Setzen wir den Fall, dieser über seines Gleichen zum Herrn gefetzte Mann wäre Aristokrat, und das könnte er ja sein, zumal er früher an Hof viel beschäftigt war, und nun gäbe es eine Stelle zu besetzen, auf welche ein^demokratischer, lichtfreundlicher Pfarrer und ein — ein--nun so ein Bruder in Christo adspi- rirten; könnte es da jenem nicht ergehen, wie dem 1 38jährigen Kranken am Teiche Bethesda, daß man ihm doch nicht ins Wasser hilft, obwohl er schon lange gelegen?! doch offene wo ist bei solcher Einrichtung, die in unserer Zeit unerhört sein sollte, eine Garantie gegen Willkühr und Gewalt? Zwar mancher würde gegen Mißhandlung einen Nothschrei erheben, der wie die Posaune des Gerichts die Urbeber vor die Schranken der Oeffentlichkeit rief, aber mancher würde auch aus Aengstlichkeit schweigen und wer sollte sich dessen । annehmen ?
Darum erscheint es uns dringend nöthig, daß jener Geistliche sofort und bis zur demnächstigcn Berufung einer Generalsynode miteiner Anzahl Vertrauensmännern, etwa noch zwei Geistlichen und vier Laien, umgeben werde, welche wichtige Gegenstände coUegialuch entschieden. Die Wahl der qualisicirten Männer könnte um der Kürze willen den evangelischen Gliedern der Ständekammer anheimgegeben werden. Wir wollen sehen, was gefchieht?!
0 Limburg , 22. April. Auf der heutigen Generalversammlung wurde der Nassauische Zweigverein für Auswanderung der Nassauischen Auswanderer nach Nordamerika gestiftet. Die Statuten wurden verlesen und mit kleinen Abänderungen angenommen. Der Verein wurde unter die Kontrole des Nassauischen Gouvernements unb des deutschen Zentralauswanderungsvereins gestellt.
In Gemäßheit des §. 6 der Statuten wurde zur Wahl des Vereinsvorstandes und des Präsidenten geschritten, und es wurden mit Stimmenmehrheit zum Vorsitzenden auf drei Jahre der Amtsprokurator Ver- flaffen dahier, sodann auf gleiche Zeitdauer zu Vorstandsmitgliedern: 1) Hr. Fabrikant Joseph Kremer dahier; 2) Hr. Franz Lothar Walter; 3) Hr. Amtsprokurator Hilf; Hr. Fabrikant Joseph Burkhart; 5) Hr. Amtsprokurator Winter; 6) Hr. Amtsaccessist Dünkelberg; 7) Hr. Franz Seibel ; 8) Hr. Kilian Seibel; 9) Hr. Stadtrath Mohr;' 10) Hr. Johann Mollandin; 11) Hr. Materialist Hammerschlag; 12) Hr. Johann Schmidt; endlich zum Hauptagenten des Vereins Hr. F. H. Göbel auf unbestimmte Zeit nach §. 8 der Statuten erwählt. Dabei wurde eine Eingabe an das Herzogl. Staatsministerium jur Erlangung der Bestätigung des Vereines verlesen, genehmigt und demnächst an den Ort ihrer Bestimmung abgesendet.
5 Usingen , 26. April. Was wir vermuthet, ist zur Wirklichkeit geworden. Usingen ist in höchster Aufregung; denn ein frecher Korrespondent hat cs gewagt, die biedere, kornblaue Stadt vor das Forum der Oeffentlichkeit zu ziehen und das Schöne zu schwächen und alles Gute zu tadeln. — Da haben wir's! Usingen's Bürger sind durch diese Entrüstung wach geworden. Desto besser für uns; wir brauchen fortan nicht mehr so stark zu schreien und sie werden doch wach bleiben, d. h. wenn dieses Wachen nicht Schlafen ist. Freilich haben wir auch in etwas starken Tönen gerufen, worüber wir uns denn nun entschuldigen wollen, und zugleich versprechen, künftig etwas feiner zu sein, doch nur insofern, als wir es mit Feinheiten zu thun haben werden und die löblichen Herren die Fäuste aus dem Spiele lassen, mit welchen sie sehr gerne spazieren gehen. Es ist wahrhaft komisch, wie man zürnt, daß gar keine Liebe zu der Vaterstadt in dem Herzen jenes Korrespondenten lebe, und wie man diesen bald fern, bald nahe wähnt. — Gebt Euch zufrieden , lieben Usinger! Es ist jetzt der Welt Lauf, daß Niemand ungezupft durchkommt, und wie könnten dies die alten Sünder verlangen, welche dies wohl schon früher erwartet haben? Gewiß nicht! Ihr Licht soll leuchten in einer erbaulichen Epistel, betitelt: das Kasino zu Usingen, — und müssen wir nur bitten, daß Ihr Euch einige Tage geduldet. Reichliche Entschädigung soll Eure Geduld krönen! *)
LPG. Frankfurt, 28. April. Die deutsche Zeitung befindet sich im Nevolutiousfieber und fabrizirt Lügenberichte. Sie gab heute morgen ein Ertrablatt heraus: der Reichsverweser verweigere seine Unterschrift zu den Beschlüssen des Ministeriums; das Ministerium habe seine Entlassung verlangt. — Sah es
*) Ueber die in Betreff unseres Artikels in 9lro. 92 erschienene „Berichtigung" nur kurz F»lgeudes: Als» z»gest»nde», die Stimmung in Usingen (besser gesagt die Gesinnung) ist lau und flau , weil eS an Kapazitäten fehlt, welche begeisternd wirken können! Schönes Kompliment für Euch, Ihr Herren Advakaten, die Ihr Euch einbildet, politische Bildung zu verbreiten; es scheint, es wird Euch nicht getraut, und gerade das ist es, was wir von Usingen's Bürgern haben wollen ! Weiter nimmt der demokratische „Berichtiger" ein aristokratisches Wahlgesetz in Schutz, - welches keinem selbstständigen Bürger erlaubt, sich an Wahlangelegenheiteii und der Volksvertretung zu belhei- ligen. Sehr republikanisch! Wenn wir weiter auch an keine Feindseligkeiten des „Berichtigers" denken, so erscheinen uns doch seine soniiige» Persönlichkeiten eben sehr kleinlich und unbeachtenswërth ; denn wer sich selbst Pa»- peritätszeuzniffe ausstellt, ertheilt sie a ch Andern gern. Sollten Sie, verehrter „Berichtiger", hiermit noch nicht zufrieden sein, so sagen wir schon im Voraus, daß wir in der That zu demokratisch sind, uni Ihnen das allgemeine Menschenrecht, sich blamireu zu dürfe», streitig zu machen. A. d. E.
doch fast aus, als werde das zweite Bulletin folgen: „Der Reichsverweser ist nach Bockenheim geflüchtet, eine Deputation der Reichsversammlung ist nebst den Ministern in einigen Ertrasiakern hinausgefahren. Wird ! er nach geben ? Volk, sei wachsam!"
Nichts desto weniger erregte das Extrablatt einige 1 Aufmerksamkeit. Die Profeporen, welche der deutschen Zeitung nahe stehen, sind theilweise Dutzbrüder des Ministeriums, man sieht sie beständig das Ministerium = umringend, begleitend, selbst bedienend, um sie in der doktrinären Atmosphäre zu erhalten. — Die Nachricht nN^ wahr sein. — Die entschlossener» Mitglieder der Rechten sogar dringen in den Präsidenten der Nationalversammlung, eine Sitzung zu halten. Weigerung auf Grund der Geschäftsordnung. — Die Oberpostamtszeitung widerlegt indessen die deutsche Zeitung, und Abends in einer mühsam znsammengetrom- mclten Sitzung des Dreißiger- Ausschußes erklären dieselben Professoren, welche die eifrigsten Zuträger der deutschen Zeitung sind, die Gerüchte des Extrablattes für eitel Lügen.
Die Sache verhielt sich aber so. Das Ministerium wollte seine Kommissäre abseuden, Bassermann nach Berlin, Mathy nach München, Watzdorf nach Dresden, Seebeck nach Hannover. — Der Reichsverwescr fragte, warum man denn keinen nach Wien schicken wolle, da ! Oesterreich ja auch renitent sei. Mühsame Explikation ' des Gagern'schen Programms, welches der Reichsver- wèser nicht begreift, sondern dabei stehen bleibt, daß 1 die vier Königreiche in demselben Fall seien, wie das Kaiserthum. Endlich will er sich die Sache beschlafen. ; — Die Professoren der deutschen Zeitung lassen Mor- 1 gens ihr Extrablatt drucken, ein Oktroyirungsministc- rium Schmerling saß ihnen schon auf dem Nacken. — Der Reichsverwescr unterschreibt die vorgelegte Jn- strkution unb die Posse ist beendigt.
Man erwartet täglich die-Abberufung der preußischen und bayerischen Deputirten, und es werden Wetten über die Prozente der Bleibenden angestellt. — Interessante Muthäußernngen werden von den Mitgliedern der Rechten gehört. — Ich gehe zum Aeußer- sten mit, auf die Barrikaden, wenn wir des Sieges gewiß sind, ruft der Eine; — wir werden eine großartige Proklamation erlassen, und dann mit Ehren nach Hause gehen, der Andere. —
In der Sitzung des Dreißiger-Ausschusses soll es wieder zu ziemlich heftigen Debatten gekommen sein. Die Linke verlangte Einladung der Minister, um über die Vertheidigungsanstalten der Versammlung, über die Truppenkonzentrirung bei Creuznach und in Schlesien, über die Stellung des General Prittwitz, sowie ferner über die Vorgänge in Berlin, Hannover, München, über die Politik des Ministeriums nach Außen (insbesondere gegen die Ungarn) unterrichtet zu werden; sie verlangte ferner Abänderung der Geschäftsordnung , um gegen den Tod an Auszehrung durch Abberufung geschützt zu sein; sie verlangte Erneuerung der positiven Vorschläge auf Vereidigung und Wahlen. Einige der Professoren meinten aufs Neue, man dürfe gar nichts thun, müsse nur ja ruhig sein; mit den Ministern könne man ja privatim reden; eine.Aushungerung der Nationalversammlung sei zu fürchten, allein auch dagegen dürfe man nichts thun, denn die Geschäftsordnung, welche zweihundert Anwesende als Bedingung der Beschlußfähigkeit festsetze, dürfe ja nicht geändert werden in kritischen Zeiten, und was dergleichen Redensarten mehr waren. Einer der Herren meinte sogar, die Sache der Nationalversammlung stünde besser als je, und am besten würde cs sein, gar keine Sitzung zu halten, um nicht durch inseitige Anträge die Entwicklung zu stören, — Indessen trennten sich doch mehrere Mitglieder der Rechten von diesen heillosen Ansichten entschieden ab, und die Minister wurden vor den Ausschuß geladen.
Die ungarischen Nachrichten, denen man bisher zujubelte, machen jetzt die Doktrinärs stutzig. — Die Magyareu gehen über das ihnen zugedachte Maß der Siege hinaus, sie werden, nach Bassermann und Mathy, unmäßig, — und schon sprechen die Führer der Doktrinärs davon, daß sehr wohl der Fall ein- treten könne, wo man mit deutschen Bundestruppen Oesterreich gegen die Ungarn zu Hilfe eilen möge. — Sie werden nur, glücklicher Weise, mit der Ausführung dieser Maßregeln wie gewöhnlich zu spät kom- men, beim Görgey , Bem und Dembiusky sind ganz unmäßig im Siegen, und Kossuth ebenfalls völlig unmäßig in politischen Dingen.
DC. Frankfurt, 30. April. Endlich ist die Zeit des Geschwüres vorüber. Von nun an werden und müssen blos Thatsachen reden. Die Fürsten sind jetzt der Macht sich bewußt, welche ihnen die Mehrheit der Nationalversammlung wieder in die Hände geliefert hat, und sie werden ohne Zaudern zur vollstän- digen Wiederherstellung des Absolutismus benutzen. Der Hohn, welcher der König von Preußen der Kaiserdeputation ins Gesicht schleuderte, die letzte baierische Note, welche der Nationalversammlung geradezu den Gehorsam aufkündigt, die neuesten Ereignisse in Preußen, Baiern, Hannover und Sachsen, die Zusammen- ziehung preußischer Truppen bei Creuznach deuten klar darauf hin, daß man sich von Seiten der Fürsten zum letzten Handschläge rüstet und ihn führen will. Die Nationalversammlung wird den ihnen von den Fürsten hingeworfenen Handschuh schwerlich aufnehmen. Sie ist so in Feigheit, Schmach und Schwache versunken, daß sie die Fußtritte nicht fühlt, welche sieerhält.
^rber ber w\ â". h"lthM Sitzung nachdem vclhcr der Handelsnumster Duckwitz mit einer Fast bieiitumigen, völlig unverständlichen Vorlesung über andren unten gestellten und von der Linken unter'
Mâ WWW« «UU ‘X ihre Wd-m-ch zur Bei ügimg zu J’,K bring ü« «raunt. Er mußte zurttckg/z,gcu werden um ,M mcht dem Zuwurtuugsuusschuffl der 3 m Oie Hause gerathen zu lassen. Die Mehrheit s ? Najlonalverlammlung konnte sich nicht einmal ent' Meßen, einem Anträge des linken Centrums gemäß bab deutsche Vulk auf,»fordern, an der Reichiverfa^ ,ung festzu palten!! Diese Leute, welche uns heute noch ihren Muth m fürchterlichen Phrasen vorgepredigt, begnügen sich mit dem Ausspruche ihrer MiMi- ligung über die Auflösung der preußischen hannover- schcil Kammern und mit der Aufforderung (ei wie muthig!) an die Regierungen, welche jene Kammern ihrer deutschen Gesinnungen wegen aufgelöst haben: neue Wahlen auf das Schleunigste auszuschreiben l
Was wird man unter solchen Verhältnissen vom Volke erwarten können? Wird es den Kampf mit den Fürsten aufnehmen? Es handelt sich jetzt nicht blos um die Nationalversammlung, nicht blos um die Vcr- fayung; es handelt sich um Alles, was uns die Märzrevollition gebracht hat. Es handelt sich um Kunte oder Freiheitsbaum, um Fürstenherrschaft oder Volröfreiheit. Die Fürsten spielen va bange, wohlan so mag und muß das Volk auf das Angebot eingehen.
Neustadt a. d. H., 27. Aphil. Um gegen die von Maximilian von Bayern verfügte Verwerfung der rechtsgültigen deutschen Reichsverfassung, die tiefe Entrüstung unter allen Pfälzern hervorrief, die. nöthigen Maßregeln zu treffen, war auf heute eine von etwa 3—4000 Männern der Pfalz besuchte Volksversammlung, berufen von allen pfälzischen Vereinen, hier zusammen gekommen, in welcher folgender Antrag znm Beschluß erhoben wurde: „Es soll eine allgemeine Volksversammlung für Sud-Deutfchlaud, insbesondere für die Pfalz zusammenberufen werden, wozu alle Pfälzer, alle waffenfähigen Bürger eingeladen sind." (Fr. I.)
Berlin, 28. April. Halb acht Uhr Abends. Der Auslösung der zweiten Kammer wird die des Ministerii Brandenburg folgen.
Nachschrift 8% Uhr Abends. Das Ministerium Brandenburg wird einem andern Platz machen. Der neue Ministerpräsident ist Hr. v. Nadowitz; Kriegsminister wird der Oberst de Vig ne au; die Herren Rabe und Simons bleiben für Finanzen und Justiz. Die Namen der übrigen Minister sind uns zur Zeit noch unbekannt. Dem neuen Cabiuet stellt man die Aufgabe der Octroyirung eines neuen Wahlgesetzes.
Die Abgeordneten der Linken, welche noch hier verweilen, sind heute Abend außerhalb der Stadt im Odeum versammelt, da die Couversationshalle geschlossen äst. ‘
Seit 7 Uhr strömt das Volk und Neugierige jedes Standes nach dem Dönhofsplatz, wo sich wieder starke Attroupem en ts bilden. Das Militär ist zur Zeit zurückgezogen, jedoch das 94 Regiment (Polen) zum Ausrücken jederzeit consiguirt. (F.J.)
Dresden, 29. April. Di e Kammern sind aufgelöst. Das Ministerium rechtfertigt diesen Schritt in einer Proklamation „an das sächsische Volk.
(Frkf. Journ.)
F r LZ ^ k r e i eh.
Paris, 28. April. Gestern sah es hier noch viel unruhiger aus, als an den vorhergehenden Tagen. An St.-Denis und St -Martin bedeutende Ansammlungen. Die Läden wurden geschlossen. Lauge Banden, welche die Marseillaise, Carmagnole und Lampions sangen, durchzogen die Straßen. Die Cirkulation war gehemmt. Die Stadtsolvaten reichten zur Wiederherstellung der Kommunikation nicht aus und es mußten Abends 11 Uhr deshalb noch die Dragoner ausrücken, Die Demokraten bereiten eine Wählerversammluug vor. bei der es auf thatkräftigen Widerstand gegen die Intervention der Polizei abgesehen zu sein scheint.
Paris, 28. April, 5 Uhr Abends. Soeben läßt die Polizei das Dekret vom 7. Juni 1848 gegen die Attroupemens anschlagen. (Mainz.Z.)
Paris, 28. April. Die Regierung hat diesen Nachmittag um halb 4 Uhr durch den Telegraphen folgende Mittheilung des die mittelländische Flotte befehligenden Contreadnnrals erhalten:
„Civitavecchia, 26. April, 11 Uhr Vormittags. Die unter meinem Befehl stehende Flotte ist gestern um 10 Uhr vor Civitavecchia angekommen. Um Mittag war die Stadt durch 1800 Mann Erpeditions- truppen besetzt. Diese Occupation hatte statt mit Einwilligung der Behörden dieser Stadt unb ohne Schwertstreich. Alle Truppen sind diesen Vormittag ans Land gesetzt worden und ich beeile die Ausschiffung des Materials. ,
Der „Moniteur" bestätigt die Nachricht von der Gefangennahme Cabrera's: „Der General Eabicnai) am 23. April im Dorfe Err, an der franzoß,chen