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âeiheit und Uecht!"

â 105. Wiesbaden. Freitag, 4. Mai 18^9.

Die3reif Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deâ Montags, täglich in einem Zogen. Oer AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Inserationsgcbübren betragen für die vierspaltrge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

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Den italiänischen demokratischen Vereinen zur itachricht.

Die neuesten Ereignisse, welche die Bedeutung der auf den 6 Mai in Frankfurt angekündigten T a g- satzung der deutschen demokratischen Ver­eine sehr erhöhen müssen und der, wenn auch ver­spätete Wunsch mehrerer Vereine, daß die Tagsatzung der nassauischen demokratischen Vereine in Oranienstein nicht auf denselben Tag stattsinden möge, veranlaßt den unterzeichneten Vorort dieselbe auf Sonntag den 13. Mai 184» zu verlegen.

Wiesbaden, den 29. April 1849.

Wer Norort des Nass. demokr. Gundes.

_____ ^n^n D i e Absolutisten.

Noch ist es nicht lange her, da kannte man in politischer Beziehung nur zwei Parteien in Deutsch­land, nämlich die Eonstitutionellen und die Republi­kaner. Ihnen war es gelungen, die Absolutisten durch die Märzrevolution v. 3. über den Haufen zu werfen und das Banner des eonstitutionellen Systems aufzu­pflanzen. Wie Jedermann bekannt ist, halten die Re- publilaner das Eonstitutionelle für ein Unding, ein Zwittergeschöpf, welches blos auf dem Papiere, aber nicht in der Wirtlichkeit lebt. Daß diese Behauptung richtig, wollen wir hier nicht weiter erörtern, doch so­viel tonnen wir hier sagen, daß sie so unrecht nicht ist: zeigt ein Blick auf Deutschlands jetzige Zustände.

Es gibt daher nur zwei Möglichkeiten, eine repu» blikanische oder eine absolutistische. Zwischen diesen schwebt Deutschland heute noch und man muß sicherlich ein gutes Gedächtniß haben, wenn uns noch beifällt, daß im vorigen Jahre eine Revolution zu Gunsten des Volkes statt hatte. Die absolutistische (kosacki- sche) Partei ist, wie wir oben sagte», über den Hau­fen geworfen, aber nicht vernichtet worden; wer konnte daber je bezweifeln, daß sie sich wieder mächtig erhe­ben werde? Sie.hat es gethan! In Wien und Ber­lin, in Baiern, Sachsen, Hannover und Bernburgrc., hat sie gesiegt und steht gerüstet, einem freien Volke Hohn sprechend. Aber dort nicht allein, in ganz Deutsch­land steht sie wohl orgauisirt und im Begriffe einen Hauptschlag auszuführen. Treue Verbündete hat sie überall; selbst die Schirmer der Gesetze, das Militär, stehen in großer Zahl auf ihrer Seite und einen ebenso treuen Genossen hat sie an dem Einflüsse, den sie auf das Volk auszuüben vermaß. Diesen näher kennen zu lernen, wollen wir vor Allem diese Partei etwas

näher bezeichnen. Mancher Deutsche hat im vorigen Jahre geglaubt, die auf einmal so liberal gewordenen Bureaukraten, vom Präsidenten bis zum Tagschreiber herab, seien dies aus Gesinnung, aus Ueberzeugung. O weit gefehlt. Wie können solch feile Seelen, Oie unter dem Despotismus die besten Zeiten hatten und selbst kleine Pascha's waren, dem eonstitutionellen oder gar republikanischen System huldigen? Wie können Bedienten-Naturen sich zu wahren Staatsvieuern emporschwingen? Nicht möglich! Und tu iyuen liegt daher der Kern der Absolutisten, in ihnen besitzt Deutsch­lands Freiheit seine größten Feinde. Diesen zunächst stehen dann die hochpreislichen sogenanntenPfaffen". Schon seit längerer Zeit mühen sie sich ab, in die Politik zu pfuschen; überall gründen sie Blatter, in denen sie ihre Phrasen herdeklamiren. Hat Nassau keine Beweise davon? Durch Verdrehung der Tyat- sachcn stellt man jede politische Bewegung als irrreli­giös dar, man predigt unbedingte Unterwerfung unter die Gewaltherrschaft und wüthet gegen die Grund­rechte, gegen die Verfassung, als Schöpfungen des Antichristes. Sie schreien: die Religion ist in Gefahr, rettet dieselbe und dann erscheinen jene Büreauhelven und geinahnen an Frömmigkeit, obgleich sie kur; vor­her über alles Heilige spotteten. Die Kirche muß viel, sehr viel dazu beitragen um die Geister zu ses- seln und den Absolutismus zu stützen, und doch ist dies nicht in der Bibel begründet; aber der Absolutis­mus ist unverbesserlich und gerade der gläubige Christ, sollte sich von ihm nicht täuschen lassen. Blicke darum auf, deutsches Volk! Diese Partei hat 1814 die Frei­heitsbewegungen niedergeschlagen und besonders durch die Kirche ihre Tyrannei vollendet. Heute könnte es gerade so gehen, denn kein Mittel ist ihr so schlecht, um das Volk unter das Joch der Sklaverei zu beugen. Halte darum fest zusammen, waffne dich gegen die mächtige Reaktion, und zertrete dieser Feindin der Volks- rechte das Haupt.

Und besonders Ihr, Männer aus Nassau, gebt Euch die Hand darauf, keinen Zoll breit Freiheit zu räumen und für Euer Recht einzusteheu. Sollte dann dem Wort auch die That folgen, so seimit Gott für Recht und Freiheit" Euer Feldgeschrei.

Deutschland.

/ Diez. Auch hier, wie überall, hat man den Entwurf der Negierung über die Verfassung mit all­gemeiner Entrüstung ausgenommen, dagegen den Ent­wurf der Linken, einige Punkte ausgenommen, deren Abänderung wir erwarten und beantragt haben, bei­fällig ausgenommen. Man kann wohl nicht leicht eine größere Verhöhnung der Volkssouveränität aussinnen, als sie dieses Regierungs-Machwerk enthält, und man würde staunen darüber, wie ein Mann, der seine ganze

Stellung der Märzrevolution'verdankt, cs unternehmen kann, dem Lande einen Entwurf vorzulegen, dem man es schon von weitem anmerkt, daß er ihm von dem Brandenburg-Manteuffel'schen Ministerium eingetrich­tert wurde, wenn man nicht wüßte, daß Vater Her­genhahn, wie er noch kürzlich selbst sagte, ja im­mer noch derselbe wäre, wie früher. Es geht nun auch von dem Vereine zur Wahrung der Volks­rechte in Diez eine Petition an die Kammer ab, in welcher wir hauptsächlich auf den letzten Punkt auf­merksam machen. Wir lassen sie wörtlich hier folgen:

Volksvertreter!

Dem Volke liegen zur Prüfung und Begutachtung zwei Verfassungsentwürfe vor, einer von den würdigen Mitgliedern unsrer Volkskammer, ein andrer von der herzoglichen Landes-Regierung. Nur dem Entwürfe unsrer Volksvertreter kann, mit einigen Abänderungen, unser Beifall und Zustimmung werden. Wir fordern die Vertreter des Volkes ans, bei den Prinzipien ihres Entwurfes fest und unabänderlich zu beharren, und auf jede moralische und physische Unterstützung deS Volkes zu rechnen.

Ueber den Regierungsentwurf wollen wir uns eines jeden Commentars enthalten, und führen wir zu des­sen Würdigung nur folgende Punkte an!

1) Die Domänenfrage konnte nicht kurzhändiger und zweideutiger behandelt werden.

2) Man entblödet sich nicht uns wieder das ver­derbliche und verabscheute Zweikammersystem vorzu­schlagen. Wir wissen nicht, ob wir über eine solche Zumuthung lachen oder uns erzürnen sollen; kurz, nach dem 4. März 1848 würde man solches nicht gewagt haben.

3) Durch ein ausgedehntes Suspensiv-Veto sollen dem freien Willen des Volkes neue heilsame Fesseln angelegt werden. Das Datum ändert viel, und wir schreiben freilich heute den 21. April 1849 und nicht mehr 1848. '

Diese wenige Punkte werden hinreichen, zur Be­leuchtung der Regierungsansichten und zur Verstän­digung für die wahren Freiheits- und Vaterlands­freunde.

Unter manchen Punkten, welche wir als Mängel in dem Entwurf unsrer Kammer anerkennen müssen, ist vor Allem aufzuzählen, die Auslassung der Be- stimmung:

Daß jeder Volksabgeordnete fein Mandat nieder- legen muß, wenn die Mehrzahl der Wahlmänner ihm erklärt, daß er ihr Vertrauen verloren habe.

Ferner: daß der Lanvesfürst beständig im Lande wohnen muß, und nur mit Erlaubniß der einzigen Volkskammer einen bedingten auswärtigen Aufenthalt wählen darf.

Weiteres werden bie Verhandlungen bei der De­batte über die Verfassung selbst geben, doch müssen w i r und ausschließlich Vorbehalten, daß die Verfassung nicht eher gültige Kraft

Die Schlacht bei Kolbing.

Den 23. April 1849,

Durch dichte Nebel graut der Tag, Die dunkle Nacht entfliehet;

ES folgen ihr die Nebel nach, Und hell der Osten glühet.

Es wogt und wallt im deutschen Heer, Sie wandern im Lager kreuz und quer, Und brennen von Kampfecbegierde.

Der Stnrm tobt laut vom wüsten Meer,

Er kommt mit Macht gezogen; Er pfeift durch's Thal vom Berge her

Es dröhnen dumpf die Wogen. Wohlauf Kammeraden! Seit bereit! Es braust und ertönt in der Ferne weit, Als käme der Däne zum Kampfe.

Gerüstet steh'n die Reihen da. Und singen frohe Lieder: Laßt uns zum Kampfe ziehn! Hurrah!

Seid wacker, deutsche Brüder!

Es grüßt sie der feindliche Donner schon;

Wie brauset so dumpf dieser erste Ton!

Er zittert durch Mark und Gebeine.

Die Deutschen steh'n und wanken nicht Von ihrer festen Stelle;

Bis daß der FeldherrVorwärts" spricht: Dann geht's zum Feinde schnelle.

Sie fliegen nun hin durch das weite Gesild', Wohlan, meine Brüder, gut gezielt, Daß unsere Kugeln nicht fehlen!

Ein buntes Wogen hin und her Durcb Hecken und Gestreuche; Und rasch voran das deutsche Heer, Daß ihm der Däne weiche.

Doch fest stürzt heran der Dänen Brut, Sie kämpfen verzweifelnd um Gut und Blut, Und stürzen in Tod und Verderben.

So kämpfen sie geraume Zeit Bald vorwärts hier, bald dorten. Da tönt es durch die Reihen weit, Und hallt von all en Orten: Wir haben gewonnen! Sieg'. Hurrah! Die Dänen, sic fliehen fern und nah; Wir haben den Sieg uns errungen." Sie fliehen hin die Deutschen nach Und treiben sie zur Ferne;

Beenden kühn den schönen Tag Es funkeln schon, die Sterne.

Sie kehren dann heiter zum Lager, zurück, Und grüßen sich herzlich, die das Glück Oh'n Schaden zum Siege geleitet.

Und Kolding brennt in loher^Gluth, Die Flamme steigt gen Himmel;

Sie wogt hinauf mit grimmer Wu!h Und zischt durch's Kriegsgetümniel.

Sie ist der Gefall'nen auf ihrer Bahn Zum anderen Leben, zum Himmel hinan, Die leuchtende Todessackel.

Auch manche Thräne gleitet hin

Auf die gefall'nen Brüder;

Zum Kampfe zogen sie so kühn, Als Deutschlands Söhne bieder. Doch sie, in des Lebens Morgenroth, Sie starben den schönsten Heldentod Für Vaterland, Ehre und Freiheit.

Caspar Karl Schlimm.