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vieler Bürger, freilich solcher nicht zu denen dermehr als Annette Bürger", Herr W.....*) gehört, hat man uns dennoch den pietistischen evangelischen Vikar Künstler au hiesige Realschule provisorisch oktroyirt, mit der einfachen Weisung: der Lehrer Hoffmann sei von der Realschule abberufen worden und Vikar Künst­ler trete mit dem neuen Semester ein und seien ihm sodann aus der Stadtkasse jährlich 400 ft., sage v i e r- hundert Gulden auszubezahlen für etliche Lehr­stunden in Griechisch, Latein und wahrscheinlich Jn I seinen Religionsgrundsätzen von der Offenbarung Jo- ! Hannes die schon so Manchen zum Tölpel und Rar- ren gemacht hat. Warum sieht unsere Staatsrcgie- rung nicht darauf, daß nach den Grundrechten ver­fahren werde? nach §. 26 der Grundrechte heißt es:Der Staat stellt unter gesetzlich geordneter Be­theiligung der Gemeinden aus der Zahl der Geprüf­ten die Lehrer der Volksschulen an."

Der Nass. Staat hat sich aber durchaus nicht durch seinen Schulinspektor, mit dem Gemeiuderath zu Diez bei Besetzung dieser Stelle gesetzlich betheiligt, sondern den Vikar Künstler nur Gehaltreich pro­visorisch an die Realschule octroyirt. Hurrah, die Grundrechte! Man wird vielleicht einwenden wollen die Realschule sei keinegewöhnliche Volksschule" ja wie könnte auch sonst so mancher Vater, der zwischen sich und einemhon- neten Bürger" eine große Kluft wähnt, seine Kinder hineinschicken; oder, man wird vielleicht einwenden wollen, der Staat gebe ja 800 fl. dazu; da aber unserehonneten Bürgersöhne" auch nicht hineingehen dürfen (deßhalb sie doch wohl als Volksschule be­trachtet werden kann?) und die Stadtkasse trotz der Einnahme des Schulgeldes auch jährlich circa 500 fL bis hieher zuschießen mußte, so glauben wir, daß außer den Grundrechten die Gemeinde Diez bei solchen Ver­hältnissen schon ein Wörtchen mitzusprechen habe. Wenn man bedenkt, daß Vikar Künstler als jüngster Prediger und für seine erste Stelle schon mit 400 fl. jährlich vom Staat hier angestellt ist, aber auch nur als Prediger, an die Realschule aber nur als provi­sorisch gelehnt zu betrachten ist, um die paar Stunden zu ertheilen, welche gewiß die übrigen wirklichen Reallehrer eben so gut, wo nicht besser versehen könn­ten, wenn man bedenkt, daß man für diese etlichen Lehrstunden jährlich 400 fl. aus der Stadtkasse, also circa den dritten Theil eines Gemeindesimplums be­zahlen soll, ohne auch nur nachzuweisen, ob er ein geprüfter Schulmann ist, so halten wir diese Lehne für eine sehr einseitige, für die Stadtkasse resp, die Bürgerschaft sehr lästige Begünstigung.

Was haben überhaupt nur Geistliche mit den Schulen zu thun? Der Geistliche gehört in die Kirche und nur geprüfte Schulmänner gehören in die Schule! geistliche Handlanger an Schulen sind theuer, ver­derblich und unnöthig.

Da dem Vicar Künstler schon das Glnck zu Theil wurde, vielleicht aus Ursachen, hier in einem angeneh­men Städtchen schon seine erste Stelle zu finden, statt nach seinem eigentlichen Bestimmungsort, Alpenrod, gekommen zu sein, so glauben wir noch um so mehr, wenu er denn ein für allemal die etlichen Stunden lehren sollte, er recht gut mit 100 fl. zum Vortheil unserer armen Stadtsasse verlieb nehmen könnte, in­dem er ja doch schon 400 fl., wie bemerkt, vom Staat bezieht und diese 100 fl. recht leicht nebenbei verdie­nen könnte, was in Alpenrod gewiß nicht der Fall gewesen wäre.

Wenn man nur ferner erwägt, daß der abgerufene Lehrer Hofmann (vielleicht weil er Mitglied des Volksvereins war) nur in Allem circa 190 fl. bezog, Sprachlehrer Kühn nur in allem 200 fl. und Reallehrer Henninger, ein geprüfter gut bestan- dener Schulmann, der Etwas Tüchtiges lehnen kann nur in Allem 300 Gulden und selbst der gleichsam provisorische Direktor und tüchtige Reallehrer S ch ü b- ler nur in Allem 500 fl. jährlich bezieht und die meiste Last hat, so glauben wir die 400 fl. für die etlichen Lehrstunden , die gewiß, wie schon bemerkt, Herr Sch übler und Herr Henninger noch sehr gut mit versehen können und auch gewiß gerne mit versehen werden, für Etwas Außerordentliches zu hal­ten.

Es wäre daher Pflicht des Gemeinderaths, sofort Protest bei Herzogs. Staatsministerium einzurechen, die Sachlage klar auseinander zu setzen, wo dann gewiß unserVolksministerium" Her gen Hahn solche Ueber- griffe nicht dulden wird.Was will doch nur das Volk, wir sind ja immer so höflich gewesen."

-4- Höchst. Von hier ist unter dem 23. d. M. fol­gende Ansprache an die äußerste Linke der National- Versammluug Klub Donnersberg zu Frankfurt abgegangen:

Bürger-Abgeordnete!

Genehmigen Sie unsern Dank, unsere Zustimmung für Ihr treues Festhalten an dem Prinzip der Volks-

*) All verflossenen Herbst das Casino dahier nach altem Zapf und Brauch wieder hergerichtet werden sollte, und viele Mitglieder verlangten, man möge es dann bürgerlicher ein­richten, sa war e n Hauptgegner gegen allgemeinere bürger­liche Einrichtnngen, Herr W......., welcher dem Herrn Sch ......, der für bürgerliche Einrichtungen sprach, entgegnete:Zwischen mir und einem hunnetten Bürger ist doch ein großer Unterschied." Diezer Mitbürger vom deutschen Verein, hört Jhr's! im Verein seid Ihr gut ge­nug zu dienen, nichthonnett" genug aber, um in ihre Vergnügungsgesellschaft einzutreten ! Das merkt Euch!

souveränetät. Die Oberhauptsfrage ist erledigt, ist eine offene, da der König von Preußen die ihm ange- gebotene Krone nicht unbedingt annahm, wie sie ihm von den Vertretern des souveränen Volks, denen al­lein das Recht zusteht, die Reichsverfassung zu beschlie­ßen angeboten ward.

Halten Sie fest den Grundsatz, daß die demokra­tische^ Republik die einzige Staatsform ist, in welcher die Wohlfahrt aller Bürger zur Wahrheit werden kann. Pflanzen Sie denselben als Banner auf, das Volk steht hinter Ihnen:

Wir rufen Ihnen die berühmten Worte Mirabeau's zu:Die Popularität, um welche ich mich beworben, und welche ich die Ehre gehabt habe zu genießen, wie nur irgend jemand sonst- ist kein schwaches Schilfrohr; ich will sie tief in die Erde pflanzen, daß sie Wurzel schlage in dem unerschütterlichen Boden von Vernunft und Freiheit."

Den 1. Mai findet in Oranienstein bei Limburg an der Lahn ein Kongreß der demokratischen Vereine Nassau's statt, wir fordern Sie auf eins Ihrer Mit­glieder dahin zu senden.

Mit demokratischem Gruß, im Namen und Auf­trag der 42 Mitglieder des demokratischen Arbeiter- Vereins der Vorstand.

^ Soden, 23. April. Gestern wurde an hiesigem Orte eine Petition an die hohe Ständekammer mit zahlreichen Unterschriften bedeckt, worin hochdie- selbe im Interesse der kaum hergcstclltcn Ruhe und Ordnung aufgefordert wird, bei Berathung der Ver­fassungsfrage unseres Landes den kürzlich veröffent­lichten Entwurf von dem Club der Linken zum Grunde zu legen.

Gegen Zweikammersystem und Wahlgesetz mit Cen­sus, wie solche im Regierungsentwurf projektirt sind, wird von hier aus einstimmig feierlichst protestirt.

Möchten sich doch allerwärts die Stimmen der Nassauischen Bürger in dieser wichtigen Frage am ge­eigneten Orte vernehmen lassen, damit dieselbe in ihrem Sinnne und zum Wohle des Landes enschieden wird.

H- Ems, 18. April. (Verspätet.) Gestern ist von dem hiesigen demokratischen Vereine eine Adresse im Sinne der am Sonntage in Nievern gefaßten Be­schlüsse an die Nationalverfammlung erlassen worden. Sie lautet: Hohe Versammlung!

Der König von Preußen hat es verschmäht, die deutsche Kaiserkrone aus den Händen der Volksver­treter anzunehmen; Friedrich Wilhelm will nur von den Fürsten auf den Kaiserthron gehoben sein. Die Verfassung, welche die hohe Nationalversammlung dem Volke gegeben, ist dem Könige von Preußen nichts mehr als Gesetzes v orlage, über die er mit den Fürsten sich erst vereinbaren will. Wir unter­zeichneten Burger erklären hiermit, daß wir die von Friedrich Wilhelm IV. der Deputation der hohen Na­tionalversammlung ertheilte Antwort für Volks fei üb­lich und die von der hohen Nationalversammlung be­schlossene Verfassung für endgültig und rechts­kräftig erachten. Mit jedem wackeren Deutschen ge­ben wir uns der Hoffnung hin, daß die hohe Natio­nalversammlung an den beschlossenen Volkrechten un­erschütterlich festhalten und der Anarchie von Oben mit Würde und Kraft begegnen wird. Zugleich kön­nen wir es uns nicht versagen, die Genugthuung aus­zudrücken, mit welcher wir die Ablehnung der Kaiser­krone von Seiten des Königs von Preußen vernom­men. Ein König, der seine eigene Residenz schon län­ger als ein halbes Jahr durch einen schmachvollen Belagerungszustand knechtet der ein Ministerium Brandenburg-Manteuffel gegen den ausgesproche­nen Volkswillen zu seinen Rathgebern hat, der seinem Volke eine oktroyirte Verfassung gegeben, welche neben einem Zweikammersystem, dem Census und indirekter Wahl noch das absolute Veto der Krone zuspricht der sogar die österreichischen poli­tischen Flüchtlinge einem Windischgrätz ausliefert ein solcher König hätte als Kaiser den nicht preußisch deutschen Stämmen nur preußische Knechtschaft zu ge­bracht. Wir wollen die EinheitDeutschlands, aber nur die Einheit in Glück und Freiheit, eine vereinte Skla­verei erstreben wir nicht. Demnach begrüßen wir die Ablehnung der Kaiserkrone von Seiten Friedrich Wilhelms als ein glückliches Ereigniß und stellen, selbst um den Preis, uns Nassauer noch eine kurze Zeit von unseren deutschen Brüdern getrennt zu sehen, an eine hohe Nationalversammlung das ehrerbietige Gesuch: uns jedenfalls vor einem preußisch-deut­schen Kaiserthum bewahren zu wollen.

Im Uebrigen stehen wir mit Gut und Blut bei den Vertretern des Volkes.

Frankfurt, 26. April. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, ist von Preußen an sämmtliche deutsche Regierungen der Antrag gestellt worden, unverzüglich Bevollmächtigte zu einem Congresse nach Gotha zu schicken, um die Verfassungsfrage zu einer endgiltigen Lösung zu bringen, (Frkf 3tßO

Frankfurt, 26. April. Es wurde heute in der Paulskirche mit Bestimmtheit versichert, daß der preus­sische König an die verschiedenen Höfe eine Note er­lassen habe, worin seinerseits die von der National­versammlung beschlossene Verfassung geradezu abge­lehnt und auf die Bildung eines weiteren und eines engeren Bundesstaates mit Preußen an der Spitze provozirt wird.

, Frankfurt, 26. April, 10'/2 Uhr. So eben kommt von Leipzig an einen Abgeordneten der Nat.-Vers. mit folgender Nachricht:

. "^omorn entsetzt, die Ungarn in Mähren e l ngerü ckt, der Kampf in Pesth äusgebrochen zwischen der Garnison und der Bevölkerung."

Paris,^24. April. Der Moniteur meldet, daß durck) den ^elegrapheü von Marseille gemeldet wurde, das Erpeditionsgeschwader habe gestern Abend um 7 Uhr bei den Hyeren die Anker gelichtet. (M. Z.)

Berlin, 23. April. Die Central-Kommision der ersten Kammer, für Begütächtung des Plakatgesetzes hat erklärt, daß es dasselbe jetzt "nur als eine Vor­lage der zweiten Kammer ansehen könne und sich durch die Regierungsvorlage nicht werde stören lassen. Die Berathungen der Verfaffungs-Revisions-KonunisiM dieser Kammer sollen wunderbarer Weise einen nicht so absolutistischen Geist athmen, wie erwartet wurde. Lächerlich bleibt es aber doch, daß bei der Berathung über die Freiheitsrechte Leue und Rosenkranz der Kom­mission als Sachverständige beigegeben wurden.

Von den sieben Abgeordneten der äußersten Linken, welche gegen den Antrag des Hrn. Rodbertus stimm­ten, wird in diesen Tagen ein motivirtes Separatvo­tum erscheinen.

Als am 18. März d. J. in der Landsbergerstraße der Versuch gemacht wurde, eine Barrikade zu bauen, waren die Offiziere des dort aufgestellten Detaschements unvorsichtig genug, uicht gleich Feuer kommandiren zu lassen. Es erregte diese unzeitige Humanität den Zorn Wrangel's, und es folgte bald der famöse Tagesbe­fehl. Die 5 Offiziere aber find nun vor ein Kriegs­gericht gestellt und sämmtlich zu längerm und kürzerm Festungsarrest verurtheilt. Man kann aus dieser Thatsache schließen, welchen Erwartungen das Reichs­heer unter dem preußischen Kaiserthum sich hingeben kann. (N. RH. Z.)

Berlin, 22. April. Es ist höchst bemerkenswerth, daß von der polnischen Landwehrkompagnie, welche noch bei Düppeln ins Gefecht kam, fünf Offiziere und vier Gemeine gefallen sind; die Ersteren gehören zu den polenfeindlichsten Reaktionären. Ebenso war Hente allgemein das Gerücht verbreitet, der General V. Bonin sei von einem Sachsen erschossen worden.

(Mannh. Abdz.)

Apenrade, 23. April. Bis heute scheint in und um Kolding nichts Erhebliches vorgefallen zu seyn; zwar will man von Hadersleben in nördlicher Rich­tung Kanonendonner vernommen haben, es sind uns jedoch keine weitere Nachrichten zugekommen. Die Stadt Apenrade hatte gestern die Freude, den Oberst­lieutenant v. d. Tann eine kurze Zeit innerhalb ihrer Mauern begrüßen und ihm bei der Gelegenheit durch eine Deputation des Bürgervereins zwei werthvolle und von Meisterhand gefertigte Pistolen als einen ge­ringen Beweis ihrer Dankgefühle einhändigen zu las­sen. Schon früher hat man ihm dort das Ehrendiplom als Bürger ertheilt.

(Kurz vor Abgang der Post.) Jenseits Kolding ist es zur Schlacht gekommen. Eine Estafette passirt eben ein und meldet die Ankunft von Verwundeten.

Zweite Nachschrift. Kolding brennt überall; der Kampf ist in diesem Augenblicke noch unentschieden; die Unsrigen haben das Üebergewicht. (B.-H.)

Schleswig, 23. April. Auf die große Eckern- förder Kriegsthat gibt man hier im Volke viel weni­ger, wie im übrigen Deutschland, wo man vor Meer und vor Schiffen einen gewaltigen Respekt zu haben scheint, und am wenigsten stolz sind die armen Kano­niere selbst, die, wie sie selbst sagen, nur das Ver­dienst hatten, sich nichtverblüffen" zu lassen. Als sie von den Belohnungen hörten, die ihnen das dank­bare deutsche Vaterland noch zudächte, äußerten sie sehr naiv: wenn sie um etwas bitten dürf­ten, so wäre es um die Befreiung ihrer braven Kameraden aus dem Zuchthaus, wo­hin sie im vorigen Jahre geschickt wurden, weil sie eine demokratische Adresse an das preußische Militär gerichtet hatten. Die ar­men demokratischen Kanoniere müssen aber gewiß noch viele Fregatten erobern und in die Luft sprengen, ehe sie diesen Lohn erhalten. (N. RH. Z.)

Hamburg, 24. April. DerN. fr. Pe." wird aus London vom 20. Folgendes geschrieben:Schon vor mehreren Tagen gingen an der Börse Gerüchte über Aussichten auf baldige Schlichtung der dänischen Frage, Gerüchte, die gestern auf einmal Niemand mehr glauben wollte. Die Natur von Börsen­gerüchten und Nachrichten, die ein respektables Hand- lungshaus einem andern mittheilt, nur zu gut kennend, hielt ich es nicht der Mühe werth, darüber zu berich­ten. Heute kann ich Ihnen übrigens als positiv ge­wiß melden, daß Schritte geschehen sind,König Leo­pold von Belgien zu bewegen, das Amt eines Mittlers in der dänischen Frage zu übernehmen", allein ob derselbe sich dazu bereit erklärt hat oder nicht, ist mir einstweilen noch unbekannt."

Frankreich.

Paris, 22. April. Unsere indische Kolonie Pon- dichery, die etwa 30,000 Wähler zählt, hat den reichen Rheder Lecourt von Nantes mit 13,000 von 20fl)00 Stimmenden zum Volksvertreter gewählte Diese Wahl wird morgen proklamirt werden.