten ihr Schicksal vorgezeichnet. Auf das Trauerspiel in Wien folgte die Tragikomödie in Berlin: den gottbegnadeten Schnurrbärten antwortete man mit „gesetzlichem" Widerstände. Zu feig und unentschieden, im tostbaren Momente die Revolution siegreich zu vollenden, war man jetzt zu feig, gegenüber dem Siege der Schnurrbärte, Krautjunker und Bureaukraten die neue Revolution zn proklamiren. In Frankfurt aber war man jetzt da, wohin man von Anfang an wollte: auf dem Standpunkte des „Vereinbarens"!
Das ist die Kette der Ereignisse. Wenden wir uns nun zum Kampfe in Ungarn selber. Ungarn allein war es, wo die Revolution sich noch ^siegreich behauptete, während sie schon überall gefesselt am Boden lag, während schon in Paris und Berlin die Contrerevolution ihre Orgien feierte. Aber hier war auch ein Volk, das fest entschlossen war, seine Freiheit bis auf den letzten Mann zu vertheidigen, das in Kossuth einen Agitator und Organisator ohne Gleichen besaß, das durch Natur und Geschichte gleich ausgezeichnet^ zum Kämpfen bereit war, und dem zu
gleich die Beschaffenheit seines Bodens eine herrliche Waffe der Vertheidigung verlieh. Anfangs von aller Welt überhäuft mit Schmähreden aller Art, mit dem Vorwurf erbärmlicher Feigheit, hat es jetzt gezeigt, welchen Zweck die damaligen rückgängigen Bewegungen hatten, seine Gegner in Furcht und Schrecken gejagt, hat sich behauptet gegen die österreichische Armee, gegen die nationale Erhebung der Servier, Kroaten und Slaven, gegen die Russen, die in Siebenbürgen in ter* venirtcn. Achnlich wie das rebuplikanifche Frankreich in seiner ersten Revolution sich gegen die Allianz sämmtlicher europäischer Monarchen vertheidigte, ja nachher die Revolution siegreich durch Europa trug, so hat auch Ungarn gezeigt, was thatkräftige Entschlossenheit im Kampfe für die Freiheit, was revolutionäre Energie, was eine unumschränkte einheitliche Leitung im Sinne der Demokratie, vermag. So weit ist Oesterreich gedcmüthigt, daß es sich wohl nur durch russisch- preußische Hülfe wird behaupten können.
Aber instinktartig begreift auch das Volk die Wichtigkeit des Sieges der Ungarn. Mit welcher Begeisterung werden überall die Nachrichten vom Kriegsichau- platze ausgenommen, wie klammert sich alle Hoffnung in diesem Momente an die Vernichtung der österreichischen Armee! Nicht wie man überhaupt an dem Kamvfe irgend eines Volkes für seine Freiheit theil- nimmt, nein, die Theilnahme an d i e s e in Kampfe wird von dein Gefühle getragen, daß über die e gne Freiheit hier die Würfel mit entscheiden. WaS vie Geschichte seit dem Jahr 15 nicht hat beweisen können für's Volk, obgleich ein redender Zeuge, ja was überhaupt die Stellung Oesterreichs seit der Reformation — das haben die Erfahrungen des letzten Jahres bewiesen. Die Kette der Erscheinungen, der Schlag auf Schlag folgenden Siege der volksfeindlichen Mächte ist zu klar, als daß es nicht auch dem Blödesten die Augen öffnen, und ihn über die Mission Oesterreichs belehren sollte. Die eigentliche Endursache wird jetzt von Jedermann gefühlt; und während das Volk jeder neuen Siegesnachricht mit wahnsinniger Freude entge- genjubelt, schreibt es die Worte auf feine Fahne:
„Der Sturz der österreichischen Monarchie ist die Bedingung der deutschen Freiheit!"
Und so möge denn im Namen der Freiheit der österreichische Kaiserstaat zerbröckeln, so mögen die Ungarn, was die Deutschen in Wien und außer Wien nicht vermocht, den Thron zertrümmern, die Henker der Freiheit vernichten, so mögen die Strahlen der jungen Völkersonne, vom Westen ausgeworfen, im Osten gebrochen, zum Westen zurückkehren, versengend was ihr flammendes Licht nicht vertragen mag!
Von dein Lande wird uns die Einheit werden, das unsre vergilbten Pergament freien aus dem vaterländischen Schooße verstoßen, das sie einer im Namen des österreichischen Kaiserthums vollzogenen Schlächterei I preisgegeben. Der Hinzutritt Deutschösterreichs zu I Deutschland wird die preußische Hegemonie unmöglich
Der Russe kommt!
Der Russe kommt'. Schon dröhnt sein Erz, Schon zittert sein Babarenherz, Europa's Kraft zu morden, Schon blitzt sein Stahl, schon schlägt sein Blei Des Ungarn stolze Brust entzwei — Willkommen bärt'ge Horden!
Wir haben lang auf Euch geharrt, Ihr habt die Hoffer lang genarrt, Doch habt ihr Wort gehalten, Und schenket endlich ächten Wein Aus allen Fürstenkellern ein. Ein volles Glas vom „Alten."
Der Russe kommt! Ein Freudenschrei, Als ob die Knechtschaft nun vorbei, Begrüßt die wilde Rotte So grüßte einst vor spitzem Riff Das brandgefüllte Griechenschiff
Die stolze Türkenflotte!
Schon zuckt der Blitz um unser Haupt
Und auch die blindste Seele glaubt Run endlich an die Wolke,
Die sich in jenen Herren naht. Und jede Lippe ruft: Verrath, Verrath an jedem Volke!
Der Russe kommt! der Herrscher wankt,
Ein bügelloser Reiter langt Er noch nach Asiens Zügeln., Glückauf zu diesem Galgenzug Just jenes Russengeiersflug Wird unsern Aar beflügeln.
Die Furche, die der Nussentroß Gezogen bis in's Kaiserschloß, Zeigt uns die rechte Fährte. Und wo ein Volk den Kampf begehrt, Da stampft ihm das Kosakenpferd Die Helden aus der Erde.
Der Russe kommt! Das treibt zur That!
Der Knechtschaft alte Garde naht Zur alten blut'gen Frohne; Sie naht und selbst das eigne Heer Bleibt der getreue Knecht nicht mehr Und hadert mit der Krone. Der Czar, den ihr so oft schon rieft,' Von dem ihr träumtet, als ihr schlieft, Der Czar wird euch verderben.
Denn wo sein blut'ges Banner wallt, So weit des Russen Trommel schallt. Muß sie euch Feinde werben!
Der Russe kommt! wohlan ihr Herrn!
Ihr blast zum Kampf, wir folgen gern, Hört ihr die Hörner schallen? Hört ihr den Schwur, den ernst belehrt Ein Held, ein Volk dem andern schwört
Zu siegen oder fallen?
Schon braust der Freiheit Schlachtgc'a ig, Der jüngst so stolze Kronen zwang Begeisternd, tauseudtönig.
Und bald zermalmt in wildem Kehr
Das fliehende Barbarenhcer Europas letzten König!
(Rh. SO
^^ Würzburg. (Fortsetzung und Schluß.)
Sollte Dir dieses Unglück jedoch bisweilen payircn, so suche es dadurch wieder gut zu machen, daß Du lelmeil einen Nachsatz bildest, etwa: „doch weiß ich nicht gewiß,