habe, bis die Majorität deS Volkes sich öffentlich dafür ausgesprochen hat. I
Volksvertreter! Wir haben das Vertrauen zu Euch, ' daß Ihr die Freiheit und Voltsrechte wahren und keinen Schritt von der Bahn der Ehre und Freiheit abwci- chen werdet. Stehet fest, das Volk steht und fällt mit Euch!
Volksversammlung in Freiendiez.
(Folgen 190 Überschriften.)
■^^ Von der Lahn, 25. April. (Schulreform.) ; Die zu einer zeitgemäßen Revision und Umgestaltung i unseres Schulwesens aus der Mitte des Lehrerstandes ■ gewählte Comniission ist endlich zu ihrem Geschäfte ' zusammenaetreten. Wenn die Erwartungen, welche man von ihrer Berathung hegt, sehr verschieden und ■ bei Vielen, denen das Wohl der Schule und eine wür- digc und glücklichere Stellung der Lehrer am Herzen liegt, gering sind, so liegt der Grund davon nicht in j der Individualität der Schulmänner, die man eben in der Ueberzeugung, daß sie einer solchen Aufgabe gewachsen seien, gewählt und berufen hat, sondern in der Herabstimmung unserer Hoffnungen und Ansprüche, welche im Allgemeinen nach so manchen schmerzlichen Täuschungen und nach ähnlichen vergeblichen Versuchen, 1 unserm Schulwesen auf;« helfen, eingetreten ist. Wir erschrecken vor dem Gedanken, daß uns eine neue Täuschung in einer so wichtigen und nach allen Sei- i ten hin so gründlich vorbereiteten Angelegenheit bereitet werden könnte, und geben uns der Zuversicht hin, ! daß die Schulmänner, denen Nassau's Lehrerstand sein Vertrauen geschenkt hat, das ganze Gewicht ihrer Ver- • antwortung erkannt und ihre Thätigkeit mit dem festen i Vorsatze begonnen haben, fern von allen engherzigen Rücksichten den gerechten Forderungen ihrer Wähler volle Rechnung zu tragen.
Man erwartet ein glückliches Resultat ihrer Sitzungen von ihnen, um so mehr, da manche Hemmnisse und nachtheilige Einflüsse früherer Zeit aufgehört haben rnb ihnen die Möglichkeit gegeben ist, nach eigenster freier Ueberzeugung zu reden und zu handeln. Man wird über jedes etwaige einseitige Vorurtheil über schwankende Unentschiedenheit, über neue Mißgriffe oder gar starres und zweideutiges Festhalten am Veralteten um so sicherer in der öffentlichen Meinung den Stab brechen, da man mit Recht erwartet, daß die Commission von den Bedürfnissen der Schule und den Forderungen der Lehrer durch alles das, was seit einem Jahr zur Herbeiführung eines besseren Zustandes geschehen ist, die genaueste und vollständigste Kenntniß haben muß. Man wird jede ängstliche Befangenheit um so lauter mit Verachtung bestrafen, da die Mittel und Wege dazu Jedem dermalen offen stehen und unsere Zeit Wahrheit, Offenheit und Freimüthigkeit verlangt. Möge die Commission es nicht vergessen, von wem sie ihr"Mandat empfangen hat, und es sich angelegen sein lassen, ihre persönlichen Ansichten und Rathschläge mit den Wünschen und Forderungen der Majorität des Lehrerstandes in die genaueste Ueberein- stimmung zu bringen.
Da es eine der wichtigsten Aufgaben der Commission sein wird, die künftige Stellung des Lehrerstandes gegen dievorgesetzten Schulbehörden genau zu bezeichnen, so bringen wir die allgemeine und bittere Klage über die bisherige geheime Dieustcontrole, die so viel böses Blut gesetzt, Furcht, wo Liebe, Argwohn, wo Vertrauen herrschen sollte, gepflanzt und Heiterkeit und Lebens- glück manches Lehrers untergraben hat, hier ernstlich in Erinnerung. Es kann gar nicht oft genug gesagt werden, daß die alte Dieustvehme fallen muß! Es dürfen keine geheimen Delationen nach Oben hin abgegeben und ebensowenig dort angenommen und beachtet werden. Laut fordert es die Gerechtigkeit, den Beklagten das wirkliche oder vermeinte Unrecht vorzuhalten und keinen Bericht gegen ihn abzugeben ohne denselben mit dessen eigener Vertheidigung zu begleiten. Zum Sykophanten darf sich kein Mann, der in Amt und Ehren steht, hergeben, und wer dennoch der Neigung dazu nicht widerstehen kann, sollte ohne Weiteres von dem Posten entfernt werden, der ihn in Versuchung führt, Andere zu verdächtigen und ins Unglück zu stürzen. Darum erwartet man von der Schulcommis- sion kräftige Vorschläge gegen das Spionirsystem. Exempia sunt adiosa, sed in promptu! Ein bedeutender Stein des Anstoßes, mit welchem man sich selbst und seinen Günstlingen bequeme Brücken baute, und ehrenwerthen, verdienten Männern bittere Kränkungen und Zurücksetzungen bereitete, wird bamml; aus dem Wege geräumt, und der ganze Lehrerstand wird ' sich seinen dermaligeu Vertretern zum wärmsten Danke l verpflichtet fühlen, wenn er diesem schon so oft und viel beseligten Unwesen ein Ende macht.
Noch viel Verdienst ist übrig; Ans! Habt es nur!
Die Welt wird's kennen.
LPG. Frankfurt, 30. April. Die Natioual-Ver- sammlung beginnt sich zu ermannen, wenn auch nur langsam, die Ereignisse stürmen aber auch zu gewaltig ein, ali' daß es möglich wäre, sich ihren Eindrücken zu entziehen — und je entjchiedeuer, drohender die Stellung der Reaktion wird, desto fester und rascher muß auch der Fortschritt der National- Versammlung werden, um ihr Werk zu schützen und sich jelbst (Geltung zu verschaffen. Das Volk lechzt nur nach einem Tröpfchen, versagen Sie es ihm nicht, sagte heute
Ludwig Simon — die National-Versammlung hat zwar nur ein Tröpfchen gegeben — aber wir begrüßen es als ein Zeichen, daß sie eine kräftigere Politik den Negierungen gegenüber eiuschlagen werde.
Wir müssen glauben, daß die Vorlesung des Marine- ministers ein gut Theil zu diesen Beschlüssen beitrug. Es war doch wahrlich unmöglich, bei dieser über 2 Stunde ausgesponnen Langweile kalten Blutes zu bleiben, wenn man auch noch sehr in der Langweile geübt ist. Solche Vorlesungen, in solcher Zeit, sind wahrlich eine Vergeudung zu nennen. Oder war es vielleicht gar Absicht, dieses unendliche Aktenstück, statt es drucken zu lassen, vorzulesen, um die dringlichen Anträge, welche Vorlagen, abzuschwächen. Sie erhielt durch ein solches Manöver erst die gehörige Bedeutung.
Die Ermächtigung, welche man dem Präsidium ertheilte, außerordentliche Sitzungen, wann und wo es wolle, einzuberufen, die Beschlußfähigkeit mit 150 Mitgliedern, die Einberufung einer Sitzung auf Verlangen von 100 Mitgliedern — alle diese Beschlüsse; waren nur nothwendige Ergänzungen der Geschäfts- Ordnung, für eine Zeit berechnet, in welcher Gefahr drohen kann. Herr Zell war derjenige Ritter des Weidenbusches, welcher in diese Gesellschaft allein die Macht legen wollte, außerordentliche Sitzungen berufen zu können — eine solche Macht darf nicht in die Hand einer kleiner Fraktion der Linken, die kaum 50 Mitglieder zählt, gelegt werden. Man mitfite dann ja Tag und Nacht zu Disposition einiger Brauseköpfe sein! —
Von größerer Tragweite erscheinen die Beschlüge hinsichtlich der hannöverischen und preußischen Negierung. Die Auflösung, welche dort in Folge eines verabredeten Planes geschah, war doch nicht Ausfluß einer und derselben Politik. Bei Stüve ist es jener starre Büreankratismus, der sich empörte, daß Deputirte sich auch anderswo zusammcnfinden können, als in den ihnen von der Regierung angewiesenen Sitzungslocale. 3u Berlin ist die Auflösung Folge jener nichtswürdigen, halben, scheuen und hinterlistigen Politik der preußischen Kniffe, die seit Jahren dort herrscht und mit dem Zurückkehrcn vormärzlicher Zustande aufs Neue emporwuchert. Am Abende desselben Tages, an welchem Nadowitz in Berlin ankam. langte die telegraphische Depesche mit dem Beschlusse der Nationalver- sammlung, in welchem die Regierungen gebeten werden, keine Auflösung oder Vertagung eintreten pi lassen, in Berlin ein. Ministerrath bis tief in die Nacht, an welchem Nadowitz Theil nahm. Morgens Fahrt zum Könige, Unterschreibung des Dekretes, Auflösung. Man eilte so sehr, um nicht durch die offizielle Mittheilung des Beschlusses gezwungen zu sein, gegen die National- Versammlung in Frankfurt vorzugehen. Wenn unsere Quellen nicht falsch berichten, so waren Manteuffel und Strotha gegen, Nadowitz sehr für die Auflösung der Berliner Kammer. Derselbe Nadowitz, der hier siegte, er würde zur unbedingten Annahme der Verfassung rathen.
Dies scheint der wahre Grund der Berliner Auflösung zu sein. Eine andere Ansicht versirte gestern in der Nationalversammlung. Man erzählte sich, daß die angckommenen Deputirten von Berlin (Bucher und Reuter; Abends kam Temme) die Nachricht gebracht hätten, allen Fraktionen sei vertraulicher Weise der Plan eines Bündnisses zwischen Oesterreich und Preußen (Rußland als drittes) vorgelegt worden, wonach Preußen verpflichtet sein solle / 40,000 Mann in Böhmen ein rüden zu lassen. Dies ist unrichtig. Den Fractio- nen der Linken ist kein solcher Plan vorgelegt worden, wohl aber einflußreichen Mitglieder der Rechten und des Centrums und da diese mit Entrüstung sich dagegen erklärten, so mag dies allerdings mit Grund zur Auflösung gewesen sein. Deshalb rieth auch Nadowitz dieselbe so entschieden an, denn seine Politik wird einzig im österreichischen Interesse geleitet sein. Die Ra- dowch'schen Ziele sind klar — einestheils der preußische sonderbuud mit Hegemonie Preußens, anderntheils Bündniß Preußens mit Oesterreich, wodurch der ganze Sonderbuud unter österreichischen Einfluß gestellt wird.
LPG. Frankfurt, 1. Mai. Schlag auf Schlag rückt die Reaktion vor. Die Natioual-Versammlung gleicht in ü;rer Mehrheit einem Schlaftrunkenen, den man aus dem Schlummer durch Schläge auf den Kopf weckt. Sie taumelt halb betäubt, halb fühlt sie, daß es gilt, ihre Eristenz und die ihres Werkes zu retten. Die Preussische Note! Die Auflösung der Wammern in Sachsen! Es ist wahrlich zu viel des Segens, zu viel für einen Tag! Darum vertheilt man diese Zeichen fürstlicher Huld und Gnade, diese Beweise der Bestrebungen für das Wohl Deutschlands nicht auf einzelne Perioden.
Die preußische Note spricht endlich ein klares Wort, der König hat sich entschlossen, die auf Grund der in Frankfurt beschlossenen Verfassung ihm angebotene ja ihm dargebotene Kaiserwürde abzulehnen. Hier weiß man endlich, woran man ist, und es wird wohl Jedem, auch dem Verstocktesten, jetzt endlich klar sein, daß die in Frankfurt getroffene Wahl Friedrich Wil- helm's IV. erledigt ist. Was vor diesem Satze in der langen Note steht, ist völlig gleichgültig — es sind die alten Beschwerden, .daß man' die Bemerkungen der Negierungen nicht gehörig berücksichtigt, den Vereinba- rungsstandpunkt verlassen und ferner Bestimmungen in die Verfassung gebracht habe, welche sie nur als Mittel erscheinen lassen, um allmählig und auf anscheinend
legalem Wege die oberste Gewalt zu beseitigen und die Republik eiuzuführen.
Es muß nach diesem Gcstäuduiß, weit gekommen sein mit der Monarchie. Diese Verfassung, mit ihrem Staatenhaus, dem suspensiven Veto, der ausgedehnten Befugniß des Kaisers sieht der Erbkaiser als ein Mittel an, um ihn wegzuschaffen und die Republik cin- zuführen! Der Kaiser mit seiner Disposition über die ganze bewaffnete Macht, mit der Befugniß Krieg und Frieden zu schließen, den Reichstag aufzulösen, erklärt sich selbst außer Stande, die Republik mit diesen Mitteln sich vom Leibe zu halten! Die Sache der Republik muß, diesem Geständnisse ju Folge im deutschen Volke Riesenfortschritte gemacht haben. Und wie schmeckt es den Stadtverordneten, den Magistraten, den Bürger-, Heuler-, Constitutionell-monarchischen und allen Behörden, Beamten und Vereinen dieser Art in ganz Deutschland und Preußen, daß ihnen der erwählte Kaiser, den sie so innig wünschten, daß dieser ihnen sagt, die Annahme der Krone würde die besonnene, nach wahrer Freiheit (eineBassermann'schc Reminiscenz) strebende und konservativen Elemente Preußens und Deutschlands in ihrem innersten Wesen verletzt haben?
Jbr habt Ruhe und Ordnung gewollt, geordnete Zustande, Aufhören der Agitation der zweifelvollen Zeit, und nun sagt man Euch, Ihr seid weder besonnen noch konservativ, noch liebtet Ihr die wahre Freiheit! Freilich für Preußen's König, seine Kamarilla und sein Ministerium blüht die wahre Freiheit nur unter dem Belagerungszustand und Alle, welche nicht mit Bodelschwingh, Thile und Nadowitz gehen, sind verworfen vor dem Herrn! Was uns angeekelt hat in dieser Note, das ist jenes Geschwätz von dem Weg der Treue und des Rechtes und des Friedens, den die preußische Regierung wandle; jenes Geschwätz von Opfern, die man gern bringe, nur nicht die des Rechtes, der Wahrheit, der Treue, — eine solche Sprache ist verächtlich, wenn man im Innern nur die Entwicklungsperiode des letzten Jahres, nach Außen hin die perside, verrätherische Rolle betrachtet, welche die preußische Negierung im Dänenkrieg gespielt hat und jetzt noch spielt. Pfui über solche Heuchler!
Wir vernehmen, daß das Reichsministerium eine größere Konzentration ergebener Truppen in der Nähe von Frankfurt veranlassen will, um gegen jeden Angriff gerüstet zu sein. In der Pfalz hat die Gährung den höchsten Grad erreicht, — für den König von Bayern schlägt bald die Stunde, in welcher er seinen Nachbar in Württemberg beneiden wird. Man erwartet täglich in München Barrikaden, und das Militär gehört dein Hofe nicht mehr.
Ein heute eingelaufencr Brief an einen Abgeordneten aus Oesterreich brachte die Nachricht, daß die russischen Quartiermacher schon in Lunvenburg ange- gekommen seien. Die Nadowitz - Gagern'sche Politik wird bald noch Vielen die. Augen öffnen.
Endlich fängt auch in Hannover Volk und Bürger- wehr an, mit mehr Energie aufzutreten. Nur in Preußen schläft Alles; selbst die Rheinprovinz und Schlesien sind ruhig. Wir hoffen, daß es die Ruhe vor dem Sturme sei!
München, 30, April. Die Adressen aus Städten und Landgemeinden für unbedingte Anerkennung der Neichsverfassung unb schleunige Einberufung des Landtags mehren sich; am zahlreichsten scheinen sic aus Frauken, Schwaben und der Pfalz zu kommen, aus welchen Kreisen auch von vielen Volksversammlungen berichtet wird, die solche Adressen beschließen. Am wenigsten Theilnahme scheint diese Agitation in München selbst zu finden. Die drohendste Adresse — mit mehr als tausend Unterschriften bedeckt — hat der Volksverein von Dürkheim an das Ministerium gerichtet, worin cs hcißt: „Die Pfalz erkennt die von der Ota- tionalversammlung publizirte Verfassung als zu Recht bestehend an, und verlangt deren sofortige Anerkennung und Durchsetzung von Seiten der bayerischen Regierung — sie verlangt dies, und muß es als Glied des großen Deutschlands mit Recht verlangen, sie will vor allem deutsch sein, sei cs nun mit oder ohne Bayern." Andererseits versichert die „Neue Wünch. Zeitung", die ihren Krieg gegen Reichsverfassung uiiD Nationalversammlung fortsetzt, schon in drei Fällen haben drei Senate des Oberappellationsgerichts gegen die Giltigkeit der Grundrechte entschieden. (O-P-A-Z.)
Frankfurt, 1. Mai. Ein großer Zug von Menschen wälzte sich heute die Straßen entlang, Herrn Camphausen's Hotel zu. Besorglich schauten die Spießbürger, argwöhnisch die Wachen. Endlich löste sich das Räthsel. Es waren die preußischen Abgeordneten, Rechte und Linke in süßer Eintracht, aber bangen Zweifel im Herzen, welche hinwallten nach dem Orte, wo Milch und Honig fleußt, — um ihre Diäten in Empfang zu nehmen. Die Augenblicke sind gezählt, — darum war der Andrang so groß, daß der Aussteller der Zahlungsanweisungen bedenklich wurde und fragte, ob etwas Besonderes vorgefallen sei? Er wußte doch nur von der Auflösung- der preußischen Kammer, von der Ablehnung der Kaiserkrone. Bagatell! Die Zweifel schwanden, und bald sah man Alle mit befriedigten Gesichtern die Straßen wieder hinabwallen! (N. D.Z.)