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^ IVZ Wiesbaden. Sonntag, 29. April Z8âW.
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]/ Der deutsche Michel und die Freiheits- bestrebungen der Völker.
Nach den edlen Magyaren war es das Volk von Rom und Toskana besonders, welches, vom Geiste der Freiheit durchdrungen, einen wahrhaft großen Anblick in seiner Erhebung gewährt.
Während der französische Bourgois die Arbeiter morden ließ, und der deutsche Philister in der Schlafmütze Neaktionspläne dachte, setzte der Magyare Gut und Blut an die Freiheit, erhoben sich die Römer als würdige Söhne Cato's, um die ganze, volle Freiheit zu erringen. Der Fluch der Halbheit hat Deutschland in die eisernen, glühenden Alme des Molochs geopfert, hat Frankreich an einen Rand des Verderbens geführt, — in welches es seine Minister und Geldsäcke sicher stürzen werden.
Unb nun triumphirt die Bosheit auf dem Schutte der Freiheit.
Aber wie Marius auf den Trümmern Karthago's, sitzt noch mit glühendem Auge die bessere Jugend auf dem Schutte der Verwüstung, sehnsüchtig schauend nach den Gefilden Ungarns und Italiens, wo noch die Freiheit blüht. Drum läßt die Diplomatie die Jugend morden, das verlockende Bild der Freiheit aber von der Erde vertilgen.
Glaube nicht, lieber Michel, daß deine Söhne den Dänenkönig gründlich und gehörig züchtigen dürfen, wenn ihrer genug gefallen, die übrigen sich, wie „Mein herrliches Kriegsheer" an den Todtschlag gewöhnt, — dann müssen sie zurückziehen, um deutsche Rebellen zu züchtigen!
Wie der Taschenspieler, wenn seine dienstbaren Geister unter dem behangenen Tische eine Verwandlung vorbereiten, deine Aufmerksamkeit abzieht und sagt: „schauen Sie hier, meine Herren!" und dir ein kleines Kunststückchen vormacht, um dich sodann mit der Verwandlung zu überraschen: so spielt dir die Diplomatie jetzt unter dem Tische eine Verwandlung, während deine Blicke nach Dänemark gerichtet sind.
Aber bei unserem Michel war diese Vorsicht sogar überflüssig.
Weder Ungarn noch Italien kann ihn begeistern.
Wie vor sieben Jahren der Michel betete, Gott möge die Spanier unterdrücken helfen, so wendet er sich jetzt an den Gott Radetzky's und Windischgrätz's und betet um die Vernichtung der Freiheit Italiens.
Deutsche Patrioten, die ihr für Deutschlands Freiheit schwärmt, wißt ihr schon, was geschehen soll? Die Völker werden uns künftig nicht mehr verachten, sie werden uns verfluchen. Die Deutschen haben Polen theilen helfen, die Deutschen morden die edlen Ungarn und Longobarden — die Deutschen sollen beten — um den Untergang der italienischen Freiheit!
Sonntag den 22. Aäril war Bettag für die Befreiung des Papstes und Sammlung der Opfer. Also
Würger, Geld und Gebet sollen die Deutschen gegen die Freiheit der Völker geben.
Die Priester Italiens stämpfen mit und für das Volk, die katholischen Priester Deutschlands führen das Volk zum Gott Radetzky's.
Das deutsche Volk also vertraut nicht dem Gotte der Freiheit, es hat sich abgewendet zu dem Moloch, dem Götzen, der Menschenopfer will!
Kann ein Volk frei werden, das sich zum Gotte der Tyrannen wendet, das da betet und spendet, um die Freiheit der Völker zu würgen?
Armes Volk, dessen Priester und dessen Lehrer sogar sich gegen die Freiheit verschworen; denn auch die Lehrer werden sich betheiligen!
Das sind die Früchte der Piusvereine!
Armes Volk, das selbst die Freiheit morden will, seinen Feinden Geld gibt, ihm Ketten schmieden zu lassen!
Deutschland.
W. Vom Rhein, 22. April. Es ist vor einigen Tagen in diesem Blatte von einem heulerischen Wühler, einem evangelischen Pfarrvikar, die Rede gewesen. Ein solcher aber steht am Rhein nicht vereinzelt da; ihm zur Seite stellt sich ein wohlbeleibter Herr Bürgermeister, der jenen im Wühlen weit überflügelt. Indem wir diesen Mann mit seiner traurigen Berühmtheit ans Licht der Oeffentlichkeit ziehen, leitet uns keineswegs persönliche Rache, darüber glauben wir uns erhaben; sondern einzig der Gedanke, daß es Hauptaufgabe der demokratischen Tagesblätter ist, solche Wühler vom reinsten Wasser, wofür man bisher die Demokraten fälschlich gehalten, dem Publikum bloßzu- stellen. — Der Herr Bürgermeister, ein vor märzlicher Schreiber und Schultheiß, wurde nach Einführung des neuen Gemeindegesetzes zwar mit Majorität zum Bürgermeister erwählt, allein aus dem einfachen Grunde, weil man ihn fast brodlos glaubte — am Rheine ist man etwas mitleidig — und weil er auf eine auffallende Weise die Wankelmüthigen köderte. Kaum war er mit diesem Amte bekleidet, als er schon offen gestand,, „das neue Gemeindegesetz sei schlecht, es gefalle ihm gar nicht; ihm sei ja dadurch alle bisher besessene Gewalt aus den Händen genommen!" und obwohl er früher ein gar gestrenger Herr, ein ächt nassauischer Schultheiß — Pascha — war; so ließ er jetzt, weil er sich kollegialisch mit den ihm zur Seite gestellten, meistens gesinnungstüchtigen Gemeinderäthen benehmen sollte, seinen Eifer dermaßen erlahmen, daß er nicht einmal die Beschlüsse des Gemeinderathes nach Gesetzes Vorschrift vollzog; sondern in seiner bekannten Leidenschaftlichkeit die Fackel der Zwietracht und des Hasses in das sonst so friedliche, wegen seiner Eintracht und Solidität berühmte Städtchen schleuderte, ja er forderte seine Werkzeuge zur
thätlichen Verfolgung freisinniger, redlicher Bürger auf und säte aus den Samen des Mißtrauens gegen freisinnige Gemeinderäthe. Daß dieser Herr Bürgermeister sich bei einem Brande den Anordnungen seines ihm zur Zeit vorgesetzten Beamteten zum allgemeinen Skandal widersetzte , daß er in öffentlichen Gasthäusern gemeine Raufereien verursachte, daß er schwache Per- fonen, Frauenzimmer, die ihm widersprachen, sofort mit dem Hinauswerfen droht, — dieses und vieles Andere übergehen wir aus Zartgefühl mit Stillschwei- chen. Es muß hiernach natürlich erscheinen, daß ein solcher Mann längst der Achtung jedes Redlichen baar und ledig ist und das Wirken beweiben höchst nach- theilig auf den Zustand der Gemeinde wirken muß. Es herrscht darum in jener Gemeinde statt Friede und Ordnung — Zwietracht und ein schreckliches Durcheinander. Kaum zusammengetretene Gemeindeversammlungen laufen wieder unter allgemeinem „Rumor" auseinander weil der Herr Bürgermeister sofort Partei ergreift, Beschimpfungen wohlgefällig belächelt und überhaupt weder das moralische noch geistige lieben gewicht zur Leitung einer solchen Versammlung besitzt. Gemeinderathsitzungen werden von Monat zu Monat unregelmäßiger und seltener gehalten, so daß einfache Gesuche oft monatlang auf Antwort vergebens hoffen. Unter diesen obwaltenden Umständen sind einige der gnsinnungstüchtigsten Gemeinderäthe willens, ihr Amt in die Hande der Gemeinde zurückzugeben. Nicht wahr, lieber Leser, das ist ein Mann, der Herr Bürgermeister, von ächtem Schrot und Korn, ein Mann, wie ihn daß freisinnige Gemeindegesetz erfordert? Wir wollen hoffen, daß der heilige Geist der Pfingsten — aber kein anderer — ihn erleuchte, „vollbereite, kräftige."
— Diez. Ich kann nicht umhin dem Publikum ein Pröbchen zu erzählen, wie hier die Verwaltung der Justiz unter dem Schilde des Hrn. Amtman Wolf gehandhabt wird, um so mehr, weil dadurch meinen Mitbürgern Gelegenheit gegeben wird, ein freudiges Hosianna zu singen, wenn der Herr Amtmann seinen Einzug bei ihnen halten sollte, da, wie man vernimmt, derselbe binnen Kurzem von hier versetzt wird.
Im Juni vorigen Jahres wurden die Apparate der hiesigen Turner, obgleich die Obrigkeit es hätte verhindern können, von einer Anzahl verblendeter hiesiger Einwohner zerstört, die Schuldigen zur Untersuchung gezogen und ihnen im Frühherbste ihr Urtheil eröffnet, ohne daß der hiesige Turnverein auf sein mehrmaliges Anfragen bei Amte um Ueber- weisung der tarirten Entschädigungssumme an hiesige Stadtcasse dies hatte erreichen können. Unter dem Vorwande die 'Schuldigen supplicirten bei der Regierung um Erlaß der Strafe, als wenn die Regie- run g diese Privatf0rderung streichenkönne, wurde derselbe abgewiesen.
Inzwischen wurde einer und der andere der Ver- urtheilten aufs Amt citirt, um seine Strafe anzutreten,
Iwan und Wanda.
(Aus den „Memoiren dcs Grasen de la Garde", deutsch von Eichler)
(Fortsetzung.)
Was empfand Wanda beim Lesen dieses Briefes; Ein unbegrenzter Schmerz zerriß ihr den Busen.
— „O, er komme zurück, er komme zurück!" schrie sie: Er möge mir verzeihen, nnd ich will zu seinen Füßen sterben! lauft, lauft alle! ihr Werkzeuge einer blinden Wuth! rief sie, indem sie sich an die Diener wandte, welche die versprochene Belohnung abzuholen kommen; „augenblicklich fliegt zurück, führt ihn zu mir und wäre es auch nur auf einen Augenblick und ich verspreche Dem, der mir ihn bringt, die Freiheit!" Nach diesen Worten stürzen sich alle ans Iwans Spur, aber ihre Nachsuchungen sind vergebens.
— Niedergedrückt von Scham, rachedurstig, hatte sich Iwan in die das Schloß begrenzenden Wälder vertieft, hier irrte er, indem er vor Verzweiflung und Wuth laut aufschrie, mehrere Suuden lang in einem Dickicht umher, welches nur wilde Thiere durchdringen zu können schienen. Die Nacht war gekommen, Ströme von Regen flossen vom Himmel herab und durchnäßten ihn bis auf die Haut, ohne jedoch das Fieber, welches ihn verzehrte, abkühlen zn können.
— „Ich muß sterben," rief er, „mein Leben würde
fortan nur eine Marter sein; aber wenigstens soll mein Tod ihr zur Strafe dienen." Unempfindlich gegen das stachlichte Gebüsch, welches ihn zerfleischte, kehrte er nach dem Schlosse zurück. Es war Mitternacht, als er die Thürme desselben gewahrte. Ein einziges Fenster war erhellt; es war in Wanda's Zimmer.
— „Du wachst, Unbarmherzige!" rief er. „Ja, Deine Rächte sollen fortan ruhelos sein!" „Diese wird für mich die letzte sein!" Er schreitet durch die Gallerten des Schlosses und gelangt, ohne Jemand zu begegenen, in sein Zimmer; er nimmt seine Pistolen, das erste Geschenk des Grafen, er verbirgt sie unter seiner Kleidung und begiebt sich nach Wanda's Gemach. Als die Unglückliche Schritte vernimmt, springt sie plötzlich vom Bette auf, wo sie, die Beute ihrer Gewissensbisse, lag. „Ist er es? bringt ihr ihn?"
— „Er kommt selbst!" — sagte Iwan.
— Und er zeigt sich ihr in dem schrecklichen Zustande, in welchen ihn seine LeibeSstrafe und alles, was er seit dem Augenblicke seiner Flucht erduldet, versetzt hat.
— „Er kommt zurück, um Jhneu das Ihnen würdige Schauspiel eines Genusses zu geben." —
Und sogleich bewaffnet er sich mit einer seiner Pistolen, hält sie gegen seine Stirn; Wanda aber wirft sich ihm in die Arme und wendet den Schuß ab.
— „Deine Bemühungen sind vergebens, Gransame !" sagt er indem er sie zurückstößt. „Ich bin in diesem Augenblick Herr deines Lebens, aber wenn ich es Dir
nähme, würde Deine Strafe allzngelind sein. Lebe, nm zu bereuen, und denke jeden Augenblick, daß Du meine Mörderin warst!"
— Und er will von seinem zweiten Pistol Gebrauch machen. Wanda stürzt sich zu seinen Füßen, umarmt seine Kniee und schreit mit flehender Stimme:
— „Halt ein! Halt eiu! theurer Iwan! Ein Wort, ein einziges Wort, und ich (leibe mit Dir!"
— „Wohlan [beim, rede! Was hast Du mir zu sagen? Verbinde mit der Grausamkeit noch die Falschheit. Ich höre, beeile Dich!"
— „Theurer Iwan, bei d m Gedächtniß unseres Vaters, bei dem Andenken an deine Mutter, die uns beide gesäugt hat, vollende nicht das schreckliche Verbrechen. Verzeihe Deiner Schwester, verzeihe Deiner Gemahlin; sei barmherzig, wie unser Erlöser barmher
zig war.
„Hast Du an meine Mutter, die Dich und mich säugte, gedacht, als Du auf einen leichten Verdacht hin mein Leben der Schande preisgabst, wenn ich feig genug gewesen wäre, die Last desselben zu ertragen?"
_ „Iwan, verzeihe! Iwan, noch giebt es ein Mittel, Alles ungeschehen zu machen. Gott sei mein Zeuge; wenn ich um den Preis meines Blntcs den Fehler verwischen könnte, ich würde es in diesem Augenblicke verspritzen. Komm, folge mir znm Altar, komm und gieb mir mit Deiner Hand zugleich völlige Verzeihung
— „Wer! Ich? Sollte ich der Tochter meine» Wohl-