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âeiheit und Ueeht!"

Ja 104.

Wiesbaden. Donnerstag, 3. Mai

184»

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ip Der Herzoglich Nassauische Convent.

Eine Erfindung der Nass. A l l g. Z t g.

Wir bedauern das Negierungsblättchen, die Nass. Allg. Zeitung, aufrichtig, daß ihre Bestrebungen für das Zustandekommen des Zweikammersystems so ganz ohne Erfolg sind. Vergebens hat sie ihre Werbe­trommel gerührt, vergebens auf den lockenden Inhalt des offiziellen Marketenderfäßchens verwiesen, vergebens hat sie ihre Partei aufgefordert, sich zu erheben, wie ein Mann", es kommt Niemand, nicht einmal der eine Mann". Da, in der Angst des gänzlichen Schei­terns, greift sie zu einem Mittel der Verzweiflung. Sie macht künstliche Toilette vor ihrem Spiegel, stellt sich die Haare zu Berg, malt sich einige Furchen des Entsetzens in das Gesicht und heult dem Land die Worte zu:

Die Linke steuert offenbar darauf hin, der Kammer dieselbe Stellung einzuräumen, welche die Regierung vor dem vierten März einge­nommen!

Täuschet Euch nicht! die Linke beabsichtigt nichts Anders als einen Convent!

So geht es denn fort mit einer Heuler -Litaney vonDespotismus, Wohlfahrtsausschuß, Guillotine" u. s. w.

Das Negierungsblättchen behauptet bekanntlich im­mer, das Volk sei nicht reif, es sei unmündig u. f. w. Wir haben manchmal geglaubt, dieAllgemeine" glaubte dies selbst nicht. Aber nun sehen wir, daß sie das Volk wirklich für sehr dumm halten muß, weil sie glaubt, demselben mit so sinnlosen Aufschneidereien beikommen zu könne L

Wes die Linke in ihrem Verfassungsentwurf will, steht doch mit so klaren Worten darin, daß es ein Jeder leicht herausfinden kann. Nur derAllgemeinen" scheint die sonderbare Gabe eigen zu sein, daß sie nicht liest, was dasteht, und liest, was nicht dasteht.

Die Linke will:

1) eine Kammer, welcher gemeinschaftlich mit dem Herzog das Recht der Gesetzgebung zusteht und welcher nur ein aufschiebendes, nicht aber ein zer­nichtendes Wiberspruchsrecht (Veto) entgegensteht, 2) eine Regierung, welcher die vollziehende Gewalt zusteht.

Alles das haben wir seit der Märzrevolution 1848 schon thatsächlich.

Durch das Wahlgesetz vom 11. April 1848 ist die Volksvertretung in einer Kammer geschaffen.

In der Landtags-Sitzung vom 13. Juli 1848 hat das Ministerium erklärt, daß es keineswegs ein zer­nichtendes (absolutes), sondern bloß ein aufschiebendes (suspensives) Widerspruchsrecht (Veto) für sich in An­spruch nehme.

Die Regierung hat bisher die vollziehende Gewalt geübt.

Diesen dermaligen thatsächlichen Zustand des öffent­lichen Rechtes will die Linke in Form eines Staats­grundgesetzes derart rechtlich feststellen, daß er von keiner Seite angetastet und umgestoßen werden kann.

Die Linke ist also hier rein konservativ. Sie will die Märzerrungenschaften wahren, sie will sie in staatsrechtliche Form bringen.

Die Rechte dagegen will das Einkammer-System umstürzen und ein dem Volke verhaßtes Institut an dessen Stelle einführen. Sie will das absolute Veto wenigstens in Verfassungsfragen wieder Herstetten. Die Rechte also ist es, welche das Bestehende stürzen, welche Neuerungen machen will.

Und da kommt nun die Nass. Allg. Ztg. und be­hauptet, die Linke wolle ein absolutistisches Schreckens- regiment, einen Convent, einen Despotismus.

Nun, wenn das Einkammer-System der Convent ist, dann haben wir ja den Convent. Hören Sie es, meine Herren Kammermitglieder, Vie sind nicht Ab­geordnete des Landtags, Sie sind Stützen des Despotismus, Häupter des Schreckensregimentes, Mitglieder eines bluttriefenden Conventes!! Nicht wahr, das haben Sie noch nicht gewußt? Ja, man kann was lernen von derNass. Allg. Ztg."!

Doch, um ernsthaft zu reden, man kann von un­serer Kammer dasselbe sagen, was dieser Tage Franz Naveaur bei Gelegenheit einer ähnlichen Beschulvi- gung in der Paulskirche sagte. Die Kammer könnte mit großen Buchstaben über ihre Thüre schreiben Convent", und doch würde es ihr kein Mensch glauben.

Man kann nicht begreifen, wie ein Blatt zu solchen Mitteln greifen mag. Wirklich muß bei derAllge­meinen" entweder in Folge der Verzweiflung über den Übeln Erfolg ihrer zweikämmerlichen Bestrebungen eine Art Geistesstörung eingetreten sein, oder der Artikel in Num. 100, von welchem wir reden,Zur Wah­rung der Volksrechte!" überschrieben, sollte bloß,sa- tyrisch-humoristisch sein, und man hat ihm statt des TitelNassauischer Eulenspiegel" oder dergl. aus Ver­sehen jene Ueberschrift gegeben.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

209. Sitzung.

Clemens aus Rheinpreußeii und KünSberg aus Franken zeigen ihren Austritt an. In den Gesetzgebungs-Ausschuß find Thöl auS Rostock, Christ aus Bruchsal und Schüle,r,auS Jena gewählt.

Auf der Tagesordnung steht:

1) Berathung deS vom Abgeordneten Degenkolb, Namens des volkswirthschaftlichen Ausschusses erstatteten Berichte» über Petitionen von Webern und Spinnern, Vermehrung der Arbeit, bessern Lohn der Arbeit, Hebung der Gewerbe und Industrie betreffend.

Der Antrag deS Ausschusses, die gedachten Petitionen der Zentralgewalt zu überweisen, wird angenommen.

2) Berathung des vom Abgeordneten v. Schrenk, NamenS des Ausschusses für Geschäftsordnung, erstatteten Berichts

in Betreff verschiedener an die verfassungebende ReichSver sammlung gelangter Eingaben, werden einfach zu ven Akten genommen.

3) Berathung deS vom Abgeordneten Degenkolb, NamenS des volkswirthschaftlichen Ausschusses, erstatteten Berichtes über Petitionen von Tuchmachergewerken, betreffend die Hebung deS TuchmachergewerkeS,

wird wieder der Ausschußantrag, der theils auf motivirte Tages­ordnung, theils auf Ueberweisuag an die Zentralgewalt geht, 'an­genommen.

Ebenso werden die nächsten Nummern erledigt.

4) Berathung des vom Abgeordneten v. Reden, NamenS des volkswirthschaftlichen Ausschusses, erstatteten Berichts, diejenigen Eingaben, welche sich auf die Verhältnisse deS WesergromS beziehen, betreffend.

5) Berathung des vom Abgeordneten v. Reden, NamenS des volkswirthschaftlichen Ausschusses, erstatteten Berich 'S über das Gesuch der Borüeher der Saalfloß - Kommune zu Kahla, Herzogthums Sachsen-Altenburg, die Ueber- lauung der Saale- Floßfahrt durch Abgaben betreffend.

6) Berathung des vom Abgeordneten v. Reden NamenS des volkswirthschaftlichen Ausschusses erstatteten Berichts, das Gesuch der Mälzer- und Bräuer-Gilde in Nieder- schlcsten, um Anwendung verschiedener Aufhulfe deS Brauei­gewerbes bezweckender Maßregeln betreffend.

7) Berathung des vom Abgeordneten v. Reden, NamenS deS volkswirthschaftlichen Ausschusses erstatteten Berichtes über eine Anzahl Eingaben, welche die Gleichstellung der Besteuerung von beweglichen und unbeweglichen Gütern betreffen.

Fröbel erklärt, daß er Nr. 8 der Tagesordnung, Berathung des vom Abgeordneten Fröbel, Namens des Aus­schusses zur Vorberathung der Maßregeln, welche zur Durchführung der Reichsverfassung nöthig erscheinen, er­statteten Berichts über einen, die Abberufung von Depu- tirten zur deutschen Reichsversammlung seitens der Regie­rungen der Einzelstaaten, betreffenden Antrag der Abge­ordneten Goltz und Genossen, sowie über eine vom k. k. österreichischen Bevollmächtigten bei der Zentralgewalt unter dem 15. April durch das Reichsministerium deS Ju- nern an die Reichsversammlung gelangte Depesche auf eine der nächsten Tagesordnungen zurückgelegt wünsche. ES wird angenommen.

Die nächste Sitzung wird Donnerstag sein.

Auf der nächsten Tagesordnung stehen mehrere Berichte deS volkswirthschaftlichen Ausschusses von Reden, Degenkolb,- Lette und Schwarzenberg. Ferner zwei Berichte von Schultze Namens des Ausschusses für Wehrangelegenheiten. (F.Z.)

Nassauischer Landtag.

lOOte Sitzung vom 2. Mai.

Auf der Regierungsbant: Bertram, Herdt, Werren.

Präsident: Gergens, da Wirth durch Familienverhältnisse abgehalten ist der Sitzung beiz', wohnen.

Es sind wieder sehr viele Petitionen, das VerfaffnngSwerk betreffend, auS den Aemtern Usingen, Höchst, Hochheim, König­stein, bei dem Präsidium eingelaufen. Auch von den Abgeord­neten Creutz, Snell, Jussi, Born, Wenkenbach I. werden Petitionen desselben Inhalts überreicht. RegierungS-Commissär Bertram verliest hierauf als Antwort auf die neuliche Inter­pellation des Abg Braun eine Schrift der Regierung, folgen­den Inhalts:diè nassauische Regierung werde an der Verfassung des Reichs festhalten, und halte Abänderungen derselben nur auf dem verfassungsmäßigen Wege für zulässig. Jetzt aber schon eine Vereidigung deS Militärs nach den §§. 14 und 9t auf die ReichS- verfaffuug vornehmen zu lassen, könne zu Verwirrung führen, da ein Reichsoberhaupt, eine Reichsregierung noch nicht bestehe. Der Eid der Treue, der dem Reichsoberhaupt vorschriftsmäßig zu leisten

oPo Aus dem Volke.

Sie hat vollbracht

Die Lippen lispeln sterbend gute Nacht.

Vom runden Tisch das kleine Lampenlicht Sich auf dem weißen Todtenautlitz bricht. Wie sind die Wangen doch so schrumpf und alt, Als ob viel' Jahre d'rüber hingewallt!

So schrumpf und alt

Nicht ob der Jahre ob des Grams Gewalt! Noch jung und einst auch schön, da am Altar Sie sich vermählt kaum war sie achtzehn Jahr!

' Fünf Kinder schenkte ihr der Liebe Glück Da starb der Mann sie blieb allein zurück!

Und Sorg' und Noth

War nun ihr Morgen, war ihr Abendbrod!

Wohl spann sie fleißig ohne 'Unterlaß

Von ihrem Blut ward oft der Faden naß!

Wohl spann sie fleißig immer früh' und spät Zu ihrem Gott wohl sandt' sie manch Gebet!

Doch sie allein

Muß ja Ernäher all der Kinder sein.

Wie auch das Herz ihr seufzt, die Thräne guillt, Wenn sie das pinsle noch am Busen stillt:

Der Arbeit Pflicht, der Kleinen Schmerzgeschrei Ja Lieb' und Pflicht bricht ihr das Herz entzwei!

Das war der Gram,

Der von den Wangen ihr die Nöthe nahm,

Der gierig ihr am Lebensblute leckt,

Der sie auf's Krankenbette hingestreckt, Der ihr der Seele letzten Rest geschnürt, Und der sie nun dem Tode zugesührt.

Und um sie her

Jm Mutterauge glänzt kein Leben mehr Drängt angstvoll weinend sich der Kinder Schaar, Nun jeder Hülfe, jeder Liebe baar!

Und bleich vor Schmerz und Elend jed Gesicht, Darauf ein Strahl der kleinen Lampe bricht!

O Mutter, Du

Gehst still und ungefolgt zur Grabesruh!

Ein hölzern Kreuz schmückt Deines Hügels Rand Wer wohl im Lebe» jemals Dich gekannt? Doch schwelgst Du mm in Paradieses Licht? Des harten Unglücks Söhne glaubens nicht!

Die Kinder Dein

Du wirst von ihnen bald vergessen sein!

Für ihren Hunger nur ein Bissen Brod Macht schnell vergessen ihre Waiscnnoth! Und einst auch sterben Alle so wie Du, Geh'n still und ungefolgt zur Kirchhofsruh' !

General B 6 m.

(N. O. Z )

(Schluß.)

Zum blutigen Tanze bei Ostrolenka eilte er im Galopp mit seinen Kanonen herbei, deckte den Rück­zug der ganzen Armee und drängte den Feind zu­rück, welcher sich einen Weg über die Brücke der Narem bahnen wollte. Er wurde Oberst und so­gleich mit dem Commando der ganzen Artillerie betraut. In dieser Stellung trachtete er hauptsächlich danach, jungen Leuten, welche Muth und Geschick zeigten, förderlich zu sein und ihnen eine Laufbahn zu eröffnen. 9?ocb vor der Vertheidigung Warschau s zum General ernannt, suchte er mit allen Kräften dahin zu wirken, W die Artillerie in solch wichtigem Augenblicke sich vollständig